Test: Pioneer DJ CDJ-3000 / DJ-Multimediaplayer

Test: Pioneer DJ CDJ-3000 / DJ-Multimediaplayer

Tests 25. Oktober 2020

Pioneer DJ zündet die nächste Evolutionsstufe im Profisegment und veröffentlicht den Mediaplayer CDJ-3000. Der groß dimensionierte Singleplayer spielt Songs von USB-Datenträgern, SD-Karten sowie Computern und mobilen Devices und möchte mit einem 9-Zoll-Touchscreen, einem überarbeiteten Jogwheel und doppelter CPU-Power überzeugen. Ich habe mir den Neuzugang, dessen Preisschild einen Betrag von 2399 Euro ausweist, angeschaut und auf seine Praxistauglichkeit hin inspiziert.

Mediaplayer

Der Pioneer CDJ-3000 ist das neue Topmodell der CDJ-Serie und als reiner Mediaplayer ohne CD-Laufwerk ausgeführt. Das Gerät verarbeitet interne Daten mit 96 kHz/32 Bit und misst stattliche 329 x 453 x 118 mm bei einem Gewicht von 5,5 kg. Da ein typisches DJ-Setup aus mindestens zwei Playern und einem Mischpult besteht, muss man hier einen eventuellen Transport gut vorbereiten und den Einsatz spezieller Cases oder Bags, wie die DJC-3000 in Betracht ziehen, damit die wertvolle Fracht keinen Schaden nimmt. Die Verarbeitung des Players hat mir sehr gut gefallen und auch bei der Materialwahl leistet sich der japanische Hersteller keine Schwächen.

Deck

Das Deck des CDJ-3000 ist mit umfangreichen Funktionssteuerungen versehen, wobei Pioneer DJ beim Layout darauf geachtet hat, dass sich Anwender der Vorgängermodelle schnell zurecht finden. Neben beleuchteten, schnell reagierenden Start/Cue- und Transporttastern findet man einen Pitchfader mit dem gewohnten 10cm-Regelweg samt Mastertempo-Taster. Wer sich beim Mixen von den Automatikfunktionen unterstützen lassen möchte, nutzt die Beat-Sync- und Master-Taster sowie den neuen Key-Sync-Button, der die Tonart angleicht.

Zum Steuern der digitalen Tracks wurde das 206mm-Jogwheel technisch überarbeitet und mit einem Display ausgestattet, das Cover-Artwork, den aktivieren Modus (Vinyl, Slip) und den Beat-Sync-Status einblendet. In der kreativen Abteilung gibt es Taster für manuelle und automatische Loops sowie Beatjumps und einen Hebel zur Aktivierung der Rückwärtswiedergabe. Neu sind zudem die acht horizontal angeordneten Hotcue-Buttons, die ohne Doppelbelegung nutzbar sind.

 CDJ-3000 Draufsicht.
Das Layout wirkt vertraut, ein Umstieg gelingt somit sehr schnell.

Display

Der CDJ-3000 ist mit einem leicht angewinkelten, nicht verstellbaren 9-Zoll-Touchdisplay ausgestattet, das sehr viele mixrelevante Informationen wie Titel, Zeit und Wellenformen einblendet und zur Konfiguration des Geräts sowie zur Trackselektion dient. Die Darstellungen sind gestochen scharf und Befehlseingaben werden direkt umgesetzt. Die Displayhelligkeit lässt sich in fünf Stufen anpassen und auch die Schriftgröße im Browser ist wählbar.

Anschlüsse

Auf der Geräterückseite des CDJ-3000 gibt es einen analogen und digitalen Stereo-Audioausgang. Letzterer vereinfacht die Verkabelung, benötigt aber einen Mixer mit digitalen Eingängen wie beispielsweise den DJM-900NXS2. Eine USB-B-Buchse ermöglicht die Kontaktaufnahme mit einem Computer sowie mit einem mobilen Device (iPhone, iPad via Camera-Adapter) und ein Gigabit-Ethernet-Port erlaubt den Aufbau eines Pro-DJ-Link-Netzwerks. Dieses dient dem Austausch von Songinformationen, der Ausführung von Sync-Funktionen sowie dem Senden von Phrasen-Analyse-Informationen für Licht-Effekte (in Kombination mit dem RB-DMX1) und dem gemeinsamen Zugriff auf Datenträger.

Bis zu sechs CDJ-3000 können über dieses Netzwerk auf einen gemeinsamen Datenträger zugreifen. Das Stromkabel ist mit einer V-Lock-Einrastfunktion versehen und so gegen ein versehentliches Lösen gesichert. Auf der Oberseite des Players befindet sich eine USB-Buchse und ein SD-Kartenslot zur Songzuführung.

Auf der Rückseite befinden sich die Audioausgänge und der neue Gigabit-Ethernet-Port.

Mediaplayer im Einsatz

Der Pioneer DJ CDJ-3000 kann in verschiedenen Setup-Szenarien zum Einsatz kommen. Für eine komfortable Systembedienung kombiniert man ihn mit mindestens einem weiteren CDJ-3000 und einem netzwerkfähigen Pioneer DJ Mischpult (DJM-900NXS2 oder DJM-V10) und stellt per zwischengeschaltetem Switching Hub ein Pro-DJ-Link-Netzwerk zusammen. Der Austausch der Daten und auch der gemeinsame Zugriff auf einen Datenträger haben in einem Test stets zuverlässig funktioniert. Wird ein Datenträger versehentlich entfernt, so aktiviert der Player eine Notfall-Loop-Funktion, damit die Wiedergabe nicht abrupt abreißt.

Songs und Datenträger sollten vor dem Einsatz mit Rekordbox 6 vorbereitet werden, da der CDJ-3000 leider keine Songanalyse vornimmt und keine permanenten Playlisten anlegen kann. Rekordbox 6 wird als Vorbereitungstool nach wie vor kostenlos angeboten und erlaubt neben dem Analysieren von Songs und Setzen von Hotcue-Punkten die Generierung der neuen Dreibandwellenformen.

Der CDJ-3000 lässt sich auf unterschiedliche Weise mit Songs füttern. Am einfachsten gelingt dieses mit USB-Datenträgern und SD-Karten, aber auch durch Computer mit installierter Rekordbox Software und Mobile Devices per Rekordbox App. Durch das flexible Zuführen der Songdatenträger ist ein DJ-Handover oder ein gemeinsames Auflegen als DJ-Team einfach möglich. Die Songbibliotheken lassen sich bequem durchsuchen, hierzu gibt es spezielle Taster oberhalb des Displays und einen Encoder auf der rechten Seite mit zusätzlichen Buttons. Songs können nach verschiedenen Sortierkriterien dargestellt und in eine Tag-Liste überführt werden. Sollte man trotz der gebotenen Hilfen den gewünschten Track nicht finden, steht eine Suchfunktion parat, die schnell arbeitet und sich per Bildschirmtastatur einfach bedienen lässt.

In Kombination mit einem Mixer, wie dem DJM-900NXS2 oder DJM-V10, lassen sich zwei recht praktische neue Funktionen nutzen, die das Mixing erleichtern und die Bezeichnungen Touch Preview und Touch Cue tragen. Touch Preview erlaubt das Vorhören eines Songs im Songbrowser bei gleichzeitiger Wiedergabe eines anderen Tracks auf dem gleichen Player und Touch Cue das Anhören verschiedener Songpositionen des Songs, der gerade iedergegeben wird. Das Ganze erfolgt über die Netzwerkverkabelung und der Aktivierung der Link-Cue-Funktion auf dem Mixer. Gesteuert werden beide Funktionen durch Streichbewegungen auf den Wellenformdarstellungen im Touchscreen.

Das Beatmatching geht mit dem CDJ-3000 sehr einfach von der Hand, da das Jogwheel und der Pitchfader sehr exakt arbeiten. Außerdem wird die Wellenform des Master-Players auf dem Bildschirm des Geräts eingeblendet, mit dem der zu mixende Song wiedergegeben werden soll (Stacked Waveforms). Somit sieht man beide Songs und deren Beats gleichzeitig auf einem Display und kann die entsprechenden Anpassungen optisch kontrollieren. Wer kein manuelles Beatmaching vornehmen möchte, lässt die Songs und Tonarten per Knopfdruck vom Gerät angleichen. Das Ganze funktioniert gut und zuverlässig, sollten Ungenauigkeiten aufgrund nicht richtig sitzender Beatgrids auftreten, kann man das Beatraster im Player sehr einfach geraderücken.

Wer kreativ arbeiten möchte, setzt bis zu acht Hotcue-Punkte - hier hat mir die neue Anordnung der Taster gut gefallen, da sie praxisgerechter ist und ohne Doppelbelegungen auskommt. Loops lassen sich mit Buttons, aber auch durch Auswahl der Loop-Länge (Beat Loop) auf dem Display setzen und modifizieren. Zudem kann auf dem Touchscreen auch die Tonart zu Anpassungszwecken aber auch für interessante Klangmodifikationen in Halbtonschritten manipuliert werden und auch Beatjumps mit bis zu 64 Taktschlägen sind quantisiert und treffsicher ausführbar.

Kombiniert man zwei CDJ-3000 mit einem DJM-900NXS2 in einem Pro-DJ-Link-Netzwerk, lassen sich Songs sehr komfortabel mixen.

Verwendung als Controller

Der Pioneer DJ CDJ-3000 ist als HID-Controller und Soundkarte für Rekordbox DJ 6 nutzbar. Der Player dient hier als Hardware-Dongle, wie man es von Serato kennt und schaltet einen speziellen Modus frei, der vom Funktionsumfang in etwa der kostenpflichtigen Core-Version entspricht. Je nach verwendetem Betriebssystem müssen verschiedene Soundkartentreiber und Aggregator-Tools installiert werden, damit ein störungsfreier Betrieb möglich ist. Auf meinem Windows 10 Testrechner ging der Installationsvorgang fix und reibungslos von der Hand.

Mit dem Player kann in der Songsammlung navigiert werden und auch das Laden der Tracks ist möglich. Leider ist der Zugriff nicht ganz so komfortabel wie im Standalone-Modus, denn die Tasten Tag-List, Playlist und Search sind nicht belegt und auf Touch-Preview und Touch-Cue muss ebenfalls verzichtet werden. Neben Songs von der Festplatte kann man in Rekordbox DJ auch auf kostenpflichtige Streaming-Dienste wie Soundcloud, Beatport, Beatsource und Tidal zugreifen, hier sei erneut der Hinweis gestattet, dass diese Dienste aktuell nur eine Nutzung im Privatbereich erlauben. Der CJD-3000 zeigt die Wellenformen der Songs an und blendet weitere mixrelevante Funktion ein.

Eine parallele Wellenformdarstellung des Master-Players (Stacked Waveforms) gibt es aber nicht, hierzu muss der Computerbildschirm konsultiert werden. Die Steuerung der Software erfolgt sehr direkt und das Beatmatching (manuell oder automatisch) inklusive der kreativen Features wie Beat Loop, Reverse und Tonart-Verbiegungen gelingen treffsicher wie im Standalone-Betrieb. Ein Zugriff auf die Rekordbox-DJ-Effekte vom CDJ-3000 aus ist aktuell nicht möglich, zukünftige Anpassungen des Mappings sind hier aber durchaus vorstellbar. Wer Serato DJ Pro als Software zum Auflegen bevorzugt, muss sich noch etwas gedulden, eine Umsetzung ist bereits in Vorbereitung.

Unterschiede zum CDJ-2000NXS2

Da viele von euch sicherlich mit dem Vorgänger CDJ-2000NXS2 vertraut sind, hier kompakt zusammengefasst die wesentlichen Neuerungen des CDJ-3000.

  • größeres 9-Zoll-Touchdisplay mit höherer Auflösung
  • Touch Preview (Vorhörfunktion)
  • Dreibandwellenformen
  • Touch Cue (Anhören abweichender Songpostionen)
  • Stacked Waveforms (Einblendung der Wellenform des Master-Players)
  • Key Sync/Shift
  • acht Hotcue-Taster
  • mehr CPU-Power
  • Jogwheel performanter
  • Gigabit LAN
  • CD-Laufwerk weggefallen

Fazit

Pioneer DJ hat mit dem neuen CDJ-3000 ein klar erkennbares Konzept verfolgt, das auf Evolution statt auf Revolution setzt. Dieser Schritt ist durchaus nachvollziehbar und für ein Gerät, das als „Quasi“-Standard in den Clubs und Diskotheken weltweit angetroffen werden will auch durchaus gewichtig, da Umsteiger somit unmittelbar mit dem neuen Boliden zurechtkommen.

Die Neuerungen wissen allesamt im Praxiseinsatz zu überzeugen. Das größere Display, die gesteigerte Rechenleistung und das durchsatzstärkere Ethernet sowie zusätzliche Hotcue-Taster machen sich in der Mixpraxis positiv bemerkbar. Darüberhinaus hieven die neuen Softwarefunktionen wie Touch Preview und Touch Cue sowie Key-Sync und die parallelen Wellenformdarstellung das Mixerelebnis auf ein neues Niveau. Ich persönlich finde den CDJ-3000 als sehr gut gelungen, klar hätte man WIFI und Streamingdienste noch integrieren können, da aber eine kabelgebundene Netzwerkkommunikation ausfallsicherer ist und Streaming in professionellen Einsatzgebieten nicht offiziell genutzt werden darf, sehe ich das nicht als direkten Nachteil. Zudem kann diese „Lücke“ über Rekordbox DJ und zukünftig auch Serato DJ Pro geschlossen werden, wenn man diese Funktion unbedingt nutzen möchte.

Beleuchtet man den verlangten Preis von 2399 Euro, so finde ich diesen als etwas zu hoch gegriffen, da sich hier ein unmittelbarer Vergleich zum Mitbewerberprodukt SC 6000 von Denon DJ aufdrängt, dessen Featureliste durchaus etwas umfassender ist, der eine vergleichbare Qualität bietet und für knapp 1000 Euro weniger zu haben ist.

 

Pro

Intuitive Nutzung (Workflow nahezu unverändert zum Vorgänger)
Gute Verarbeitung
Großes, schnell reagierendes 9-Zoll-Touchdisplay
Praxisgerechte Neuerungen (Touch Cue, Touch Preview, Stacked Waveforms)
Tonart-Matching, -Modifikation
Acht Hotcue-Tasten

Kontra

Keine Songanalysefunktion im Player
Rekordbox-DJ-Steuerungen ausbaufähig
Teuer

Preis:

2399 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Pioneer DJ.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit CDJ-3000 , Multimediaplayer , Pioneer DJ , Test

Geschrieben von:
Boris Alexander

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