Review – VESTAX VCI-400

Back to full metal jacket, dachte sich wohl Vestax und bringt mit dem VCI-400 einen verarbeitungstechnisch äquivalenten Vierdeck-Controller als Nachfolger der Legende VCI-100.

Der VCI-400 ist featuretechnisch absolut auf dem aktuellen Stand der Dinge: eine vollwertige Vierkanal-Mixersektion mit separaten Filter-Potis, integriertes Audio-Interface und zahlreiche Buttons auf jeder der beiden Decksteuereinheiten. Dazu kommen die touchsensitiven Jogwheels in überarbeiteter Form, LED-Anzeigen für Masterlevel und Channels, zwei FX-Units und endlich ordentlich bedienbare, weil ausreichend große Knöpfe für Kopfhörer-Mix und -Lautstärke.
An Steuermöglichkeiten für den Loop-Recorder bei Traktor wurde ebenfalls gedacht, sowie Umschalter für die Deckmodi von Deck C & D (Track/Sample/Live-Input). A propos Live-Input: am VCI-400 können zwei externe Einspieler (Line) und zwei Mikrofone angeschlossen werden, die sich wahlweise direkt auf das Mastersignal routen oder alternativ auch über das Audio-Interface in die Software integrieren lassen, um bspw. Equalizer & Effekte drauf anzuwenden oder die Klangquellen einfach nur wie ein “normales” Deck zu behandeln. Im Standalone-Betrieb hingegen macht der 56 x 31 x 6 cm große und ca. 4,5kg schwere Controller im soliden Metallgehäuse (noch) keinen Mucks, der Einsatz einer entsprechenden Software ist bisher also stets zwingende Voraussetzung.

Wo wir dann auch schon beim Thema Software wären. Im Lieferumfang befindet sich eine Vierdeckvariante von Virtual DJ LE und ein Downloadhinweis für Serato DJ Intro. Da die Auslieferung des VCI-400 schneller als eigentlich erwartet passierte, müssen sich DJ Intro Aspiranten aber noch ein paar Tage gedulden, denn die aktuell erhältliche Version (1.0.1) ist noch nicht kompatibel. Erst mit dem Update, welches im Dezember erscheinen soll, finden DJ Intro und VCI-400 zueinander. Aus diesem Grund konnten wir das Zusammenspiel leider nicht testen, aber es ist davon auszugehen, dass dies ähnlich positiv sein dürfte wie Typhoon oder VCI-100MK2 mit DJ Intro.
Eine beiliegende Traktorversion sucht man vergeblich, was auch von Anfang an nicht vorgesehen war. Allerdings brauchen eingefleischte Traktoristen einen näheren Blick auf den VCI-400 nicht scheuen, denn das Layout und der Featurekatalog schreien förmlich nach dieser Kombination. Um lästige Mapping-Arbeit zu sparen bietet Vestax praktischerweise auch gleich eine passende TSI für Traktor 2 (kompatibel ab Version 2.1.1) zum Downolad an, mit der sich u.a. auch Deck C & D elementar bedienen lassen, selbst wenn sich die Decks auf Modus A & B befinden. Über die bereits erwähnten Umschalter kann man Deck C & D auch separat umstellen zwischen Track-Deck, Sample-Deck & Live-Input.

Wie auf dem Bild zu erkennen ist, sind die Encoder fest mit dem Gehäuse verschraubt und haben eine Metall-Achse. Die Potikappen sind gummiert und dadurch sehr griffig, der Abstand zueinander durchaus Wurstfinger-kompatibel und der Drehwiderstand angenehm, also weder zu fest noch zu lasch. Lediglich die Endlos-Push-Encoder wirken ein wenig billig und fühlen sich beim Drehen nicht sonderlich wertig an. Obwohl sie eine Riffelung besitzen, ist das haptische Gefühl nicht so solide wie bei den anderen Knöpfen. Ein kleines Highlight widerum stellen die massiven roten Filter-Potis dar, mit denen z.B. die Deckfilter in Traktor angesteuert werden können. Durch die Größe gelingt dies auch sehr feinfühlig, und in der 12-Uhr Position erlischt die daneben angebrachte LED, die im leuchtenden Zustand den aktivierten Filter signalisiert. Die dicken Knobs erinnern ein wenig an die Carl-Cox Edition des PMC Mixers, wo man sie sich auch höchstwahrscheinlich abgeschaut hat. Aber kopieren im eigenen Haus ist durchaus legitim.

Bei den Buttons ist Vestax einen neuen Weg gegangen, vor allem was die Anordnung betrifft. Unterhalb der Jogwheels finden sich sechs gummierte Druckknöpfe auf jeder Seite, wodurch sich Play/Pause aller Decks auf erstem Weg erreichen lassen und dann immernoch zwei weitere Buttons zur freien Verfügung stehen. Ähnlich groß, jedoch nicht gummiert, prangern 8 weitere Drücker oberhalb der beiden Wheels, die von einer Reihe vier kleinerer Kameraden ergänzt werden. Hier gibt es von meiner Seite die erste Kritik, da vor allem die beiden äußeren Knöpfe auf jeder Seite sehr nahe am Jogwheel liegen und eine ungewollte Berührung desselben beim Drücken ersterer nicht immer ausgeschlossen werden kann. Doch nach dem Tadel folgt ein Lob, und zwar für die gut durchdachte Anordnung der Sync-Buttons im Mixerbereich, direkt neben den Load-Buttons. Da man i.d.R. einen neu geladenen Track ja nur ein einziges Mal sync’t, wurde durch diese Anordnung kein unnötiger Platz der Decksektion “verschwendet”, wie es z.B. bei vielen anderen Controllern der Fall ist.
Insgesamt kann man sagen, dass wirklich ausreichend Drückmöglichkeiten vorhanden, diese ziemlich durchdacht angeordnet und meist angenehm bedienbar sind. Die daraus resultierende Ergonomie obliegt dann dem User und seiner Mapping-Kreativität, oder aber er/sie gibt sich mit der werksseitig vorgegebenen Belegung zufrieden.

Die Fader sind in 45mm (Line- & Crossfader) bzw. 60mm (Pitchfader, hochaufgelöst) Ausführung gefertigt, laufen schön geschmeidig in ihren Schienen und haben kaum seitliches Spiel. Der Clou an der Fadergeschichte ist das abschraubbare Wartungsfach auf der Unterseite vom VCI-400, über das man schnell an die Bauteile kommt und diese dadurch sehr einfach austauschen kann, sollten sie mal verschlissen sein. Linefader samt zugehöriger Platinen sind dabei auf diesem Deckel montiert und per steckbarem Kabel mit der Hauptplatine verbunden, der Crossfader ist im Controller verschraubt und läßt sich bei abgenommenem Deckel schnell und einfach entfernen. Das Prinzip wurde vom VCI-300MK2 übernommen und gibt auch für den VCI-400 einen zusätzlichen Punkt auf der Langzeitnutzungsskala.

Neben den Pitchfadern befindet sich eine “Pick Up” LED, die immer dann blinkt, wenn sich nach dem Umschalten des Decks (von A auf C oder von B auf D) der letzte Wert vom aktuellen unterscheidet. Diese Funktion ist vergleichbar mit dem Soft-Takeover in der Software, findet beim VCI-400 aber intern im Gerät statt. D.h., der Controller speichert den letzten Pitch-Wert und zeigt über die LED an, sobald dieser wieder erreicht wurde. Erst dann sendet der Pitchfader wieder MIDI-Daten an die Software.

Jedes der beiden Jogwheels mißt 12,5cm im Durchmesser und lässt sich sowohl in der Berührungsempfindlichkeit als auch in seinem Drehwiderstand individuell und unabhängig voneinander justieren. Wie auch schon beim VCI-100MK2 setzt Vestax hierbei auf die neue “Schraubnabe”, die für den VCI-400 nochmals überarbeitet wurde. Per Deck-Select Kippschalter können die Wheels wahlweise Deck A oder C bzw. Deck B oder D zugewiesen werden.


Für die Verbindung mit der Außenwelt steht eine übersichtliche Anzahl an Anschlüssen zur Verfügung. Der Masterausgang kommt einmal symmetrisch per XLR und unsymmetrisch über große Klinke. Wer eine Cinchverbindung benötigt, sollte also entsprechende Adapter(kabel) bereithalten oder diese gleich mitbestellen. Beide Ausgänge werden vom selben Softwaresignal versorgt und über das Master-Volume Poti geregelt, eine separate Regelung von Master- und Booth-Out ist daher nicht möglich. Zum Vorhören gibt es einen 6,3mm Kopfhörerausgang an der Front, dessen Lautstärkeregler intern und somit unabhängig von der Software agiert. Über zwei Line-Ins lassen sich per Cinch zwei Line-fähige externe Geräte einbinden, deren Eingangspegel über Potis reguliert wird. Per Schalter kann man diese Quellen dann wahlweise direkt dem Mastersingnal zuführen (z.B. für Notbetrieb als Sicherheit) oder auf die Input-Channels der Soundkarte legen, um sie durch die Software zu leiten und somit die volle Mixerfunktion oder Effekte darauf anzuwenden. Gleiches gilt übrigens auch für die beiden Mikrofonanschlüsse (2 x XLR, ohne Phantomspeisung), die ebenfalls mit separaten Inputreglern ausgestattet sind. Die Verbindung zum PC geschieht über USB 2.0 und zum Betrieb ist das beiliegende 7,5V Netzteil zwingend erforderlich, welches übrigens ein nettes Feature besitzt: nämlich einen um 360° drehbaren Eurostecker am Trafo, um auch an einer belegten Verteilerleiste die richtige Position zu finden, damit das Netzteil zwischen die restlichen Stecker passt.

Sämtliche Buttons auf der Oberfläche sind hintergrundbeleuchtet, einige sogar mehrfarbig, abhängig vom eingestellten Modus. Teilweise streut die Beleuchtung aber so sehr auf die benachbarten Tasten, daß man beim ersten Blick meinen könnte, auch diese Funktionen wären aktuell aktiv. Dies hätte Vestax im Inneren ein wenig besser voneinander abschirmen können.

Während sich der Masterpegel über die 11-stellige (8 x grün, 1 x orange, 2 x rot) Level-LED wirklich sehr gut ablesen läßt, wirken die Channel-Level ein wenig verwaschen und ungenau. Diese sind als Leuchtstreifen über den kompletten Linefaderweg vorhanden, eine klare Trennung ist dabei aber leider nicht zu erkennen. Will man nun anhand dieser Anzeige den Gainwert einstellen, bekommt man kein wirklich zufriedenstellendes Ergebnis. Hier zeigt sich einmal mehr, dass DJing eben in erster Linie eine akustische Angelegenheit ist und man das Angleichen des Gainwerts immer über den Kopfhörer erledigen sollte, anstatt sich nur auf eine Anzeige zu verlassen.
Für alle durch Software ansteuerbare LEDs gibt es im Manual eine Übersichtstabelle, in der MIDI-Channel, Note und möglicher Status nachgeschlagen werden können. Dies ist vor allem dann hilfreich, wenn man sich ein eigenes Mapping erstellen möchte.

Pluspunkte
Der VCI-400 überzeugt auf jeden Fall durch seine solide und massive Verarbeitung. Metallgehäuse, daran verschraubte Potis mit Metallachsen und solide Fader, die sich unkompliziert wechseln lassen – dies alles strahlt Langlebigkeit, Roadtauglichkeit und Robustheit aus.
Auch das Layout vermag zu überzeugen. Die Konsole ist weder zu groß noch zu klein, und hat zahlreiche Bedienelemente in einer wirklich guten und logischen Anordnung. Egal ob Traktor, VDJ, DJ Intro oder welches Programm auch immer genutzt wird, mit dem entsprechenden Mapping läßt sich der VCI nahezu ohne EInschränkungen einsetzen.
In Sachen Klang und Audioverarbeitung (sprich Wandlung) ist das Gerät absolut zeitgemäß. Das 24bit/48kHz Interface erzeugt einen klaren, druckvollen und clubtauglich lauten Sound (v.a. auf den Kopfhörerausgang bezogen). Gut ist auch die Option, das Signal der Line-Ins bzw. Mikrofone als Eingang in die Software zu leiten. Dies ist nicht bei allen Controllern der Fall und bietet ein zusätzliches und praktisches Feature.

Abzüge
Um es gleich vorweg zu nehmen, hier wird – wenn überhaupt – auf hohem Niveau gejammert. Aber wenn der VCI-400 so viel Lob erfährt, muss er sich auch die ein oder andere Kritik gefallen lassen.
Bei den beiden Pitchfadern ist mir aufgefallen, dass diese um den Nullpunkt jeweils 2 – 3 mm tote Zone besitzen und in diesem Bereich keine Daten senden. Dies wird einem aber auch über die rot leuchtende LED angezeigt. Heisst: solang die LED leuchtet, befindet sich der Pitchfader in seiner Nullposition. Nur ist diese Position eben ~ 5mm groß.
Ähnliches kann man auch bei den Touch Sensor Reglern für die beiden Jogwheels feststellen. Diese lassen sich von 7 Uhr bis 5 Uhr drehen (geringe Empfindlichkeit -> hohe Empfindlichkeit), aber erst ab ca. 12 Uhr fangen die Wheels an, auch wirklich auf Berührung zu reagieren.
Leider hat auch der VCI-400 keine direkte Steuermöglichkeit für 4 Effekteinheiten. Umso fraglicher, warum es dann nicht wenigstens eine hardware-seitige Umschaltmöglichkeit gibt wie z.B. der Kippschalter für die Decks. Man kann diesen Mangel natürlich per entsprechendem Mapping kompensieren, aber schöner wäre es gewesen, Vestax hätte dies schon bei der Konstruktion berücksichtigt.

Ohne Bewertung
Ein Kritikpunkt, jedoch ohne Wertung auf das Gesamtergebnis geht an die aktuell erhältliche Traktor TSI. Dort sind zwar alle elementaren Funktionen vorhanden, aber insgesamt wirkt das Mapping unreif und unfertig. Scratchen war damit nicht möglich, da die Jogwheels nicht darauf reagierten. Und wenn man sich auf der Vestax-Seite das PDF mit den Belegungen ansieht, so haben einige Tasten(-kombinationen) zwar eine Beschriftung, aber keine Zuweisung. Dies ist schade für all jene, die gerne out-of-the-box starten möchten und/oder mit einem eigenen Mapping überfordert sind. Alle anderen, die sowieso selbst mappen, wird dies eher weniger tangieren. Daher und auch im Hinblick darauf, dass man diesen Mangel recht schnell abstellen kann (indem man eine neue, verbesserte TSI anbietet), läuft dieser Punkt ohne Wertung. Trotzdem wollten wir dies nicht unerwähnt lassen.

Unter’m Strich
Alles in allem ist der Vestax VCI-400 ein wirklich tolles Gerät und auch seinen stolzen Preis wert. Ein Vergleich mit dem S4 wäre nicht fair, da dem S4 das Metallkleid und dem VCI-400 das NHL-Protokoll sowie die beiliegende Traktor Pro Version fehlen. Gegenüber dem MC6000 braucht er sich auch nicht zu verstecken. Die Standalone-Mixer-Funktion mag zwar fehlen, aber dafür hat man ein wesentlich Traktor 2 kompatibleres Layout. Ein Duell mit Numark’s NS6 ist auch nicht wirklich als Klassenkampf anzusehen, da dieser zwar Itch-kompatibel, dafür aber ungleich größer und eine ganze Ecke teurer ist. Wie man sieht, sind die aktuell anvisierten 799 €* durchaus gerechtfertigt, denn die Vorteile überwiegen die “Nachteile” mehr als deutlich.

Vestax VCI-400 neuer Preis (595 €)
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