Preview BPM-Show 2013 – Leaks, Gerüchte und Theorien

Die BPM-Show ist für mich nach wie vor eine der interessantesten DJ-Messen in Europa. Dieses Jahr findet die Messe etwas früher statt, nämlich vom 14.-16.9.2013. Auch wenn der momentane DJ-Technik Markt recht übersättigt aussieht, so kursieren natürlich auch dann noch Gerüchte über potentielle Neuheiten umher. Wie in den beiden vorangegangenen Jahren juckt es mich da natürlich in den Fingern, diese Gerüchte mit ein paar Erfindungen zu vermengen und noch eine Prise Vermutungen und Spekulationen darüber zu geben, so das die Grenzen zwischen Wahrheit und Theorie verschwimmen. Was davon Leaks oder Unwahrheiten sind, werde ich natürlich nicht verraten, denn das wird die Zeit erledigen.

Pioneer

Pioneer hat seit der Erscheinung des DDJ-T1 Controller eine recht ordentliche Frequenz eingerichtet, wenn es um die Zahl der jährlichen Vorstellungen von neuen DJ-Produkten geht. Neben einer komplett überarbeiteten Controller-Strategie wurden auch die CD-Player zu Multifunktionsgeräten aufgerüstet.  Nach der Verkündung, dass Technics die Produktion des legendären 1210ers einstellt, war für Pioneer der Weg frei, um die CD-Player-Serie noch weiter in den Fokus der Clubs zu rücken. Denn das Ziel ist es den Clubstandard neu zu definieren und komplett ab zu decken. Denn was in den Clubs genutzt wird (also von den Profis) wird überall genutzt werden. Grundsätzlich ist das keine schlechte Idee, wenn sich da nicht drei Lücken in diesem Gedankengang auftun würden.

1. Wie will man den Zerfall des Clubstandards durch das ganze Controller-Gesocks aufhalten, die ohnehin ihren Kram zum Gig mitbringen und auf eine Sync-Taste drücken ohne je das harte Beatmatching Handwerk an einer 15-Kilo-Maschine mit direkt angetriebenen Drehtisch erlernt zu haben?

2. Wie soll man als Hardwarehersteller auf einem Markt agieren, der von zwei Software Herstellern beherrscht wird (von denen einer auch Hardware anbietet)?

3. Wird man die ganzen Vinyl-DJs wirklich dazu bekommen auf einem CD-Player weiter aufzulegen?

Die Antworten darauf sind eigentlich recht plump und wurden teilweise auch schon in die Realität umgesetzt:

1. Man nimmt die CD-Player-Serie, erweitert sie zu MIDI-Controllern mit HID-Support für die führenden Softwares und gewährt einer Synctaste den Zugang auf das Hardware-Layout.

2. Man kooperiert mit dem Software Hersteller, der kein Hardware herstellt (ich nenne ihn einfach mal Serato) und beweißt ihm mit einem Paradebeispiel (Das nenne ich jetzt einfach mal DDJ-SX), wie erfolgsversprechend die Kooperation doch sein kann, im Vergleich zu allen anderen potentiellen Hardwarepartnern. Damit hat man dann auch einen Plan B, falls Punkt 1 scheitern sollte.

3. Nein. Jeder Vinyl-Sammler wird bestätigen können, dass die Nutzung eines CD-Players in der DJ-Kanzel mehr ein Kompromiss ist, als dass man das Berühren eines nicht motorisierten Plattentelllllllll……ach ne……. Jogwheels aus Überzeugung macht. Und bevor man Gefahr läuft auf einem Gig mit einem DVS anzurücken, auf dem gar keine Turntables mehr stehen, neigt man dazu die ganzen Promos aus den Bemusterungspools und die eigenen Produktionen lieber als WAV auf eine CD zu brennen, um zumindest über den Sound noch die eigene “Realness” zu demonstrieren.

Wie man den oben aufgeführten Lösungen entnehmen kann fehlt es Pioneer also nur an einer Produktgattung, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Um dieses Ziel zu erreichen braucht Pioneer einen Turntable mit integriertem Serato-Interface? Damit würde man der Vinylfraktion einen großen Gefallen tun, hätte einen Majorplayer als Softwarepartner und würde den Clubstandard neu definieren. Und das alles von einer Marke, die Jahrelang ohnehin schon in en Clubs etabliert ist. Ob das Interface dann für Scratch Live oder einer Zusammenführung aus Scratch Live und Serato DJ ist, wird sich dann noch zeigen. Aber damit Rane nicht böse wird, wird es ein Serato DJ mit DVS Unterstützung sein.

pioneer_tt-dvs

Pioneer TT-SL1, Turntable mit integriertem Serato-Interface

Damit die bereits schon eingeschworenen Pioneer Controllerists dennoch nicht leer ausgehen, wird es noch einen 2-Kanal Controller geben, der im Gegensatz zum DDJ-SX wesentlich portabler sein wird. Bis auf die Reduktion auf 2 Kanäle ist er aber vom gleichen Funktionsumfang, wie der große Bruder und kommt ebenfalls mit Serato DJ im Lieferumfang.

DDJ-S2_top

Native Instruments

Die letzten Aktivitäten von NI waren zum größten Teil mit Preisreduzierungen verbunden. Vor allem die Controller Traktor Kontrol S2 und S4 wurden so massiv im Preis gesenkt, dass es vermutlich einen Nachfolger geben wird, der mit einem neuen Layout auf die aktuelle Traktor Pro Version angepasst wird.

NI Traktor Kontrol S4 MK2

NI Traktor Kontrol S4 MK2

Anders als Pioneer, hat Native Instruments den Weg zur Weltherrschaft strategisch etwas differenzierter aufgebaut. Statt sich zum Ziel zu machen den Clubstandard zu bilden, um so die Zielgruppe DJ in den eigenen Bann zu ziehen, hat man sich viel weitläufigere Unterwanderungen ausgedacht. Man schafft einfach Produkte für alle anderen Menschen und macht diese damit zu DJs, indem man ihnen etwas in die Hand drückt, was sie eh schon besitzen, sprich eine App für ihr Smartphone oder Tablet. Damit hat man dann im Handumdrehen eine viel größere Fangemeinde, als die Gruppe Menschen, die sich irgendwann mal den Clubstandard leisten möchte. Als Tool zur Erfolgsmessung dieser genialen Idee hat Native Instruments nämlich vor kurzem das Traktor DJ Cable veröffentlicht, mit dem man nicht nur das Audiosignal des iOS-Gerätes splitten kann, sondern auch dem Traktor DJ App-User unterschwellig suggeriert ein DJ zu sein, weil er nun ein Stück DJ-Hardware besitzt. Es ist also fast wie ein Zertifikat, dass man in Form eines 20.- Euro Y-Kabels kaufen kann.

hawtin_Z4Diese Durchdringung der Gesellschaft ist natürlich ein sehr hoch gestecktes Ziel und eine solche große Anzahl von neu gewonnen DJs muss natürlich kontrolliert werden, damit diese nicht in Versuchung geraten einer anderen Marke zu huldigen. Deswegen hat man bereits damit begonnen weltweit Kontrol-Zentren einzurichten. Neben der Hauptzentrale in Berlin hat man bereits Stützpunkte in L.A. und Tokio aufgebaut und  wird demnächst einen weiteren strategisch wichtigen Punkt einnehmen, der aus historischer Sicht nicht nur dafür bekannt war, dass man die Landessprache in die Welt getragen, sondern vielen Völkern auch die Zivilisation geschenkt hat. Ja, die Rede ist von England. Damit das neue “Office” in London auch Akzeptanz bei der Bevölkerung finden  wird hat man sich einen englischen Botschafter aus der Artist-Riege geholt, der mit einer Friedenspfeife in Form des neuen Traktor Kontrol Z4 Mixers für gute Stimmung sorgen soll. Der Traktor Kontrol Z4 ist die 4-Kanal Variante vom Z2 und beherbergt ebenfalls ein Ni-Interface für Traktor Scratch, ein USB-Hub und natürlich MIDI-Knöpfe und Regler zur Softwaresteuerung. Für ca. 999.- Euro soll der Mixer in direkter Konkurrenz zum Pioneer DJM-900 oder dem Rane sixtyeight stehen. Auch wenn es vielleicht auf der BPM vorerst nur einen Prototypen geben soll, ist spätestens zur NAMM, im Januar 2014 ein serienreifes Modell geplant.

Atomix

Atomix zeigt Virtual DJ 8 schon seit mehr als über ein Jahr jeweils in den aktuellen Schaffungsphasen ohne ein konkretes Releasedatum zu nennen. Mit der letzten Meldung von der DJ-Expo in Atlantic City wurde Virtual DJ 8 das Sandbox-Feature eingepflanzt, mit dem man praktisch ein laufendes Deck klont, um in dem darin befindlichen Track Vorbereitungen zu treffen, wie z.B. Cue-Punkte setzen oder vielleicht den nächsten Übergang auf dem Kopfhörer zu simulieren. Anhand dieser Tatsache freut man sich als User dann doch, trotz langer Wartezeit, wenn dabei Features heraus kommen, die es vorher noch in keiner anderen Software gab. Die schon etwas länger vorhandene Video-Mixing-Sektion in Virtual DJ soll nun ebenfalls mit Version 8 komfortabler werden. Um dem VJ das Downloaden von Videoinhalten für die eigene Performance zu vereinfachen, wird Virtual DJ eine “Video-Rip-Funktion” erhalten, mit der man z.B. direkt aus Virtual DJ 8 Videos von Youtube saugen und in den Mix einbauen kann, ohne einen Browser mit speziellem Download-Plug-In nutzen zu müssen. Die URL muss man sich dann vorerst schon über einen Browser besorgen, aber Gerüchten zu folge, arbeitet man bereits an einem Mini-Browser für Video-Plattformen, welcher ebenfalls in die Config-Maske von Virtual DJ 8 eingebaut werden soll. Auf den Alphatest Servern von VDJ gibt es zu mindest schon mal die einfache Version zu sehen, die aber leider noch nicht ganz bugfrei ist.

VDJ8_Videorip

Reloop

Das einzige was dem Reloop-Sortiment noch fehlt wäre ein Stand-Alone Mediaplayer, der völlig ohne Computer auskommt und eine eigene DJ-Software an Board hat und ein Controller, der sich mit irgend einem iOS-Gerät verbinden lässt. Bei den nachfolgenden Teaserbildern, die von der Reloop Website stammen, könnte es sich aber auch nur um ein Controller Update handeln, das nun trendige Trigger-Pads bekommen hat, um in der Serato DJ Liga mit einem Pioneer DDJ-SX in gleichen Gewässern zu schwimmen.

Bildschirmfoto 2013-09-04 um 17.49.37

Auf diesem Bild ist klar ein Jogwheel zu sehen, das vermutlich von Triggerpads umgeben ist, welche verschiedene Performance-Modi besitzen.

Bildschirmfoto 2013-09-04 um 17.40.22

…und noch mehr Pads…
Bildschirmfoto 2013-09-04 um 17.39.59

…noch mehr Pads mit einer Nummerierung, die man auch auf dem neuen Gemini G2V findet. In diesem Fall vielleicht Triggerpads für verschiedene Loopgrößen.

Numark

Numark hat zur NAMM-Show im Januar 2013 und zur Musikmesse im April schon ziehmlich viel Munition verfeuert. Aktuell scheint man damit beschäftigt zu sein nach und nach die Ankündigungen auszuliefern. Ob es zur BPM etwas neues zu sehen gibt ist deswegen eher fragwürdig.

Rane

In Sachen Rane stellt sich mit dem nächsten Release, falls es eines geben wird, eigentlich nur noch die Frage: Controller oder doch nur wieder ein zu teures Mischpult? Gerüchten zur Folge mussten bereits gewisse Handelspartner eine Verschwiegenheitspflicht unterschreiben, was zumindest bedeutet, dass etwas im Busch ist. Sollte es diesmal wieder nichts in Richtung Controller sein, dann hoffe ich für Rane, dass es nichts mit DJ-Equipment zu tun hat.

Rane Eighty-Eight

Rane Eighty-Eight

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Neueste Beiträge des Autors:

  • Stephan Fischer

    Süß, wie hier wieder von völlig fachfremden Idioten suggeriert wird, dass der Sync-Button quasi dass Endgültige Urteil über die Qualität des DJs fällt.

    Kaum haben sie das ausgesprochen, setzen sie sich ans vollsynchronisierte Ableton – ohne jemals eine Bandmaschine, einen Schneidetisch oder die Patchkabel eines Analogsynthesizers aus der Nähe gesehen zu haben.

    Von manuellem Timestretching oder Hardwaresamplern mal ganz abgesehen.

    Aber hier gegenüber digitaler Arbeitsweise den großen Analog-DJ-Meister spielen.

    Lächerlich. Werdet endlich erwachsen.

      • Stephan Fischer

        Ich wüsste nicht, woran man hier Ironie erkennen sollte ?!

        • rob-b

          Ich hoffe du beschimpfst nicht mich als fachfremden Idioten? In diesem Artikel sind einige Sachen extra auf die Spitze getrieben. Ich persönlich schlag mich auf keine der beiden Seiten (Controller vs Vinyl) und bin diese Diskussion eigentlich leid. Das habe ich auch in dem oben verlinkten Artikel deutlich gemacht.

  • Hi,

    am 14.09 ist ja die BPM-Show, kann man da eigentlich auch als Privatperson hingehen, oder ist das nur für Gewerbetreibende?

    Finde es nämlich in letzter Zeit immer schlimm, das viele Messen nur noch für Gewerbetreibende sind und nicht mehr für das “Fußvolk”.

    Freue mich auf Rückmeldung

    Grüße

    • rob

      Hi,
      die BPM ist eine konsumenten-Messe. Es rennen natürlich auch viele Businesstypen rum, aber die stehen eher im Hintergrund.

      Lg Rob