QUAD 2 - Test

QUAD 2 - Test

Archiv 13. Oktober 2008

Quad 2Ein DVS für wenig Geld kommt aus Luxemburg und widerlegt die Theorie, dass was nix kostet auch nix wert ist.  

 

 

 

Womit ich mein Fazit gleich vorweg genommen habe: QUAD2 überrascht positiv.
Grundsätzlich kommt bei mir Skepsis auf, wenn vordergründig versucht wird auf preislicher Ebene zu punkten. Bei Hardware steht außer Frage wo gespart werden kann, bei Software läge der, von mir vermutete, Ansatz in der Stärke des (Entwickler)Teams. Doppelsinnig - Stärke als Anzahl und Stärke als speziell ausgeprägte Fähigkeit.

Alternativlösungen zum "Marktführer" Serato und dem Verfolger Traktor Scratch gibt es mittlerweile zur Genüge und zum Teil gar kostenlos. Im Gegensatz zu den beiden genannten verzichten einige DVS-Programme auf die zwingend erforderliche, systemeigene Soundkarte. So auch QUAD2, welches mit jedem Audio-Interface (für die, die es nicht wissen = Soundkarte) genutzt werden kann. Natürlich sollte dieses über genügend Ein- und Ausgänge, sowie ASIO-Fähigkeit verfügen. Bei meinen Versuchen griff ich auf eine RME RPM zurück, grundsolide Qualität und Digiscratch erprobt. Mein Testrechner, ein olles Amilo Notebook, brilliert mit einem Pentium4 (2,8Ghz), 1GB RAM und Windows XP. Nicht die allerbesten Werte anno 2008, aber in dem Fall ausreichend.
Quad Ansicht
Die Installation von QUAD lässt sich schnell und unkompliziert bewerkstelligen. Nach dem Programmstart präsentiert sich die Oberfläche mit zahlreichen Elementen, wobei man nicht genutzte einfach wegschalten kann. So man das tut, bleibt ein äußerst aufgeräumter Bildschirm zurück, dessen schlichter Look mir sehr zusagt. Pluspunkt.

QUAD kann, wie schon am Namen abzulesen, mit 2,3 oder 4 Decks genutzt werden. Gesteuert werden die Decks mit Timecode-Vinyl, die Funktionen per Mouse oder mit einem MIDI-Controller. Die einzelnen Decks können zueinander synchronisiert werden. Deckbezogene Kanalsektionen mit Gain, Phones und EQ (3 Band mit parametrischen Mitten), ein Crossfader und MIDI-learn ermöglichen auch einen internen Betrieb, ohne externen Mixer. Pro Kanal ist noch ein Loop-Sampler und ein Filter-Effekt zuschaltbar. Darüber hinaus findet man die genannten Features auch in einer Main Channel Sektion. Hier kommen noch weitere interne Effekte, eine zweifache VST-Einbindungsmöglichkeit und ein BPM-Counter dazu. Selbst das senden einer MIDI-Clock ist möglich. Der Funktionsumfang lässt kaum Wünsche offen. Lediglich ein kleiner Sampler mit 4x4 Matrix könnte das gebotene (wenn es nach mir ginge) noch besser machen. Hier dürfen sich Native und Serato gern ein Beispiel nehmen. Pluspunkt zwei.

Kommen wir zur Praxis. Die notwendigen Einstellungen sind schnell vorgenommen. Wer eine Soundkarte ohne eingebauten Phono-Vorverstärker nutzt, findet neben der Input-Zuweisung Software-Phono-Preamps. Der Timecode ist ein QUAD-eigener, das TC-Vinyl von Traktor, Serato, Numark oder Mixvibes führt also nicht zum gewünschten Erfolg. Seite A des Vinyls läuft auf 33 Umdrehungen, Seite B auf 45. Auf das Gimmick Trackselector wurde verzichtet, was zumindest ich akzeptieren kann.
Quad Ansicht
Der Screen lässt sich, wie schon gesagt, mit wenigen Klicks den eigenen Vorlieben anpassen und präsentiert sich so, selbst mit vier Decks, noch übersichtlich. Pro Deck gibt es eine Gesamtansicht des laufenden Songs, sowie eine Ansicht des aktuellen Ausschnitts. Leider lässt sich der Ausschnitt nicht zoomen, was aber verschmerzbar ist. Unterhalb der Gesamtansicht lassen sich pro Song vier (speicherbare)Cue-Punkte setzen. Diese erscheinen dann in der darüber liegenden Ansicht und können dort (zB über MIDI) angesteuert werden. Die Funktionen erklären sich weitestgehend intuitiv. Das "Vinylfeeling" ist auch überraschend gut, persönlich kann ich keine Unterschiede zu dem, bei Traktor Scratch oder Serato gewohnten, feststellen. Soweit alles prima.
Kommen wir zu den Punkten, die mir, im Vergleich mit den etablierten Lösungen fehlen. Es gibt kein Mastertempo (Keycorrection), was DJ-philosophisch betrachtet auch fehlen dürfte, da es ja bei Vinyl auch nicht da ist. Nur hat man sich aber 2008 an so eine nützliche Funktion gewöhnt und mag sie auch nicht mehr missen. Punktabzug. Als weiteres scheint mir die Songverwaltung nicht die Stärke von QUAD. Virtuelle Cases lassen sich erstellen, eine Suchfunktion ist auch vorhanden und ab Version 2.1 kann man seine Songs vorab analysieren. Aber es ist nicht möglich in der Playlist nach Kriterien wie Alphabet, BPM oder Genre zu ordnen. Das (zumindest von mir rege genutzte) Kommentarfeld des ID3 Tag erfährt keine Berücksichtigung. Auch die Bearbeitung von ID3 Tags ist nicht allzu komfortabel gelöst. Okay, Beinbruch ist das keiner, gibt es doch gute externe Programme wie MP3Tag oder iTunes. Leider ist letzteres auch nicht in die Verzeichnisstruktur von QUAD eingebunden. Bei der BPM-Erkennung tummeln sich inmitten passender Werte welche mit verschoben Kommastellen ... 1005 BPM ... Da ist Speedcore nichts dagegen. Natürlich sind 100,5 gemeint, was aber teilweise so nicht dargestellt wird.
Mit etwas Verwunderung durfte ich auch registrieren, dass ein Betrieb nur im internen Modus (also unter kompletten Verzicht auf Timecode-Vinyl) nicht möglich ist. QUAD verfügt ja eigentlich über alle sonstigen Funktionen, um es als DJ-Programm a la Traktor einzusetzen.

Fazit: Der erste Eindruck ist durchaus positiv. Bei genauem Hinschauen bleiben noch einige Nachbesserungen für die Luxemburger, die allesamt im Bereich des Machbaren sind. Berücksichtigen sollte man meine eingangs aufgestellte Theorie mit dem Zusammenhang Preis - Kopfzahl des Teams. Ich gehe schwer davon aus, dass man sich in den Schaak-Audio Räumen nicht tottritt. Umso bemerkenswerter ist es was hier geschaffen wurde. Für knapp hundert Euro bietet QUAD eine ordentliche DVS-Lösung, gerade für Einsteiger. Der Funktionsumfang und damit das Preis- Leistungsverhältnis ist sehr gut. Auch von der Position des DVS-Erfahrenen ist die Software auf dem richtigen Weg. Sicher wird es schwer jemanden zum Umsteigen von Serato oder Traktor Scratch zu bewegen. So sich hier aber eine Community findet und die Entwickler ein offenes Ohr für diese haben, ist von QUAD noch einiges zu erwarten. Ich drück die Daumen.

Preis 99 Euro (für zwei Timecode-Vinyl und Software)
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