ALLEN&HEATH XONE:DB2 – Review

Mit dem DB2 schickte Allen&Heath vor kurzem eine “kleinere” Alternative zum aktuellen Aushängeschild Xone:DB4 ins Rennen, die wir für ein Review mal unter die Lupe genommen haben.

Entgegen der ersten Vermutung steht die “Zwei” im Modellnamen nicht für die Anzahl der Kanäle, sondern für die der Effekt-DSPs. Derer wurden dem DB2 nämlich “nur” zwei spendiert, während beim DB4 jeder der vier Kanäle seine eigene FX-Engine besitzt – inkl. zusätzlicher Loopsampler pro Kanal, welche beim DB2 ebenfalls nicht vorhanden sind. Und abgesehen von der ein oder anderen Einschränkung (bezogen auf die Funktionsvielfalt) sind sich die beiden Geräte wirklich sehr ähnlich.

Der Xone:DB2 ist ein volldigitaler Vierkanalmixer mit einem zusätzlichen Mikrofonkanal, welchen man alternativ auch mit einer Line-Quelle beschicken und somit als quasi fünften Kanal nutzen kann. Sowohl analoge als auch digitale Quellen können über die Inputmatrix auf jeden beliebigen Kanal gelegt werden. Gleiches gilt auch für die vier USB-Ausgangskanäle vom integrierten Audio-Interface. Über X/Y-Kippschalter können den Kanälen nicht nur die Crossfaderseite, sondern eben auch einer der beiden Effekt-DSPs samt Bipolarfilter zugewiesen werden. Wird der CF dabei nicht benötigt, so läßt er sich über das Settingsmenü komplett deaktivieren, wie übrigens viele andere Dinge – doch dazu später mehr.

Anschlussmöglichkeiten / Eingangsquellen

Der Mixer besitzt an der Rückseite vier Cinchpaare für analoge Quellen, zwei davon mit einem physischen Phono-Line Wahlschalter und die anderen beiden über das Settingsmenü umschaltbar (diese beiden Kanäle, nämlich 1 & 4, sind mit einem Software-Preamp ausgestattet, während bei 2 & 3 ein physikalischer Vorverstärker verbaut ist), jeder Anschluß übrigens separat. Heißt also, man kann bis zu vier Plattenspieler oder CD-Player (bzw. andere Line-Quellen) oder eine beliebige Kombination daraus anschliessen. Digitale Gerätschaften können übrigens auch an einer der zwei Koax-Buchsen angedockt werden. Am Mikrofonkanal steht neben der XLR-Buchse auch alternativ ein Cinchpaar zur Verfügung, über das man eine weitere Line-Quelle per “Notkanal” betreiben kann. Ist der DB2 per USB mit einem Computer verbunden, so stehen über das Audio-Interface vier weitere Stereokanäle zur Verfügung, die sich wie ihre physischen Kollegen über die Inputmatrix auf jeden der 4 Channels legen lassen.
Wenn man was reingibt, dann möchte man sicher aus was raus bekommen. Hierfür bietet der Mixer zwei getrennt regelbare Ausgänge, nämlich Master (XLR symmetrisch) und Booth (6,3mm Klinke symmetrisch), sowie einen analogen (per Cinch) und digitalen (Koax) Record-Out. Zum Vorhören gibt es eine große (6,3mm) und auch eine kleine (3,5mm) Klinkenbuchse auf der Oberseite. Ein kleines Highlight stellen die 8 Ausgänge vom integrierten USB Audio-Interface dar, denn diese lassen sich individuell mit allem belegen, was der Mixer an Ein- bzw. Ausgängen oder Anschlüssen zur Verfügung stellt. So kann man die analogen oder digitalen Eingänge, das Mikro, die 4 Channels oder Master, Booth bzw. Rec-Out, oder aber den Kopfhöreranschluss direkt auf den Rechner schicken, und davon eben vier nach freier Wahl. Genial!

Equalizer / Filter
Wie auch schon beim DB4 kann man zwischen Equalizer, Isolator oder eben Filter wählen. Da es am DB2 hierfür aber keine Schalter pro Kanal gibt, lässt sich die entsprechende Auswahl nur über das Settings-Menü und dann aber global für alle 4 Kanäle tätigen. Ein Umschalten on-the-fly ist daher mit einer kleinen Stolperfalle versehen, insbesondere wenn man auf den Filtermodus oder von dort zurück auf Equalizer wechseln möchte, da die Drehreglerstellung sofort übernommen wird und es zu schlagartigen Klangänderungen auf allen Kanälen kommt. Mit ein wenig Übung lässt sich dies aber auch ins laufende Set einbinden, ohne dass es jemand merkt.
Gerade der Filtermodus macht richtig Laune: oben LoPass, unten HiPass und der mittlere, nach links versetzte Drehregler steuert die Filterresonanz. Doch auch die anderen beiden Modi können überzeugen. Auf einen vom Xone:92 gewohnten 4-Band-EQ muss man bei der DB-Reihe bisher allerdings leider verzichten. Eine spätere Implementierung dieses Features, sei es bei neuen Modellen oder bei den Verfügbaren per Firmware-Update, ist allerdings nicht ausgeschlossen.
Der Mikrofonkanal (bzw. der fünfte Kanal) ist übrigens mit einem “normalen” Zweibandequalizer (Hi/Lo, jeweils ±15dB) ausgestattet.

Linefader / Crossfader
Die vier Linefader sind je 60mm lang und deren Ansprechverhalten lässt sich über das Setup-Menü anpassen (Sharp/Mid/Gentle). Sie laufen weder zu leicht, noch zu schwer in der Führung und haben die vom 92er/42er/22er/3D|4D  flachen Faderkappen mit Xone-Logo.
Der Crossfader misst 45mm und seine Kurve kann ebenfalls über das Menü dreifach angepasst werden. Wer den CF nicht benötigt, der kann ihn auch komplett deaktivieren. Die Seitenzuweisung der einzelnen Kanäle erfolgt über kleine X|Mix|Y Kippschalter. Über selbige werden übrigens auch die beiden Effekteinheiten zugewiesen, was quasi eine Doppelfunktion zur Folge hat. Soll heißen: ist Kanal auf Y eingestellt, so gilt für ihn die rechte Crossfaderseite (falls CF nicht deaktiviert wurde) und gleichzeitig auch die rechte Effektsektion. Zu guter letzt kann man im Menü noch wählen, ob der Crossfader Pre- oder Post-FX agieren soll, also ob der CF vor oder nach dem Effekt greifen soll. Ist dies “Pre-FX” eingestellt, bleibt der “Wet”-Anteil hörbar, während das ursprüngliche Signal (also der Dry-Anteil) ausgeblendet werden kann. Bei Post-FX werden beide Signal-Anteile ausgeblendet, wenn der CF auf die andere Seite geschoben wird.

Effekte / Filter
Kommen wir nun also zum eigentlichen Highlight vom DB2, nämlich den beiden Effekteinheiten mit integriertem Bipolar-Filter. Die beiden FX-Units sind mit FX-X und FX-Y betitelt und werden, wie auch der Crossfader, über einen Kippschalter den gewünschten Kanälen zugewiesen. Alle 4 Linechannels und auch der fünfte Mikrofon- bzw. “Not”kanal können somit einer Effekteinheit zugeordnet werden – EINER Effekteinheit! Gleichzeitiges Zuweisen beider Units auf ein und denselben Kanal ist nicht möglich, jedenfalls nicht direkt. Hier kann man nur über den Umweg der Inputmatrix agieren und die Eingangsquelle auf zwei Linechannels legen, anschließend beide Kanäle je einer Effekteinheit zuweisen und dann nach Lust & Laune effektieren. Die Effekte lassen sich übrigens nicht vorhören, da sie Post-Fader agieren, sprich nach dem Linefader abgegriffen werden.
Beiden FX-Units stehen 5 verschiedene Effektgruppen zur Auswahl, in denen es dann zahlreiche Variationen an unterschiedlichen Effekten gibt: DLY (Delay), VRB (Reverb), RES (Resonance), MOD (Modulation) & DMG (Damage). Mit den großen Wet/Dry Reglern wird ein aktivierter Effekt stufenlos zugemischt und die Expression über einen weiteren Drehregler bestimmt. Weitere Einstell- und Modulationsmöglichkeiten erfolgen über den Push-Encoder unterhalb des Displays, um zumeist Timing und Frequenzband anzupassen. Auf dem Display finden sich übrigens alle relevanten Infos wie Effektname, (erkannte) BPM, Timing und gewählter Frequenzbereich, sowie global die ausgewählte Equalizer- und Crossfadereinstellung.
Die Xone-typischen umfangreichen Analogfilter mit HiPass, BandPass, LoPass, Resonanz & LFO sucht man am DB2 vergeblich. Stattdessen hat Allen&Heath zwei Bipolarfilter verbaut, die wie die Effekte geroutet und parallel eingesetzt werden können. Einerseits mag das Fehlen klassischer VCF als Nachteil erscheinen, wird jedoch durch die Möglichkeit, den Equalizer auch als Filter nutzen zu können, recht gut kompensiert. Und wenn man zu viel filtert, bleibt nicht mehr viel übrig, was am Ende dabei rauskommen könnte…

Integriertes USB Audio-Interface
Über das Interface stehen einem 8 Ein- und 8 Ausgänge zur Verfügung, jeweils in 48 kHz / 24 bit (fester Wert, lässt sich nicht ändern). Alle Ein- und Ausgänge können sehr flexibel und vielseitig zugewiesen und genutzt werden. Vor allem die Inputmatrix spielt dabei ihre Stärke aus, da man Routingänderungen ohne Weiteres im laufenden Betrieb erledigen kann und nicht erst in den Audio-Settings der Software tätig werden muss, was u.U. auch mal zu galanten Soundaussetzern führen kann. Wie schon erwähnt, stehen für den Weg vom Mixer zum Rechner ebenfalls 8 Kanäle zur Verfügung, die sich mit nahezu allem belegen lassen, was der Mixer bietet: sei es das direkte Abgreifen der Eingangsquellen, eines einzelnen Linechannels, dem Mikrofon oder aber der Mastersumme, entweder als Rec-Out, Master- oder Booth-Level. Hieraus ergeben sich dann einige interessante und vor allem kreative Möglichkeiten, wie z.B. das Bilden einer Effektschleife über den Laptop, um das Plattenspielersignal direkt durch Traktor oder Ableton zu leiten.
Die Soundqualität ist makellos und gibt keinerlei Anlass zur Kritik. Einzig der Ploytec Audio-Treiber ist noch etwas verbesserungswürdig, da dieser Traktor z.B. Hotplug-UNfähig macht. Heißt im Klartext: DB2 als Audio-Interface definiert, Traktor Kontrol X1 ím laufenden Betrieb abgezogen und schwupp – Stillstand. Betrifft bisweilen aber ausschließlich Windows-Systeme und wurde von AudioTechnica bereits als bekannt bestätigt, ein Firmware- bzw. Treiberupdate für die Behebung dieses Fehlers ist laut Aussage schon in der Mache und in Kürze erhältlich.

MIDI
Fast alle Regler senden – parallel zu ihren eigentlichen & mixerinternen Funktionen – per USB auch einen MIDI-Befehl an einen angeschlossenen Rechner. Die, die es im normalen Betrieb nicht tun (FX Select, FX Type & alle globalen Drehregler), machen es aber spätestens, sobald man die MIDI-Shift Taste drückt – und zwar ausschließlich, d.h. die dahinter verborgene Mixerfunktion ist solange inaktiv. Dieser Shift-Modus kann wahlweise “getoggled” (also dauerhaft an- bzw. ausgeschaltet) oder gehalten werden, je nach dem ob man nur kurz drauf drückt oder den Knopf gedrückt hält. Der DB2 kann dadurch auch perfekt zum Steuern einer beliebigen Software genutzt werden, oder aber zum Videomixing mit z.B. Serato Scratch Live & Serato Video, wo eine solche Doppelfunktion von Audio & MIDI sehr nützlich sein kann. Weiteres nettes Feature: wurde der Crossfader per Menü dekativiert (weil man ihn zum Mixen nicht benötigt), so liefert er dennoch MIDI-Befehle und kann somit eine exklusive Software-Funktion übernehmen.

Settings Menü / Display
Im Standardbetrieb liefert das Display Informationen zum gewählten Effekt und dessen Einstellungen für beide FX-Einheiten, sowie dem aktuellen Equalizer-Typ & der Crossfader-Kurve bzw. CF off. Wurde der MIDI-Shift betätigt, so ist dies in der Anzeige dann auch mehr als deutlich zu lesen. Über den MENU Button gelangt man dann in die (Un-)Tiefen der individuellen Einstellungsmöglichkeiten, seien es die Equalizer- oder Crossfader-Settings, oder aber die Adavanced Settings. Letzterer Punkt bietet wirklich sehr viele Anpassungsoptionen, die man dem Mixer auf den ersten Blick gar nicht ansieht. Die Liste geht von BPM Range (für die Geschwindigkeitserkennung bei Effekten) über Helligkeit der LEDs, erweiterten Einstellungsmöglichkeiten für Master/Booth/Headphone/Rec-Out, Meter Mode (Levelanzeige), Software-Phonovorverstärker f. Kanal 1 & 4, Linefader-Kurve, Effektverhalten des Crossfaders bis hin zum Routing der einzelnen USB-Eingänge. Über eine Resetfunktion kann das Gerät wieder in den Auslieferungszustand versetzt werden, ein Speichern und Abrufen von eigenen Presets (wie z.B. beim DB4) fehlt leider. Die “About” Seite liefert schließlich noch alle Infos zu Geräte-ID, Software und Firmware. Ist letztgenannte in einem update-fähigen Zustand, wird der Fortschritt vom Firmware-Flash ebenfalls im Display angezeigt.

X-Link
Über die X-Link Buchse können zukünftige X-Link fähige Xone-Geräte miteinander verbunden werden. Den Anfang macht der bald erscheinende Xone:K2 Controller (verfügbar ab Mai/Juni,  jetzt vorbestellen), der per X-Link dann mit Strom versorgt wird und seine MIDI-Befehle ans Basisgerät sendet, über das sie den Weg zum Rechner finden. Am DB4 ist diese Buchse mit dem letzten Firmware-Update bereits zum Leben erweckt worden, beim DB2 sucht man einen solchen Eintrag im Settings-Menü noch vergeblich. Entweder kommt der DB2 also gänzlich ohne Einstellungsmöglichkeiten aus, oder aber es steht zum entsprechenden Zeitpunkt ein Update ins Haus – eben spätestens zum Release der K2 Controller.

Fazit:
Der Xone:DB2 macht wirklich sehr viel Spass und bietet eine ganze Menge Mixer für eine ganze Menge Kaufpreis. Aber eigentlich ist der Preis durchaus gerechtfertigt, denn neben einem grundsoliden Vierkanalmixer erhält man quasi zwei vollwertige (und klanglich absolut herausragende) Effekteinheiten sowie ein 48kHz/24bit USB Audio-Interface mit 8 In- & Outputs. Rechnet man nun die MIDI-Funktion & die zahlreichen Einstellmöglichkeiten dazu, so wirken die knapp 1500 € eigentlich schon fast wie ein Schnäppchen.
Für den ambitionierten Zwei- oder auch Dreideck-DJ (egal, ob dieser mit Vinyl, CD oder PC spielt) ist der Xone:DB2 ein toller Alleskönner mit reichlich Featureangebot. Die Effekte zu nutzen macht einfach nur Spass, weil sie sauberst klingen und frisch wirken – als bestes Beispiel sei hier nur ein frequenzselektives 3/4 Delay auf den mittleren bis oberen Frequenzen genannt, das dem Track einen genialen Groove verpasst, während die 4/4 Bassdrum weiterhin absolut straíght und sauber nach vorne drückt.
Wer jedoch gerne und oft auf vier Decks unterwegs ist, sollte lieber gleich zum DB4 greifen. Die FX-Unit pro Kanal und auch die Möglichkeit, den Equalizertyp selektiv pro Channel wählen zu können, sind beim Vierdeckbetrieb nicht zu unterschätzen – ich jedenfalls hatte ab und zu ein paar Orientierungsprobleme, welche Effekteinheit nun auf welchen Kanal geroutet ist.
Dass bei den ganzen im Review genannten Features noch nicht Schluss sein muss, hat das vor kurzem veröffentlichte Firmware-Update für den Xone:DB4 gezeigt. Auch beim DB2 besteht also die Möglichkeit, dass A&H noch das ein oder andere Gimmick spendiert, was den Mixer dann noch ein Stück brauchbarer macht, als er sowieso schon ist.
Abschließend ist zu sagen, dass der Test wirklich viel Spass gemacht hat und der DB2 wirklich überzeugen kann. Wer auf der Suche nach einem neuen Mixer die Investition von aktuell 1499 € nicht scheut und wem zwei Effekteinheiten ausreichen, der sollte dieses Gerät auf jeden Fall in seine engere Auswahl aufnehmen.

A&H Xone:DB2 beim Musikhaus Thomann (1029 €)
alternativ gleich zum Xone:DB4 greifen

Xone:DB2 Produktseite bei Allen & Heath

Von uns vorgestelltes DJ Equipment könnt Ihr hier günstig kaufen!

 

Neueste Beiträge des Autors: