DJ-Laptop Tipps – Teil 1: Der (Neu)Kauf

Ein Laptop zum Auflegen sollte stabil laufen, robust gebaut sein und ausreichend Leistungsreserven haben. Aber muss es immer zwangsläufig ein MacBook Pro sein?

Ganz klare Antwort: NEIN! MacBooks haben zwei ganz gravierende Merkmale. Durch die In-House Entwicklung von Hard- und Software sind Macbook und Betriebssystem (MacOS) perfekt aufeinander abgestimmt (= Merkmal 1). Und das lässt sich Apple auch ordentlich was kosten (= Merkmal 2).
Nun hat der versierte DJ zwei Optionen. Entweder er kauft sich für viel Geld ein MBP, muss sich so gut wie um nichts kümmern und kann nahezu Plug-n-Play loslegen. Oder er kann/will nicht so viel investieren, wählt daher ein Windows-basiertes System und kommt mit ein wenig Handanlegen und vorheriger Recherche zu einem ähnlich stabilen und leistungsfähigen Gerät.

In diesem zweiteiligen Beitrag wollen wir Euch ein paar hilfreiche Tipps, Eckdaten und Optimierungsmöglichkeiten geben, die Euren Windows-basierten Laptop fit für die DJ-Kanzel machen. Aufgrund der Vielzahl möglicher Kombinationen bei Windows-Systemen können wir leider keinen ultimativen, allgemeingültigen Tipp geben, weshalb die folgenden Punkte eher als Entscheidungshilfe anzusehen sind – die finale Wahl bleibt einem jeden selbst überlassen.

Die CPU – Intel-ligent oder AMD-lich?
Wir raten auf jeden Fall zu einem Intel-Kern, bevorzugt ein Core2Duo oder einer der neuen “i”-Prozessoren. Die etwas älteren Pentium DualCore CPUs sind leistungstechnisch ebenfalls gut dabei, erzeugen allerdings mehr Abwärme bei Volllast, was in heißer Atmosphäre unter Umständen zum Problem werden könnte, zwecks möglicher Überhitzung des Systems oder ähnlicher Symptome.
Von Atom-Prozessoren (meist in Netbooks zu finden) und AMD-Kernen ist zur Zeit eher abzuraten, da viele Programme und Geräte (Controller, Audio Interface, usw…) nicht unterstützt werden bzw. teils arge Probleme damit haben. Audio-Aussetzer, Hardware-Fehler oder das komplette Versagen der Software können die Folge sein. Diverse Hardware-Hersteller raten in ihren Systemvoraussetzungen mancher Geräte sogar ausdrücklich von AMD-CPUs ab, z.B. Reloop oder Vestax.
Also: Intel Dualcore-CPU mit wenigstens 2 GHz, bevorzugt Core2Duo bzw. Core i3 oder i5 – oder höher.

Das Display – Großer Glanz oder mattes Mobil?
Größer ist besser trifft beim DJ-Laptop nicht immer zu, denn parallel zur Displaygröße steigt auch die Laptopgröße mit an. Und spätestens bei der Suche nach einer geeigneten Tasche/Trolley o.ä. für das Digital-Equipment kann dieser Bumerang böse zurückfliegen, da man hier bei Laptops >17″ recht schnell an der Kompatibiltät scheitert. Eine Displaygröße zwischen 13″ und max. 17″ hat sich als ausreichend und vor allem auch transportabel erwiesen, mit 15″ liegt man im perfekten Mittelfeld.
Eigentlich noch wichtiger als die Größe ist die Auflösung. Hier mein persönlicher Tipp: Finger weg von irgendwelchen neumodischen Multimedia-Breitbild-Screens. Denn die meisten DJ-Programme können mit der Breite nicht viel anfangen, dafür verliert man aber in der Höhe wichtige Pixel. Nimmt man als Praxisbeispiel Traktor, würde das Breitbild die Decks zwar länger machen (sprich längere Waveform), dem Browser im unteren Bereich aber einige Zeilen wegnehmen.
Dritter wichtiger Aspekt beim Display ist die Oberfläche. Mittlerweile gibt es leider kaum noch matte Displays im unteren bis mittleren Preissegment. Diese haben den großen Vorteil, dass sie viel weniger spiegeln als ihre glänzenden Brüder. Beim Open-Air Gig am sonnigen Sonntag Nachmittag oder in der Blinkiblinki-Disko mit fetter Lightshow direkt hinter der Kanzel spielt ein matter Schirm seine Trümpfe aus. Für Glare Glossy Shiny Blitzeblank Displays gibt es aber eine kleine Abhilfe:  3M Vikuiti Display-Schutzfolie. Kostet nicht die Welt, macht das Display matt und ist abwasch- und wiederverwendbar.

Das Netzteil – ohne Strom kein (Pfeif-)Ton!
Einige werden sich jetzt fragen, was es wohl bei einem Laptop-Netzteil, das sich i.d.R. im Lieferumfang befindet, schon groß zu beachten gibt!? Ganz einfach: genau dieses auf den ersten Blick so unscheinbare Teil kann sich zum absoluten Troublemaker entwickeln. Nämlich genau dann, wenn es durch das Netzteil zu einer fiesen Brummschleife kommt. Dies ist in fast allen Fällen dem sog. SchuKo-Stecker geschuldet. Netzteile mit solch einem großen, runden Stecker sind Geräte der Schutzklasse I und haben einen Schutzkontakt als dritte Ader, der einen Potentialunterschied zwischen den verbundenen Geräten erzeugen kann und es dadurch zu einem ungefährlichen, aber deutlich hörbaren Ladungsausgleich kommt. Dies macht sich als Brummschleife akustisch bemerkbar und kann den Spaß am Auflegen deutlich mindern, wenn nicht sogar zum Erliegen bringen.
Daher der Tipp: sofern möglich drauf achten, dass der Laptop ein Netzteil mit flachem Euro-Stecker hat (diese Netzteile sind Schutzklasse II, falls man keine Angaben zum Stecker findet). Solche Netzteile gibt es auch von Drittherstellern zum Nachkaufen, falls man bereits ein Notebook gekauft, bei dem das Netzteil einen bösen Stecker hat.
Anmerkung: wie kann man herausfinden, ob wirklich das Netzteil schuld ist am Störgeräusch? Ganz einfach, indem man den Laptop vom Netzteil trennt und auf Akkubetrieb testet. Ist dann das Brummen/Pfeifen nicht mehr vorhanden, liegt es definitiv an oben genanntem Phänomen, und ein Netzteil Schutzklasse II schafft die schnelle Lösung.

Das Betriebssystem – wer BITet mehr?
Windows XP geht dem Ende entgegen. Und das nicht nur in Sachen Verfügbarkeit, sondern vor allem auch im Hinblick auf die Kompatibilität zu neuen Laptops. Von daher wird es gerade im unteren und mittleren Preissegment schwer, ein Notebook zu finden auf dem sich XP ohne Einschränkung betreiben lässt.
Aufgrund unserer Erfahrung mit VISTA können wir diesem System ein ganz klares Nein geben und raten daher definitiv zu Windows 7. Es stellt sich dann nur noch die letzte Frage, ob es ein 32- oder 64-bit System sein soll/darf. Bis auf die Einschränkung der maximalen Arbeitsspeichergröße (bei 32-bit ist bei 3 GB Schluss) spricht aktuell nichts gegen ein 32-bit System und im Umkehrschluss auch nichts besonderes für ein 64-bit OS. Der Software (Serato Scratch Live / Itch, NI Traktor, Ableton Live, usw…) ist es größtenteils egal, und bei der Hardware ist man mit 32-bit auf der sicher(er)en Seite, was kompatible und vor allem stabile Treiber betrifft. Die gängigsten Hardware-Bauer haben in Sachen 64-bit mittlerweile ordentlich nachgelegt, sodaß ihre (zumindest neueren) Geräte auch hier ordentlich betrieben werden können.
Halten wir fest: Betriebssystem-Empfehlung ist Windows 7, bevorzugt in der 32-bit Variante, mit Option auf Wechsel zu 64-bit.

Die Grafikkarte – alle an Board?
Wichtiger als die Entscheidung, ob “externe” Karte oder Onboard-Chip ist viel mehr der Chiphersteller bzw. dessen notwendiger Treiber. Bei einigen nVidia Chips kommen zur Zeit Treiber zum Einsatz, die sich je nach Grafikanforderung automatisch takten, und dadurch gewisse Unregelmäßigkeiten im Systembus verursachen, was sich beim Auflegen durch Audio-Dropouts oder ähnliche Fehler bemerkbar macht. Abhilfe schaffen andere Treiberversionen oder auch Alternativen von externen Programmierern, deren Treiber sich fest auf eine bestimmte Leistung schalten lassen und das dynamische Hoch- und Runtertakten somit von Grund auf verhindern.
Allgemein gilt: DJ-Tools haben keine besonderen Anforderungen an die Grafikkarte, weshalb es hier auch nicht auf eine besonders leistungsfähige Komponente ankommt und ein Onboard-Grafikchip keinen Nachteil bedeutet. Allerdings wird bei Onboardlösungen der Grafikspeicher stets vom regulären Arbeitsspeicher abgezweigt, was sich aufgrund der gering benötigten Größe von schätzungsweise 100 – 200 MB eher wenig bemerkbar machen sollte.

Die Festplatte – iSSD die groß genug?
Bei Festplatten macht seit kurzem ein neuer Begriff die Runde: SSD. Gemeint sind dabei Flash-Speicher ähnliche Datentanks, die schnelle Zugriffszeiten und beschädigungsresistenten (weil ohne mechanische Bauteile im Inneren) Betrieb versprechen. Klingt zunächst ziemlich verlockend, hat aber zwei Nachteile: erstens noch recht teuer und zweitens keine längerfristigen Erfahrungswerte. Wer die Investition aber nicht scheut, wird mehr Vorteile daraus ziehen als Unannehmlichkeiten erfahren.
Meist sind aber immernoch die “klassischen” HD’s ab Werk verbaut, was im Vergleich zu SSD keinen wirklichen Performance-Nachteil, jedoch eine nicht unerhebliche Preisersparnis bedeutet. Wichtig wäre hier nur, sich vorab über die Drehzahl und die daraus resultierenden Zugriffszeiten zu informieren. Diese sollten sich wenigstens im mittleren Bereich oder darüber befinden.

Die Peripherie – USBedingt notwendig?
In Sachen Peripherie können Windows-Laptops eine ihrer großen Stärken ausspielen, nämlich die Anzahl verfügbarer USB-Ports im Vergleich zum MacBook. Und ein DJ kann eigentlich nie genug freie USB-Ports haben. Aktueller Standard ist noch immer USB 2.0, obwohl inzwischen auch vermehrt Laptops auftauchen, die mit dem neuen USB 3 Standard aufwarten. Da es derzeit aber noch so gut wie keine Controller oder Audio-Interfaces mit USB3 gibt, und dies sich wohl auch die nächsten 1 – 2 Jahre nicht ändert, kann man dieses Feature außer Acht lassen. Außerdem sind bereits die ersten Abwärts-Inkomatibilitäten aufgetaucht: der Kontrol S4 von NI zum Beispiel hat arge Probleme mit dem Betrieb an einem USB3 Port, was der Hersteller auch explizit erwähnt. Von daher: Finger weg von USB3, oder zumindest nicht als Pro-Kaufargument ansehen!
Das Thema Firewire spielt im DJ-Bereich inzwischen so gut wie keine Rolle mehr, weshalb man diese Anschlußmöglichkeit beim Kauf eher ignorieren kann. Alle aktuellen Gerätschaften für den Digital-Aufleger sind mit USB-Anschlüssen ausgestattet und verrichten damit sehr zuverlässig ihre Dienste. Die Übertragungsrate und Bandbreite von USB (2.0) ist hier wirklich mehr als ausreichend.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es – wie bereits anfangs erwähnt – keine Patentlösung bzw. einen speziellen Geheimtipp gibt. Dafür kursieren einfach viel zu viele Kombinationen, und das Angebot an geeigneten und weniger geeigneten Klapp-Computern ändert sich nahezu täglich. Wer sich aber die oben genannten Punkte ein wenig zu Herzen nimmt, bekommt für relativ schmales Geld ein absolut DJ-taugliches System, das für heute, morgen und auch nächstes Jahr zuverlässig und potent seine Dienste verrichten wird.
Übrigens muss es nicht zwingend ein Neugerät sein: wer die Recherche nicht scheut und ein wenig Geduld mitbringen kann, findet auf dem Gebrauchtmarkt viele geeignete Geräte mit vielen der vorgeschlagenen Eigenschaften für schmale Münze. Und glaubt uns eins: auf die Optik kommt es wirklich nullkommanull an, der Laptop wird im Livebetrieb früher oder später sowieso einige Blessuren abbekommen. Mit einem Zitat aus  diesem Video: “It’s the inside that counts!”

Im zweiten Teil geht es dann um allgemeine Hinweise zum DJ-Gebrauch, Optimierungstipps für’s Betriebssystem und weitere hilfreiche Infos, Euren Laptop dauerhaft fit zu halten. Denn selbst die tollste Hausfassade kann nicht drüber hinweg trösten, wenn der Bewohner vom Messy-Syndrom geplagt ist. 😉

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