Berghain & Soho House: Kritik an Fashionshow und -party
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Berghain & Soho House: Kritik an Fashionshow und -party

News 12. April 2021

Das Modelabel Bottega Veneta hat im Berghain eine Fashionshow veranstaltet. Daraufhin folgten Gerüchte und Videoaufnahmen von Aftershowpartys im Soho House, die momentan zu Recht für viel Wut und Kritik in den sozialen Medien sorgen. Was ist da passiert?

Skepta, Honey Dijon, Virgil Abloh, Slowthai, Sven Marquardt - so einige Celebrities und Artists versammelten sich letztes Wochenende im Berghain, um dort an der Fashionshow 'Salon 02' des iatlienischen Modelabels Bottega Veneta teilzunehmen. Das Event selbst dürfte wohl offiziell genehmigt worden sein und mit entsprechenden Hygienevorschriften stattgefunden haben, obwohl man hier die Notwendigkeit einer solchen Präsenzveranstaltung hinterfragen kann, schließlich finden auch große Shows wie die Pariser Fashion Week aktuell nur im digitalen Format statt. Scheinbar blieb es aber nicht nur bei dieser fragwürdigen Modeshow, schnell kamen zahlreiche Gerüchte und auch Videoaufnahmen von anschließenden Afterpartys im Soho House Berlin auf.

 

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Im Soho sollen sich dann mehrere Gäste versammelt und gefeiert haben, entsprechende Videos die auf Instragram geteilt wurden wurden bisher aber in der Mehrzahl wieder gelöscht. Bottega Veneta soll das Soho Haus für zwei Wochen komplett gemietet haben, Sicherheitsvorkehrungen oder ein Hygienekonzept gab es nach Angaben einer anonymem, im Soho arbeitenden Person dabei allerdings nicht.

Nun ist der Aufschrei in den sozialen und klassischen Medien natürlich groß, wie man anhand einiger veröffentlichter Artikel, Memes und Kommentarspalten zu dem Thema sieht. Und auch nachvollziehbar, offenbart sich in dieser Aktion doch eine Form der Zweiklassengesellschaft, in der für die Reichen und Berühmten die aktuell in Deutschland und Berlin geltenden strengen privaten Kontaktbeschränkungen nicht zu gelten scheinen.

"We're in lockdown in Berlin since November. Bottega Veneta has had a giant production at Berghain over several days (fair enough), but I keep hearing about after house and after-parties there and at Soho House," sagt beispielsweise die in Berlin ansäßige Gründerin von Disruptive Berlin Brenda Weischer.

 

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Angesichts geschlossener Clubs, finanziell schwer angeschlagener Kulturorte und den Nöten zahlreicher kleinerer Musiker*innen wirkt es darüberhinaus noch absurder, dass sich Modelabels gerne mit subkulturellem Charme schmücken, dabei allerdings jegliche Sensibilität oder auch Solidarität mit selbiger Szene scheinbar vermissen lassen.

Bisher gibt es noch keine offizielle Stellungnahme seitens Bottega Veneta oder des Berghains. Das Soho House teile gegenüber dem Tagesspiegel mit: "Die Sicherheit unserer Angestellten, Gäste und Community hat für uns höchste Priorität. Diese jüngste Geschäftsbuchung, durch die alle Zimmer im Haus belegt waren, fand in Einklang mit den gesetzlichen Richtlinien statt. Wir nehmen den Fall sehr ernst und sprechen mit allen Beteiligten, um herauszufinden, was genau passiert ist".

Die House- und Technoszene steht seit Pandemiebeginn immer wieder in der Kritik. Mal berechtigt, gerne aber auch als einfaches Ziel seitens der Politik, um eigene Fehler und schlechte Entscheidungen zu kaschieren. Abseits vom fehlenden Infektionsschutz sind solche Bilder wie die der Bottega Veneta Show und Afterparty deswegen für viele Kulturschaffende, gelinde gesagt, ein Schlag ins Gesicht. Wer ein Jahr zuhause sitzen muss und sich darum bemüht, irgendwie finanziell durchzukommen und den eigenen Beruf nicht mehr ausführen kann, darf sich darüber hinaus dann auch noch mit Begriffen wie Plague Raves und Vorverurteilungen beschäftigen.

So stärkt man keine Kultur und zieht berechtigt die Wut jener auf sich, die unter diesem undifferenzierten Bild schlussendlich doppelt leiden. Und vom Egoismus solcher Aktionen, angesichts einer Pandemie die zahlreiche Todesopfer fordert, haben wir dann noch gar nicht gesprochen.

Veröffentlicht in News und getaggt mit Berghain , Bottega Veneta , Corona , Fashionshow , Soho House

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