Die große Zeit des Funk ist längst vorbei und auch die aus dem Genre resultierende Disco-Musik zeigt langsam aber sicher erste Abnutzungserscheinungen. Es ist Mitte der 80er Jahre und musikalische Innovation liegt irgendwie in der Luft. Der steigende Einsatz und die Erschwinglichkeit elektronischer Musikinstrumente gepaart mit dem Frust über die immer kommerzieller werdende Disco-Szene ebnen gegen Mitte der 80er den Weg für eine neue Szene. In den Clubs beginnen die DJs zu experimentieren, indem sie Disco und vor allem auch die elektronische Synthie-Pop-Musik aus Europa vermengen oder vielmehr auf ein minimalistischeres Grundgerüst herunterzubrechen. Im Fokus stehen einzelne Loops, die Rhythmik und besonders auch eine freie, DIY-Szene. Statt der großen Studio-Produktionen, die der Disco hervorbrachte, dominieren auf einmal kleine, meist "dreckigere" Produktionen, die einen neuen Sound etablieren; einen Sound, der heute als House bekannt ist. Oder vielmehr benannt nach seinem Geburtsort, Chicago House. Wir stellen euch einige der essentiellen Tracks des Genres vor:

Marshall Jefferson - Move Your Body

Marshall Jeffersons Durchbruch ist bis heute eine der großen Hymnen der House Musik. Von der ersten Sekunde an kracht es in dem Track, es rumpelt und scheppert an allen Ecken und Enden. Jefferson verbindet ein paar einfache Loops und erschafft damit eine 7-minütige Powerleistung. Die Aufforderung sich zu bewegen wird hier fast schon obsolet, denn das passiert von ganz alleine.

 

Frankie Knuckles - Your Love

Das Intro von Your Love ist eine der ikonischen Momente der House-Musik. Der Hit erreichte 1986 mit Frankie Knuckles als Produzent seinen größten Hype. Ursprünglich kursierte der Track allerdings schon 1984, produziert von Jamie Principle in den Clubs von Chicago. Knuckles nahm mit Principle Your Love erneut auf, polierte ihn etwas und heraus kam dieser Klassiker.

 

Farley Jackmaster Funk - Love Can't Turn Around

Zusammen mit dem Sänger Darrly Pandy gelang Farley Jackmaster Funk mit Love Can't Turn Around ein vielbeachteter Hit, der den Chicago House bis in die Charts Großbritanniens führte. Die Grundlage bot ihnen Isaac Hayes Soul-Funk-Nummer "I Can't Turn Around".

 

Lil Louis - French Kiss

French Kiss steht exemplarisch für das, was die Disco-Szene in seiner großen Phase der Kommerzialisierung verlor und durch den House wiedergewonnen wurde. Lil Louis' Peaktime Track ist energetisch, rough und sexy. Kein Track dieser Ära verdeutlicht das pulsierende Nachtleben so sehr wie diese 9-minütige Reise.

 

Chip E - Time to Jack

Time to Jack ist frühster Underground House. 1985 veröffentlichte Chip E diesen Track und entwickelte einen Sound, der weit weg von dem bekannten ist. Nur noch ganz entfernt erinnert hier etwas an Disco. Alles Organische weicht dem Sound der Drum Machines. Es klingt roh, dreckig und besitzt bereits Elemente des urbanen und dystopischen Klangs, der später in Detroit folgen sollte.

 

Jesse Saunders - On and On

On and On wird immer wieder als die Geburt des Chicago House zitiert. 1984 veröffentlicht der DJ und Produzent Jesse Saunders seine erste Platte, auf der auch On and On zu finden ist. Die Signalwirkung dieses Releases ist unverkennbar. Die "einfach machen"-Attitüde des Tracks verleitet viele weitere Produzenten dazu, ihre Vision von Musik auf Platten zu pressen und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die DIY-Mentalität von Jesse Saunders entfachte ein Leuchtfeuer in Chicago, welches bis heute ein großer Teil der Szene ist.

 

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