AMERICAN AUDIO VMS4 – Test

American Audio VMS4Mit dem VMS4 liegt AMERICAN AUDIO im Trend: Software-Controller trifft DJ-Mixer. Wir testen die Kombination.




Der Hersteller umschreibt das Gerät, nachdem es erst “Velocity MIDI Station” heißen sollte, nun mit “”Digital Work Station” und meint damit ein All-In-One Paket aus Bedieneinheit für DJ-Software, vollwertigem 4-Kanalmixer mit zwei zusätzlichen Mikrofoneingängen, eingebauter Soundkarte und mitgelieferter DJ-Software Virtual DJ 6 LE. Der VMS4 dürfte das erste erhältliche(!) Angebot dieser “Vierdeck-Art” sein. Denon und Native Instruments haben mit MC6000 und S4 unlängst ähnliche Geräte angekündigt.

Aufbau
American Audio VMS4
Der VMS4 kommt als sechs Kilo schwere Desktopkonsole mit klassischer, symmetrischer Aufteilung. Mittig der Mixerpart, rechts und links je ein Deck. Mit einer Breite von etwas über 46cm wäre theoretisch ein 19″ Rackeinbau denkbar, allerdings könnten frontseitige Bedienelemente, rückseitige Anschlüsse und eine Tiefe von 30cm gewisse Hürden aufstellen. Da ist der Bastler gefragt, denn gegenwärtig ist ein Rackmount-Kit im Zubehör nicht erhältlich.

Frontseite
Frontansicht VMS4
Linksseitig befinden sich auf engstem Raum je fünf Regler für die zwei Mikrofonkanäle (Ein/Aus, Gain, 3-Band EQ). Für meine Wurstfinger fehlt hier eindeutig Komfortabstand. Die Einstellungen erfordern im wahrsten Sinn des Wortes “Fingerspitzengefühl”.
Nach den Mikrofonelementen folgen die Einstellungsmöglichkeiten für die Mixerkanäle (USB/analog), die Soundkanäle (4 Out/8 Out) sowie die Crossfaderzuweisungen (Assign, Reverse, Curve).
Ganz rechts findet sich der Kopfhörerausgang, dessen Volumenreglung und der CUE-Mix. Wie ich finde, keine gute Position. So man den Mix unterm Kopfhörer öfters nachregelt, muss man entweder nach den, von oben kaum zu sehenden, Reglern tasten oder jedesmal in die Hocke gehen, um mit dem Zielobjekt auf Augenhöhe zu kommen. Für mich gehört eine Kopfhörersektion auf die Oberfläche.

Rückseite
Rückansicht VMS4
Zwei Mikrofoneingänge als Kombibuchse, Masterausgang symmetrisch als XLR und unsymmetrisch als Cinch, Boothausgang ebenfalls Cinch. Dazu vier Eingangspaare (Cinch), wovon zwei zwischen Line und Phono wählbar sind.
Erdungsschrauben, ein USB-Anschluss zur Rechnerverbindung, Stromversorgungseingang und -schalter sowie Q-Startanschlüsse (für kompatible Geräte) vervollständigen die Palette.

Mixer
Mixerpart
Eine Besonderheit ist die kombinierte Verwendungsmöglichkeit des Mixers. Dieser kann als regulärer Mixer, für externe Zuspieler, genutzt werden oder als MIDI-Controller für eine Software. Zur Verfügung stehen vier (sogenannte MIDILOG) Kanalzüge mit 50mm Linefadern, 3-Band EQ, Gainregler und CUE-Button zum Vorhören. Drei weitere Potis halten Master, Balance und Booth im Griff und eine 12er LED-Doppelreihe visualisiert den Pegel. Der Crossfader wäre bei Bedarf austauschbar und ist Innofader-kompatibel. Zusätzlich gibt es ein integriertes Mousepad, welches man z.B. in Software einsetzen kann.
Etwas verwirrend wird es bei den Begriffen. Der Mixer ist ein digitaler, kann aber auf einen analogen Modus geschalten werden und funktioniert dann wie ein regulärer Mixer, bei dem Eingangssignale gemischt werden können, ohne dass ein Rechner dranhängen muss. Gut, falls mal die Software des Vertrauens plötzlich dienstunwillig wird. Auch scheint, wenn ein Kanal analog genutzt wird, trotzdem ein MIDI-Signal gesendet zu werden. MIDILOG meint also wirklich MIDI und analog und nicht (wie z.B. beim Ecler Nuo4) MIDI oder analog.

Decks
Decks VMS4
Beide Decks sind nahezu gleich aufgebaut. Im Zentrum steht jeweils ein berührungsempfindliches Jogwheel mit Scratchfunktion und der Möglichkeit doppelter Zuweisung, womit man also insgesamt vier Decks steuern könnte. Unter dem Wheel finden sich die Transportbuttons: CUE, Play, Pause. Im oberen Teil gibt es einen 10-Bit Pitchfader, je zwei Encoder und zwei Potis plus 19 Buttons für Loops, CUEs, Effekte, Pitch und diverse andere Funktionen. Alle Elemente sind illuminiert. Dazu kommen noch zwei Touchpadstreifen, zuweisbar in einer Software. Insgesamt also eine ausreichende Grundlage um entsprechende Softwarefunktionen zu steuern.

Soundkarte
Im analogen Betrieb wirft das Interface 24bit/48kHz in den Ring. Im USB-Modus sind es 16bit/44,1kHz. Es stehen zwei Modi zur Wahl: einmal 4In/4Out – Eingangssignal wird durch die Software geleitet (zB um mit Effekten oder mit Timecodesystemen zu arbeiten) und wieder ausgegeben. Und dann 2In/8Out – 8 Kanäle lassen sich in einer Software zuweisen, Master- und Monitorsignal werden ausgegeben.

Software
VDJ LE
Generell kann der VMS4 mit jeder MIDI-fähigen Software eingesetzt werden. Die Zuweisung erfolgt entweder durch ein Preset oder über die MIDI-learn Funktion. Mitgeliefert wir VIRTUAL DJ 6LE, eine abgespeckte und zeitlich unbegrenzte Version, mit passendem VMS4 Skin. Die LE begnügt sich mit zwei Decks, der VMS4 könnte jedoch – sofern es die Software hergibt – die doppelte Anzahl steuern.

Praxis
Versuch 1: Ein älterer Rechner, mit Windows XP SP2, 2GB RAM und AMD Mobile64 Prozessor. Etwas über der Untergrenze der Systemanforderungen, sollte also klappen, tat es aber nicht. Irgendwie trat beim Start der VDJ LE ein Fehler auf, der sich auf die Schnelle nicht klären ließ. Gut mehrere Rechner im Haus zu haben, folgt:

Versuch 2: Ein neuerer Rechner mit Windows 7, 4GB RAM und einem Intel Dual Core Prozessor. Und siehe da, Installation ohne Probleme. Es präsentiert sich Virtaul DJ 6.1 LE im maßgeschneiderten Kleid. Der Skin ist also auf die Oberfläche des VMS4 abgestimmt und die Kombination ist sofort einsatzbereit. Auf zwei Decks kann es losgehen. Die Signale von den Decks kommen auf Kanal 1 und 2 des VMS4 an und können da – hardwareseitig! – gemischt werden. Ein anderes Routing ist in der LE nicht möglich. Etwas verwirrend ist zudem, dass die, auf dem Skin dargestellten, Fader, der Crossfader und der EQ von einer Aktion an der Hardware unberührt bleiben. Nun könnte man den Kanalzug, da ja MIDI-fähig, auf die entsprechenden Funktionen mappen, nur geht auch das in der LE auch nicht.

Kommen wir zu den Dingen die man kann: Die LE bringt einen Sampler mit einigen vorgespeicherten Samples, diverse Effekte und auch den Trumpf von VDJ, die Synch-Funktion mit. All das läßt sich natürlich über die Hardware steuern.  Sogar die beiden Touchstrips sind fürs scrollen durch einen Song vorkonfiguriert. Vorgefertigte Playlisten (in unserem Fall m3u) wurden ohne weiteres erkannt. Eine Recording Funktion ist vorhanden, das häufig gewünschte Autoplay fehlt hingegen.

[youtube seL-52mHqh0]

Ansonsten bleibt zu resümieren, dass ein Einsteiger “out of the box” loslegen könnte. Die Funktionen sind intuitiv erfassbar und, bis auf die genannten Ausnahmen, in der Software so vorhanden, wie auf dem VMS4 angegeben. Eine kleine Stolperfalle stellt noch das Jogwheel dar. Das ist touchsensitiv, aber nicht – wie üblich – mehrgeteilt. Kommt man folglich mal im “Vinyl”-Modus an die Aussenseite, stockt die Wiedergabe. Bei unserem Testgerät weisen die Jogs eine kleine Unwucht auf. Insgesamt sollte der Funktionsumfang den Durchschnittsanwender jedoch zufrieden stellen. Wer mehr will muss auf die VDJ-Vollversion upgraden bzw. auf Traktor umsteigen.

Was wir auch gleich mal getan haben. Dank eines bei AMERICAN AUDIO downloadbaren Presets lassen sich in Traktor Pro bis vier Decks steuern. Die Belegung dazu findet sich auf einem beigefügten PDF.
In Traktor muss man, im Fall dieses Presets, auf externes Mixing schalten, da auch hier nicht der Softwaremixer bemüht wird. Die Decksignale landen dann auf dem VMS4 und werden da gemischt. Die Funktionen für Deck C und D (inklusive Transport und Jogwheel) sind doppelt belegt und via Shifttaste aufrufbar. Das Preset liefert einen guten Einstieg, speziellere Anforderungen müsste man selbst zuweisen. Und da sind, bei Traktor, für den Auskenner die Möglichkeiten endlos.

Zubehör
Für die mobile Fraktion sind passende Cases und Bags in der Pipeline. Wer es individuell mag kann sich bei Styleflip eine eingene Gehäuseoberfläche gestalten. Ein 10 Dollar Gutschein liegt dem VMS4 bei.

Plus
* Komplettpaket mit Software
* vollwertige Mixersektion
* zwei Mikrofoneingänge

Minus
* Kopfhörersektion liegt ungünstig
* Jogwheel nicht zweigeteilt

Fazit
Eine solide Komplettlösung für ambitionierte Einsteiger oder Mobil-DJs. Für 399 Euro erhält man guten Gegenwert und viele Möglichkeiten.  Mit einem Softwareupgrade oder -wechsel lassen sich auch Features zufügen, die man in der LE vermisst (Autoplay, MIDI Belegung, Audio-Routing).

Systemvoraussetzungen
PC
• Windows XP Sp2 oder Windows Vista (32-bit & 64-bit supported)
• PIV 1.2GHz Prozessorleistung (SSE2 CPU), AMD 64 oder höher
• 1024×768 SVGA Video
• 2 GIG RAM (Vista)
• 40MB freier Festplattenspeicherplatz (Empfohlen 2GB)
• DirectX 9.0

Mac
• Mac OS X 10.5 PPC/Intel, 10.5.6 Intel, oder 10.6 Intel
• 1.86GHz
• 2GB RAM

Links
Details, Presets, Firmware auf der Produktseite
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