Die Rolle der Sound-Effekte in der heutigen Pop-Kultur

Hallo liebe DJ-Lab Leser,

Mein lieber Kollege Kolt Siewerts hat mich netterweise auf einen Bericht im Deutschland-Funk von Olaf Karnik und Volker Zander über die Pop-Musik und ihre Klangkulturen aufmerksam gemacht, den ich hier gerne mit Euch teilen möchte.

Ob Hall, Verzerrer, Autotune, Tremolo, Wah-Wah, Echo und Delay: Effekte sind weit mehr als akustischer Zierrat. Sie markieren die Stile und Genres, dienen als Zeichen und Bedeutungsträger, sorgen dafür, dass die Fans zwischen Rock’n’Roll und Rock, Funk, Dub, Techno und R&B unterscheiden können.

Welche Rolle spielen Soundeffekte für die verschiedenen Genres in der Popmusik?
 Die Welt der Effekte scheint dabei mit der Welt der Affekte zu korrespondieren. Das Feature fragt nach Kunst und Technik im Klang des Pop und nimmt psychoakustische und emotionale Aspekte ins Visier. Musiker, Produzenten, Sound Designer, Popwissenschaftler und Fans spekulieren über Rolle und Wirkung der Soundeffekte in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Hier mal einn paar Auszüge:

Tobias Levin: (…) Ich habe mal nachgeguckt, das Wort Effekt heißt einfach auch, das man etwas erreicht, das man etwas mit Gewinn erreicht. Das hat schon, da wird schon ein neuer Wert hergestellt. Und wenn die alten Werte, die wir da so kennen, Bass, Schlagzeug, Gitarre, von mir aus auch Keyboard Sounds, Gesang und so weiter, unser Gehirn nicht mehr überraschen oder in Verzückungen versetzen, dann geht das los, dass man nach neuen Effekten sucht, neuen Gewinnen, neuen Erlebnissen, neuen Sensationen, new sensations, sucht.

 

Hans Nieswandt, Autor und DJ aus Köln

Es gibt diverse (…), sehr wichtige und sehr zeichenhafte Instrumenten-Sounds. (…) 1’54 Nehmen wir mal zum Beispiel, es gibt einen (…) Software Synthesizer heutzutage, der heißt Massive, und praktisch das gesamte Genre des Dubstep basiert aktuell oder auch dieser EDM, Electronic Dance Music, basiert auf diesen Mörder-Sounds des Massive-Synthesizers. Und so ist die Geschichte der Pop-Musik voll von bestimmten Sounds bestimmter Instrumente.

Sound: Massive Synth von Native Instruments

Hans Nieswandt : Die besondere Bedeutung von (…) Instrumenten-Sounds, also, das heißt, wie sie interpretiert werden, was die Leute dann damit verbinden (…), hängt für mein Empfinden oft damit zusammen, dass Instrumente gegen ihren ursprünglichen Verwendungszweck gebraucht werden. (…) Einmal, zum Beispiel Schallplattenspieler. Schallplattenspieler (….), auf denen Schallplatten nicht einfach nur laufen gelassen werden, sondern die rückwärts gedreht werden, wo es Backspins oder Scratches und lauter ganz bestimmte Sounds, die auch (…) vollkommen zusammen hängen mit bestimmten Kulturen. (…) Wenn man zum Beispiel kein Geld hat für Synthesizer, sondern nur für Schallplatten oder Schallplattenspieler, dann macht man sich damit auch die Sounds zu eigen, die man (…) auf eine einzigartige und nicht vorgesehene Weise aus diesem Instrument herausholt.

Hans Nieswandt : Oder eben zum Beispiel, man könnte fast sagen, fast die gesamte Linie der Firma Roland – die haben ja (…) Drum Machines gebaut, die als (…) Replikationen von echten Schlagzeugen eigentlich ziemliche Versager waren. Also, die 808 oder die 909, die klingen nicht wie ein richtiges Schlagzeug, aber (…) als dann (…) der richtige Verwendungszweck für sie erkannt wurde, haben sie ganze Genres und Jugendkulturen – House und Techno undsoweiter – im Prinzip komplett vereinnahmt.

Oder die Kultur hat dieses Instrument vereinnahmt. Oder, sehr berühmtes Beispiel natürlich auch die Roland 303, die als (…) Bass-Ersatz nutzlos war, aber als trippiges, psychedelisches Freak Out- Instrument sich dann im Acid House allergrößter Beliebtheit erfreute.
Roger Van Lunteren : Das Genre Acid, was daraus entstanden ist, ist aber auf eine ganz bewusste Zweckentfremdung dieses Gerätes zurückzuführen, nämlich von einem DJ Pierre mit seiner Band Phuture. Und Inspiration, Kreation und auch ein gewisser Pioniergeist, neue Schritte zu wagen, haben eben dazu geführt, dass es so entstanden ist. (…) Das hört sich dann so an: Phuture mit „Acid Tracks“:
Sound > Phuture: Acid Tracks

Roger Van Lunteren : Weiterhin gab es noch andere Instrumente, die für den Bereich Techno, House und Acid, wie auch Electro, ne hohe Relevanz haben. Das liegt daran, dass diese Geräte leicht verfügbar waren und auch nicht teuer gewesen sind. (…) 6’07 Die 808 ist sehr bezeichnend gewesen für die Entstehung von HipHop, Electro und House sowie auch Acid und ist einfach aus diesen Genres gar nicht wegzudenken. (…) Als Beispiel dafür gibt ein kommerzielles Beispiel, der Riesenhit von Marvin Gaye „Sexual Healing“, da hört man die TR-808 von Roland sehr gut ganz zu Beginn des Songs (…):

Sound > Marvin Gaye: Sexual Healing

Ich empfand den Beitrag insgesamt als absolut hörenswert und kann ihn nur empfehlen.

Hier das Manuskript zum Nachlesen:

Sound-Effekte – die Pop-Musik und ihre Klangkulturen (PDF) (154 kB)

Sound-Effekte – die Pop-Musik und ihre Klangkulturen (Textversion) (54 kB)

 

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