Die größten DJ-Irrtümer der Welt – Kabel & Adapter

Diesmal: Kabel und Adapter, ein kleiner Abriss für die “Generation Miniklinke“. 
Damit geht der Spaß schon los, denn was ist Miniklinke? Was ist symmetrisch? Wie kommt der Mixer an die 5.1 Anlage? Kann man beim teilen eines Stereosignals, auf zweimal Mono, vorhören? Gibt es MIDI auf Cinch Adapter?

Darum soll es, wie immer in möglichst einfachen Worten, gehen. Techniktheoretiker weggetreten, interessierte Neulinge vor!

Ein wahres Märchen zur Einleitung
Als ich anfing mich mit Kabeln und Anschlüssen zu befassen, war die Luft um Tschernobyl noch rein.  Ein kleines Land namens DDR, Westkassettenrecorder kosteten einige tausend Mark. Technics-Plattenspieler gab es keine, Diodenkabel und Würfelstecker regierten die Welt. Mein Vater war staatlich zertifizierter Schallplattenunterhalter, durfte im Rundfunkladen Amiga-Lizenzplatten für 16,10 Mark kaufen, die er dann auf Tonband kopierte und / oder tauschte. Ich durfte seine alte Anlage nutzen: Röhrenverstärker, Standlautsprecher, Regie 2000 Mischpult. Dazu mein BRG MK27 Recorder und Annett.  So hießen nicht nur mehrere Girls auf der Tanzfläche, sondern auch die Kassettengeräte meiner ersten DJ-Buddies Batschel und Düsing.  Schuldisko 84!

Zurück zum Adapter. Irgendeiner davon war immer gefragt und bis heute begleitet mich ein ansehnliches Arsenal dieser. Da ist keine Kombination undenkbar, außer gänzlich Sinnfreies, wie Speakon auf Gardena, 220V auf USB oder – Achtung! – MIDI auf Cinch. Letzteres gibt es zwar, der heute als MIDI-Stecker geläufige Anschluss war in Zeiten vor Cinch aber eine gängige Audioverbindung, was den  (5-Pol) DIN auf Cinch Adapter sinnvoll macht. Beim Anschluss an eine MIDI Buchse kommt da aber kein Ton raus. Garantiert!

Früher war also nix besser, es war nur anders. Heute ist die sogenannte “kleine Klinke” allgegenwärtig. Also der 3,5mm Klinkenanschluß am Handy, am MP3 Player, am Computer oder an der heimischen Surroundanlage. Bei der gibt es sogar mehrere davon, was dann auch wieder zu Irritationen führt. Besonders wenn man seinen DJ-Mixer oder das Audiointerface des Controllers damit verbinden will. Der Mixer und die allermeisten sonstigen Geräte, wie CD-Player oder Turntables, setzen auf Cinch. Um also einen MP3 Player mit einem Mixer zu verbinden, braucht es 3,5mm Stereo Klinke auf Cinch Stereo. Der Weg zur Anlage variiert. Professionell, an eine Clubanlage,  wäre symmetrisch (was das ist, klären wir noch auf), über XLR. An die heimische HiFi Anlage geht es mit Cinch. Das oft vorhandene 5.1 anzuklemmen ist etwas komplizierter. Der eigentliche Einsatzzweck von Surroundanlagen liegt im Cinema- oder Gamesound mit Front-, Rear- und Centerspeakern. Bei Musik ist Mehrkanalton weniger gefragt. Hier lässt sich die Anlage meist in 2.1 (Stereo) Betrieb schalten und per Cinch auf 3,5mm Klinke, auf einem (der mehreren vorhandenen) Eingänge, bespielen. Wer seinen DJ-Controller mit den Desktoplautsprechern des Rechners nutzen will, der geht per Cinch aus dem Interface des Controllers raus und adaptiert auf Miniklinke- oder Klinkenbuchse.

Symmetrisch / Unsymmetrisch
Machen wir einen kurzen Ausflug in die Signalübertragung. Um ein (elektrisches) Signal zwischen A und B  zu übertragen, benötigt man zwei Leitungen, also einen (Strom)kreis mit Hin- und Rückleitung. Bei Audiosignalen steckt die Information vorzugsweise in der Spannung. Bei einer einfachen Übertragung, was unsymmetrisch heißt, führt ein Leiter die Spannung, die sich je nach Eingangssignal ändert. Dem gegenüber gibt es, als Bezug, eine Referenzleitung, geläufig unter Begriffen wie Erde oder Masse. Fertig ist die simple Verbindung, was erstmal Mono wäre. Zwei dieser Kabel würden dann Stereo übertragen. Bei mehreren Signalen greifen auch alle Spannungsleiter auf die gleiche Referenzleitung zu. Unsymmetrische Signalübetragung findet sich vor allem da, wo Signalwege kurz sind und wo wenige Geräte vom selben Stromkreis gespeist werden, z.B. im HiFi-Bereich. Die häufigsten Kabel bzw. Stecker sind Cinch oder Klinke (Mini- bzw. Mono-, Stereoklinke kann es auch symmetrisch geben). Man kann also getrost seinen Mixer per Cinch an die nebenstehende Heimanlage hängen.

Sind die Signalwege länger, nutzt man eine sogenannte symmetrische Verbindung, da die unsymmetrische hier störanfällig für Umgebungseinflüsse ist. Anstelle einer Leitung mit der Spannung, gibt es derer zwei. Auf beiden liegt das selbe Signal, allerdings invertiert, also gespiegelt an. Als drittes gibt es immer noch die Referenzleitung.  Störeinflüsse wirken in diesem Fall auf beide Signalspannungen gleich. Am Ende werden sie, ganz einfach ausgedrückt, durch Differenzbildung eliminiert und man hat auch nach langer Strecke noch (bzw.wieder) das volle Ursprungssignal. Der verbreiteste symmetrische Stecker ist XLR.

Was passiert nun aber wenn man beides kombiniert? Unsymmetrisch bleibt unsymmetrisch, auch wenn man einen symmetrischen Stecker nimmt. Es nutz also nichts, an ein Cinchkabel XLR-Adapter zu hängen. Naddel in Frauenkleidern bleibt ja auch ein Mann. (böser Ich). Geht man von symmetrisch auf unsymmetrisch, hat man keinen Nachteil, der oben erklärte Vorteil hebt sich aber auf. Wer unbedingt ein unsymmetrisches Signal in ein symmetrisches wandeln möchte, der muss Zusatzgeräte, wie z.B. eine DI-Box nutzen.

Nochmal Stecker
Im DJ Bereich trifft man vorrangig auf Cinch (unsymmetrische Anschlüsse und Ausgänge). XLR beschränkt sich in diesem Segment meist auf den symmetrischen Ausgang des Mixers und dementsprechend, auf den Eingang an der Endstufe der PA. Nebenbei: PA steht für “Public Address“.  Hamster Goldi mit den Computerbrüllwürfeln zu beschallen, reicht also eigentlich nicht, um von “meiner PA” zu sprechen. 🙂 Gelegentlich finden sich noch symmetrische Klinken (z.B. an den AUX-Wegen eines Mixers)  oder Speakon (meist an Monitorlautsprechern oder Boxen). Indirekt wären noch MIDI und USB zu nennen. MIDI überträgt, das kann man nicht oft genug sagen, kein Audiosignal, sondern ein Steuersignal um z.B. eine Software mit einer Hardware fernzubedienen.  USB sollte jeder kennen, er sollte auch darauf achten, bei Verwendung eines USB 2.0 Interfaces ein,als solches  gekennzeichnetes, USB 2.0 High Speed Kabel einzusetzen.
Was Neulinge auch oft erstaunt: der Kopfhörer, der so schön an den MP3 Player passt, lässt sich mit einem Adapterstecker von 3,5mm auf 6,3mm “erweitern” und der passt dann auch an den Kopfhörerausgang eines Mixers. Kosten: unter einem Euro.

Auseinander und Zusammen
Auch so ein Thema, Signale splitten oder zusammenführen. Zum iPad gibt es ein  DJ Cable, um das Vorhören in DJ-Apps zu ermöglichen. Das scheint aber eher ein Taschenspielertrick, da das iPad nur einen Stereoausgang hat. Das Signal ist dann eine Art “Pseudo Stereo” und die App schickt auf dem rechten Kanal das Mastersignal und links den Kopfhörer raus. Wie sich das bei Panning oder Stereoeffekten verhält, wäre zu testen, Cue Mix ist (noch) nicht möglich.
Häufig findet man Splits auch, wenn  z.B. mehrere DJs mit DVS sich zwei Turntables teilen oder der Turntable zusätzlich an den Mixer durchgeschliffen werden soll. Hier kommen sogenannte Y-Kabel zum Einsatz. Damit verdoppeln sich dann die Anschlüsse, allerdings verdoppeln sich auch (wie generell bei Adaptern) die potentiellen Fehlerquellen. Obendrein verliert man “Leistung” und sollte da nicht übertreiben. Letztes Wochenende hatten wir, da uns plötzlich ein Mehrfach-Kopfhörerpreamp abgeraucht war, eine übergrenzwertige Kabelverzweigung geschaffen, die uns einen Ehrenplatz im rumänischen Museum für Adaptierverbrechen gesichert hätte.  Hat funktioniert, aber geflissentlich wäre an das abschließende Sprichwort denken: “Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht“.

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