Hercules veröffentlicht mit dem DJControl Inpulse 300 einen Controller, mit dem das Erlernen von DJ-Skills einfach gelingen soll. Der Controller richtet sich speziell an Einsteiger und wird inklusive der Software Djuced 4.0 ausgeliefert. Neben einzigartigen Hardware- und Softwarefunktionen, die den Lernprozess unterstützen, gibt es zudem Videos und eine Internet-basierte DJ Academy, die Themen wie Rhythmus, Beatmatching, Gehörtraining etc. bearbeitet. Überzeugt das Selbstlernkonzept in der Praxis?

Überblick

DJ-Einsteiger müssen sich mit vielen Themen auseinandersetzen, bevor der erste Gig vor einem Publikum in die Tat umgesetzt werden kann. Neben vielen technischen Fragen bezüglich der Hardware gilt es aber vor allem auch die Mixbasics zu beherrschen, selbst dann, wenn eine computerbasierte Lösung zum Einsatz kommt. Hersteller Hercules will DJ-Neulingen hier unter die Arme greifen und den Einstieg mit einem Komplettpaket erleichtern.

Controller

Der DJControl Inpulse 300 ist ein Zweideck-Controller, der für 199 Euro angeboten wird und sich an preisbewusste Einsteiger richtet. Der Controller ist aus Kunststoff gefertigt und recht ordentlich verarbeitet, zu hohe Ansprüche an die Materialqualität sollte man allerdings nicht haben. Das Gerät misst Transport-freundliche 480 x 286 x 52 Millimeter und wiegt 1,8 Kilogramm. Auf ein Netzteil wurde verzichtet, sodass man den Controller auch bequem unterwegs einsetzen kann.

Controller Schrägansicht.
Der DJControl Inpulse 300 ist ein Zweideck-Controller für Einsteiger.

Decks

Der Hercules DJControl Inpulse 300 ist zur Kontrolle zweier Softwaredecks nutzbar und verfügt über beleuchtete Start- und Cue-Taster, die zur Basissteuerung der Tracks dienen. Mit zwei Loop-Tastern erfolgt die bequeme Steuerung von wiederholten Songteilen. Weitere Taster übernehmen das Ein- und Ausschalten der Vinyl-Kontrolle für das Jogwheel sowie die Aktivierung des Slip-Modes und der Quantisierungsfunktion. Die Jogwheels haben einen Durchmesser von 14 Zentimetern, sind druckempfindlich und reagieren recht direkt auf Anwendereingaben. Die verbauten Pitchfader dienen zur manuellen Tempo-Manipulation und haben einen recht kurzen Regelweg. Pro Deck gibt es acht kleine Triggerpads, die einen einfachen Zugriff auf verschiedene kreative Features der Software Djuced bieten. Neben diesen "gewöhnlichen" Ausstattungsmerkmalen verfügt der DJControl Inpulse 300 über einzigartige optische Mixhilfen, die Einsteigern das Mixen erleichtern sollen. Diese werden per Tastendruck aktiviert und weisen zum einen durch beleuchtete Pfeile auf eine abweichende Pitchfaderstellung hin, zum anderen wird eine Korrekturrichtung für die Jogwheels angezeigt.

Mixer

Die zweikanalige Mixersektion bietet Kanalzüge mit der gewohnten Komplettausstattung aus EQ-, Filter- und Gain-Reglern. Zum Mixen gibt es kleine, leichtgängige Kanalfader und einen Crossfader mit einem recht kurzen Regelweg. Die Anpassung des Kurvenverlaufs für den Crossfader erfolgt in der Software. Zentral verbaut sind Drehregler für das Masterausgangs- und Kopfhörersignal. Ein auffällig großer Encoder, der von einem LED-Kreis umrandet wird, übernimmt die Navigation in der Songsammlung und blendet das Energie-Level des optional nutzbaren Songvorschlagsystems ein.

Anschlüsse

Der DJControl Inpulse 300 verfügt über einen Master-Cinch-Ausgang und einen USB-Anschluss zur Kommunikation mit einem Mac- oder Windows-Computer. Zudem gibt es eine Buchse mit der Aufschrift "Hercules Add-on (Reserved), die für eine spätere Systemerweiterung gedacht ist. Leider gab es vom Hersteller keine weiteren Infos dazu. An seiner Vorderseite befindet sich ein Miniklinke-Anschluss für einen Kopfhörer, um Songs vorhören zu können. Im Gehäuseinneren arbeitet eine Soundkarte mit zwei Stereo-Ausgängen, die die digitalen Songs mit 24 Bit und 44,1 Kilohertz verarbeitet.

Auf der Rückseite befinden sich der Audio-Ausgang und eine Add-On-Buchse für spätere Systemerweiterungen.
Ein Kopfhörer kann auf der Vorderseite des Controllers angeschlossen werden.

DJing

Der DJControl Inpulse 300 lässt sich mit wenigen Handgriffen in Betrieb nehmen, da eine Verkabelung mit einem Mac- oder Windows-Computer ausreichend ist und lediglich die Software Djuced installiert werden muss. Bei der Software handelt es sich um die Vollversion, die sich aber ausschließlich bei angeschlossenem Controller nutzen lässt. Beim ersten Starten blendet das Programm Setup-Hinweise ein, die Einsteigern den Start erleichtern. Des Weiteren lassen sich bei einer aktiven Internetverbindung auch gut gemachte und leicht verständliche Tutorial-Videos direkt in Djuced selektieren, die die Themen Beatmatching, Controller-Handhabung und Song-Organisation umfassen. Wer sich lieber lesend informieren möchte, findet auf der Hercules Webseite die DJ-Academy, die Einsteiger mit dem nötigen Basiswissen rund um das Auflegen versorgt.

Die Songsammlung in Djuced umfasst die lokal gespeicherten Tracks, die sich mit Playlisten und sogar mit intelligenten, selbst füllenden Playlisten organisieren lassen. Auf diese Weise behält man auch in großen Sammlungen den Überblick. Dazu kann auch ein direkter Zugriff auf Soundcloud und den hierzulande nicht sonderlich bekannten Streamingdienst Qobuz erfolgen. Qobuz bietet einen kostenlosen Probemonat an, sodass man sich unverbindlich einen Eindruck verschaffen kann. Für meine Club-orientierten DJ-Sets bietet dieser Dienst aktuell wenig Passendes, was sich aber natürlich jederzeit ändern kann, wenn neue Titel in den Katalog aufgenommen werden. Ich denke, dass Spotify oder Deezer hier sicherlich etwas angebrachter gewesen wären. Die Qobuz Abos kosten je nach (Klang-) Qualitätsstufe zwischen 9,99 Euro pro Monat und 299,99 Euro pro Jahr.

Gut gefallen hat mir dagegen das Vorschlagsystem des Programms, das per Knopfdruck auf dem Controller startet und Songs mit einem wählbaren Energiegehalt (basierend auf dem Tempo) einblendet. Einsteigern wird hierdurch die Songauswahl und somit die Zusammenstellung eines Mixes erleichtert.

Encoder mit LED-Ring.
Per Druck auf die Taste Assistant werden Songvorschläge in Djuced eingeblendet. Der LED-Ring zeigt den Energiegehalt der Tracks an.

Djuced 4.0 analysiert die Songs mit einer hohen Trefferquote und stellt zahlreiche Werkzeuge zur Korrektur des Beatgrids zur Verfügung, falls dieses nicht richtig sitzen sollte. Ist dieses fehlerfrei platziert, gelingen Tempo-Anpassungen und die Überlagerungen der Taktschläge auf Knopfdruck. Möchte man das Beatmatching klassisch per Pitchfader vornehmen und sich hierbei unterstützen lassen, aktiviert man den Beatmatching Guide per Tastendruck im Mixerbereich. Der Controller zeigt daraufhin an, wie der Pitchfader einzustellen ist und in welcher Richtung das Jogwheel gedreht werden muss. Diese Funktion hat mit recht gut gefallen, da sie Einsteiger an die Hand nimmt und auch Ungeübten somit die ersten Übergänge gelingen. Positiv ist zudem, dass diese Hilfestellungen optional sind und man diese als fortgeschrittener User deaktiviert lassen kann.

Aktivierung Beatmatch Guide.
Die Beatmatch-Hilfe lässt sich im Mixerbereich aktivieren.
Pitchfader.
Leuchtende Pfeile am Pitchfader zeigen an, in welche Richtung das Bedienelement bewegt werden muss, damit die Songs gleich schnell wiedergegeben werden.

Zum Ausschmücken von DJ-Sets bietet Djuced eine Vielzahl an kreativen Funktionen, die mit den Pads der Hardware kontrollierbar sind. Die Pads erlauben die Nutzung von HotCue-Punkten, die Aktivierung von Loop-Rolls sowie der Slicer-Funktion und des Samplers. Durch ein längeres Drücken wird die jeweils zweite Belegung der Pads aktiviert, sodass diese Toneplay (Transponierungen des Songs), FX (fest zugewiesene Effekte), Slicer Loop und Beatjumps steuern. Die kreativen Features hinterlassen einen ordentlichen Eindruck, allerdings korrespondieren die angezeigten Funktionen in der Software nicht immer mit den gewählten auf dem Controller, was gerade für Einsteiger etwas verwirrend sein kann. Zu beachten ist außerdem, dass der Sampler die Decks 3 und 4 in Djuced belegt und diese Decks nur durch eine explizite Auswahl in der Software angezeigt werden. Die Ausgabe der Samples erfolgt über die Kanalzüge 3 und 4 des Mixers, die per gedrückter Shift-Taste mit den Fadern des Controllers steuerbar sind. Leider greift bei dieser Doppelbelegung keine Abholfunktion, sodass man hier sehr vorsichtig sein muss, damit es nicht zu Pegelsprüngen beim Mixen kommt. Auch das ist für Einsteiger etwas problematisch, aber selbst für fortgeschrittene Anwender lauern hier Fallstricke.

Der Hercules DJControl Inpulse 300 erlaubt die Steuerung der Effekte in Djuced. Die Regler hierzu sind etwas schwergängig und es kann nur der erste Effekt eines Effekt-Slots kontrolliert werden. Kompensiert wird dieses durch die per Pad steuerbaren Effekte, sodass sich hierdurch keine größeren Einschränkungen ergeben. Zur Auswahl stehen 17 Effekte, die sich aus praxisgerechten Vertretern wie Flanger, Delay, Filtern, Hall etc. zusammensetzen.

Fazit

Hersteller Hercules hat mit dem DJControl Inpulse 300 und der Software Djuced 4.0 ein gutes Paket für Einsteiger zusammengestellt, das für einen moderaten Preis von 199 Euro angeboten wird. Die gebotenen Mixhilfen auf der Hardware erleichtern den Einstieg und auch die Online-Tutorials haben mir gut gefallen, da sie Einsteiger an die Hand nehmen und viele Fragen beantworten. Die Software Djuced bietet einen großen Funktionsumfang und die Hardware erfüllt die klanglichen und haptischen Ansprüche der Zielgruppe. Kleinere Unstimmigkeiten wie die fehlende Abholfunktion für die Kanalfader und die nicht immer direkt eingeblendeten kreativen Funktionen führen zu leichten Abwertungen. Insgesamt kann ich dem Hercules-Paket aber eine Empfehlung für lernwillige Einsteiger aussprechen.

 

Pro

Gutes Gesamtpaket für Einsteiger
Günstiger Anschaffungspreis
Übersichtliches Design
Hilfreiche Einsteigertipps und Bedienhilfen
Software mit umfassender Ausstattung

Kontra

Keine Abholfunktion für Kanalfader
Kreative Funktionen erscheinen nur teilweise in der Software

 

Preis: 199 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Hercules.

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