Review: Josey Rebelle - Josey In Space [Beats In Space]

Review: Josey Rebelle - Josey In Space [Beats In Space]

Features 17. Mai 2020

DJs können immer nur so gut sein, wie ihr Publikum es zulässt. Auf kaum jemanden trifft diese Binse so sehr zu wie auf Josey Rebelle: Die Britin gehört zu den besten DJs der Welt - nur eben nicht immer und überall. Ihr Beitrag zur Mix-CD-Serie von 'Beats In Space' ist ihr erstes physisches Release überhaupt und muss als solches zwangsläufig einen Maßstab setzen und ihm auch gerecht werden. Keine leichte Aufgabe, vor allem wenn kein Publikum anwesend ist.

Josey Rebelles Set vom japanischen Festival Rainbow Disco Club im Jahr 2018 wurde frenetisch gefeiert. Warum auch nicht: Auf gut anderthalb Stunden bewegt sich die Britin durch verschiedene Genres, erzeugt von einer Minute auf die nächste einen ganz neuen Drive und sorgt für eine merkliche Veränderung der Atmosphäre. Sie interagiert, kurz gesagt, mit der ihr sich bietenden Situation und der Crowd.

In ihren sonntäglichen Radio-Shows auf Rinse FM oder mit Mixen für Podcasts wie dem von Resident Advisor kann sich die ehemalige Plastic-People-Resident stilistisch noch weiter austoben, muss aber mit einem ganz anderen Publikum rechnen. Einer Crowd, die sie nicht durch die Sonnenbrille hindurch vor sich im Gras tanzen sehen kann, deren Reaktionen sie nur erahnen kann. Für den Heimgebrauch aufgenommene Mixe sind Mal für Mal ein Schuss ins Dunkel. Wie gut Rebelle als DJ ist, hat sie damit - anders als auf einer Festival-Stage - nicht immer selbst unter Kontrolle.

Umso mehr gilt das für die Mix-CD. 'Josey In Space' ist die zweite Ausgabe von Tim Sweeneys neuer Serie auf Beats In Space Records. Ein Mix wie dieser muss zwangsläufig am Reißbrett entstehen: Im Club und auch im Radio stellen sich Lizenzierungsfragen nicht, online werden sie gemeinhin geflissentlich übergangen. Bei einer regulären Veröffentlichung wie 'Josey In Space' allerdings ist das nicht möglich. Über 21 Tracks wird deutlich, wie das Rebelle als DJ die Hände bindet. An der Auswahl gibt es nichts zu meckern: Sie ist ebenso stilsicher wie -offen, traditionsbewusst und modern.

Downbeat-Experimente von rRoxymore, ratternder Electro von Afrodeutsche, der aufgekratzte House von Hieroglyphic Being und die unverwechselbare Stimmsignatur von Robert Owens: Schon in der ersten Hälfte von 'Josey In Space' treffen sehr verschiedene Klangansätze aus unterschiedlichen Generationen aufeinander. Rebelle fädelt sie zuerst mühelos aneinander und zieht das Tempo behutsam an.

Zur Halbzeit aber entscheidet sie sich zu einem abrupten Wechsel, wie er ihre Sets vor Publikum prägt, auf CD allerdings forciert wirkt: Reggie Dokes' 'Piano Seduction' ist ein schimmernder Detroit-House-Tune, der seinem Namen alle Ehre macht und mitten im Groove von einem Zwischenruf ("Josey!") abrupt unterbrochen wird. Schon befinden wir uns in Nubian Mindz' 'Sunrise 777', einem kalten Electro-Stück mit dräuendem Bass.

Abgelöst wird der von einem maximalistischen Breakbeat-Klassiker von Rum & Black aus dem Jahr 1991 und Loraine James' und Shy Ones kongenialen Abstraktionen von UK-Bass-Musik. Rebelle führt wieder auf bekannte Pfade zurück, landet schließlich auf Deep House und einem entspannten Downbeat-Tune von Lex Amor. Der Mix endet danach genauso, wie er begonnen hat: mit einem Dub-Stück von DJ Marcelle.

Langsam anfangen, das Tempo hochregeln, ein bisschen Freakout, den Pegel runterfahren und gesittet enden: Hinsichtlich seiner Intensität hält sich 'Josey In Space' an das konventionelle, nach Glockenkurvenverlauf gemodelte Format, das viele ähnlich gelagerte Mixe auszeichnet. Doch geht das im Gesamten nicht auf. Die Lebendigkeit, die Rebelles Sets ausmacht, will nicht aufkommen.

Denn die DJ kommuniziert mit den abrupten Stil- und Stimmungswechseln im Mittelteil nicht mit einem willigen Publikum, sondern ins Leere hinein. Was unter anderen Vorzeichen spontan und lebendig herüberkäme, macht einen unkoordinierten Eindruck.

Das tut den Stücken an sich nicht gut, obwohl die ausnahmslos exzellent sind. Die Exclusives wie die altgedienten Kleinode von anno dazumal ebenso wie die abenteuerlichen Klangexperimente und genrekonformen Tunes: Als exzellent kuratierte Compilation ist 'Josey In Space' unbedingt zu empfehlen. Nur eben nicht als Mix-CD. Rebelle bleibt eine der besten DJs der Welt. Nicht jedoch in diesem Format, sondern auf sonnenbeschienenen Open Airs oder in schwitzigen Clubs.

Veröffentlicht in Features und getaggt mit Beats In Space , Josey In Space , Josey Rebelle , Tim Sweeney

Geschrieben von:
Kristoffer Cornils

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