Exklusiv-(P)Review: DJ-TECH DIF-1S

Exklusiv-(P)Review: DJ-TECH DIF-1S

Archiv 14. März 2013

Uns wurde die ehrenvolle Aufgabe zuteil, bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart in Deutschland einen Blick auf DJ-Tech’s neuen Scratchmixer DIF-1S zu werfen.Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und machen daraus gleich ein (P)Review, an dem wir Euch alle teilhaben lassen. Als der Mixer das erste Mal auf der diesjährigen NAMM im Januar vorgestellt wurde und wir darüber erste Infos erhielten, war der grundlegende Gedanke: „naja, ist halt ein Innofader mit ein bisschen Mixer drum herum.“ Ob sich dieser erste Gedanke bewahrheitet hat oder ob uns DJ-Tech überraschen konnte? Nun ja, ein bisschen was von beidem…

Beim DIF-1S handelt es sich um einen einfach gehaltenen Zweikanal-Battlemixer mit einigen interessanten Features und Funktionen. So setzt der Hersteller bei der Kreuzblende auf einen Innofader Mini, wie er auch z.B. im Traktor Kontrol Z2 zu finden ist. Die Linefader sind jedoch in „normaler“ Ausführung gehalten. Der Innofader Mini kann übrigens gegen einen vollwertigen Innofader getauscht werden, Anschluß und Platz sind kompatibel. Die Crossfaderkurve kann per Drehregler stufenlos eingestellt werden und reagiert je nach Gusto von Hart bis Zart. Über einen Drucktaster kann man den CF noch reversieren, sprich Hamster-switchen, ein vollständiges Deaktivieren ist nicht möglich.
Jeder der beiden Kanäle besitzt einen Gainregler sowie Dreiband-EQ (+12/-26dB; kein Full-Kill) und das Eingangssignal kann zwischen CD, Phono/Line und Timecode gewählt werden. Timecode? Richtig: ein weiteres Feature des DIF-1S ist eine integrierte Breakout-Box, mit der sich das Signal eines am Mixer (genauer gesagt am PH/LN-Eingang; der CD-In wird dabei nicht berücksichtigt) angeschlossenen Zuspielers über dedizierte Cinchbuchsen (DVS Send) an ein Audio-Interface weiterleiten lässt, ohne dass man den Zuspieler vom Mixer trennen muss. Das Deck-Signal der Software wird, vom Interface kommend, ebenfalls an einen speziellen Eingang (DVS Return) angeklemmt, der über den Eingangswahlschalter auf Position „Timecode“ aktiviert wird. Dies erlaubt einen schnellen und relativ einfachen Wechsel zwischen originaler Platte bzw. CD und Software, ohne dass das Interface / die Software auf „Thru“ geschaltet oder der Zuspieler umgesteckt werden muss.
Der Mikrofoneingang befindet sich an der Frontseite in Form einer 6,3mm Klinkenbuchse und kann per Levelregler justiert werden. Ebenfalls an der Front sind Kopfhöreranschlüsse in 6,3 bzw. auch 3,5mm Ausführung zu finden. Abgehört werden können die beiden Channels per Druck auf den Cue-Button, entweder getrennt oder gemeinsam. That’s it. Heißt: es gibt keine Cue-Master-Mixfunktion oder die Möglichkeit, das Summensignal abzuhören.
Für die Ausgabe der Summe stehen zwei separat regelbare Outputs (Master und Booth) zur Verfügung, die jedoch beide unsymmetrisch per Cinch daher kommen. Was fehlt, ist ein zusätzlicher Record-Out, sollte sich aber verschmerzen und mit einem der beiden vorhandenen Ausgänge kompensieren lassen. Als visuelle Aussteuerungshilfe gibt es eine Doppel-LED-Kette mit je 6 Leuchten, die entweder das Volume des Master-Signals in Stereo oder den Level der beiden Kanäle darstellen. Die Anzeige reagiert gut und nicht zu träge oder sprunghaft, die Aufteilung in vier grüne (-13/-8/-3/0 dB), eine gelbe (+3 dB) und eine rote (Clip) LED ist ebenfalls gut gewählt und hilft, den Mix(er) gut im „grünen Bereich“ zu halten.

Die gesamte Verarbeitung ist solide und eher ungewohnt für das, was wir bisher von DJ-Tech gewohnt waren. Oder anders gesagt: der DIF-1S hat in diesem Punkt einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Das Chassis wirkt massiv und robust, alle Bedienelemente (Fader und Potis) sitzen straff und stabil mit ohne seitlichem Spiel bzw. mit ohne zuviel davon. Lediglich die Buttons für Cue und CF-Reverse wirken im Vergleich zum Rest ein wenig wackeliger und „hakeliger“, eine Beeinträchtigung der Funktion oder etwa eine Einschränkung im Bedienkomfort konnte ich aber nicht ausmachen. Das Layout ist durchdacht und aufgeräumt, und man erkennt den anvisierten Hauptbestimmungszweck des Mixers als Scratch-Maschine: in der unteren Hälfte findet man nix weiter außer Line- und Crossfader, alles übrige liegt in der oberen Hälfte, und dies ebenfalls gut sortiert und mit ausreichend Platz dazwischen.
Am Klang kann man ebenfalls nicht wirklich etwas aussetzen. Dieser ist klar und druckvoll, ohne dabei besonders positiv oder negativ zu wirken – eben neutral und durchaus brauchbar. Der Equalizer macht mit seinen -26dB nicht komplett dicht, bei Linksanschlag aller drei Regler kommt immernoch etwas durch. An der Frequenzaufteilung gibt es nichts auszusetzen, Hi/Mid/Low lassen sich in ihren Bereichen ausreichend und ohne zu sehr auf den/die Nachbarn zu wirken, anheben oder absenken. Die EQs sind übrigens Pre-Monitor, d.h. man kann am Kopfhörer die Änderung bereits (vor-)hören.

Bis hierhin macht der DIF-1S eine wirklich gute Figur, auch im Hinblick auf den angekündigten Straßenpreis von gerade einmal 149 €. Aber im Laufe der Tests kam die ein oder andere Frage auf. So fragte ich mich, wozu zwei separat regelbare Ausgänge, aber nicht einer davon symmetrisch? Für zuhause braucht es nicht zwingend einen symmetrischen Ausgang, allerdings braucht es für zuhause auch nicht unbedingt einen zweiten, separat regelbaren Ausgang. Oder? Hier wäre wohl ein echter Rec-Out besser gewesen, und anstelle des Booth-Out lieber einen Cue-Master-Mix für die Vorhörfunktion.
Überhaupt bleibt die Frage offen, wo DJ-Tech selbst den Mixer vornehmlich platziert sieht, eher zuhause oder im Club?! Das DVS-Feature ist wirklich gut und man würde es sich heutzutage bei allen, vor allem namhaften Mixern wünschen, so einfach die individuelle Peripherie anstecken zu können. Aber braucht man das für daheim? Und braucht man für den Club wirklich keinen symmetrischen Master-Out? Hat jeder Bedroomer eine separat zu beschallende Booth? Ist der Cue-Mix bei Scratchern nicht so wichtig? Auch wenn man versucht und gewillt ist, einen Kompromiß zu finden, eine Seite der Medaille geht dabei immer ein wenig benachteiligter aus dem Rennen als die andere.

Fazit
Alles in allem ist der DIF-1S von DJ-Tech eine gute Wahl für all jene, die für schmale Münze einen Scratch-tauglichen Battlemixer suchen und ggf. auch hin & wieder ein Timecode-System einsetzen, aber eben auch öfters echte Vinyls oder CDs spielen und dabei nicht ständig umstecken oder umrouten möchten. Hier machen sich der Innofader und die DVS-Option absolut bezahlt, sofern derjenige auf Cue-Mix und Rec-Out verzichten kann. Wobei letzteres ja über den zweiten Ausgang erledigt werden könnte.
Alle anderen User werden früher oder später immer mal wieder an einen Punkt kommen, an dem es gilt, Kompromisse einzugehen. Wie stark sich diese dann auswirken, müsste man versuchen, schon im Vorfeld abzuschätzen, ob dabei die Vorzüge überwiegen oder ob man eher die nicht vorhandenen Features vermissen könnte.

Preis 169 Euro
DIF-1S Produktseite bei DJ-Tech

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