Bildschirm-Starren: 7 nützliche Tipps die dich beim Auflegen besser aussehen lassen

Seitdem der Laptop einzug in die DJ-Kanzel hält sind Auftritte von Laptop-DJs aus Sicht des Publikums mit einer negativen Eigenschaft behaftet, die ich an mir selbst auch schon oft genug wahrgenommen habe. Die Rede ist vom ständigen Starren auf den Bildschirm. Auch wenn man eigentlich im Sinne des Auflegens beschäftigt ist, so kommt es auf der anderen Seite eher so an, als würde man seine E-Mails checken oder auf Facebook surfen. Mit dieser Körpersprache vermittelt man dann ein Desinteresse am eigentlichen Partygeschehen, obwohl man ja zum Entertainen gebucht wurde. Unter dem Begriff “Serato Face” gibt es mittlerweile schon einige lustige Bilderansammlungen im Netz, unter denen auch bekannte Namen beim Glotzen auf den Bildschirm abgelichtet wurden.

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Natürlich ist es jedem selbst überlassen, in wie weit man sich beim Auflegen auf den Bildschirm fokussiert. Wenn man damals die nächste Platte in seinem Case gesucht hat, drehte man dem Publikum auch den Rücken zu, um sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Und diese Körpersprache ist ja mindestens genauso “schlimm” wie das Serato Face. Aber was soll man machen, wenn man dieses Starren wirklich reduzieren oder gar abstellen möchte? Wir haben 7 Tipps zusammengetragen, die Dir bei diesem Problem helfen werden.

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1. Kenne Deine Musik

Klar ist, dass man als Laptop DJ kaum eine Alternative hat, wenn man in der Trackliste sucht und scrollt, um den nächsten Übergang vorzubereiten. Davon abgesehen gib es für den Laptop DJ durch die Digitalisierung der Musik und Hardware ein Stolperfalle, die er unterschätzt. Heutzutage hat man die Möglichkeit von fast jedem Ort und zu jeder Zeit Musik zu besorgen, tja man kann sie sogar praktisch während des Gigs kaufen und abspielen. Das meist unterschätzte Risiko durch diese Fülle an neuem Material und dessen Verfügbarkeit ist, dass die Musik weniger Aufmerksamkeit bekommt. Man nimmt sich weniger Zeit die Titel komplett durchzuhören und im Mix auszuprobieren und hat am Ende einen Namen auf dem Schirm, den man weder vom Stil noch von der Stimmung zuordnen kann und schon gar nicht in irgend einen harmonischen Zusammenhang bringt. Deswegen ist es auch in unserem digitalen Zeitalter als DJ immer noch erforderlich seine Musik zu kennen, damit man weiß, wie und wann man sie einsetzt. Ansonsten ist man während des Auflegens mit dem Durchhören des nächste Titels beschäftig und im schlimmsten Fall wird man als Sync-Jukebox entlarvt.

2. Erstelle Playlists

Playlists sind das A und O beim Auflegen. Zumindest EINE sollte man haben, um sich selbst einen Rahmen zu stecken. Man kann zwar auch frei auflegen und die Dinge spontan entscheiden, aber bei der Titelmenge, die man heutzutage auf einem Rechner mitnimmt wird man nicht ohne Eingrenzung oder Sortierung effektiv arbeiten können. Als Vinyl- oder CD-DJ hatte man auch nicht die komplette Sammlung von zu Hause mitgenommen, sondern auch nur eine Vorauswahl, die man am besten noch mal durchgehört hatte. Digitale Playlisten bieten den Vorteil, dass man individuelle Sortierungen vornehmen kann ohne die elementare Sortierung (z.B. Ordnerstruktur) zu beeinflussen oder Dublikate der Titel erstellen zu müssen. So kann z.B. die Grundsortierung auf dem Rechner alphabetisch oder chronologisch sein und die selbst erstellten Playlisten eine Sortierung in Stil und Stimmung aufweisen. Wer völlig ohne Playlist arbeitet muss seine Musik verdammt gut kennen und sie auch schnell finden.

3. Interaktion

Mit “Seine Tracks kennen” und “Keine Übergänge versemmeln” ist ja eigentlich 90% der Arbeit schon getan, richtig? Was macht man also mit der gewonnen Zeit, die man nicht mehr mit dem Bildschirmstarren verschwendet? In der Nase popeln? Mädels abchecken? Ein Bier bestellen? Action ist angesagt und damit meine ich nicht das Pitchen! Sollte man seinen Job als DJ aus der Sicht eines Entertainers betrachten, so gehört Interaktion mit dem Publikum definitiv dazu. Mit einem Lächeln im Gesicht, vermittelt man Spaß an der Sache. Mitwippen und Tanzen bringt einen schon auf das Level des Publikums (sofern dieses auch tanzt). Und beim Mitsingen der Titel sollte das ganze dann mit Vorsicht seine Grenzen finden. Wenn man nicht ganz emotionslos ist, sollte das eigentlich für jeden in seiner persönlichen Art und Weise möglich sein. Hier lassen sich auch die altbekannten  EQ-Dreh-Akrobatiken oder ähnliches einbauen. Aber Vorsicht! Dies alles sollte in einem ausgewogenen Verhältnis zur jeweils aktuellen Stimmung stehen, sonst macht man sich auch ganz schnell zum Trottel.

4. Laptop anders platzieren

Der Screen liefert für den DJ ja nach wie vor wichtige Informationen, die unabdingbar sind und darüber hinaus auch das Arbeiten effektiver gestalten können. Marker und Waveforms zeigen einem z.B. wichtige Stellen für den nächsten Mix an. Es ist aber nicht unbedingt nötig diese Informationen zwischen sich und dem Publikum zu platzieren. Viele DJs platzieren ihren Rechner frontal und präsentieren sich ihrem Publikum in Form eines ausgeklappten Laptopdeckels, hinter dem sich jemand scheinbar mit Lesen beschäftigt, statt mit dem Publikum zu feiern. Viele DJ-Booths bieten nicht sonderlich viel Platz an, um den Laptop zu platzieren, aber auch für solche Fälle gibt es Laptopständer, um in der Positionierung variable zu bleiben. Eine seitliche Aufstellung des Rechners stört weniger, um mit der Tanzfläche Blickkontakt halten zu können. Vielleicht lässt sich der Rechner sogar so platzieren, dass ihn das Publikum gar nicht sieht.

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5. Die Minimalformel

Um das ständigen Starren auf den Screen zu unterbinden wäre natürlich das Einfachste, wenn überhaupt kein Rechner vorhanden wäre. Es ist aber nicht Jedermanns Sache nur mit einer Festplatte oder einem USB-Stick zum Gig zu kommen oder mit seinem Telefon oder Tablet PC aufzulegen. Sollte man auf den Laptop nicht verzichten können, so bringt eine Reduzierung der Benutzeroberfläche auf das Nötigste zu mindest den Vorteil nicht mit zu vielen Informationen gefüttert zu werden. Denn manchmal ist weniger auch mehr und vor allem die Feature-Überdosis, die manche DJ-Software Promo–Videos zeigen, sind im regulären Cluballtag gar nicht nötig. Wer also glaub ständig mit irgend welche Effekten, Loops etc. seine Performance aufzuwerten liegt in den meisten Fällen falsch, wenn er nicht gerade ein DMC-Online Video dreht oder an einem Laptopbattle teilnimmt.

6. Kenne dein Equipment

Hat man die voran gegangenen Punkte annähernd erfüllt, so bleibt ein Faktor offen, der wohl jedem DJ schon mal widerfahren ist. Das Auflegen mit fremden Equipment kann gerade bei Digital DJs böse ins Auge gehen. Wenn alleine das Kennenlernen des Equipments erst zur  tatsächlichen Spielzeit stattfindet ist Anspannung und Konzentration vorprogrammiert und somit auch der Spaßfaktor gleich null. Je mehr Routine schon vor dem Auflegen gesichert ist, desto besser sind die Chancen dem Publikum auch ein Lächeln zu schenken. Am besten ist es natürlich, wenn man mit dem eigenen Geraffel spielt, denn so hat vorher niemand etwas verstellt oder kaputt gemacht.

7. Ohren Auf

Einige DJ Softwares erlauben es die Synchronisation visuell vorzunehmen, in dem man die parallel verlaufenden Waveforms einfach im Blick behält und dabei darauf achtete, dass sich kein Versatz androht. Das bekommt dann doch den Charakter eines Computerspiels und fordert eine absolute Bildschirmkonzentration. Sofern man also nicht gerade 5 MC´s gleichzeitig auf der Monitorbox hat, ist das Mixing nach Gehör eine essentielle Sache, die nicht nur zu den Basics des Auflegens gehört, sondern auch gerade im Bezug auf Publikumskontakt die Augen entlastet.

Wenn Du weitere nützliche Tipps zur Vermeidung des Serato Face hast, dann poste Sie doch einfach hier. Du kannst uns aber auch generell Deine Meinung zu diesem Thema mitteilen!

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Neueste Beiträge des Autors:

  • Sven

    Moin, woher kommt denn der Begriff “Serato Face” ? 😀 😀

    • Ich glaube, er ist zum ersten mal im Serato Forum aufgetaucht. Der Ursprung müsste in den USA liegen, weil dort Serato Scratch Live sehr weit verbreitet ist und gerade in der Übergangsphase von Analog auf Digital das Laptopstarren ein Hauptkritikpunkt bei Skeptikern des neuen Mediums war/ist. Genau kann ich es aber auch nicht sagen. Vielleicht weiß es ja einer unserer Leser besser? 🙂