Test: Roland TR-06 / Neuauflage der legendären TR-606

Test: Roland TR-06 / Neuauflage der legendären TR-606

Tests 3. Juli 2021

Nach Behringers RD-6 meldet sich jetzt auch Roland mit einer Neuauflage der legendären TR-606 Drum Machine zu Wort. Als Mitglied von Rolands Boutique Serie ist die neue TR-06 allerdings digital und nicht wie das Original - und Behringers Version - analog. Stattdessen will Roland mit raffinierten Upgrades des Sequenzers sowie einer völlig neuen Effektpalette den klassischen 606-Workflow auf ein zeitgenössisches Level bringen. Statt Purismus mehr Features sozusagen. Ob der Plan am Ende aufgeht, zeigt dieser Test.

Verarbeitung, Anschlüsse und technische Daten

Durch das Layout und Design der Bedienelemente sowie dem silbernen Gehäuse sieht die TR-06 ihrem Vorbild zum Verwechseln ähnlich. Nur die Abmaße wurden mit 52 x 308 x 130 mm bei einem Gewicht von 1,2 kg auf Roland-Boutique-Format getrimmt. Im Vergleich zur alten 606 ist Rolands Neuauflage also deutlich wertiger verarbeitet.

Auch die Stepbuttons und Funktionstaster sind bei der TR-06 weniger klapprig geraten, was das Spielgefühl merklich aufwertet. Bei den Potis gibt es ebenso wenig zu meckern, sie sind wackelfrei verbaut und haben ausreichend Drehwiderstand für feinste Einstellungen. Auf der Rückseite befinden sich 3,5mm-Klinkeneinbuchsen für Master- und Phones-Out sowie Mix-In.

Komischerweise wurde der Lautstärkeregler auch hier verbaut. Zusätzlich zur MIDI-fähigen Micro-USB-Buchse gibt es noch MIDI In und Out nach DIN-Norm, die restlichen Anschlüsse befinden sich an der Oberseite des Geräts. Die dortige Minipatchbay besteht aus einem Trig-In sowie Trig-Outs für Accent, Hi-Tom, Lo-Tom, Kick und Snare.

Diese eignen sich zwar nicht als Einzelausgänge, in Verbindung mit einem Computer ist Multitracking aber per USB möglich. Das passende USB-Kabel spendiert Roland übrigens nicht, dafür aber ausreichend AA-Batterien, denn die Roland TR-06 funktioniert auch ohne Stromkabel.

Roland TR-06 Anschlüsse.

Die Features im Überblick

Es ist zwar umweltfreundlicher, per USB eine Powerbank anzuschließen, dann entgehen einem jedoch ein paar Makro-Funktionen. So lässt sich die TR-06 mit der DAW verbinden, wie bereits erwähnt ist sie MIDI-kompatibel, aber auch Audiosignale können über den USB-Port verschickt werden. Nicht nur die einzelnen Instrumente, auch das Signal an der Mix-In-Buchse kann so aufgenommen werden und Rolands TR-06 wird zum Audiointerface.

Unter der Haube gibt es noch mehr zu entdecken: Dank Rolands ACB-Engine kann so viel am Sound geschraubt werden wie an noch keiner 606 zuvor. Pro Track stehen gleich mehrere Instrumente zur Auswahl, die dann wiederum nach gängigen Drumsynth-Parametern feingestimmt werden können.

Die Vorzüge der digitalen Klangerzeugung haben der TR-06 außerdem noch eine stabile Effektsektion bestehend aus verschiedenen Master- und Send-Effekten beschert. Die Auswahl funktioniert ähnlich wie bei den Instrumenten, es können immer nur ein Master- und ein Send-Effekt aktiv sein. Die Patternlänge ist mittlerweile auf 36 Schritte gewachsen, speicherbar sind sogar 128 Patterns. Abgerundet wird das Arsenal der TR-06 mit modernen Sequencer-Funktionen à la Sub-Step, Step-Repeat, Trig-Probability und -Velocity, Mute-Modus oder Patternchain.

Roland TR-06 von unten.

Sound und Workflow

Wie bereits erwähnt ist die Roland TR-06 nicht analog. Wie die anderen Vertreter von Rolands Boutique Serie arbeitet auch die TR-06 mit der ACB-Technologie, welche die Klangcharakteristiken berühmter Vintage-Synths emuliert. Wer Rolands Geräte wie JU-06A oder TR-08 kennt, wird einen guten Eindruck der Klangqualität haben. Der Vintage-Charakter ist erstaunlich gut eingefangen, insgesamt klingen die neueren Rolis und somit auch die TR-06 komprimierter, was je nach Geschmack aber von Vorteil sein kann.

Der modernere Sound lässt sich jedenfalls ziemlich leicht in den Mix integrieren, der TR-06 fehlt höchstens diese spezielle Roughness. Besonders die Verzerrung auf dem Master klingt bei Roland logischerweise digitaler als zum Beispiel bei Behringers RD-6. Ansonsten kann der Sound der TR-06 eben aufgrund der digitalen Klangerzeugung mit seiner Vielfalt punkten. Dass bei Rolands TR-06 für jeden Track verschiedene Instrumente zur Auswahl stehen - von Rims über Claps bis hin zu verschiedenen Kicks, Snares und Toms -, dürfte für langanhaltenden Spaß sorgen.

Doch die vermeintlich überschaubare Bedienoberfläche lädt noch tiefer ins Rabbithole ein: Bei gehaltenem Menütaster können die Instrumente über die drei Encoder rechts oben auf der TR-06 weiter verfremdet werden. Decay, Snappy, EQ, Pitch, mal mehr, mal weniger Optionen stehen je nach Instrument zur Verfügung.

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Auch die Master- und Send-Effekte können über derartige Tastenkombinationen justiert werden. Von Werk sind ein Overdrive auf dem Master und ein Space-Echo als Send eingestellt. Es gibt aber auch Flanger, Bitcrusher, Reverb und ein Multifilter. But wait, there's more! Die eingangs erwähnten Sequenzer-Updates sind nicht nur ultra praktisch, sondern auch richtig stark implementiert.

So lässt sich beispielsweise bei gehaltenem Trig-Button die Trig-Velocity über den Accent-Regler steuern. Über den Mode-Encoder kann auf die gleiche Art die Trig-Probability geregelt werden. Die einzige Menüebene, durch die gescrollt werden muss, ist das Hauptmenü. Hier gibt es den Mute Mode, die Instrumentenauswahl, MIDI-Einstellungen, oder den Zugang zu den Sends und Effekten. Was sich bei all den Neuerungen jedoch nicht erklärt, ist die Tatsache, dass Trigs immer noch nur setzbar sind, wenn die Sequenz gerade läuft.

Fazit

Die TR-06 von Roland klingt vielleicht nicht ganz so charakterstark wie eine analoge Drummachine, das macht sie aber mit ihren Bonus-Features locker wett. Trotz digitaler Klangerzeugung ist der Sound der TR-06 auch keineswegs schlecht, dünn oder platt, es geht eher um diese analoge Struktur und natürlich Mojo. Man könnte auch sagen, die TR-06 klingt moderner. Relativ komprimiert, aber dafür auch direkt einsatzbereit. Die neuen Klangfärbungsoptionen und Sequenzer-Upgrades verlängern den Spielspaß darüber hinaus enorm. Die große Abwechslung an Sounds und Tweakability von Rolands TR-06 überzeugt also out of the box. Während Analog-Gear auf externe Geräte angewiesen ist – Kompressoren, Mixer usw. –, bringt die TR-06 all das und noch mehr als Zusatzfeature mit. Nur der Preis ist leider ziemlich genau gerechtfertigt für das, was die TR-06 kann. Etwas weniger und Roland hätte Anrecht auf die Budget-Drummachine schlechthin, mit zahlreichen Features, integriertem Lautsprecher und Akkubetrieb. Das wäre aber wohl nicht mehr ganz so Boutique.

Pro

Originalgetreuer Klang dank ACB-Technologie
Viele Sounds und Effekte
Modernisierter Sequenzer

Kontra

Nur digitale Klangerzeugung
Trigs nur bei laufender Sequenz setzbar

Preis:

379,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Roland.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit Boutique , Drum Maschine , groovebox , Roland , TR-06

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

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