Test: Numark NTX1000

Der Numark NTX1000 wurde zur Musikmesse 2017 zum ersten Mal gezeigt. Wir haben den NTX1000 im Lab unter die Lupe genommen und verraten euch Stärken und Schwächen des Plattenspielers.

Details

Bevor man den Numark NTX1000 in Betrieb nehmen kann, sind ein paar Handgriffe nötig, um den Plattenspieler zusammenzubauen. Dazu muss lediglich der Plattenteller und die Slipmat aufgesetzt, das Tonarmgegengewicht aufgeschraubt und der Turntable verkabelt werden. Das ist, auch ohne Bedienungsanleitung, relativ schnell erledigt. Im Lieferumfang des NTX1000 befinden sich zusätzlich eine Kunststoff Abdeckhaube, Cinch- und USB-Kabel, sowie ein 7“ Puck und eine Headshell für Unterdecksysteme. Wer dennoch Schwierigkeiten mit dem Aufbau hat, dem wird mit einer Bedienungsanleitung geholfen, die in Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch und Italienisch ausgelegt ist.

Optisch wird der NTX1000 in den Farben Schwarz und Grau gehalten, wobei das Gehäuse aus einer Kunststoffform und einer Alu-Faceplate gefertigt ist. Die versenkten Inbusschrauben auf der Oberfläche verleihen dem Gerät einen industriellen Maschinencharakter. Die Form des NTX1000 ist an den, immer noch anhaltenden, kantigen 1210er Look orientiert, d.h. Numark hat sich von seinem ehemals spacig, runden Design verabschiedet. Dabei steht der Plattenspieler auf verschraubten Gummifüßen, die sehr rutschfest sind.

Anschlüsse

Die Anschlüsse des Numark NTX1000 befinden sich, merkwürdigerweise, seitlich versenkt. Wenn man den Plattenspieler allerdings nicht wie Turntablists im Battle-Mode (hochkannt) aufstellt, muss man die Kabel seitlich wegführen oder winden, um sie unter dem Gerät entlang zu führen. Bei ungünstigen Platzverhältnissen ist das keine gute Lösung, zumal man wegen der Versenkung der Anschlüsse den NTX1000 auf jeden Fall kippen muss, um an sie heranzukommen. Zu den Anschlüssen gehören, in der Reihe, ein USB- , ein Stereo-Cinch und eine Kaltgeräte-Steckdose.

Der USB-Anschluss kann zur Digitalisierung an einem Rechner genutzt werden. Der Plattenspieler erscheint dazu in einer Recording-Software (Nicht im Lieferumfang enthalten) als 1-Kanal Audio-Interface. Zusätzlich gibt es einen kleinen Wahlschalter für die Ausgabe als Line- oder Phono-Signal, für Aufnahmen via USB sollte der NTX1000 dabei auf Line gestellt sein. Eine Erdungsschraube ist nicht vorhanden, vermutlich ist diese durch die Erdung im Stromkabel obsolet geworden.

Plattenteller & Tonarm

Schaut man sich die Benutzeroberfläche genauer an, so fällt vor allem der massive Alu-Plattenteller ins Auge, der auf der Innenseite gummiert ist, um dadurch weniger Vibrationen aufzunehmen. Dieser liegt leicht versenkt auf und zeigt keine Unebenheiten. Beim Aufsetzen muss man hier darauf achten, dass die Tellerarretierung mit der Motorachse über zwei Nippel erfolgt. Vom Gewicht her verfügt der Plattenteller über genügend Trägheit und wirkt solide. Der Tellerrand weist die Numark-typischen Rillen auf, die im weißen LED-Licht der Geschwindigkeitskalibrierung dienen. Das Gute ist hier, dass man ohne Skala sehr schnell den positiven oder negativen Pitchbereich erkennen kann. Die mitgelieferte, schwarze Slipmat ist von ihrer Beschaffenheit zwar etwas labbrig, verrichtet aber mit aufgelegter Platte ihren Job wie man es erwartet.

Der geschwungene S-Tonarm des NTX1000 ist mit allen nötigen Features für die Justierung ausgestattet. An ihm erkennt man, wie in vielen Fällen auch, aus welchem der beiden asiatischen OEM-Plattenspielerwerken der NTX1000 kommt, nämlich Yahorng. Dort wird übrigens auch Denon DJs Schlachtschiff VL12 gebaut und wenn ich mich recht erinnere, kamen die Vestax PDX Turntables ebenfalls von dort.

Der Tonarm selbst weist kein Spiel auf, lässt sich sowohl mit der freien Hand, als auch dem Lift per Hebel gut bewegen. Das Gegengewicht lässt sich  präzise aufschrauben und einstellen, wobei die Zahlenskala etwas kleiner als bei anderen Plattenspielern im DJ-Bereich ausfällt,. Das Antiskating könnte gefühlt noch etwas mehr Zug aufweisen. Bei Anschlag drückt der Arm beim empfohlenen Tonabnehmergewicht immer noch leicht nach innen. Insgesamt hinterlässt der Tonarm aber einen ordentlichen Eindruck, so dass man als DJ damit zufrieden sein wird.

Start/Break & Geschwindigkeiten

Der Numark NTX1000 liefert die relevanten 33 und 45 Umdrehungen pro Minute. Ob man die 78 U/min für Schellackplatten absichtlich weggelassen hat spielt im DJ-Bereich sowieso keine Rolle. Mehr Spielmöglichkeiten bieten die Start- und Brake-Funktion, mit der sich stufenlose Verzögerungen der Start- und Stop-Geschwindigkeit einstellen lassen. Für den DJ-Gebrauch ist das zwar nicht essentiell, jedoch erlaubt es ein bisschen mehr Gestaltungsfreiheit, was Intros und Übergänge angeht. Die Platzierung der beiden Regler ist zwar nicht ganz optimal gelöst, da sie im Schwenkbereich des Tonarms liegen, jedoch verstellen sie sich dadurch nicht gleich bei einer unverhofften Kollision mit der Handfläche.

Pitchfader/Range/Reset

Der Numark NTX1000 ist mit einem 100mm-Pitchfader ausgestattet, der eine leichte Mittenrastung besitzt. Beim Technics 1210MK2 war der Bereich um diese Mittenrastung immer eine Gefahrenzone für den Mix, denn es traten um den Nullpunkt herum Ungenauigkeiten auf. Beim NTX1000 ist das ähnlich, denn ca. +- 5-7mm um den Nullpunkt herum passiert erst mal gar nichts.

Obwohl dieses Thema bei Plattenspielern im DJ-Bereich ein alter Hut ist, scheint man das beim NTX1000 verschlafen zu haben. Mit einem wahlweise schaltbaren Pitchbereich von Plus/Minus 8, 16 oder 50% besitzt der NTX1000 zeitgemäße Turntable-Features. Mit einer Reset-Taste lässt sich der Pitchfader außer Kraft setzen, so dass man schnell wieder auf eine Neutralstellung kommt.

In The Mix

Beim Mixing mit Turntables kommt es darauf an, dass Plattenteller, Pitch und Tonarm akkurat arbeiten, d.h. dass man beim Beatmatching und Cueing nicht durch träges Ansprechverhalten oder Nadelsprünge aufgehalten wird. Das kraftvolle Drehmoment des NTX1000 Direktantriebs sorgt mit 4Kg/cm dafür, dass beim Cueing oder Scratching der Teller nicht stehen bleibt und die Platte beim Loslassen direkt da ist. Der Tonarm läuft sauber, trotz des klein ausgefallenen Antiskatingbereiches, und eignet sich auch für hektische Manöver. Im Test sowohl mit einem Ortofon Concord Nightclub MK2, als auch mit einem Stanton Headshell HP680 System. Der Widerstand des Pitchfader-Slides ist ausgewogen, man hat nicht das Gefühl, dass einem bei Kurskorrekturen der Teller davon schwimmt.

Des Weiteren ist die Tellerachse so steif, dass der Teller auch bei höherem Druck nicht einsenkt. In einem ersten Vibrations-Feedback-Test mit einer direkt neben den Tonarm aufgestellten Box, schneidet der NTX1000 für Homestudio-Verhältnisse gut ab. Im Club könnte eventuell das Kunststoffgehäuse zu Problemen führen, da dieses ungedämmt ist. Insgesamt fühlt sich der Numark NTX1000 im Mix super an, so dass ein präzises Arbeiten leicht von der Hand geht. Der Motor arbeitet dabei mit so niedrigen Gleichlaufschwankungen, das er einem Technics SL-1210MK2 gleich kommt.

Fazit

Insgesamt ist das Look & Feel des Numark NTX1000 auf einem guten Niveau, wobei es nicht auf 1210er oder Denon DJ VL-12 Level heran kommt. Das liegt aber nur am Kunststoffgehäuse. Man kann den NTX1000 durchaus als den VW Golf unter den Plattenspielern sehen. Er macht was er soll (und zwar ordentlich) und sieht dabei durch sein Gehäuse und die Beleuchtung auch noch gut aus. Als gutes Mittelklasse-Gerät kann ich den Numark NTX1000 sowohl fortgeschrittenen DJs, als auch Ein- und Umsteigern gewissenhaft empfehlen.

Für den Einsatz im Club oder Veranstaltungen sollte man einen separaten Vibrations-Test Vorort durchführen und im Blick behalten, dass die seitliche Anschlussleiste für häufige Set-Umbauten oder Platzmangel hinderlich sein kann. Das Beste am NTX1000 ist der kraftvolle und präzise Motor gepaart mit einem sehr guten Plattenteller. Wenn man die tote Zone um den Nullpunkt des Pitchfaders kennt, ist dieses Manko auch vertretbar, schließlich haben Generationen von DJs mit dem 1210er damit auch leben können. Beim Numark NTX1000 stimmt auf jeden Fall das Preisleistungsverhältnis und man bekommt einen Turntable, der nicht weit von der Profi-Liga entfernt ist.

Pro:

• Antriebsstarker Motor
• Gute Verarbeitung
• inkl. Abdeckhaube
• USB-Anschluss

Contra:

• Gehäuse nicht gedämmt
• Pitchfader Mittenrastung ungenauContent [/toggle]

Preis: 399.- Euro
Mehr Informationen auf der Numark-Website.

 

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