ALLEN & HEATH 1D - Test

ALLEN & HEATH 1D - Test

Archiv 8. April 2009

ALLEN & HEATH 1D Der beste Flori, der wo gibt auf die Welt hat getestet, ob der 1D der beste MIDI-Controller ist, der wo gibt auf die Welt. Here we go. 

 

 

Der Xone:1D von Allen & Heath ist ein reinrassiger USB-MIDI-Controller, der es vor allem auf das Performen mit Traktor oder Ableton (um hier nur mal die 2 populärsten Anwendungsmöglichkeiten zu erwähnen) abgesehen hat. Besonders die Bauform prädestiniert ihn als perfektes Addon zum Mixer, da er sich in Tiefe und Höhe nahtlos an die bekannten Platzhirsche Xone:92, DJM-800 oder Evo-4/Nuo-5 anschmiegt. Dies ist in meinen Augen auch einer der größten Vorteile des 1D: man erhält eine homogene und ergonomische Arbeitsfläche im bereits bestehenden klassischen Setup (1210--Mixer--1210, resp. auch CDJ--Mixer--CDJ), was sich so gut wie überall realisieren läßt.

Kommen wir nun zur trockenen Theorie:
Top
Der 1D besitzt 16 Buttons, 4 Fader, 8 Knobs, 5 Push-Endless-Encoder und ein Multifunktions-Jogwheel, was in der Summe 43 MIDI-Befehle zur freien Belegung jeglicher MIDI-fähigen Applikation ergibt.
Die Verbindung kann wahlweise per DIN-5pol-MIDI-Buchse oder per USB-Port erfolgen. Über letzteren, und zwar ausschließlich darüber, bekommt der 1D seinen Saft. Das hat zur Folge, daß man zum Betrieb des 1D nicht um einen Computer bzw. um einen geeigneten USB-Stromadapter herumkommt, will man mit dem Controller z.B. einen Hardware-Synth ansteuern. Das Gerät sendet alle MIDI-Befehle auf dem selben Kanal, den man frei wählen kann. Ebenso stehen zwei interne Maps zur Verfügung, deren Hauptunterschied lediglich in den Kommandos der oberen 4 Encoder liegt: zum einen senden diese dann, abhängig von der Drehrichtung, je zwei unterschiedliche Note ON, oder zum anderen eine CC-Value. Leider gibt es keine Möglichkeit, die internen Vorgaben mittels Mapping-Tool o.ä. zu ändern, was die Verwendung manchmal ein wenig einschränkt. Für verwöhnte User eines Novation-Remote-Controllers z.B. macht sich diese Einschränkung schon deutlich bemerkbar, da man mit dem Novation-Editor wirklich ALLE (!) MIDI-Commands selbst bestimmen kann. Diese steht bei mir auch ganz oben auf der Feature-Wunschliste für Verbesserungen am 1D.

Außen hui, innen ?
Innen uiuiui, sag ich da nur! Der interne Aufbau ist modular gehalten und wirkt sehr aufgeräumt. Kein Wunder, da im Gehäuse fast nix drin ist und eigentlich noch ausreichend Platz für ein oder zwei weitere Controller-Innereien wäre. Aber je weniger drin ist, umso weniger kann auch kaputt gehen. Und wenn dennoch mal etwas seinen Dienst versagen sollte, kann es durch den bereits erwähnten modularen Aufbau komponentenweise getauscht werden. Dies muß man dann nicht zwingend selbst erledigen, sondern kann es den netten Jungs von Audio Technica überlassen, die für den deutschen Support von A&H verantwortlich sind. Da ich diesen Service selbst schon in Anspruch nehmen mußte, kann ich aus eigener Erfahrung nur Positives berichten.
Die Bedienelemente sind qualitativ erste Liga und fühlen sich einfach nur gut an. Nix wackelt, was nicht wackeln soll. Alles sitzt da, wo es sitzen soll. Wer bereits mit einem Mixer der Xone-Serie zu tun hatte, findet dessen Verarbeitung beim 1D einszueins wieder. Die Optik tut dabei ihr Übriges: schwarze, gummierte Knobs, 60mm Wannenkappenbesetzte Linefader und die, vom 92er Filter bekannten, LED-umringten Buttons auf klassischem A&H-Silber mit rotem Xone-Logo, ummantelt von einem schwarz lackierten Gehäuse, auf dessen Stirnseite groß und fett zu erkennen ist, daß es sich dabei um den EinsDe der Xone-Serie handelt.

Practise & enjoy:
Back
Mein damaliges Hauptargument für den Kauf des 1D war wirklich seine Bauform. Wie schon gesagt kann man den Controller dadurch perfekt neben dem Mixer platzieren. Kein anderer Controller erfüllt bis dato diese Option. Entweder sind sie zu flach, zu breit, zu groß oder oder oder...
Dies war mir insofern wichtig, da ich trotz Einstieg ins volldigitale Mischen nicht von den Technics weichen wollte und somit eben eine Art Erweiterung für meinen Mixer gesucht hab, ohne die vorhandene Ergonomie zu stören. Dies gelingt mit den 1D's wirklich perfekt.
Das Handling ist abhängig von Software, Mapping und eigenen Bedürfnissen. Daher kann ich hier kein allgemeingültiges Fazit ziehen, sondern lediglich von meiner eigenen Verwendung (ausschließlich mit Traktor) sprechen. Eines vorab: obwohl A&H vorgefertigte Mappings für die populärsten Ableger (Ableton Live & NI Traktor) zum Download bereithält, sollte man sich dennoch selbst durch die Mappingmühle wälzen und sich seine ganz persönliche Belegung selbst erstellen. Nur so ist garantiert, daß der Controller genau das macht, was der User will und nicht der User sich an den Controller anpassen muß. Dies ist in meinen Augen der größte Vorteil eines MIDI-Controllers gegenüber einem CDJ z.B.. Per MIDI-Mapping kann man sich seine verfügbaren Funktionen eben selbst aussuchen und nicht verwendete Features der Software einfach außen vor lassen - bei einem CDJ kann man die Funktionen nutzen oder nicht, aber sie bleiben trotzdem auf der Benutzeroberfläche erhalten ohne Alternativoption.

Mein Traktor-Mapping habe ich jedenfalls im Laufe der Zeit (Traktor zusammen mit den beiden Xone:1D's nutze ich nun seit ca. 1 Jahr) immer wieder mal geändert, optimiert oder komplett neu gemacht. Entscheidend dabei waren zum Einen sich ändernde Bedürfnisse an die Anwendung, zum Anderen aber auch die praktische Erfahrung mit den Controllern selbst. Mit der Zeit hat sich gezeigt, daß z.B. ein anderer Knob oder gar ein Button für Funktion X besser geeignet ist oder ein Fader auch für ihn untypische Funktionen eingesetzt werden kann. Alles in allem bietet mir der 1D aber ausreichend Optionen unterschiedlichster Art, die mir völlig ausreichend und zufriedenstellend alle Freiheit lassen, sie nach meinen Wünschen und Ansprüchen zu belegen.

Leider ist nicht alles 1A, wo 1D draufsteht! Im Moment befinden sich meine beiden Xones auf dem Weg zu A&H nach UK, da sich ein laut A&H ungewöhnliches Phänomen eingestellt hat: die Buttons senden (womöglich durch Prellen der Taster) teilweise mehrfache ON/OFF-Commands bei einmaligem Drücken. Dies hat meine Begeisterung für die Geräte ein wenig geschmälert. Aber nicht, weil sich ein vermeintlicher Defekt eingeschlichen hat, sondern weil ein vorangegangener Generalcheck bei Audio Technica negativ verlief und weder AT, noch A&H aktuell wissen, was es nun genau damit auf sich hat. Mehr kann ich zum aktuellen zeitpunkt noch nicht dazu sagen, da die Controller eben erst noch bei A&H direkt genau getestet werden müssen. Sehr gut an dieser Sache finde ich jedoch die Reaktion von A&H, die sogleich als sie davon erfahren haben, eine Abholung der Controller organisierten und sich der Sache unverzüglich angenommen haben!

In Sachen Road-Tauglichkeit sollte man sich vorab Gedanken machen bezüglich der vorhandenen USB-Ports am Rechner. Da jeder einzelne 1D wenigstens eine Stromversorgung via USB in Anspruch nimmt, kann es zusammen mit Audio-Interface, evtl. MIDI-Interface & weiteren Controllern oder gar einer externen Festplatte schnell mal eng werden. Ich betreibe meine beiden 1D's daher mit einem self-powered USB-Hub, was absolut reibungslos funktioniert. Einen passiven (bus-powered) Hub sollte man nach Möglichkeit vermeiden, obgleich die 1D's eine sehr geringe Stromaufnahme haben, da gerade on stage eine gewisse Redundanz immer von Vorteil sein kann. Der Kabelsalat wird dabei zwar nicht weniger, aber dessen sollte man sich bei Verwendung eines solchen Setups eigentlich sowieso schon vorher bewußt sein und entsprechende Vorbereitungen treffen.

So Lord, won't you buy me a Merc.. äähm... Xone:1D:
Abschließend kann ich sagen, daß ich trotz der derzeitigen Probleme, die ich mit den Buttons habe, mir jederzeit wieder einen 1D kaufen würde. Einerseits wegen der Bauform, die bisher eben kein anderer Hersteller anzubieten hat. Und andererseits, weil der 1D ein wahrer Allrounder ist, mit dem man alle möglichen MIDI-fähigen Musik- oder gar Video-Applikationen steuern kann, ohne groß Einschränkungen machen zu müssen. Viele andere populäre Controller (z.B, die Vestax VCI- oder VCM-Serie) sind zwar nicht weniger gut, bieten aber nicht immer diese breite Flexibilität, die man dem Xone:1D neidlos zusprechen muß.

Kürzlich erhielt der 1D ein Facelift und kommt in ähnlicher Farbgebung wie das neueste Xone-Flaggschiff Xone:4D daher. Ein wenig verwunderlich ist aber, daß sich A&H über diese Änderung in Schweigen hüllt und auf der offiziellen Xone-Seite nach wie vor der "alte", silberne 1D zu sehen ist. Ob es sich nun lediglich um ein Optik-Update handelt oder auch im Inneren geschraubt wurde, kann ich deshalb nicht beurteilen.
Aber egal ob silber oder anthrazit, der Xone:1D bleibt für mich DER DJ-Controller, nicht nur aufgrund fehlender Konkurrenz.

Text: Flohbaerlin  (@Myspace)

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