LAUNCHCONTROL XL -Review

Hersteller NOVATION bewirbt das jüngste Mitglied der LAUNCH-Serie als “ultimativer Controller für ABLETON LIVE”. Doch, ist er das wirklich?

 

Der englische Begriff “to launch” bedeutet “etwas anstoßen oder in Gang setzen“. Unter dieser Bezeichnung gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Geräten, der Urvater ist das  LAUNCHPAD. Die Kombination im Namen führt auch direkt zum Einsatzgebiet: über Pads werden in einer Software (meistens ist das ABLETON LIVE) Clips “gelauncht”, also gestartet. In Folge wurde das LAUNCHPAD, neben der APC40 von AKAI ein Klassiker im Bereich der Clipsteuerung. NOVATION schob die Varianten LAUNCH-KEY (Tasten + Pads) und LAUCH-CONTROL nach. Letzteres hatte seltsamerweise erstmal nur 16 Drehregler und keine Fader, weshalb es nun ein LAUNCHCONTROL XL zu besprechen gibt. Und es gibt eine Frage, die sich auftut: Warum kommt NOVATION eigentlich erst jetzt damit?
Mit 24 x 24 Zentimeter hat LAUNCHCONTROL XL (links) exakt die selben Maße wie das LAUNCHPAD (rechts), zu dessen Ergänzung es auch gedacht ist. Folglich knüpft der Aufbau des CONTROL XL, mit acht “Kanalzügen”, direkt an die 8 x 8 Matrix des PAD an. Über- unter- oder nebeneinandergelegt ergibt sich eine perfekte Kombination. Das LAUNCHCONTROL XL läuft unter Windows 7/8, OSX 10.8 / 10.9 und sogar unter iOS 6 / 7, wofür allerdings ein Camera-Connection Kit nötig ist. Bei ABLETON LIVE ist – für plug`n play – Version 9.1.3 oder höher Voraussetzung.

Das Layout des LAUNCHCONTROL XL ist sehr aufgeräumt. Jeder der acht “Kanäle” besitzt einen 60mm Fader, drei Drehregler darüber und zwei Buttons darunter. Außerdem bevölkern an der rechten Seite zehn weitere Funktionsbuttons die Oberfläche. Zu jedem Drehregler gehört eine kleine LED, die abhängig von der aktiven Funktion die Farbe ändert. Bei Pads und Buttons ist eine solche RGB-Orientierungshilfe inzwischen Standard, so auch hier. Vereint sind alle Bedienelemente in einem flachen Kunstoffgehäuse mit rutschsicherem, gummierten Boden. Die Verarbeitung ist (trotz 100% Kunststoffanteil) solide. Fader und Drehregler gehen straff, der Abstand zwischen den Drehreglern ist für meine Finger allerdings mal wieder eine Nuance zu klein. Diese Komprimierung ist das Resultat langer Faderwege und somit insgesamt offensichtlich der beste Kompromis auf begrenztem Raum. Die Fläche wird allerdings vervielfacht, weil LAUNCHCONTROL XL kann mit je acht Factory- und User-Templates mehrfach belegt werden. Das individuelle MIDI-Mapping ist in ABLETON LIVE ein leichtes, für das Finetuning (wie zum Beispiel visuelles Feedback) stellt NOVATION einen Editor bereit.

Mit der Mehrfachbelegung von 24 Drehreglern, acht Fadern und 16 Buttons ist das LAUNCHPAD XL für umfangreiche Steuermöglichkeiten prädestiniert. Im ersten Factory Template, auf welches sich auch die Beschriftung am Gerät bezieht, wird das deutlich. In der Grundeinstellung sind die Fader den ersten acht Kanälen in LIVE zugewiesen. Die obere Reihe der Buttons holt den angewählten Kanal, in der Software, in den Fokus. Die darunterliegende Reihe von Buttons wird, je nach über drei Funktionsbuttons getätigte Wahl, für Mute, Solo oder Record genutzt. Die oberen beiden Reihen der Drehregler sind auf SEND A und SEND B gemappt, die untere Reihe auf das Panorama des jeweiligen Kanals.

Aktiviert man den Funktionsbutton “Device”, dienen die selben Drehregler der unteren Reihe nun zur Steuerung von Geräten oder Effekten, die in dem ausgewählten Kanal vorhanden sind.  Handelt es sich um mehrere Devices, kann man auch zwischen diesen umschalten. Das Gleiche gilt für die SEND-Wege. Mehr als zwei SENDs können durch umschalten mit zwei Reglern angefahren werden. Viele Ebenen, viel Potential. Den Überblick zu behalten erfordert aber eine gewissen Konzentration. Hilfreich dabei sind die drei Farben, mit denen sich verschiedene Funktionen an den LEDs und Buttons kennzeichnen lassen.

NOVATION bringt mit dem LAUNCHCONTROL XL einen Controller, der trotz kompakter Maße eine enorme Vielfalt an Bedienmöglichkeiten bietet. Der Workflow ist intuitiv, allerdings – noch mal erwähnt – fordert jede neue Funktionsebene, auch zusätzliche Aufmerksamkeit. Im Zusammenspiel mit dem LAUNCHPAD bildet der LAUNCHCONTROL XL eine wunderbare Kombination. Dieses Duo benötigt jedoch zwei Kabel und zwei USB-Ports am Rechner. Man stelle sich vor: NOVATION baut einen schmalen, 24cm langen USB-Hub, an welchen die LAUNCH-Module angedockt werden. Der Hub kann wiederum mit einem Hub und somit mit weiteren LAUCH-Modulen erweitert werden. Wie wäre es mit einem Audio-Interface in dieser Dockingstation? Ein solcher Aufbau würde auch als Unterschied gegenüber den beiden Alternativen APC40 und PUSH (der einen etwas anderen Weg geht) wahrgenommen. Ungeachtet dessen: das LAUNCHPAD hat viele Fans, die finden hier eine passende Ergänzung. Auch als Stand-Alone “MIDI-MIXER” gibt das LAUNCHCONTROL XL einiges her. Im Gegensatz zur Flut an DJ-Controllern ist das Angebot an dedizierten ABLETON-Controllern noch immer überschaubar. Das NOVATION der LAUNCH-Kette dieses Glied zufügt ist, abgesehen vom zeitlichen Delay, absolut nachvollziehbar. Kurz: es gibt nichts, was gegen das LAUNCHCONTROL XL spricht. Außer …

…. außer: Preislich sind für das LAUNCHCONTROL XL derzeit 199 Euro angesetzt.  Zusammen mit einem LAUNCHPAD liegt die Investition etwa bei 350 Euro und somit in dem Bereich, in dem  AKAIs APC40MK2 nach Käufern sucht. Aufbau und Prinzip sind ähnlich, Image und Verarbeitung ebenfalls. Auch wenn es nicht üblich ist ein Review mit dem Verweis auf ein anderes Produkt zu beschließen, halte ich die ausdrückliche Erwähnung dieser Alternative für geboten.

NOVATION LAUNCHCONTROL XL Preis: 169 Euro / bei THOMANN kaufen
Mehr Informationen auf der Produktseite

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