DVS Casting 2010

DVS Casting 2010 Allen Anti-Prognosen zum Trotz erfreuen sich Digitale Vinylsysteme nach wie vor großer Beliebtheit. Hier sind die populärsten ihrer Art zum aktuellen Vergleich angetreten.



Bei DVS fusionieren gewohnte “Analog”-Technik und digitale Computerfeatures zu einem funktionalen und effektiven Ganzen. Dabei werden mit speziellen Timecode-Medien (CDs oder Platten) die virtuellen Software-Decks in gewohnter Weise gesteuert, als wenn man “echte” Tonträger verwenden würde. Dies klappt eigentlich bei allen Systemen nahezu fehlerfrei.
Die größten Unterschiede machen die individuellen Zusatzfeatures und die Leistung der verwendeten Hardware (Audio-Interface, Controller, …) aus. Einzig hierdurch und vor allem auch durch den Preis lassen sich die Kontrahenten bewerten. Der direkte Vergleich untereinander wäre nicht sehr fair und objektiv, weshalb wir uns eher für ein Vorstellungsgespräch jedes Teilnehmers entschieden haben.


Los geht es mit den Komplettpaketen. Hier sind Software, Hardware & Steuermedien sowie Zubehör im Lieferumfang enthalten und man kann out-of-the-box starten.
Der große Vorteil solcher Komplett-Bundles ist die Abstimmung des verwendeten Audio-Interface und der Timecode-Tonträger auf die Software, vor allem wenn beides aus gleichem Hause stammt. Dies erspart mitunter lästiges Anpassen und Konfigurieren, und der Support ist ebenfalls wesentlich effektiver, da die Problemquellen überschaubar sind.
 

NI Traktor Scratch Duo (TSD)
• Anzahl der Decks und Effekte: 2 Decks / 6 Effekte auf 2 Effekteinheiten (Chained bzw. Advanced)
• Features: Loops & Hotcues, Cover-Art, Tonhöhenkorrektur, komplett freie MIDI-Belegung aller Funktionen, iTunes-Integration
• Hardware: NI Audio 4 DJ, Multicore-Kabel, je 2 Timecode-Vinyls und -CDs im Lieferumfang; Audio-Interface hat 2 Inputs mit Phono-Preamps und kann mit jeder beliebigen ASIO-fähigen Software genutzt werden
• Unsere Meinung: TSD ist der abgespeckte, kleine Bruder von TS-Pro und auf dessen Basis programmiert. Es läuft absolut stabil und bietet mit der Audio4DJ zudem eine klanglich hervorragende Soundkarte. Wem 2 Decks und eine Handvoll Effekte genügen, für den ist TSD unsere absolute Kaufempfehlung.
• Preis aktuell: 310 €

NI Traktor Scratch Pro (TSP)
• Anzahl der Decks und Effekte: 4 Decks / 28 Effekte auf 4 Effekteinheiten (Chained bzw. Advanced)
• Features: wie TSD, zusätzlich Masterclock-Funktion, Aufnahme (intern/extern), freies Keyboard-Mapping
• Hardware: NI Audio 8 DJ (4 Ein- & Ausgängen, sowie MIDI-In/Out), sonst analog zu TSD
• Unsere Meinung: TSP ist neben SSL wohl das am meisten verwendete DVS in Clubs/Discos und hat daher eine sehr große User-Gemeinschaft. Die Software bietet alle in Traktor verfügbaren Features und kann z.B. auch komplett per Controller gesteuert werden. TSP ist sozusagen ein Rundum-Versorgt-Paket für alle Eventualitäten. Mit der Masterclock-Funktion lassen sich z.B. andere Tools per MIDI auf die laufenden Tracks synchronisieren.
• Preis aktuell: 569 €

Häufige Fragen zu Traktor Scratch Pro & Duo: beide Versionen sind nur mit einem entsprechend zertifizierten Audio-Interface (Audio4/8DJ bzw. zertifizierter Mixer z.B. Ecler EVO5, A&H Xone:4D, Denon DN-X1600/1700) Timecode-fähig, man kann also nicht jedes beliebige Interface nutzen. Sowohl TSP als TSD basieren auf der gleichen Installationsdatei und sind daher bis auf den unterschiedlichen Featureumfang vollkommen identisch. Um mit Timecode spielen zu können, reicht es NICHT aus, sich einfach eine Audio4/8DJ und zwei Timecode-Vinyls zu kaufen und diese dann über ein “normales” Traktor Pro/Duo laufen zu lassen.
Weitere Fragen und Infos zu Traktor Scratch findet ihr auch in unseren  FAQs

Serato Scratch Live (SSL)
Nach der Philosophie von Serato ist die Software kostenfrei, inklusive aller Updates und Upgrades. Um Scratch Live aber voll nutzen zu können, benötigt man Hardware. Die kostet natürlich und diese entscheidet auch darüber, welche Funktionen der Software man nutzen kann. Das geht dann von 2 Deck über 3 bis 4 Decks und Recordingfunktionen in The Bridge. Letzteres ist übrigens ein Plug In, welches man in SSL nutzen kann. Weitere wären der Sampler SP6 oder SL-Video. Doch der Reihe nach:

Serato Scratch Live mit SL1 Box
• Anzahl der Decks: 2 Decks
• Effekte: 42 Superknob Effekte auf 3 Effekteinheiten / 32 Ultraknob Effekte
• Features:  Loops & Hotcues, komplett freie MIDI-Belegung aller Funktionen, iTunes-Integration, intelligente Crates (Playlisten), Aufnahme (extern), Sampleplayer (6×4)
• Hardware: SL1 (2 x Stereo Ein- & Ausgänge), Mikrofon (Thru)
• Unsere Meinung: SSL machte den Weg frei für DVS. Lange Zeit der Platzhirsch, der sich nun mit SL3 selbst überholt hat. Die Software ist die selbe wie bei den anderen SSL-Varianten. Crux ist die Hardware und da liegt das alte SL1 Interface nicht gerade vorn. 2010 würde ich kein SL1 mehr kaufen. SL3 jederzeit.
• Preis aktuell: 555 €

Serato Scratch Live mit SL3 Box
• Anzahl der Decks: 3 Decks
• Effekte: 42 Superknob Effekte auf 3 Effekteinheiten / 32 Ultraknob Effekte
• Features:  Loops & Hotcues, komplett freie MIDI-Belegung aller Funktionen, iTunes-Integration, intelligente Crates (Playlisten), Aufnahme (extern), Sampleplayer (6×4)
• Hardware: SL3 (3 x Stereo Ein- & Ausgänge)
• Unsere Meinung: Top Software mit allen nötigen Features, seit Jahren eine große Anhängerschaar wegen legendärer Stabilität. SL3 Interface hat mächtig aufgeholt und liefert satten Klang. Lebenslang kostenlose Software Updates und (sofern man Ableton hat) The Bridge sind auch gute Argumente.
• Preis aktuell:  741 €

Serato Scratch Live mit Sixty Eight
• Anzahl der Decks: 4 Decks
• Effekte: 42 Superknob Effekte auf 3 Effekteinheiten / 32 Ultraknob Effekte
• Features:  Loops & Hotcues, komplett freie MIDI-Belegung aller Funktionen, iTunes-Integration, Aufnahme (extern), Sampleplayer (6×4), MIDI-Steuerung.
• Hardware: Sixty Eight (kompletter Mixer mit zwei Interfaces und MIDI Steuerung)
• Unsere Meinung: Das ganz große Paket. Besonders geeignet wenn zwei DJs mit zwei Rechnern und einem Mixer arbeiten wollen. Die Interfaces sind integriert, ebenso die MIDI-Steuerung. Bei Verwendung von Mixtape in The Bridge würden auch Fader und EQ Curven eines Mixes aufgezeichnet.
• Preis aktuell:  2699 €

Häufige Fragen zu SSL. SL2 gibt es nicht und gab es nie. Weiße Timecode sind selten und teuer, die billigen bei Ebay also zweifelhaft. 🙂 Man braucht immer die Hardware, sonst geht nix. Bei der Hardware gibt es noch den TTM57, ein Battlemixer mit SL1 Interface und MIDI-Steuermöglichkeiten. Der kostet 1399 Euro. Besitzer von Serato UND Ableton Live können kostenlos The Bridge nutzen. Damit läßt sich – einfach gesagt – Abletons Sessionansicht in Serato steuern und ein Seratomix in Ableton aufnehmen. Für 249 Euro erhält man das Plugin Video-SL und kann damit Videos mixen.

Reloop Spin 2 (+)
• Anzahl der Decks und Effekte: 2 Decks / 3 Master-Effekte
• Features: Loops, 6 Cue-Punkte pro Track, Cover-Art, Tonhöhenkorrektur, freies MIDI-Mapping, Beat-Juggling-Funktion (Track wird auf freies Deck kopiert und automatisch angeglichen)
• Hardware: Audio-Interface (bei Spin 2+ mit MIDI-Funktion), 2 Cinchkabel, je 2 Timecode-Vinyls und -CDs, Netzteil
• Unsere Meinung: Im Gegensatz zum Vorgänger Spin wurde die neue Variante Spin2 in Sachen Performance und Zuverlässigkeit deutlich verbessert. Für den reinen “Vinyl-Ersatz” ohne viel Drumherum ist Spin absolut ausreichend. Dennoch wirkt die Software-Oberfläche ein wenig unaufgeräumt und unübersichtlich – deaktivierte Funktionen machen den Platz nicht frei für die aktivierten, sondern hinterlassen lediglich eine graue inaktive Freifläche. In Clubs ist Spin sehr selten anzutreffen, wodurch sich der User-Kreis hauptsächlich auf den digitalen Heimaufleger beschränkt. Die Hardware wirkt in Sachen Verarbeitung nicht ganz so robust wie die der Mitbewerber. In Sachen Support bietet das Reloop-Forum die erste Anlaufstelle. Externe Suchergebnisse zur Problembehebung sind eher selten anzutreffen. Wer jedoch keine 300 Euro + für ein DVS ausgeben möchte, ist mit Spin gut bedient – solange er dabei kein High-End System erwartet.
• Preis aktuell: 199 € (Spin 2)  bzw. 269 € (Spin 2+)

M-Audio Torq Conectiv Vinyl/CD Pack
• Anzahl der Decks und Effekte: 2 Decks / 3 aus 10 interne Effekte pro Deck, zusätzliche VST-Effekte können individuell integriert werden
• Features: Loops, Cue-Punkte, freies Keyboard- & MIDI-Mapping, 16fach Sample-Player, ReWire mit anderen Programmen
• Hardware: M-Audio Conectiv, je 2 Timecode-Vinyls (nur 33RPM!) & -CDs
• Unsere Meinung: Torq hat von Beginn an für viel Aufsehen gesorgt, vor allem durch die exotischen Features wie VST-Integration und ReWire-Fähigkeit, die man bei den Mitbewerbern teilweise noch heute vergeblich sucht. Leider gab es dann für einen längeren Zeitraum eine Support-Ebbe und sich immer wiederholende Ankündigungen bahnbrechender Updates (Stichwort 1.5), ohne daß wirklich etwas Konkretes passiert ist. Ungeklärte und teils unlösbare Harware-Probleme haben ihr Weiteres dazu beigetragen, daß nach und nach immer mehr User von Torq abgewandert sind. Aktuell gibt es nur noch wenige überzeugte Torqer, und auch die Nachfrage hat sich auf ein Minimum reduziert. Eigentlich schade – denn Innovation und Kreativität war vorhanden, wurde aber leider nicht ausreichend und kontinuierlich weiterentwickelt.
• Preis aktuell: 189 €


Neben diesen Komplettpaketen gibt es noch einzeln erhältliche Software bzw. Software/Hardware Bundles unterschiedlicher Hersteller. Die freie Hardware-Wahl mag zunächst als Vorteil erscheinen, erweist sich in der Praxis jedoch nicht immer als problemfrei und so gut wie gar nicht Plug&Play. Hier bedarf es oftmals einer soliden Wissensbasis, um alle Parameter optimal aufeinander abstimmen zu können. Wer also das Konfigurieren nicht scheut und weiss, was er tut bzw. zu tun hat, kann mit den “freien” Lösungen mitunter Geld sparen.

Atomix Virtual DJ Pro (VDJ)
VDJ ist wohl das meistgenutzte DJ-Tool hierzulande. Beschränkt man die Anzahl der User aber auf die mit einer legalen Kaufversion, bleiben geschätzt gerade ein Drittel aller übrig – wenn überhaupt. Denn alleine die Timecode-fähige Software kostet knapp 300 Euro und neben dem Audio-Interface braucht man ja auch noch die Steuer-Medien (Timecodes). Dabei gelangt man dann recht schnell in den Preisbereich etablierter Komplettsysteme, die im Gegensatz zu der Flicklösung aber dann aus einer Hand stammen und sehr gut aufeinander abgestimmt sind. VDJ selbst bietet – unbeachtet des Bezugsweges – jedoch eine wirklich große Feature-Palette, u.a. auch Video-Mixing.
Das Besondere an VDJ ist der Direktvertrieb nur über die Homepage von Atomix. Außer als gebundlete LE-Versionen gibt es das Programm nicht im freien Handel zu kaufen.
 VirtualDJ Homepage

Hercules DJ Trim 4×6 Scratch Starter Kit (mit VDJ 6 LE TC)
• Anzahl der Decks und Effekte: 2 / keine
• Features: Loops, Tonhöhen-Korrektur, Sync-Funktion
• Hardware: Hercules Trim 4×6, 2 y-Cinchkabel, je 2 Timecode-Vinyls und -CDs, Netzteil für das Interface
• Unsere Meinung: Das Hercules Set hat uns nicht wirklich überzeugen können. Vor allem die zahlreichen Einstellmöglichkeiten können sich für den potentiellen Käuferkreis, der sich bei diesem Preisbereich nicht unbedingt im Vollprofisegment befindet, wohl eher als VERstellmöglichkeiten herausstellen. Die mitgelieferte, funktionsreduzierte LE-Version von VDJ deckt mit den oben genannten Features allerdings alle DVS-Grundbedürfnisse ab. Dennoch tendiert unsere Empfehlung eher in Richtung Traktor Scratch Duo, da man hier für einen relativ geringen Aufpreis eine wirklich einfach einzurichtende und solide Out-of-the-box Lösung erhält.
• Preis aktuell: 249 €

Mixvibes Cross Pack
• Anzahl der Decks und Effekte: 2 / keine
• Features: Loops & Cues, Tonhöhenkorrektur, Sync-Funktion, freies MIDI-Mapping
• Hardware: U46MK2 (auf Basis einer ESI U46DJ), Cinch-Kabel, je 2 Timecode-Vinyls (nur 7″) und -CDs
• Unsere Meinung: Mixvibes ist in Deutschland weitaus unpopulärer als z.B. im Herkunftsland Frankreich. Die Software kann mit jedem Audio-Interface betrieben werden, im Falle des Cross Pack ist eine umgelabelte ESI U46DJ im Lieferumfang enthalten. Vor allem die zahlreichen unterschiedlichen Versionen haben in der Vergangenheit teils für große Verwirrung gesorgt. Zudem ist die Software erst seit Erscheinen von “Cross” Mac-kompatibel, hat damit jedoch gegenüber zum Vorgänger viele Features einbüßen müssen – warum auch immer, wir wissen es nicht, gibt es in Cross keine Effekte mehr. Andererseits gibt es einige User, die Mixvibes ein fantastisches Scratchverhalten und Vinylfeeling zuschreiben und auch vom allgemeinen Workflow sehr überzeugt sind. Doch, wie bereits erwähnt, findet man bei uns nicht sehr viele MV-User, sodaß eine deutschsprachige Anlaufstelle in Form eines rege frequentierten Forums nicht wirklich existiert und so der problembehaftete Anwender auf ausreichend Fremdsprachenkenntnisse zurückgreifen können sollte.
• Preis aktuell: 299 €


Neben all diesen vorgestellten gibt es auch weitere, teils sogar kostenfreie, Lösungen wie  Mixxx oder  Touch DVS. Hierbei ist es aber mitunter dem Engagement des Anwenders geschuldet, diese Preisersparnis mit reichlich Eigeninitiative zu kompensieren. Freie Lösungen bedeuten oft auch freie Problemlösung. Wer dies nicht scheut und auf ausreichend technischen Background zurückgreifen kann, könnte mit solchen Tools dann durchaus sein Glück finden.

 

Gesamtfazit
Da diese Auflistung keinen direkten Vergleich beabsichtigt, gibt es somit auch keinen Gesamtsieger. Jedes System hat seine eigenen Stärken und Schwächen – seien es die Anzahl der Decks oder Effekte, die sonstigen Features, die mitgelieferte Hardware oder aber auch der Preis. Hier ist eigentlich für jeden was dabei, das für oder wider einen Kauf spricht. Man sollte sich im Vorfeld ein paar Gedanken über die essentiellen und optionalen Anforderungen machen, eine mögliche Erweiterbarkeit und das maximal vorhandene Budget. Eine Aussage wie “TSP ist besser als Spin2” hat mindestens so wenig Inhalt wie ein unaufgeblasener Luftballon – denn jeder sieht dies anders und stellt seine Bedürfnisse auf ein individuelles Level.
Was man jedoch allgemein für alle Kandidaten sagen kann: die DVS-Nachfrage ist weiterhin ungebrochen und wird es der Prognose nach wohl auch noch eine ganze Weile bleiben. Diese Meinung sollte auch den Herstellern bekannt sein, sodaß man in (naher) Zukunft mit weiteren innovativen Neuerungen und Features im DVS-Bereich rechnen kann (siehe “The Bridge”, das gerade mehr und mehr Wellen schlägt und so langsam gut ins Rollen kommt).

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