ALLEN & HEATH XONE:K2 – Review

Vor gut 5 Jahren sorgte A&H mit dem Xone:1D für mächtig Wirbel, da dieser der erste wirklich brauchbare Deck-Controller für Traktor war. Hat der K2 das Potential für eine ähnliche Karriere?

Zugegeben, damals war der Markt wesentlich überschaubarer und schon allein deswegen nicht so hart umkämpft wie heute. Aber wer regelmäßig seine Hausaufgaben macht und im Unterricht nicht allzu unaufmerksam ist, kann sich beim Auswerten der Prüfungsergebnisse entspannt zurücklehnen und braucht nicht befürchten, durchgefallen zu sein. Und durchgefallen ist Allen & Heath mit dem neuen Xone:K2 absolut nicht. Eigentlich ist der K2 ja auch nicht der Nachfolger des 1D, sondern vielmehr des Xone:2D, welcher zu seinen Lebzeiten nicht mal ansatzweise an den Erfolg des “kleinen” 1D anknüpfen konnte. Dies sei nur der Vollständigkeit und Richtigkeit halber mit erwähnt. Doch nun kommen wir zum Review.

Beim Xone:K2 handelt es sich um einen USB MIDI Controller mit integriertem USB Audio Interface und interner Layer-Funktion. Letzteres ist sowas wie “Shift 2.0” und wird im Laufe dieses Artikels noch ausführlich erklärt. Passend zu den anderen aktuellen Gerätschaften aus der Xone-Serie (DB2 & DB4) besitzt auch der K2 zwei X-Link Buchsen (In/Out), um per RJ45-Netzwerkkabel mehrere dieser Kandidaten miteinander zu vernetzen und so die Controllerdaten gesammelt über eine einzige USB-Verbindung zum angeschlossenen Rechner zu senden bzw. um die Controller mit Energie zu versorgen. Ausgeliefert wird er mit einer Transporttasche, die auch gleichzeitig als Unterlage fungiert, um den Controller im Betrieb auf Mixerhöhe zu bringen. USB- und Netzwerkkabel sowie Installations-CD komplettieren das (sehr nüchterne weil Karton-braune und unscheinbare) Paket.

Verarbeitung & Abmessungen
A&H setzt nun eher auf Leichtbau und hat dem Xone:K2 deswegen ein Kunststoffhaus mit Metalldach (= Deckplatte)spendiert, mit dem sämtliche Encoder & Fader auch fest verschraubt sind. Alle Drehregler besitzen gummierte Kappen. Die illuminierten Buttons sind ebenfalls gummiert, haben einen angenehmen und deutlich spür- & hörbaren Druckpunkt und reagieren sehr zuverlässig. Das Prellen wie man es vom 1D kennt gehört somit endlich der Vergangenheit an!
Mit 135 x 358 mm besitzt der K2 einiges mehr an Oberfläche als z.B. der Traktor Kontrol X1, was zwar einerseits mehr freier Platz im Equipment-Bag und auf dem DJ-Pult bedeutet, andererseits der Ergonomie und vor allem der Anzahl an Bedienelementen wieder zu Gute kommt. Die geringe Höhe von 3 bzw. ca. 5 cm und 1 kg Lebendgewicht machen ihn dennoch zu einem angenehmen weil unkomplzierten Begleiter. Die im Lieferumfang befindliche Hartschalentasche ist nur unwesentlich größer und dient neben Transportschutz auch gleichzeitig als Unterlage, um Höhe zu gewinnen.
Punktabzug gibt es aber auf jeden Fall für die fehlende Anti-Rutsch-Einrichtung! Der Controller hat zwar vier Standfüße, auf glatten Unterlagen finden diese aber absolut keinen Halt. Bei der Tasche (wenn man sie als Unterlage verwendet) zeigt sich ein ähnliches Ergebnis. Hier heißt es also entweder aufpassen, selbst nachbessern oder hoffen, dass auch der Hersteller dies erkennt und Abhilfe schafft. Alles in allem macht das Gerät aber eine gute Figur und einen robusten, road-tauglichen Eindruck.

Integriertes USB Audio-Interface
Die im K2 verbaute Soundkarte liefert bis zu zwei separate Stereoausgänge in 44,1 bzw. 48 kHz Samplerate und 16 bit Auflösung. Akustisch wie latent gibt es nichts zu meckern, der Sound wirkt druckvoll, klar definiert und sauber, die Verzögerung kann (je nach Rechnerleistung) bis auf ein Minimum reduziert werden. Allerdings gibt es nur ein Cinchpaar an der Rückseite, der andere Ausgang befindet sich an der Front in Form eines 3,5mm Klinkenanschlusses. Gut, wer im “internen” Modus spielt und den Kopfhörer dann sowieso am Controller resp. Audio-Interface anschließt, jedoch suboptimal für den User eines externen Mixers, da man ein unvorteilhaftes Kabelwirrwarr erzeugt.
Wer nun zwei dieser Module einsetzen und somit in den Genuß beider Soundkarten kommen möchte, braucht auf jeden Fall ein zusätzliches Hilfmittel, da über X-Link ausschließlich der MIDI-Controller kaskadiert wird und nicht die Audio-Interfaces. MAC User nehmen diesen Umstand mit einem kurzen Lächeln an, da der K2 sowieso über den nativen CoreAudio Treiber läuft und MacOS ohnehin die Möglichkeit bietet, von Haus aus mehrere Soundkarten zu einer Virtuellen zu verschmelzen. Die WIN-Fraktion muss zu einem Zusatztool greifen, um selbiges Ergebnis zu erzielen.

k2_4aMIDI & Latching Layers
In Sachen MIDI hat der K2 auf jeden Fall den größten Fortschritt gemacht, da Allen & Heath genau dort nachgebessert hat, wo es am nötigsten war: an den Buttons und den Endlosdrehreglern. Beide haben beim 1D die größten Bauchschmerzen verursacht, weil sie einfach nicht zuverlässig waren.
Neben 6 Endlos-Pushencodern und 12 Drehreglern mit Anschlag (aber ohne Mittenrasterung) gibt es vier Fader und 29 hintergrundbeleuchtete Druckknöpfe. Eigentlich sind es ja 30 Buttons, einer jedoch steuert die schon eingangs erwähnte Layerfunktion. Auf diese könnte man zwar auch verzichten und Button #30 genauso wie seine 29 Kollegen verwenden, würde damit aber ein wirklich tolles Killerfeature außer Acht lassen.
Dieses Feature nennt sich Latching Layers und ermöglicht unterschiedliche Arten, die integrierte Mehrfachbelegung zu nutzen. Wahlweise können nämlich nur die unteren oder nur die oberen Buttons & Pushencoder, alle Buttons & die 4 oberen Pushencoder oder komplett alle Bedienelemente ge”layer”t, d.h. mit bis zu 3 unterschiedlichen Funktionen belegt werden. Somit bleibt ausreichend Spielraum für jeden erdenklichen Einsatzzweck und persönlichen Geschmack. An der Farbe des Layerbuttons erkennt man dann, in bzw. auf welcher der drei Ebenen man sich gerade befindet. Schön wäre allerdings die Option gewesen, zwischen 2 oder 3 Layern auswählen zu können – eben für alle, die keine 3 Ebenen brauchen und beim Umschalten per Layerbutton stets alle drei Farben durchklicken muss.
Im Manual gibt es ausreichend Infos zu den aus- wie auch eingehenden MIDI-Befehlen, und das Einstellen von Layern & MIDI-Channel ist ebenfalls leicht verständlich dokumentiert.

Fazit
Nun, unsere Meinung zum Xone:K2 ist zweigeteilt. Auf der einen Seite ist er wirklich ein würdiger Nachfolger der inzwischen eingestellten xD-Serie mit besseren Buttons, integrierter Layer-Funktion (die zudem wirklich fortschrittlich und innovativ gestaltet wurde!) und gutem Preisleistungsverhältnis in Anbetracht auf all die gebotenen Features und den Lieferumfang. Andererseits hinterlassen gerade der fehlende zweite Cinchausgang, die nicht vorhandene Kaskadierbarkeit der Soundkarten über X-Link und der Dreifachzwang bei der Nutzung der Layer-Funktion einen deutlich sichtbaren Grauschleier auf der ansonsten blütenweißen Weste. Letzteres läßt sich sicherlich über ein Firmware-Update schnell verbessern, für die anderen beiden Kritikpunkte ist aber sicher mehr Aufwand nötig.
So oder so, der Xone:2 ist ein flexibler und gut durchdachter MIDI-Controller, dür den sich viele Einsatzgebiete ergeben können – egal ob DJ-Software wie Traktor bzw. als Ergänzung zum DVS (Serato Scratch Live, Traktor Scratch, …), beim Liveact bzw. im Studio mit Ableton Live & Co. oder aber in Verbindung mit einem Lightjockey-Tool. Wer zwar einen Controller aber keine Soundkarte braucht, muss entweder trotzdem mehr kaufen als er benötigt oder aber – vermutlich – sich noch ein wenig gedulden, bis der [ACHTUNG: Spekulation] K1 kommt, der baugleich zum K2, aber eben ohne Audio-Interface und daher günstiger sein wird. Ob das so kommt und wann das sein wird – wir wissen es nicht…

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