AKAI XR20 – Erfahrungsbericht

AKAI XR20 – Erfahrungsbericht

Archiv 15. Januar 2009

AKAI XR20 AKAIs zweiter* Drumcomputerversuch präsentiert sich als MPC angehauchte Variante eines Gerätes aus der Alesis SR-Serie, was nicht die schlechtesten Referenzen sind. Ein Test. 

 

 

Gefüllt ist der 32MB große Samplespeicher des „Groove Production Centers“ mit über 700 Samples aus dem Fundus des amerikanischen Spezialisten  Chronic Music. Damit wäre auch schon ein wesentlicher Unterschied zu anderen Drumcomputern offenbar: mit dem XR20 setzt AKAI auf aktuelle Hip-Hop-, R&B-, Dance- und Clubsounds.
XR20
Das kompakte Gerät verfügt über alle Voraussetzungen um zuhause oder im Club Drumloops zu programmieren oder live „spielend leicht“ einzusetzen. Durch die Batteriespeisung ist darüber hinaus ein Betrieb ohne Netzteil und damit ein mobiles Zusammenzimmern von Beats möglich. Schön um sich z.B. die Langeweile während einer Bahnfahrt zu verkürzen. Leider kann man aber nur das bereits vorhandene Material nutzen, ein Übertragen eigener Samples ist nicht vorgesehen.
Pads
Auf der Geräteoberfläche finden sich zwölf hintergrundbeleuchtete Pads. Durch blaue LEDs erhält man ein visuelles Feedback – das gerade gespielte Pad erlischt bzw. folgt im Playmodus dem wiedergegebenen Beat. Zur Verfügung stehen acht bzw. im MIDI Modus 127 Dynamikstufen.
Wahlfreiheit
Über die zwölf Pads können die drei Soundarten „Drum“, „1Shot“ und „Synth“ angesprochen werden, die jeweils zu einem der 100 Drumsets gehören. Neben den einzelnen Drumsounds (Button Drum), sind das kurze One-Shots, z.B. Effektklänge oder Scratches (Button 1Shot) und Bässe (Button Synth). Beim Beatbauen hat man die Wahl zwischen einem Record-Mode, in dem man die Beats einfach über die Pads einspielt, bei Bedarf quantisieren lässt und das alles aufnimmt oder einen Step-Edit-Mode. Bei diesem können die einzelnen Elemente Schritt für Schritt programmiert werden. Übersicht gewährt dabei ein großes LCD-Display.

Features & Zahlen:
– 12 anschlagdynamische Pads
– 32 MB Samplespeicher
– 32 stimmig polyphon
– 721 Drumsamples
– 63 Basssounds
– je 100 User- und Preset Patterns
– Pattern Play Modus
– Mute-Funktion
– Drum Roll und Note Repeat
– Effektsektion

Patterns, Songs, Preset, User
Wie bei fast allen Drummaschinen stößt man auch beim XR20 auf die üblichen Begriffe, die schnell erklärt sind. Zum einen gibt es Patterns, welche man sich wie kleine Songbausteine vorstellen kann, aus denen dann ein ganzer Song entsteht. So ein Baustein kann bis maximal 128 Viertelnoten (also 32 Takte) lang sein. Normalerweise wird die Länge irgendwo zwischen 4 und 16 Takten liegen und den typischen Songaufbau – Intro, Strophe, Refrain, Bridge, Solopart etc. – verkörpern. Arrangierte Patterns werden wiederum als Songs zusammengefasst und können gespeichert bzw. wiedergegeben werden.
Unterschieden wird zwischen Preset- und Userpatterns. Erstere sind von professionellen Drummern vorprogrammiert, ein fertiges Drumloop sozusagen, unter letzteren kann der Anwender seine eigenen Kreationen basteln und abspeichern. Von beiden Arten gibt es jeweils 100 Patterns.

Effekte
Mit Reverb und einer EQ/Kompressor Kombinationen stehen zwei bordeigene Effekte zur Verfügung. Insgesamt erleichtern 36 Presets den Einsatz.

Drumsets und die Praxis
Die bereits erwähnten etwa 700 Samples sind auf 100 Drumsets aufgeteilt. Auf den Pads liegen dabei die Drumessentials, also Bassdrum, Snare, Claps, Hi-Hat, Toms oder Becken. So man nun den Button „1Shot“ betätigt liegen auf denselben Pads die zum Set passende Samples. Das können Vocalphrasen sein, Perkussion, kurze Instrumental-Licks oder Scratches. Unter Synth finden sich verschiedene Basssounds, die teilweise den Buttonaufdruck leider zu ernst nehmen und sehr synthetisch klingen. Einer der wenigen Punkte, die ich am XR20 nicht so gelungen finde.
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Zu jedem der 100 Drumsets gibt es vorgefertigte Pattern, die in Part A, Part B und ein Fill aufgeteilt sind. Über die entsprechenden Tasten lassen sich die einzelnen Elemente ansteuern, dazu kann man mit den „Drum“, „1Shot“, „Synth“ und „Mute“ Tasten die jeweiligen Elemente stumm schalten. Mit diesen, sehr intuitiv zu erfassenden, Features kann man schon eine Menge anstellen. Das Erstellen von eigenen Patterns geht leicht von der Hand. Als Grundlage kann man, sofern man möchte, auch die Preset-Patterns nehmen, kopieren und dann entsprechend ausdünnen oder erweitern. Man kann sich auch sein Lieblingsdrumkit zusammenstellen und mit diesem arbeiten. Alles in allem erschließt sich die Arbeitsweise des XR20 recht leicht. Selbst wenn man es – wie ich – normalerweise bevorzugt seine Beats über eine Software am heimischen Monitor zu setzen, schließt man das kleine Maschinchen schnell ins Herz. Irgendwie scheint mir dieses traditionelle arbeiten ungezwungener, als das Beatsetzen über eine Controller/Software Kombination. Die Nase ganz vorn hat der XR20 wenn es darum geht ein DJ-Set spontan mit Beats oder Effekten anzudicken. Im richtigen Moment eine Bassdrum, Snare oder Hi-Hat dazugegeben wirkt Wunder. Spaßfaktor in Hochpotenz!

Anschlüsse
Anschluss
Die Rückseite des Gerätes ist reichlich bestückt. Neben einem Mainausgang (2xKlinke) gibt es einen Aux (1xKlinke) sowie einen regelbaren Kopfhörerausgang (1xKlinke). Eingangsseitig kann man ein dynamisches Mikrofon anschließen. Leider lässt sich das Signal von diesem nicht mit den XR20-eigenen Effekten belegen. MIDI In und Out/Thru und zwei Fußschalterbuchsen (Start/Stop und Tap/Umschalten der Patternvariationen) machen die Anschlüsse komplett.

Fazit
Klein & fein. Pluspunkte gibt es für die mobile Einsatzmöglichkeit, die intuitive Bedienung, den Spaßfaktor und die zeitgemäßen Sounds. Da liegt aber auch die Crux, denn irgendwann sind die Sounds nicht mehr zeitgemäß und dann wäre es schön gewesen, wenn man selbst Samples nachfüllen könnte. Leider ist das nicht vorgesehen. Trotzdem ein sehr guter Einstand für AKAI – und hiermit empfohlen.

Preis 295 Euro
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* Danke an Alex für den Hinweis auf die XR10.

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