Test: Traktor Kontrol S2 MK3

Test: Traktor Kontrol S2 MK3

Tests 20. Dezember 2018

Lange war es ruhig um die Traktor Produkte von Native Instruments. Mit dem Erscheinen des neuen Traktor Pro 3 setzt der Hersteller auch wieder auf eigene Hardware im DJ-Bereich und verkündete im Herbst 2018 die Nachricht, dass es passend dazu eine weitere Neuauflage der beiden Traktor Controller S2 und S4 gibt. In dem nachstehenden Test haben wir uns den Traktor Kontrol S2 MK3 genauer angeschaut und erklären, wie er sich im Verbund mit dem neuen Traktor Pro 3 schlägt und welche Stärken und Schwächen der Controller aufzeigt.

Unboxing

Der Traktor Kontrol S2 MK3 kommt in einem unscheinbaren braunen Karton, dessen Inhalt sich auf ein USB-Kabel, eine Traktor Pro Lizenz und ein paar Traktor Sticker beschränkt. Eine Bedienungsanleitung liegt nicht bei, auf der Native Instruments Seite ist jedoch eine englische Version verfügbar. Die ganz in Schwarz gehaltene Konsole misst 486 x 59 x 265 mm (B/H/T) und ist mit 2,63 kg sehr leicht. Damit ist der S2 MK3 auf jeden Fall etwas für unterwegs und passt bequem in einen mittelgroßen Rucksack. Ist der gänzlich in Kunststoff gefertigte Controller erst einmal aufgestellt, steht er durch seine gummierten Füße rutschfest auf glatten Oberflächen. Beim Betrachten der Oberfläche fallen vor allem die Jogwheels auf, die im Vergleich zum MK2 mit ca. 12 cm Durchmesser auf jeden Fall gewachsen sind. Weiterhin liegt nun auch der Pitchfader des linken Decks rechts unten, was beide Decks von der Anordnung der Bedienelemente nun identisch macht.

Haptik

Grundsätzlich unterscheidet sich der S2 MK3 nicht großartig von anderen Controller im Einsteigersegment. Alle Elemente sind bis auf die Oberfläche der Jogwheels aus Kunststoff gefertigt. Der Drehwiderstand der Jogwheels wirkt bei Backspins sehr hoch, was zur Folge hat, dass sie schnell zum Stehen kommen. Dabei weisen die Jogwheels kaum Eigenträgheit auf, was auf das geringe Gewicht des Materials zurückzuführen ist. Wer erwartet hat, dass hier die gleichen Jogwheels wie beim S4 MK3 verbaut sind, wird enttäuscht werden, sie sind nämlich nicht angetrieben und stehen dementsprechend im Betrieb still. Bis auf die Performance-Pads unterhalb der Jogwheels sind alle Taster aus Kunststoff und besitzen einen kurzen klickenden Druckpunkt. Die Performance-Pads sind aus einem mittelharten Gummi und besitzen ebenfalls Mikroschalter ohne Anschlagdynamik.

Schraubt man an den Drehreglern des S2 MK3, so fallen die angenehmen Drehwiderständer der EQ- und Gain-Regler auf. Oben drauf ist die weiße Positionskerbe deutlich tastbar, was beim Arbeiten in dunkler Umgebung von Vorteil sein kann. Die Regler für die Filter sind wesentlich leichtgängiger und zeichnen sich durch eine breitere Kappe aus. Obwohl alle Kappen aus Kunststoff sind, sorgt die Riffelung für ausreichend Griffigkeit beim Auflegen.

Im Faderbereich fallen vor allem die Kanalfader durch ihren sehr hoch geratenen Schiebewiderstand auf. Für meinen Geschmack ist er zu hoch und wirkt sich eher störend auf das Mixing aus. Der Crossfader hingegen ist leichtgängig und äußert sich höchstens durch ein auffälliges Schleifgeräusch des Sliders, was aber keine Funktionseinschränkung mit sich bringt. Die Pitchfader haben ein leicht seitliches Spiel, besitzen keine Nullrastung und lassen sich mit einem angenehmen Schiebewiderstand bewegen.

Anschlüsse

Bei den Anschlüssen des Traktor Kontrol S2 MK3 scheint man im Vergleich zum Vorgänger den Rotstift angesetzt zu haben. Verblieben ist auf der Geräterückseite ein Master-Out als Stereo-Cinch-Pärchen und als Mini-Stereo-Klinke, der optionale Booth-Out ist verschwunden. XLR-Ausgänge sucht man weiterhin vergebens, was den Controller für den Heimgebrauch prädestiniert oder man im Club über einen weiteren Mixer gehen muss. Weiterhin ist ein großer Klinkeneingang für ein Mikrofon vorhanden, dessen Lautstärkeregler sich direkt daneben befindet. Neben der USB-B-Buchse für den Anschluss an den Computer und der Netzteilbuchse gibt es noch einen mysteriösen USB-A-Anschluss, der für zukünftige Verbindungsmöglichkeiten zu einem iOS-Gerät bereit steht. Vermutlich wird der S2 MK3 auch als Controller für die Traktor App in Frage kommen, dies war in der Vergangenheit nur durch eine umständliche Verkabelung möglich gewesen. Zu guter Letzt ist da noch der Kopfhörerausgang auf der Vorderseite, der leider zu einem Miniklinke-Anschluss verkümmert ist. Warum man hier keine große Klinkenbuchse mehr verbaut hat, ist unklar. Der Controller scheint jedenfalls nicht zu flach dafür zu sein.

Plug & Play

Der Traktor Kontrol S2 MK3 kommt mit USB-Strom aus, auch wenn optional ein Netzteil angeschlossen werden kann. Sobald man den Controller mit dem Rechner verbunden und Traktor Pro 3 gestartet hat, gibt es eine kleine Lichtdisko auf dem Controller, es kann also losgehen. Mit einer älteren Traktor Version läuft der S2 MK3 nicht. Sofern noch kein Audio-Treiber für das interne Audio-Interface installiert ist, fordert Traktor einen dazu auf; dies ist mit ein bis zwei Klicks erledigt und der Spielspaß kann in der Tat sofort losgehen. Der Controller wird in allen Belangen direkt spielfertig eingestellt und alle weiteren Einstellungen sind erst einmal Nebensache. Wer Traktor ein wenig kennt, weiß, dass es da eine Menge zum Ein- und Verstellen gibt.

Der Mixer

Rein optisch wird man sich auf dem S2 MK3 direkt zurechtfinden. Auch hier sind alle Tasten hintergrundbeleuchtet, sodass alles auf Anhieb erkennbar ist. Das Mixer-Layout des S2 MK3 ist intuitiv bedienbar und die Anordnung der Regler weist genügend Platz auf, sodass auch größere Finger damit arbeiten können. Gain, EQ und Filter sind standardmäßig übereinander angeordnet, darunter findet man die Fader. Die Vorhörsektion ist beim S2 MK3 nun in der Mixermitte, wo man auch die Master- und Samplerlautstärke findet. Der Regler der Samplerlautstärke ist übrigens auf die Kanalfader C und D in Traktor gemappt. Wer ein Remixdeck in Deck A oder B aktiviert, muss den normalen Kanalfader auf dem S2 MK3 nutzen.

Auf den Filterregler lassen sich vier Effekte legen.

Eine Neuerung gibt es im Filterbereich, der nun, ähnlich wie die Sound-Color-Effekte von Pioneer Mixern, vier verschiedene Effektslots für den Filterregler bereithält. Diese vier Slots lassen sich in Traktor individuell belegen. Hierzu stehen neben dem klassischen Filter neun weitere Effekte zur Verfügung, als Indikator des aktiven Effekts leuchtet die Taste hell auf. Im Mix lassen sich diese Effekte sehr gut für Übergänge nutzen um z. B. Postfader Hallfahnen zu kreieren oder den Sound mit einem Gater zu zerstückeln. Etwas anstrengend finde ich nach wie vor die störrischen Kanalfader, die sich anfühlen als wäre Kleber reingelaufen. Das kann vielleicht aber auch an meiner persönlichen Verwöhntheit liegen und kommt bei Einsteigern wahrscheinlich weniger als Kritikpunkt auf. Der Crossfader wäre leichtgängig genug, um damit zu cutten, sofern man sich am 2 mm Cutlag nicht stört. Zwischen den beiden Kanalfadern befindet sich zu guter Letzt noch die Level-Anzeige, die in sechs LED-Glieder unterteilt ist. Für präzise Lautstärkeangleichungen eignet sie sich weniger, da sie das Pegelbild nur sehr ungenau aus der Software spiegelt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass man den Pegel hier in 6 dB- statt in 3 dB-Schritten abgebildet bekommt. Der Blick auf den Monitor liefert auf jeden Fall mehr Informationen.

Die Decks

Das Auflegen mit dem S2 MK3 gestaltet sich sehr einfach. Die Decks mit ihren großen Jogwheels machen genau das, was man von ihnen erwartet. Sie arbeiten präzise mit der Software zusammen und sofern man auf Deck A oder B ein Remixdeck aktiviert, kann man den aktiven Sampleslot auch noch scratchen. Aber auch das Steuern von Beatjumps und Loops ist dank der Encoder-Regler sehr komfortabel gestaltet – einfacher gehts nicht. Die Performance-Pads spielen hier wie beim Vorgänger eine Doppelrolle. Sie können entweder als Cue-Punkttasten oder als Start-Stop-Tasten für die ersten Sampleslots eines Remixdecks genutzt werden. Das bedient zwar nicht den vollen Umfang der Remixdecks, jedoch reicht es völlig aus, um damit in die Welt des Sample Triggerns einzutauchen. Schön ist bei den Performance-Pads auch, dass sie in der jeweiligen Cue-Punkt-Farbe bzw. Sampleslot-Farbe leuchten. Das erleichtert den Workflow und sieht auch noch gut aus. Da die Vorhörsektion ja nun in der Mixermitte Platz gefunden hat, musste die Browser-Funktion auf die Decks ausweichen. Dafür bekommt man jetzt je Deck gleich einen Encoder, der sich rechts über dem Jogwheel befindet.

Die großen Jogwheels arbeiten sehr präzise mit Traktor Pro 3 zusammen.

Mithilfe der darunter liegenden beiden Library-Tasten ist das Navigieren zwischen Ordnern, Favoriten und der eigentlichen Playlist nun ein Kinderspiel. Wer den Slip-Mode von Pioneer mag, wird auch den Flux-Mode von Traktor gut finden. Das ist nämlich das Gleiche und bewirkt bei Scratchmanövern, dass der Track im Hintergrund weiterläuft. Lässt man dann das Jogwheel los, springt der Sound genau an diese Stelle. Mit dem S2 MK3 kann man den Flux-Mode ebenfalls aktivieren, dazu steht eine Taste links über dem Jogwheel bereit. Zusätzlich gibt es eine Reverse-Taste, mit der der Flux-Mode im Rückwärtslauf arbeitet. Diese Funktion ist keine Neuheit in Traktor, jedoch ist sie für die Gestaltung von Übergängen und ähnlichen Manövern definitiv erwähnenswert und bringt den ein oder anderen eventuell auf neue Mixing-Ideen. Zu guter Letzt  beherbergt jedes Deck noch eine „Grid“-Taste. Wer mit Autosync arbeitet, wird an Beatgrids nur schwer vorbei kommen. Mit gehaltener Grid-Taste lässt sich das Metronom aktivieren, zusätzlich kann man dann mit dem Jogwheel das Beatgrid verschieben und an die Amplituden setzen. Ich empfehle an dieser Stelle auf jeden Fall, das Verschieben nicht bei laufendem Track zu machen. Auch sollte man ins Deck reinzoomen, damit das Grid präzise sitzt.

Effekte

Tja, wo bzw. wie steuert man die Effekte in Traktor Pro mit dem S2 MK3 an? Die Antwort ist einfach: Es gibt keine Möglichkeit mehr dafür auf dem S2 MK3! Vermutlich wollte man den S2 MK3 schlank halten und so mussten die Regler für die Effektsektion leider dem großen Jogwheel weichen. In meinen Augen kommt das leider einer Kastration gleich, da doch gerade die internen Effekte von Traktor Pro in ihrer Anzahl und Diversität eine Besonderheit sind. Vielleicht ist es aber auch eine Strategie von NI, dass man sich früher oder später einen Zusatz-Controller wie den X1 zulegt? Oder soll man vielleicht gleich auf den S4 MK3 umsteigen? Selbst wenn man den S2 MK3 umso mehr auf die Zielgruppe Einsteiger-DJ trimmen wollte, so stehen für mich in der Feature-Hierarchie Effekte noch vor einem Sampler. Hier scheint man einen Kompromiss eingegangen zu sein, den ich nicht nachvollziehen kann.

S2 MK3 vs. S4 MK3

Welche Features hat der größere S4 MK3 gegenüber dem hier getesteten S2 MK3? Hier in der Übersicht:

Besitzt zwei Effekt-Sektionen
4-Deck Steuerung
Vier vollwertige Kanäle
Analoge Mixerfunktion mit zwei zusätzlichen Phono-/Line-Eingängen
Interface unterstützt Timecodesteuerung
Angetriebene Jogwheels mit haptischen Cue-Punkten
MIDI-Deck-Displays mit Trackinfos
Rund 600 Euro teurer

Fazit

Native Instruments bietet mit dem Traktor Kontrol S2 MK3 einen einfachen 2-Deck Controller für Traktor Pro 3 an, der sich an Einsteiger wendet oder als Backup-Controller genutzt werden kann, seine Stärken liegen vor allem in der Kompaktheit und dem Plug&Play mit Traktor Pro 3. Die Verarbeitung geht dabei in Ordnung und birgt keine Schwachstellen. Der Fokus liegt beim Workflow klar auf dem einfachen 2-Deck Mixing. Samples können zwar halbwegs auch bedient werden, fürs Remixing sind aber deutlich zu wenig Parameter beeinflussbar. Klar ist, dass der S2 in all seinen Generationen nie dazu gedacht war, das volle Potential von Traktor Pro auszukosten. Der Wegfall der Effektsektion ist in meinen Augen aber ein herber Verlust, den ich mit einem dicken Minus ankreiden muss. Ich denke, dass das auch dem User früher oder später auffallen wird. Insofern kann ich Native Instruments’ Strategie hier nicht ganz nachvollziehen, selbst wenn irgendwann eine neue iOS App die Mobilität des S2 noch mal auf ein anderes Level hebt.

Entweder liegt der Fokus klar auf dem S4 MK3 oder die verschiedenen Köche, die an der Produktentwicklung des S2 MK3 beteiligt waren, mussten einen Kompromiss eingehen. Sofern der Einsteiger noch nicht auf Traktor Pro festgelegt ist (und ich denke am Anfang sind die meisten noch auf keine Software festgelegt), wird der S2 MK3 es gegenüber einem Pioneer DDJ-SB3 oder einem Numark Mixtrack Pro schwer haben, seine Vorteile hervorzuheben. Mit etwa 289 Euro liegt der Traktor Kontrol S2 MK3 nämlich genau im gleichen Preissegment und bietet als einziges Argument, eine Traktor Pro Fernbedienung mit NI-Stempel zu sein. Sollte man aktuell deswegen von der MK2 Version auf MK3 updaten? In meinen Augen nicht.

 

Pro

Einfache Bedienung
Neue Mixer-Effekte aus Traktor Pro 3 bedienbar
Große präzise Jogwheels
Kompakte Bauweise
Leichtgewicht

Kontra

Keine Effektsektion
Kanalfader schwergängig
Preis-Leistungs-Verhältnis mittelmäßig

 

Preis: 289 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Native Instruments.

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