Hightech-Strippen: NEO D+ Kabel im Test

Hightech-Strippen: NEO D+ Kabel im Test

Archiv 16. Juli 2012

Was bei HiFi-Enthusiasten schon lange Usus ist, erhält so langsam auch Einzug in die DJ-, Studio- und Liveperformer-Welt: „professionelle“ Kabel mit klang-optimalen Eigenschaften. Lohnt sich das?

Der japanische Hersteller OYAIDE ELEC. bietet mit der NEO d+ Serie jedenfalls genau solche Kabel an, wie in der Einleitung beschrieben. In den Datenblättern ist dabei die Rede von „konstante(r) Tonhöhe und eine(r) gleichbleibende(n) elektrostatische(n) Kapazität zwischen den Leitern„. Diese „Kabel reproduzieren digitale Musikstücke (bspw. MP3-Dateien) unverzerrt und gestatten ein langes, gehörschonendes DJing auch bei lauten Pegeln„, so der Hersteller.

Die Fakten
Aktuell führt der deutsche Vertrieb (ProAudio Technik) drei verschiedene und speziell für DJs interessante Arten aus dem „NEO d+“ Sortiment: Cinch, USB und FireWire. Diese sind (bis auf die FireWire Variante, von der es nur eine einzige Klasse gibt) dann jeweils in drei unterschiedliche Klassen eingeteilt: class-B, class-A und class-S, was unterschiedliche Farben der Ummantelung nach außen optisch verdeutlichen. Alle Kabel werden als Flachbandvariante mit doppelter Abschirmung gefertigt, was zusammen mit der Twisted-Pair Struktur das magnetische Rauschen reduzieren soll. Die Preise reichen von 39 € für ein class-B USB-Kabel (1m), über 129 € für eine 2m lange Stereo-Cinch Strippe class-A bis hin zu 189 € für ein Firewire-400 Kabel von 4m Länge oder gar 299 € für 5m USB-Kabel in class-S Ausführung.
Wer mehr zur Zusammensetzung, Aufbau und Wirkweise der Kabel wissen möchte, findet auf der englischsprachigen Herstellerseite alle weiterführenden Information. Auf deren Startseite kann man sich dann auch gleich von den „featured Artists“ wie Chris Liebing, Carl Cox, Carl Craig, Dubfire, Henrik Schwarz oder auch Orbital zum Kauf dieser Wunderstrippen animieren lassen, die allesamt nur wegen der Kabel zu dem geworden sind, was sie heute sind. 😉

Der Praxistest
Zum Test kamen je ein class-B, class-A und class-S Cinch-Kabel und ein 2m langes USB-Kabel, class-B. Das vierte Deck wurde mit meinen normalerweise verwendeten HOSA Cinchkabeln (einfache Ausführung) bestückt. Getestet wurde mit der Audio 8 DJ und Traktor Pro 2 im externen Modus, wobei das USB-Kabel zur Verbindung von Interface und Rechner diente, und die Cinchkabel je eines von vier Decks auf den Mixer (Ecler Nuo 4.0) brachte. Für den A/B/C/D Vergleich habe ich alle vier Decks mit dem selben Loop bestückt. Nun ja, was soll ich sagen!? Ich hörte keinen Unterschied. Ob es am Mixer lag, an der Soundkarte oder auch den Monitorboxen, kann ich nicht sagen. Vielleicht habe ich auch nur die falsche Musik verwendet, wer weiss. Es war auch kein Signalunterschied auszumachen, den man auf geringeren Widerstand oder bessere Leitfähigkeit hätte zurückführen können. Alle vier Decks lieferten den gleichen Pegel bei (subjektiv) gleicher Klangqualität. Das Abhören fand über zwei KRK RP6 G2 und alternativ über einen Sennheiser HD25 bzw. AIAIAI TMA-1 statt, aber keiner dieser Schallwandler vermochte mir den Unterschied zwischen den Kabeln ins Ohr zaubern.
Vom Handling her war ich ebenfalls ein wenig enttäuscht. Diese Flachbandkonstruktion macht die Kabel nämlich ganz schön starr und weitaus weniger biegsam als ein „normales“, rundes Kabel. Da könnte es durchaus passieren, dass sich der Cinch-Stecker von selbst aus dem Audio-Interface schraubt, wenn man das Kabel ein wenig hin und her schiebt und diese Bewegung sich bis zum Stecker fortpflanzt. Die class-B Kabel waren mit ihrer weichen Ummantelung dabei noch am besten zu verlegen, da sie spürbar flexibler sind als ihre „besseren“ Geschwister.

Das Fazit
Lohnt es sich, in diese Art Kabel zu investieren? Auf diese Frage möchte ich die Antwort gerne verweigern. Soll das heißen, wir raten also vom Kauf ab? Nein, das soll es definitiv nicht heißen! Vielmehr muss jeder selbst wissen, was er/sie bereit ist, in solches Zubehör zu investieren. Weiterhin gilt auch hier der bekannte Spruch: „die Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied.“ Auf obiges Beispiel bezogen bedeutet dies, dass man auch ein entsprechendes Audio-Interface am Start haben sollte, um von den (laut Hersteller) besseren Klangeigenschaften zu profitieren. Mein Testaufbau (der im übrigen auch mein genutztes Equipment unterwegs ist) scheint davon jedenfalls keinen Vorteil zu erlangen. Oder frech gesagt: find ich klasse, dass meine Billig-Kabel genauso fett klingen, wie die Superduper-Strippen. Ich konnte jedenfalls wie gesagt keinen klanglichen Unterschied ausmachen, weder positiv noch negativ. Da das Handling in meinen Augen auch eher schlechter, oder sagen wir gewöhnungsbedürftig ist, sehe ich keinen plausiblen Grund.

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