Der analoge 4+2-Kanal-DJ-Mixer Union Audio elara.6 wartet mit einer besonderen Ausstattung auf und ist sowohl als Fader- als auch als Rotary-Mixer nutzbar. Das Gerät unterscheidet sich recht deutlich von seinem kleinen Bruder elara.4 MK2 (hier im Test) und empfiehlt sich aufgrund seiner Größe und Features auch für DJ-Teams und Live-Acts. Was der elara.6 zu bieten hat und ob er in der Praxis überzeugt, erfahrt ihr im folgenden Testbericht.
Quick Facts
- 4 + 2 kanaliger, analoger Mixer
- Line- und Rotary-Option
- Innofader-Crossfader
- Doppeltes Cueing-Sytsem
- Flexibel nutzbare DJ-Mixer mit besonderen Features
Der elara.6
Der komplett in Schwarz gehaltene Union Audio elara.6 hat ein massives 30 x 37 x 8 cm großes und 5,3 Kilogramm schweres Gehäuse aus Metall. Der vorbildlich verarbeitete Mixer verfügt über eine Vielzahl von Drehreglern aus Metall, die äußerst solide wirken, sowie über beleuchtete Taster und LED-Ketten. Das in Großbritannien gebaute Gerät ist mit einer durchgängig analogen Signalverarbeitung ausgestattet. Somit sind keine digitalen Multieffekte, MIDI-Controller-Funktionen, USB-Ports etc. vorhanden.
Beim deutschen Vertrieb für das Gerät wird die unverbindliche Preisempfehlung für den Union Audio elara.6 mit 4.044,81 Euro angegeben.

Kanalzüge
Der elara.6 ist mit vier identischen Kanalzügen ausgestattet, die mit Trim-Potis, blau illuminierte Quellenwahltaster sowie 4-Band-Equalizer mit zwei Mittenreglern bestückt sind. Somit trägt der Mixer die klar erkennbare Handschrift seines Schöpfers Andy Rigby-Jones, der bereits für die legendären Allen & Heath Xone- und PLAYdifferently-Mischpulte verantwortlich war. Die Mittenregler greifen bei 250 Hz und 1,5 kHz in die Frequenzen ein. Alle vier Bänder können um bis zu sechs Dezibel angehoben und um bis zu 20 Dezibel abgesenkt werden.
Gemixt wird mit 45-mm-Line-Fadern und einem Innofader-Crossfader mit wählbarem Kurvenverlauf oder optional mit Rotary-Reglern. Wie man die Fader des Mixers umbaut, haben wir uns im Praxisteil näher angeschaut.

Die Kanäle können per Schalter dem Crossfader zugewiesen werden. Das gleiche Bedienelement dient auch zum Routing der Signale in die Analog Processing Strips, die ein kreatives Arbeiten ermöglichen.
Pro Kanal stehen zwei Aux-Wege zur Verfügung, über die sich Outboard-Equipment wie Effekte bequem einschleifen lassen. Der erste Aux-Weg kann dabei als Pre- oder Post-Fader geschaltet werden, der zweite ist ausschließlich als Post-Fader-Weg nutzbar.
Als weitere Besonderheit bietet der elara.6 ein doppeltes Cueing mit separaten und ebenfalls beleuchteten Aktivierungstastern, die eine einfache und intuitive Bedienung ermöglichen.
Stereo Returns
Der Mixer ist mit zwei Stereo-Return-Kanälen ausgestattet, die sich für verschiedene Szenarien nutzen lassen. Klassischerweise werden hier die Ausgänge eines externen Effektgeräts angeschlossen. Alternativ sind diese Kanäle aber auch in Kombination mit Mikrofonen oder anderen Line-Pegel-Quellen nutzbar.
Die Stereo Returns werden mit Line-Fadern kontrolliert, lassen sich ebenfalls in die Aux-Wege leiten und sind mit 3-Band-EQs mit semiparametrischen Mitten ausgestattet. Die Mitten können um bis zu 15 Dezibel angehoben oder abgesenkt werden und arbeiten in einem Bereich von 150 Hz bis 2 kHz.
Auch die Signale der Stereo-Returns lassen sich dem Crossfader zuweisen und in die Analog Processing Strips zur Bearbeitung einschleifen. Zudem sind sie mit jeweils zwei Cue-Tastern ausgestattet.
Analog Processing Strips
Links und rechts neben den Kanalzügen befinden sich die identisch konfigurierten Analog Processing Strips. Sie sind beide mit umschaltbaren High-Pass- und Low-Pass-Filtern ausgestattet, die mit Resonanz gekoppelt sind. Ergänzt wird das Ganze durch eine Verzerrer-Einheit, diese ist mit Side-Chain-Funktion versehen, um Pegelabsenkunge zu verhindern.
Die Strips sind zusätzlich mit einem Width-Regler ausgestattet, mit dem sich die Stereobreite der Signale steuern lässt. Dabei werden zwei Signalkombinationen (Mid- und Side-Channel) kontrolliert, um ein Mono-, Reverse-Stereo-, Normal-Stereo- oder Extra-Wide-Signal zu generieren.

Master-Sektion des elara.6
Auch die Master-Sektion des elara.6 ist üppig ausgestattet. Hier befinden sich zwei Mix-Pegel-Regler für die separat ausgegebenen Mastersignale sowie LED-Pegelanzeigen. Darüber hinaus gibt es einen Booth-Regler, kombiniert mit einem 2-Band-EQ zur Anpassung des Monitorsignals.
In der Master-Sektion befinden sich die Bedienelemente zur Kontrolle des ersten Cue-Wegs. Hier kann per Taster das Signal zwischen Pre- und Post-EQ umgeschaltet werden, was beim Mixen durchaus hilfreich sein kann. Auch die Split-Funktion ist hier aktivierbar. Darüber hinaus gibt es einen Pegelregler für das Kopfhörersignal sowie einen Cue-Mix-Regler.
Anschlüsse
Auf der Rückseite des Union-Audio-Mixers befinden sich die praxisgerecht gruppierten Anschlüsse. Alle vier Kanäle sind mit Cinch-Line- und Phonoeingängen ausgestattet, gefolgt von symmetrischen XLR- und Klinkenbuchsen der Return Kanäle. In direkter Nachbarschaft befinden sich die Aux-Ausgänge als Klinkenbuchsen.
Der Recording-Ausgang befindet sich etwas abgesetzt auf der linken Seite, sodass man diesen auch im laufenden Betrieb schnell findet, wenn das Aufnahmegerät im laufenden Betrieb nachträglich angeschlossen werden soll.
Der erste Masterausgang ist als XLR ausgeführt. In seiner unmittelbaren Umgebung befinden sich ein Master-Insert für Dynamikprozessoren und der zweite Masterausgang in Form von Klinkenbuchsen. Den Abschluss bilden die symmetrischen XLR-Buchsen des Booth-Ausgangs.
Zum Vorhören von Songs und anderen Signalen ist der elara.6 mit insgesamt drei Kopfhörerausgängen ausgestattet. Der erste Cue-Weg bietet einen Anschluss mit 6,35 mm und einen mit 3,5 mm, der zweite eine große Klinkenbuchse.

Praxis
Der elara.6 ist ein vielfältig nutzbares Mischpult. Es kann zum Aufbau eines klassischen DJ-Setups genutzt werden, um einen großen Fuhrpark aus Plattenspielern und Mediaplayern in einer professionellen Umgebung, wie beispielsweise einem Club oder einem Festival, zu betreiben. Dank der beiden unabhängig voneinander steuerbaren Masterausgänge können auch mehrere Räume bespielt werden und auch Dynamikprozessoren lassen sich anschließen. Der konfigurierbare Booth-Ausgang ermöglicht eine optimale Abstimmung des Monitorsignals, sodass das Mixing auch in einer lauten DJ-Kanzel gelingt.
Neben den Zuspielern lassen sich Effektgeräte, Sampler, Mikrofone und weiteres Equipment an den Mixer anschließen, um die kreativen Möglichkeiten für DJ- und Live-Sets zu erweitern. Die doppelten Cueing-Features sind vor allem für DJ-Teams oder Live-Acts von Vorteil, da ein individuelles Vorhören möglich ist und dank zahlreicher Kopfhörerausgänge nichts umgesteckt werden muss.
Mixing
Mit dem elara.6 gelingt das Mixen von Songs ohne große Einarbeitungszeit. Alle Bedienelemente sind einfach zu identifizieren und zu nutzen. Die Drehregler erlauben eine sehr gezielte Modifizierung der Parameter und bieten je nach Funktion einen unterschiedlichen Drehwiderstand. Einige rasten spürbar in der Nullstellung oder bei bestimmten Funktionen ein. Besonders gut hat uns das doppelte Mittenband in den Kanalzügen gefallen, da man hier noch detaillierter in das Frequenzspektrum eingreifen kann als bei den meisten Mixern. Das Überblenden mit dem Innofader-Crossfader kann schnell oder sanft erfolgen. Detaillierte Einstellungen wie bei einem Battle-Mixer sind hier jedoch nicht möglich.
Umbau
Bei unserem Modell waren in den vier Kanalzügen ab Werk Line-Fader installiert, die sich sehr gleichmäßig auf den Faderbahnen bewegen lassen. Anpassungen der Faderkurven sind zwar nicht möglich, in unserem Praxistest haben wir diese aber auch nicht vermisst. DJs, die ihre Tracks lieber mit Rotary-Fadern mixen möchten, können die optionale Rotary-Fader-Einheit erwerben. Diese besteht aus vier Drehreglern und einem Crossfader. Die unverbindliche Preisempfehlung für das Austauschteil beläuft sich auf 510 Euro. Eine ähnliche Option gibt es bei Menura Audio (hier im Test). Hier kann man den Mixer direkt mit Fadern oder Reglern bestellen oder auch im Nachhinein einen Umbau vornehmen.




Der Umbau des elara.6 ist denkbar einfach, es müssen lediglich zwei kleine Inbusschrauben auf der Oberseite des Mixers gelöst und ein Flachbandkabel abgezogen werden. Diese Handgriffe sollten auch wenig talentierten Heimwerker:innen möglich sein, und das benötigte Werkzeug ist nicht zu speziell, sondern dürfte sich in der Grundausstattung jedes Haushalts befinden.
Das Mixing mit Drehreglern ist sicherlich nicht für jeden DJ das Richtige. Wer jedoch das elegante Verweben von Songs mag, wird mit dem elara.6 auf seine Kosten kommen. Die Regler sind größer als die aller anderen und lassen sich sehr gefühlvoll kontrollieren.
Kreatives
Über die beiden Stereo-Returns lassen sich die Setups auf unterschiedliche Weise erweitern. Hier können Signale von Effekten und ergänzenden Geräten integriert und durch das flexible Routing-System erneut in die Aux-Wege eingeschleift werden. Besonders gut gefallen haben uns die semiparametrischen Mitten, mit denen sich die Signale für ein kreatives Soundshaping manuell durchfahren lassen.
Die Signale aus allen sechs Kanälen können jeweils in einen der beiden Analog Processing Strips geleitet werden, wo sie sich verzerren und filtern lassen. Diese zusätzlichen Möglichkeiten führen dazu, dass man sich erwischt, wie im Studio permanent an Reglern zu drehen. Union Audio hat diesen Bearbeitungsweg außerdem mit einer Zero-Crossing-Funktion ausgestattet, sodass er jederzeit gefahrlos ein- und ausgeschaltet werden kann, ohne dass es zu Knacksern kommt.
Sound
Der Union Audio elara.6 ist ein fantastisch klingender Mixer. Ganz gleich, welche Zuspielersignale und Kombinationen zum Einsatz kommen: Der Brite überzeugt durch einen aufgeräumten, warmen Sound. Die vom Mixer-Guru Andy Rigby-Jones gezielt selektierten Bauteile kommen hier voll und ganz zur Geltung und sorgen für ein Klangerlebnis, das Maßstäbe setzt.
Alternativen
Fazit
Der Union Audio elara.6 ist alles andere als ein gewöhnlicher DJ-Mixer. Das 4+2-kanalige Gerät kann dank umfassender Anschlüsse und Routing-Optionen flexibel genutzt werden. Betrachtet man dessen Features und die Ausstattung genauer, so fällt auf, dass der Mixer zahlreiche Besonderheiten bietet, die man – mit Ausnahme der Allen & Heath Xone-Geräte – eher bei Studiogeräten als bei DJ-Mixern antrifft.
Neben 4-Band-Equalizern und Return-Kanälen mit parametrischen Mitten ist das Gerät mit kreativ nutzbaren Analog Processing Strips ausgestattet. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, es mit Line-Fadern oder Rotary-Drehreglern zu bestücken und auch ergänzende Zuspieler, Mikrofone oder Effektgeräte lassen sich sehr einfach integrieren. Ein doppeltes Cue-System erleichtert DJ-Teams das parallele Arbeiten an dem Gerät.
Ähnlich wie der elara.4 MK2 ist auch der große Bruder elara.6 sicherlich kein Mixer, der es allen recht machen möchte, und er wird zu einem ebenfalls recht ambitionierten Preis verkauft. Er richtet sich an anspruchsvolle, professionelle Nutzer:innen, die eine hohe Verarbeitungsqualität, einen fantastischen Sound und einen robusten Begleiter für Clubnächte und Festivalbeschallungen suchen.
Pro
Massives Gehäuse
Intuitiver Workflow
Herausragender Klang
Knacksfreies Zero-Crossing für Analog Processing Strips
Nutzbar mit Fadern oder Rotary-Reglern
Flexibles Signalrouting
Viele Anschlussmöglichkeiten
Kontra
Preis etwas hoch
Preis:
4.044,81 Euro
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Union Audio

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