Test: LANDR für Podcasts

Test: LANDR für Podcasts

Tests 19. Mai 2016

Der kanadische Dienstleister MixGenius bietet unter dem Namen LANDR seit 2014 einen vollautomatisierten, internetbasierten Masteringservice für Songs an. Das Thema Mastering wird unter Musikproduzenten, aber auch DJs oft sehr gerne kontrovers diskutiert. Einige schwören auf eine Hardwarenachbearbeitung, andere blasen ihre Songs mit einfachen Software-Tools und vorgegebenen Einstellungen auf. Wie gut ein automatischer Masteringservice diese Aufgabe bewältigt und ob sich das auch für DJ-Sets oder Live-Mittschnitte lohnt, testen wir hier. 

LANDR

Die Onlineplattform LANDR – sprich: „Left and Right" – ist ein vollautomatischer Dienst, der von Soundingenieuren initiiert wurde. Er basiert auf einer Mischung aus künstlicher Intelligenz und menschlichen Erfahrungen. Das Team hinter LANDR setzt sich laut eigenen Aussagen aus Mitarbeitern zusammen, die unterschiedliche Kernkompetenzen haben, wie z.B. Spezialisten aus dem Bereich Signalverarbeitung, aber auch Label-Besitzer, Musiker und Astrophysiker. Der Masteringprozess findet in der Cloud statt und basiert auf tausenden, bereits gemasterten Titeln.Der Dienst soll auf einfache Weise nutzbar sein und auch nicht-professionelle Nutzer ansprechen. LANDR bearbeitet die Audiodateien, wie es in dieser Disziplin üblich ist mit Kompressoren, Equalizern etc. Ihr könnt LANDR als Abo-Modell mit monatlichen Zahlungen nutzen und erhaltet unterschiedlich viele Bearbeitungen und Qualitätsstufen, je nach Zahlungsbereitschaft. Ein kostenloser Testzugang wird ebenfalls angeboten, so dass ihr euch unverbindlich einen ersten Eindruck verschaffen könnt. Der kostenlose Zugang enthält allerdings nur die niedrigste, komprimierte Datei-Qualitätsstufe. Die Nutzung von LANDR kann direkt in einem Browserfenster erfolgen oder durch ein Programm, das für Mac und Windows kostenlos angeboten wird. Diese Software ist eigentlich nur eine Art Up-/Download-Manager, hilft aber auch den Überblick zu behalten und kann automatisch Dateien aus einem definierten Ordner hochladen.

DJ-Mixe mastern

LANDR bietet neben der Bearbeitung von Songs jetzt auch das Mastering für komplette DJ-Mixe an und hat dazu mit den Herstellern Serato und Native Instruments zusammengearbeitet. Der Vorgang startet mit der Aufnahme des Mixes. Am einfachsten gelingt dieses mit der internen Aufnahmefunktion eurer DJ-Software. Wenn ihr Traktor mit einem Controller steuert, könnt ihr die interne Recordingfunktion nutzen. Das entsprechende Routing erfolgt im Preferences-Fenster. Diese Einstellung bewirkt, dass die Songs direkt hinter dem Softwaremixer abgegriffen werden und ihr den Aufnahmepegel mit dem Gain-Regler des Audio Recorders steuern könnt.

Hier empfiehlt es sich, ca. 6 dB Luft nach oben zu lassen, damit genügend Spielraum für das Mastering bleibt. Die zusätzlichen Einstellungsmöglichkeiten im Mixerbereich bezüglich des Headrooms und Limiters müsst ihr in diesem Fall nicht beachten, da sich diese Parameter nur auf die Signale auswirken, die die Software verlassen.

Gleiches gilt auch für den Main-Regler, dessen Stellung ebenfalls keinerlei Einfluss auf das intern aufgenommene Signal hat. Wenn ihr euren Mix aufgenommen habt, müsst ihr ihn zu LANDR hochladen und bekommt nach ein paar Minuten einen kurzen Ausschnitt aus eurem Mix zu hören, wobei ihr hier zwischen der originalen und der gemasterten Datei umschalten könnt. Wenn die Bearbeitung nicht gefällt, wird zwischen den Stufen Low, Medium und High gewählt.

Weitere Einstellungsmöglichkeiten gibt es nicht und es bleibt auch verborgen, wie sich diese drei Stufen technisch unterscheiden. Um dem Ganzen auf den Grund zu gehen und um mir ein besseres Bild von der gebotenen Qualität machen zu können, habe ich einen Praxistest unternommen.

Praxistest

Für meinen Praxistest habe ich einzelne Songs und einen kompletten DJ-Mix zu LANDR hochgeladen. Die spannende Frage für mich war hier: Kann ein Masteringdienst, der für einzelne Songs angeboten wird, auch für Mixe funktionieren, die bereits gemasterte Songs beinhalten? Im ersten Schritte habe ich Songs getestet und mir von LANDR jeweils alle drei Bearbeitungsstufen erstellen lassen. In einem direkten Hörvergleich der drei Stufen wird deutlich, was der Dienst mit den Audiodateien anstellt. Je „höher" die Bearbeitungsstufe, desto umfangreicher sind die Eingriffe, dies kann man in einem Audioeditor auch deutlich erkennen. In der Stufe "High" ist die Dynamik fast komplett glattgebügelt und die Breaks und der Hauptteil von den merkbar aneinander angeglichen.

Interessanterweise klingt das Ergebnis aber dennoch recht ansprechend. Das Klangbild ist trotz Kompression nicht "matschig" und hat ordentlich Druck. Für meinen DJ-Mix habe ich mich für die mittlere Bearbeitungsstufe entschieden und auch hier konnte das Ergebnis überzeugen. Da ein DJ-Mix viele, unterschiedlich gemasterte Songs beinhaltet, ist es besser, mit konservativen Einstellungen zu Werke zu gehen, um nichts zu zerstören.

Fazit

Der online Masteringdienst LANDR bietet eine kostengünstige und wie ich finde ordentliche Dienstleistung an. Mit wenig Zeitaufwand und ohne Masteringkenntnisse könnt ihr hier eure Tracks und Mixe bearbeiten lassen. Sicherlich darf man von einem vollautomatischen Dienst keine Wunder erwarten, aber grobe Schnitzer oder total misslungene Abmischungen können beim Mastering ohnehin nicht korrigiert werden. dieser Praxistest ist sicherlich nur ein subjektiver Test, ohne Anspruch auf eine allgemein gültige Bewertung, aber das ist in diesem Fall auch fast unmöglich und wie vieles im Bereich des Mixings auch Geschmackssache.

Preis: Ab 6 $
Mehr Informationen auf der Website von LANDR.

 

2 Kommentare zu "Test: LANDR für Podcasts"

DJ Rewerb 10. August 2016 • 17:35 Uhr

Hallo Boris,

vielen Dank für deinen interessanten Vergleich.

Kannst du zusätzlich zu den drei Qualitätsstufen des Masterings auch noch die drei Qualitäten der Dateikomprimierung wählen?
Aus den Screenshots wird mir nicht ganz klar, ob LowRes-MP3/HighRes-MP3/WAV von der gewählten Qualitätsstufe abhängt.
Welchen MP3-Encoder verwendet Landr?
Meine DJ-Mixe mastere ich seit drei Jahren mit dem Onlinedienst Auphonic, auphonic.com. Und vor einem halben Jahr habe ich mir die Auphonic-App für den Mac geholt.
In jedem Fall dürften es die Hörer danken, wenn die wahrgenommene Lautstärke über den gesamten Mix hinweg kosntant bleibt. Aus Live-Mitschnitten meiner Gigs kenne ich es, dass ich in den Übergängen bis zu 3 dB lauter werde.

Boris 17. August 2016 • 8:49 Uhr

Hi,

du kannst die Intensität des Masterings und das Dateiformat frei kombinieren. Leider weiß ich nicht mehr, welcher MP3-Encoder zum Einsatz kommt.

Beste Grüße

Boris

Johannes Nepomuk 1. Februar 2017 • 1:08 Uhr

Danke für die tolle Vorstellung! Ich bin ziemlich begeistert von dem Service. Für das wenige Geld bzw. gratis bekommt man echt viel!

Die Frage erübrigt sich eigentlich, aber just in case: Eigene Songs können von dem Dienst nicht gestohlen werden?

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