Ist das Ende von physischen Musikmedien gekommen?

Ist das Ende von physischen Musikmedien gekommen?

News 7. Januar 2019

"Is this the end of owning music?" fragt die britische BBC und versucht diese Frage anhand neuester Statistiken zum Hörverhalten zu beantworten. Betrachtet werden dabei diverse Werte aus dem Vereinten Königreich und den USA, die mehrere eindeutige Tendenz aufweisen.

Ganz klar ersichtlich ist der Niedergang der CD als Abspielmedium: In Großbritannien gingen die Verkäufe der optischen Datenspeicher rasant zurück, so wurden im vergangenen Jahr insgesamt nur 38 Millionen CDs verkauft, immerhin 100 Millionen weniger als noch eine Dekade zuvor. Ein ähnliches Bild auch in Übersee, hier wurden 2018 noch 89 Millionen Discs mit Musikinhalten erworben, dem gegenüber stehen 450 Millionen im Jahr 2008, was einen Rückgang von ca. 80% bedeutet.

Ein weiteres Zeichen dafür, dass die Zeit der CD abgelaufen ist, sei laut BBC, dass 2018 zwei Alben für einen Grammy nominiert wurden ('H.E.R. - H.E.R.' und 'Cardi B - Invasion of Privacy'), die  nicht auf dem Medium Compact Disc erschienen sind. Dies war das letzte Mal 1984 der Fall, also bevor die CD eine breite Masse erreichen konnte.

© BPI / Official Charts Company / BBC

Großer Gewinner der letzten Dekade sind natürlich die Streaming-Dienste: In Großbritannien sind Streams mittlerweile für 63,6% des Musikkonsums verantwortlich. Das hat auch zur Folge, das mit Downloads ein weiteres Format ausstirbt. Klar, wer kauft schon einzelne Songs für ca. 1€, wenn man für 10€ im Monat unbegrenzt Zugriff auf eben jenen und etliche weitere Millionen hat und Internet sowieso jederzeit verfügbar geworden ist. Der Schwung der Streams ist sogar so groß, dass trotz rückgehenden Verkäufen in CDs und Downloads die Musikindustrie insgesamt das vierte Jahr in Folge gewachsen ist.

Außergewöhnlich erscheint dagegen Vinyl als Abspielmedium: Auch wenn 2018 der Zenit des Vinyl-Hypes mit mittlerweile nur noch 1,6% Wachstum in UK erreicht scheint, ist es doch das einzige Format, was neben Streams einen Aufwärtstrend behaupten kann. Einer der Gründe dafür läge in der Ablehnung der absoluten Verfügbarkeit von Medien im Zeitalter des Internets, das Vinyl mit seinen aufwändig gestalteten Covern und der ausgeprägten Haptik sei ein Gegenentwurf zu Inhalten aus dem Netz, welche ohne bleibenden Eindruck konsumiert würden.

Ist das also das Modell für die nächste Dekade? Unterwegs hören wir gestreamte Musik, angepasst auf einen schnelllebigen Alltag? Die besonderen Momente hingegen, Rückzug und Entschleunigung werden von Musik von der Schallplatte untermalt, beispielsweise im Wohnzimmer und bei Besuch von Freunden, als Gegenentwurf zur Hektik? Nicht der schlechteste Entwurf, unserer Meinung nach.

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