Tresor / ©Marie Staggat

"Corona nur eines von vielen Problemen": Clubcommission blickt sorgenvoll in den Herbst

News.22. August 2022

Der Sommer macht den Anschein dass die Veranstaltungsbranche wieder dort ist, wo sie früher einmal war. Es gibt wieder ausverkaufte Konzerte, zehntausende Besucher:innen bei Festivals und lange Schlangen vor beliebten Clubs. Doch im Hintergrund der Locations rumort es jetzt schon. Laut der Berliner Clubcommission steht die Nachtgastronomie schon wieder vor einem unsicheren Herbst. 

Am 18. August hielt die Clubcommission (CC), der Verbund der Berliner Clubs (hier im Porträt), eine Pressekonferenz zur aktuellen Situation in der Clubbranche. Sprecher der CC Lutz Leichsenring und Vorstandsmitglied Pamela Schobeß signalisierten dabei große Sorge vor der nahen Zukunft. "Wenig Planungssicherheit, kaum Personal", hört man aus den Hinterzimmern der Clubs ständig. Zusätzlich kommen auch wenig vertrauensstiftende Signale von Seiten der Politik, weshalb sich viele Veranstalter:innen jetzt schon Sorgen um den Herbst und Winter machen.

Corona ist nicht das einzige Problem

Dabei sind die Aussichten alles andere als rosig - und zwar unabhängig von der Schärfe möglicher Corona-Maßnahmen. Laut Schobeß hätten die meisten Clubs aufgrund der letzten zwei Jahren kaum oder gar keine Rücklagen mehr. Dazu ist viel Personal während der Pandemie in andere Branchen gewechselt, laut Leichsenring gab es eine Abwanderung von 1,5 Millionen Arbeitnehmer:innen in andere Bereiche. Das Personal lasse sich außerdem nur schwer zurückholen und wenn dann nur zu deutlich verbesserten Bezügen. Selbst das Berghain sei aktiv auf der Suche nach Personal - früher undenkbar. Außerdem treffe die Inflation alle: Viele Menschen sparen Geld und die hohen Energiepreise heizen die Situation weiter an. Als Folge der Pandemie nannte Schobeß außerdem die stockenden Lieferketten. So muss das Gretchen (Anm.: Schobeß ist Geschäftsführerin) schon seit einem dreiviertel Jahr auf Leuchtmittel und Metallhaken warten.

Die CC habe Angst, dass die wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr stemmbar werden. Wenn die Preise für Eintritte und Getränke weiter angehoben werden, würde das zur Exklusion von vielen Menschen, die sich das Ausgehen nicht mehr leisten können/wollen, führen. Die Clubs wollen allerdings kein Raum für "Eliten" werden, sondern den Spirit bewahren und Menschen aus allen Gesellschaftsschichten ansprechen. Das Dilemma aus wirtschaftlicher Tragbarkeit und Inklusion ist laut CC ohne Hilfe von Seiten der Politik kaum lösbar, deswegen wird mehr Geld von Bund und Land gefordert. Die Förderungen sollen allerdings unabhängig von Corona erfolgen, ähnlich wie bei der Hochkultur. "Wir waren in den letzten Jahren immer stolz darauf, das alleine rocken zu können, aber das geht jetzt einfach nicht mehr", erzählt Schobeß dem rbb.

Nie wieder mit Maske feiern

Letztlich bleibt die große Unbekannte die Entwicklung der Pandemie mitsamt möglichen Maßnahmen. Das neue Infektionsschutzgesetz, welches ab 1. Oktober in Kraft treten soll, enthält eine Maskenpflicht bei hohen Inzidenzen in Innenräumen. In dieser Sache sind sich aber wohl alle Vertreter:innen der Clubkultur einig: Feiern mit Maske funktioniert nicht. Deshalb gibt es den Vorschlag, dass eine Teilnahme an Veranstaltungen in jedem Fall mit negativen PCR-Test gewährt werden muss. Dieses Konzept hatte sich Anfang des Jahres bewährt.

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