Future DJing – Womit wir in Zukunft auflegen werdenFuture DJing – What comes after laptop, tablet and smartphone

Laptop-Tablet-Smartphone… Aber womit legen wir in Zukunft auf?

Durch die Digitalisierung der Musik hat sich maßgeblich die DJ-Hardware verändert. Der Laptop hat seine Akzeptanz in der DJ-Kanzel gefunden und die  Hardware orientiert sich zum größten Teil daran, was die DJ-Software Hersteller vorgeben. Die letzten 5 Jahre haben gezeigt, dass sich auch die DJ-Hardware rasant verändert hat und die Lebenszyklen der Produkte kürzer geworden sind, ähnlich wie man es von Computern kennt. Was wird uns also in 10 oder 20 Jahren erwarten? Womit wird der DJ auflegen? Und in welchen Dimensionen muss man sich das dann vorstellen? Dies sind nur einige von vielen Fragen, die mich schon seit ein paar Monaten beschäftigen. Der Auslöser hierfür war ein Interview mit einem Softwareprogrammierer, der mir auf die Frage nach der Zukunft des DJings einfach nur sagte, dass sich kein bestimmtes Interface hardwareseitig durchsetzen wird, weil wir selbst das Interface sein werden. Mit diesem Satz hat er mich dann alleine gelassen, so dass in meinem Kopf die verschiedensten Szenarien aufpopten. Vergesslich wie ich bin und um diese vielen verschiedenen Perspektiven fassen zu können, habe ich diese Gedankenspiele einfach mal versucht chronologisch anzulegen.

Das Jetzt…

Aktuell scheint der Markt mit allen möglichen DJ-Controllern für Laptop-Anwendungen gefüllt zu sein, weswegen sich viele Hersteller auf Märkte konzentrieren, in denen noch Potential steckt. Neben Stand-Alone Playern, die Software, Display, Computer und Mixer in einem Gerät vereinen scheint der Mobile-Markt mit Tablet PCs und Smartphones für viele DJ-Equipment-Hersteller die Nische zu sein, in der man aktuell noch Umsätze generieren könnte. Besonders Apples iOS und deren Apps stehen dabei im Fokus wie man bereits bei DJ Software Herstellern wie Native Instruments, Algoriddim, Virtual DJ, Mixvibes und anderen erkennen kann.

Traktor Kontrol S4MK2

Traktor Kontrol S4MK2

Die Tendenzen gehen also  in Richtung Vereinfachung des DJ-Setups, um das Auflegen komfortabler zu gestallten. D.h. bei DVS-Systemen wandern die Interfaces in Mixer oder vielleicht auch in Controller. Das spart ein Gerät in der Tasche und einiges an Verkabelungskunst.  Der Laptop könnte durch ein mobiles Gerät wie ein Tablet PC oder Smartphone ersetzt werden. Und Controller werden vermutlich zu Multifunktionsgeräten, die nicht nur als analoges Mischpult genutzt werden können, sondern Software und Screen an Board haben und sämtliche Verbindungsmöglichkeiten zu digitaler Musik herstellen können. Hierzu gibt es ja auch schon einige Beispiele.

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Pioneer XDJ-Aero

Wenn also Computer kleiner werden, um damit mobiler zu sein, so stellt sich dennoch die Frage, ob die momentan anherrschende Dominanz von Touchdisplays die richtige Technik zwischen Mensch und Maschine ist, um das doch sehr Haptik-lastige Arbeiten von DJs optimal umzusetzen. Denn die Reduzierung der

Emulator Touchscreen

Emulator Touchscreen

Parameterkontroller auf ein Sinnesorgan weniger fördert nicht nur das “Serato-Face“, sondern reduziert gleichzeitig auch die Performancemöglichkeiten durch den Wegfall von bestimmten DJ-Techniken (z.B. Scratchen). Darüber hinaus bieten Tablet PCs oder Smartphones auch nicht die gleichen Leistungsmerkmale wie Laptops, wenn es z.B. um Speicherkapazitäten für die Tracksammlung geht. Vermutlich werden sie es auch nie, da das Computing im nächsten Schritt überwiegend in der Cloud stattfinden soll. Bis das Cloud-Djing jedoch etabliert sein wird müssen noch viele Voraussetzungen flächendeckend erfüllt werden. Und genauso wie die “Sync-Button-Diskussion” wird der Schritt vom Laptop zum Mobilgerät die Lager spalten.

Vestax Spin2

Vestax Spin2

Was kommt danach?

Das Internet  wird weiter ausgebaut und ermöglicht höhere Datenraten und einen schnelleren Datentransfer. Damit ergeben sich neue Möglichkeiten für Medien, die bisher nur eingeschränkt nutzbar und in Folge dessen noch nicht so weit verbreitet sind. Streamingdienste für Video und Audio werden für Jedermann alltäglich werden und könnten mehr in das DJing integriert werden. Dienste wie Spotify oder Pulselocker.com, bei denen man sich per Abo die Musik in einer hohen Qualität für den Gig ausleihen kann wären genauso denkbar wie das Auflegen aus einer eigenen Cloud. Und vielleicht bekommt man auch gleich die DJ-Software aus der Cloud mitgeliefert.

Pulselocker.com

Pulselocker.com

Computer im SD-Card Format: Intel Edison

Computer im SD-Card Format: Intel Edison

Hardwareseitig wird vor allem der Computer kleiner werden und in Devices verschwinden, die in unserem alltäglichen Gebrauch sind: Smartphone, Geldbörse, Brille, Schlüssel, Uhr, usw. . Kabel werden zum größten Teil verschwinden, wenn es sich einrichten lässt, dass eine kabellose Verbindung keine spürbaren Latenzen aufweist.

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iWatch

Für die direkte Kontrolle der Musik wird man vorerst noch bei Elementen wie Jogwheels, Fader und Drehregler bleiben, weil sie die gewohnte Haptik bieten. Ich könnte mir hier aber gut vorstellen, dass man sich zum Gig ein paar Module aus dem Equipment -Kontingent des Clubs selbst zusammenstellen kann, welche dann in einem automatisierten Netzwerk die Verbindung untereinander und zum Musik-Interface aufbauen. Und vielleicht haben diese Module auch Mini-Displays, um die Belegungen der Kontrollelemente anzuzeigen. So würde man sich Overlays sparen und hätte immer das persönliche Mapping angezeigt. Das Mapping und sämtlich Metadaten würden ebenfalls aus der Cloud kommen, so dass das eigene Set praktisch nur noch durch ein Einloggen bereit gestellt wird.

Stanton SCS-1D

Stanton SCS-1D

Die Visualisierung von Waveforms könnte statt von einem Laptop aber auch durch ein Head-Up-Display (HUD) geschehen, dass entweder in der DJ-Kanzel über eine Trennscheibe zum Publikum abgebildet wird oder man bekommt die Visualisierung direkt auf die Brille gesendet. In beiden Fällen könnte man wunderbar das Serato Face unterbinden, da die Trackinformationen so immer in Blickrichtung zum Publikum wären, ohne dass das Publikum es überhaupt mitbekommt. Head-Up-Displays (HUD) werden bereits in Kampfjets oder in Autos eingesetzt und die Lösung über eine Brille könnte es bereits mit der Weiterentwicklung der Google Glasses geben.

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Google Glasses

Die Zukunft

Wenn wir selbst zum Interface werden, Schnittstellen nicht mehr sichtbar sind und eine ständige Verbindung zum Internet immer und überall zum Standard geworden ist, werden sich auch neue  Steuerungsmöglichkeiten für Maschinen ergeben, die die Nutzung auf ein Level heben, wie wir sie bisher nur aus Science-Fiction-Filmen kennen. Die ständige Vernetzung von Maschine und Mensch wird Kommunikationswege verkürzen und es werden neue Möglichkeiten offenbart, die uns das Leben angeblich vereinfachen werden. Dafür werden auch neue Übertragungsprotokolle benötigt, die weit mehr leisten, als es heute LAN, MIDI oder ähnliche können. Die Maschinen werden nicht nur unsere täglichen Aufgaben im Leben weiter vereinfachen, sondern aufgrund von Verhaltensmustern unsere nächsten Handlungen berechnen können, um uns in erster Linie Arbeit abzunehmen (sofern wir das wollen). Wie könnte sich so etwas für das Djing nutzen lassen? Vielleicht würde die DJ-Software automatisch eine Playlist erstellen, die sich aus all den gespielten Sets als erfolgreichste herausgestellt hat oder Titel vorschlagen, die am besagten Ort immer für Stimmung gesorgt haben (Abgleich mit Playlists anderer DJs, die am gleichen Ort gespielt haben). Und falls uns der besagte Titel fehlen sollte, so wird er uns vor oder während des Gigs automatisch zum Kauf angeboten (Hoffentlich passiert so etwas nie mit Publikumswünschen :-/). Aber wie könnte diese Stimmung messbar gemacht werden? Die ständige Vernetzung Aller würde auch die Einflussnahme des Publikums auf die Party verändern. Direkte interaktive Ratings von den Besuchern über deren Devices, Publikumsdichte, Dancefloor-Temperatur und Lärmpegelabweichungen von der eigentlichen Musik könnten z.B. messbare Parameter sein, die durch eine erweiterte Sensorik in allen Bereichen möglich wäre.

Steuerungen durch Gestiken, Mimiken, Augenbewegung oder andere Artikulationsmöglichkeiten könnten dazu genutzt werden, um mehr Parameter zu steuern, als wir es bisher mit Händen und Füßen konnten. DJing könnte somit nicht nur mit Live-Musik, sondern auch mit Tanz verschmelzen und neue Kunstformen etablieren. Vielleicht würde so auch das DJing von “richtigen” Musikern als Kunstform mehr Akzeptanz finden.

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Gestiksteuerung wie im Film Minority Report

Eine weitere Möglichkeit der Maschinensteuerung könnte auch direkt dort abgegriffen werden, wo der Steuerbefehl entsteht, nämlich im Kopf. Gedankensteuerung klingt erst mal nach Zauberei, ist aber letztendlich nichts anderes, als das Konvertieren von Impulsen zu brauchbaren Steuerbefehlen zu denen es bisher noch nicht die richtigen Schnittstellen gab. Das nachstehende Video, sei es nun real oder nicht, verdeutlicht ein wenig, was hier für Potentiale dahinter stecken könnten.

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Die Voraussetzungen für die oben genannten Techniken hängen leider davon ab, in wie weit sich Hard- und Software Hersteller und Cloudanbieter auf einen Netzwerk-Standard einigen können, der eine allgemeine und einfache Funktionalität herstellt. Patentrechte und Konkurrenzdenken werden vermutlich erst einmal alles schlechter machen, bevor der Konsument einen wirklichen Nutzen daraus ziehen kann. Darüber hinaus muss es letztendlich auch der DJ von morgen akzeptieren, denn genauso wie in den Anfangszeiten von Final Scratch (Erstes DVS) oder die Autosynchronisation durch DJ-Softwares, wird es mit Sicherheit von vielen konventionellen DJs eine Verteufelung des Unbekannten geben. Ein weiterer Generationswechsel zum Cloud-DJ und ein langsames Überschwappen von Techniken aus dem Consumer-Markt werden die neuen Performancemöglichkeiten ebenfalls nochmals zeitlich nach hinten werfen, bevor sie im DJing Akzeptanz finden werden.

Neben neuen Steuerungsmöglichkeiten bietet die totale Vernetzung unserer Umgebung auch neue Performancemöglichkeiten ohne eine örtliche Bindung, denn Sound und Visuelle Umgebung könnten ebenfalls in die Cloud wandern. Schon heute gibt es DJs, die hauptsächlich in Second Life ihr Auftritte haben und somit in einer digitalen Parallelwelt auflegen. Mit einer Art Google Streetview als Augmented Reality Version, bei der man sich praktisch  in einem 3D-Klon unserer realen Welt bewegt, wären es egal wann, wo und wie man Auflegt. Man könnte praktisch vom anderen Ende der Welt einen Gig bestreiten ohne vorort zu sein und trotzdem mit dem Publikum interagieren. Ich weiß,  das klingt natürlich alles sehr nach “Matrix” und “Schöne neue Welt” und wurde schon haufenweise erzählt und prophezeiht. Mir war es trotzdem wichtig es hier rein inhaltlich mit zu erwähnen. Aber was denkst Du über den zukünftigen Einzug von neuer Technologie im Bezug auf das DJing?

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Neueste Beiträge des Autors:

  • pedro

    Schöner Beitrag!!!
    Wie es immer so ist werden viele DJ´s die neuen Techniken äusserst misstrauisch behandeln und diejenigen die diese Techniken als erste nutzen nicht als gleichwertig akzeptieren.
    Ich sehe es positiv: Mit einem 4-Deck Controller und einer AutoSync Funktion kann ich mich als DJ mittlerweile auf andere Sachen wie z.B. Samples und Beats konzentrieren ohne die Tracks synchronisieren zu müssen.
    Die Möglichkeiten die dadurch entstehen sind sowohl für mich als auch für das Publikum großartig!! Es gibt durch die neuen Techniken immer mehr Möglichkeiten der Live-Performance – wie langweilig ist es mittlerweile mit zwei Decks ohne Effekte oder Samples einfach “nur” aufzulegen und die Tracks zu mixen???
    Ein DJ muss offen sein für neue “Grooves” – warum dann nicht für das Fortschreiten der Technik??? Das passt doch nicht zusammen…
    Wenn wir alle den technischen Fortschritt nicht akzeptieren würden dann müssten wir heute immer noch mit Kutschen durch die Gegend fahren…