Als Einsteiger steht man oft vor der Frage, welches Equipment man für das Auflegen benötigt. Als sehr einfache digitale Lösung erweist sich da die Nutzung des schon vorhandenen Laptops mit einer DJ-Software und einem DJ-Controller. Und da DJ-Controller nur Fernbedienungen sind, ist die Wahl der passenden DJ-Software der erste Schritt in Richtung digitales Auflegen. Und diesen Schritt sollte man mit Bedacht gehen, denn eine DJ-Software wechselt man nicht einfach wie ein paar Schuhe, die einem nicht mehr gefallen.

Sich einer DJ-Software annehmen bedeutet auch, dass du die Software erst einmal kennen lernen musst. Alleine dafür wirst du eine Menge Zeit investieren. Des Weiteren wird die Software Deine Musik archivieren. Das heißt, du wirst Deine Musiksammlung sortieren, virtuelle Plattenkisten anlegen, einzelne Stücke mit Informationen, wie z.B. Markern (Cue-Punkte), Loops oder Beatgrids versehen und Einstellungen vornehmen, die deiner Arbeitsweise entsprechen.

Da jeder DJ-Software Hersteller hier seine eigene Suppe kocht, lassen sich solche Meta-Daten in den meisten Fällen nicht einfach auf eine andere Software übertragen. Dementsprechend wirst du wenig Lust haben die ganze Arbeit noch mal von vorne zu investieren, wenn du schon über eine bestehende Musiksammlung mit Metadaten verfügst. Die Wahl des passenden DJ-Controllers kommt dann im zweiten Schritt und ist um einiges leichter!

Wie wähle ich eine DJ-Software aus?

Es gibt drei Dinge, auf die du achten solltest, wenn du eine DJ-Software auswählst:

1.     Spricht dich die Software optisch an und findest du unmittelbar das, was du wirklich auf der grafischen Benutzeroberfläche nutzen möchtest?

2.     Findest du dich im Einstellungsmenü zurecht?

3.     Besitzt die Software die essentiellen Features, die du fürs Auflegen haben möchtest? (DJ-Softwares bieten einen Menge Features. Manchmal aber auch einfach zu viele, so das dass wirklich wesentliche schnell untergehen kann. Schau, dass die wichtigen Features im direkt Zugriff stehen und für dich intuitiv bedienbar sind.)

Standardfunktionen

Zwei Decks, Pitch, BPM-Erkennung, Cue-Punkte und Loops sind Standardfunktionen, die die meisten DJ-Softwares beherrschen. Diese Punkte kannst du bei Deiner Suche dementsprechend abhaken. Sie sind gleichzeitig die Basics für den Einstieg ins digitale Auflegen. Etwas genauer hinsehen sollte man aber bei den nachstehenden Punkten:

Beatgrids

Beatgrids sind Gitternetze, die über einen Track gelegt werden, damit die Software bei der Autosynchronisation stets genau arbeitet. Beatgrids können von der Software automatisch während der Trackanalyse gesetzt werden oder auch manuell vom Benutzer. Das Setzen ist normalerweise Teil der Vorbereitung. Sofern man Musik spielt, die nicht durchgehend die gleiche Geschwindigkeit aufweist sollten die Software es erlauben flexible Beatgrids oder mehrere Beatgridmarker zu setzen, um auch während Tempoveränderungen zu mixen. Beim Großteil von elektronischer Musik kommt das aber nicht zum Tragen.

Effekte

Mittlerweile hat fast jede DJ-Software Effekte an Board. Es gibt aber Unterschiede im Klang und der Bedienbarkeit. Letztendlich sollten vielleicht auch ein paar Effekte dabei sein, die deiner Performance dienen. Lassen sich z.B. die Effekte wie Hall und Delay auch Postfader schalten, so dass man z.B. Hallfahnen ausklingen lassen kann, auch wenn der Fader schon wieder geschlossen ist (kann man z.B. als Stilmittel für Übergänge nutzen)? Oder gibt es so genannte Performance/Pad-Effekte, mit denen man auf einen Cue-Punkt z.B. Rolls setzen kann? Manche Softwares erlauben auch die Kombination von mehreren Effekten gleichzeitig über nur einen Regler. Man redet dann von Makro-Effekten.

Ultramixer eignet sich mit seiner Karaoke-Funktion und mit einer Wish-und Waiting-List vor allem für den Mobilen DJ.

Tonhöhenkorrektur

Die Tonhöhenkorrektur (key) kann von Software zu Software ebenfalls unterschiedlich gut klingen. Oben drauf bieten manche DJ-Softwares mittlerweile auch eine automatische Tonhöhenanpassung (Auto-Keyshift) an. Sofern man mit Melodien und Gesang harmonische Mixe erstellen möchte, kann das ein super hilfreiches Tool sein.

MIDI Mapping

Im Normalfall sind DJ-Controller schon fertig auf die dazugehörige Software gemappt, d.h. jede Taste auf dem Controller ist einer Funktion in der Software zugewiesen. Sofern du aber vielleicht gewisse Funktionen in der Software auf dem Controller woanders platzieren oder auch einen zusätzlichen Controller anschließen möchtest, sollte die Software das freie Mapping auch uneingeschränkt zulassen.

Traktor Pro verfügt über sehr umfangreiche Mapping-Möglichkeiten.

Intelligente Ordner

Intelligente Ordner sind virtuelle Plattenkisten mit denen man die Tracksammlung mit Hilfe von Schlüsselwörtern filtern kann. Es handelt sich hierbei um eine relativ schnelle Sortierform, die aber nicht von Jeder Software angeboten wird. Du kannst hier z.B. nach dem Genre Hip Hop oder House oder auch einer bestimmten BPM oder Tonart filtern. Dementsprechend wird dieser Ordner dann automatisch mit Titeln gefüllt, auf die das Schlüsselwort zutrifft.

Mit Seratos Smartcrates kannst Du Filter für deine Musiksammlung aktivieren.

Streaming

Einige DJ-Softwares unterstützen das Streamen von Diensten wie z.B. Spotify, Deezer, etc. Damit kann man auf Millionen von Titel zugreifen und in den Mix einbinden. In den meisten Fällen benötigt man aber eine Internetverbindung und ein entsprechendes Abo. Neben dem reinen Auflegen der Titel sind z.B. automatische Titelvorschläge der Software ein gutes Tool, um neue und passende Musik zu entdecken. Du solltest dies aber nicht als primäre Musikquelle für Auftritte sehen, da sich hier auch Risiken verstecken (Schlechte Internetverbindung, Streamingdienst nicht erreichbar, etc.).

Mit der Spotify-Integration in Algoriddim djay Pro können auf Millionen von Titeln zugegriffen werden.

Video

Neben dem Abspielen von Musiktiteln gibt es bei einigen DJ-Softwares die Möglichkeit gleichzeitig Video-Inhalte zu mixen und seinem Publikum zu präsentieren. Je nach Anbieten ist dieses Feature schon in der Vollversion enthalten oder kann gegen einen Aufpreis freigeschaltet werden.

In Virtual DJ 8 ist der Videomixer im Lieferumfang schon dabei.

Testversionen herunterladen

Die meisten Software-Hersteller bieten Testversionen ihrer Produkte an. So ist es auch bei DJ-Softwares. Dies ermöglicht es dir einen ersten Überblick zu bekommen. Je nach Anbieter ist die Testversion dann zeitlich begrenzt oder um einige Features beschnitten. Du solltest dieses Angebot aber auf jeden Fall nutzen, um deine Präferenzen zu ermitteln. Hier findest du Links zu den renommiertesten DJ-Softwares am Markt:

Traktor Pro
Serato DJ
Rekordbox DJ
Virtual DJ
Algoriddim djay Pro (nur Mac)
Mixvibes
Ultramixer

Fazit

Es ist durchaus in Ordnung, wenn du dich am Anfang noch nicht wirklich festlegen kannst. Teste mit welcher Software du dich am wohlsten fühlst und verlasse dich auf dein Bauchgefühl. Deine Wahl sollte nicht davon abhängig sein, was gerade angesagt ist, denn letztendlich musst du damit arbeiten können. Und man kann nur richtig arbeiten, wenn das Werkzeug stimmt. In Sachen Stabilität der Software spielen auch die Systemvoraussetzungen für deinen Rechner eine wesentliche Rolle. Schau dir deshalb zu jeder Software die Systemanforderungen an.

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