Test: Behringer RD-8 – Analoger 808-Klon

Test: Behringer RD-8 – Analoger 808-Klon

Tests 28. September 2019

Die TR-808 ist wohl die ikonischste aller Drum Machines und hat durch ihren Einfluss auf unzählige Musikproduktionen längst Legendenstatus erreicht. Klar liegt das vor allem am großartigen Sound der voll analogen Rumpelkiste, doch Roland nahm die 808 wegen enttäuschender Verkaufszahlen bereits wenige Jahre nach Veröffentlichung im Jahr 1981 wieder vom Markt. Musikschaffende weltweit erkannten erst danach das Potenzial des bunten Riesen und so wuchs in der Szene der Wunsch nach einer Neuauflage. Heute, 39 Jahre später, hat das Warten ein Ende und die Gearnerds freuen sich - nur Roland nicht, denn die Neuauflage ist mal wieder von Behringer.

Verarbeitung und Haptik

Mit Abmaßen von 77 x 489 x 265 mm und einem Gewicht von 3 kg ist der RD-8 minimal kleiner als das Original aus Japan. Das Gehäuse ist aus Metall und wirkt überaus solide verarbeitet, allerdings nicht ganz so stabil, wie die originale 808. Die vielen Potis sind "nur" okay, Abzüge gibt's für deutliche Unterschiede im Regelwiderstand von Poti zu Poti und weil einige der Drehregler etwas wackelig sitzen. Ernsthafte Bauchschmerzen dürften sie aber nicht bereiten. Die 16 Step Buttons erinnern sowohl farblich ans Original aus den 80ern als auch in der Haptik. Sie besitzen zwar einen spürbaren Druckpunkt, sind aber unerwartet schwergängig, weshalb man beim Versuch, rutschend mehrere Steps hintereinander zu triggern, leicht hängen bleibt.

Statt per klobigem Drehregler wie beim Original werden die einzelnen Sounds des RD-8 über separate Select Buttons angewählt. Diese machen wie die anderen Menü-Buttons einen moderneren Eindruck und fördern durch ihre interaktive Beleuchtung den Überblick. Weniger aufschlussreich ist das relativ große Display, das lediglich für die Darstellung eines einzigen Zahlenwertes verwendet wird. Gemeint ist der aktuelle Parameter für Tempo, Swing, Probabilty und Flam - je nach Data Mode. Dass es sich beim RD-8 um einen dedizierten 808-Klon handelt, zeigt sich augenscheinlich besonders in der Farbgebung.

Die gewohnte Mischung aus Cremeweiß, Gelb, Orange und Rot auf mattschwarzem Hintergrund weckt direkt Assoziationen und erst bei genauem Hinschauen fällt auf, dass beim Behringer einige der Farben umgekehrt angeordnet sind. Richtige Fans nehmen sich natürlich die Zeit und bauen die Taster und Potis rasch wieder in die korrekte Reihenfolge.

Anschlüsse und Eigenschaften

Übrigens richtig gelesen: Der RD-8 kennt Swing. Behringer hat die Gunst der Stunde genutzt und dem neu aufgelegten Klassiker das ein oder andere Upgrade spendiert. Dazu zählen unter anderem Mute und Solo Modes, Dual Mode Filter und Wave Designer, eine Auto-Scroll-Funktion für längere Patterns sowie Note und Step Repeat. Der Sequenzer fasst bis zu 64 Steps pro Pattern, maximal 256 Pattern können im RD-8 gespeichert werden. Im Song Mode ist das Verknüpfen von bis zu 16 Patterns möglich, speicherbar sind 16 Songs. Zum Glück wieder ganz originalgetreu hat auch der RD-8 von Behringer für jede seiner 16 Stimmen einen separaten 6,35mm-Klinkenausgang. Hinzu kommen Ausgänge für Main Mix und Phones sowie drei Trigger Outs, um weitere Musikinstrumente anzusteuern.

Sync In und Out in 3,5 mm Ausführung helfen beim Kontakt mit anderen Vintage-Geräten, für modernere Spielgefährten gibt's MIDI In, Out und Thru sowie einen USB-Anschluss. Über den Return-Ausgang können dem Main Mix externe Signale beigemischt werden, allerdings leider erst hinter der Effektsektion des RD-8. Der Kopfhörerausgang befindet sich dafür vor Filter und Wave Designer. Abgerundet wird die Rückseite durch den Eingang fürs Netzteil samt Power-Knopf und der Kensington Diebstahlsicherung. Im Lieferumfang des RD-8 befinden sich das passende Netzteil und eine Behringer-typisch furchtbare Kurzanleitung.

Die Anschlüsse des Behringer RD-8.

Der Sound

Die Wenigsten können von genug Glück sprechen, eine originale 808 zu Hause zu haben, weshalb sich der Vergleich zum RD-8 zunächst auf verschiedenste Aufnahmen und Erinnerungen bezieht. Je nach Musikproduktion muss dann natürlich bedacht werden, wie viel Sound von der 808 und wie viel aus der Postproduction stammt. Was den Vergleich außerdem erschwert, ist die Tatsache, dass analoges (Vintage-)Gear per se enormen Schwankungen zwischen einzelnen Exemplaren unterliegt. Auch die Bauteile an sich sind zwangsläufig andere, weil sich mit der Zeit Produktionstechniken und Verfügbarkeit wichtiger Elemente der klassischen 808 geändert haben. Zu guter Letzt spielt dann noch der Alterungsprozess eine wichtige Rolle, sodass verallgemeinernde Aussagen zum Sound mit Vorsicht zu genießen sind.

Relativ konsensuell scheint hingegen der Eindruck, die originale 808 klinge grundsätzlich voller und organischer. Besonders häufig wird die Snare des RD-8 kritisiert, weil weder Rauschanteil noch Attack an die Vorlage heran kämen. Ohne dedizierten AB-Vergleich sind beim verwendeten Testgerät vor allem Unterschiede in den Lautstärken der einzelnen Stimmen aufgefallen. Insbesondere der Rimshot ist in vermeintlich neutraler Position deutlich lauter als der Rest.

Wer nicht ganz so pingelig ist, wird auf jeden Fall seine Freude am Klang des RD-8 haben. Einerseits klingen die Stimmen an sich überzeugend genug nach 808, andererseits weiß der analoge Charme kleinere Unterschiede zu kompensieren und macht auch ohne Vergleich spaß. Der neue Tuning-Regler für die Kick, der Offset beim Clap sowie die Tone Controls für die Hihats sind eine wichtige Ergänzung des Repertoires, da sich der RD-8 besonders in Puncto Flexibilität beweisen kann. Auch der Wave Designer und das Dual Mode Filter bringen reichlich frischen Wind in die Kiste.

Die Filter klingen weder besonders gut noch besonders schlecht. Der Wave Designer erlaubt hingegen ganz ohne Outboardgear interessante Einflussnahme auf die Sounds des RD-8. Besonders gelungen ist, dass sich die einzelnen Stimmen beliebig an den Effektweg schicken lassen. Allerdings kann es beim Einschalten des Filters zu hörbaren Knacksern kommen.

Der Sequenzer

Für sich betrachtet ist der Sequenzer des RD-8 recht unspektakulär. Patterns mit maximal 64 Steps sind zwar für die TR-808 eine stattliche Menge, doch objektiv gesehen Standard. Ebenso verhält es sich mit den Mute und Solo Modes oder dem Note Repeat. Überraschend praktisch ist die Auto-Scroll-Funktion, um in ungewohnt langen Patterns den Überblick zu behalten. Oder wenn es polyrhythmisch wird, denn beim RD-8 können den unterschiedlichen Stimmen verschiedene Pattern-Längen zugeordnet werden. Über Probability kann die Abspielwahrscheinlichkeit von Trigs verändert werden. Wahlweise für den Gesamtmix oder nur auf einzelnen Spuren lockert der Zufall den kreativen Prozess auf.

Fans von Elektrons Sequencern wie Digitakt und Konsorten werden Probability nutzen, um gespeicherte Sequenzen zu entfremden und dann via Pattern Load zurückzusetzen. Parameterlocks sind beim RD-8 leider Fehlanzeige, was bei analoger Klangerzeugung aber auch aufwändiger zu implementieren ist - nur das Filter ist aufnehmbar. Der RD-8 kommt komplett ohne Doppelbelegungen und Shift Button aus, wovon der Workflow weitestgehend profitiert. Lediglich die Mute bzw. Solo Modes sowie der Send der FX-Sektion laden zum Verheddern ein, denn der Send muss erst deaktiviert werden, bevor man wieder zum Mute, Solo oder der normalen Track-Auswahl gelangt.

Fazit

Analoge Klangerzeugung macht Spaß, das ist bei Drum Machines nicht anders. Kein Wunder, dass einen der RD-8 als Klon DER analogen Drum Machine schlechthin erstmal zum Strahlen bringt. Das fängt bereits beim Auspacken an, denn der RD-8 wirkt für das Geld überdurchschnittlich groß, stabil und wertig. Das Design ist angenehm nah am Vorbild aus den 80ern gehalten, während z. B. die modernere Optik der Roland TR-8S noch viele Fans hat sauer aufstoßen lassen. Behringer macht also mal wieder vieles richtig, wenn es darum geht, die Wünsche der Community bezahlbar umzusetzen. Klar gibt es vor allem klangliche Unterschiede zur originalen 808, was richtige Hardcore-Fans am Hype um den Klon abprallen lässt, das ist aber auch bei jedem Klon anderer Hersteller der Fall. Wer sich daran weniger stört, bekommt eine überzeugende Kopie des Klassikers mit moderneren Anschlussmöglichkeiten wie MIDI oder USB. Lediglich der Sequenzer wirkt noch etwas veraltet, was vor allem an den fehlenden Parameterlocks liegt.

 

Pro

Analoger Sound
808-Klon mit modernen Upgrades
Preis

Kontra

Störgeräusch beim Ein-/Ausschalten des Filters
Teilweise veraltetes Spielgefühl
Keine Parameterlocks

 

Preis: 299 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Behringer.

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