Georgien: Club in Tiflis verlangt
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Georgien: Club in Tiflis verlangt "Visum" von russischen Gästen, wird Ziel von Cyberattacken

News.15. August 2022

Die Dedaena Bar in Tiflis war letzte Woche Ziel eines massiven Cyberangriffs, nachdem der Club auf seiner Website ein russisches Visumformular veröffentlicht hatte. Damit sollten Putin-Anhänger:innen und Kriegsbefürworter:innen vom Betreten des Lokals abgehalten werden.

Die Beziehungen zwischen Russland und Georgien sind derzeit sehr kompliziert. Das liegt unter anderem am Kaukasuskrieg, bei dem 2008 russische Truppen in georgisches Staatsgebiet eingedrungen sind und Teile des Landes bis heute besetzen. Georgien war früher Mitglied der Sowjetunion und hat daher viele soziale, kulturelle und wirtschaftliche Verknüpfungen mit Russland. Aufgrund der gemeinsamen Geschichte können viele Georgier:innen, vor allem die älteren Generationen, russisch sprechen. Entsprechend leben auch viele Russ:innen in Georgien. Nach dem Beginn des Angriffskrieg in der Ukraine sind laut BBC 200.0000 Russ:innen nach Georgien geflohen. Georgien ist aufgrund der kaum vorhandenen Visabeschränkungen ein beliebtes Ziel für russische Staatsbürger:innen.

Russische Gäste müssen Formular ausfüllen

Ein Problem mit russischen Staatsbürger:innen haben die Betreiber:innen der Dedaena Bar nur, wenn diese den russischen Präsidenten Putin bzw. den Krieg unterstützen. Es gibt ein Online-Formular für russische Gäste, dass vor einem Besuch ausgefüllt werden muss. "Bürger Russlands brauchen ein Visum, um die Dedaena Bar zu betreten, weil nicht alle Russen willkommen sind", heißt es in dem Formular. "Wir stehen für Gleichheit und Einheit, aber wir müssen sicherstellen, dass gehirngewaschene russische Imperialisten nicht in unserer Bar landen. Bitte unterstützen Sie uns, indem Sie einen Visumsantrag ausfüllen, damit niemand neben Idioten rumhängen muss. Danke für Ihr Verständnis", heißt es darin. Berichten zufolge haben rund 2.000 Russ:innen das Formular ausgefüllt.

In dem Formular werden russische Staatsbürger:innen aufgefordert acht Kästchen mit politischen Aussagen anzukreuzen. Beispiele dafür sind "Ich habe nicht für Putin gestimmt, er ist ein Diktator", "Ich verurteile die russische Aggression in der Ukraine", "Die Krim ist die Ukraine, andere umstrittene Gebiete sind es auch" und "20 Prozent von Georgien sind von Russland besetzt". Außerdem müssen sich die Gäste an die Hausregeln halten. Das umfasst unter anderem nicht russisch mit dem Personal zu sprechen, nicht in Rubel zu zahlen und sich nicht in betrunkenem Zustand an politischen Diskussionen zu beteiligen.

Russische Trollfabriken gehen auf Club los

Der Mitgründer und Betreiber Data Lapauri erzählte RA, dass die Reaktionen zu dem Visumformular nicht so negativ waren, wie anfangs gedacht. "Die Kommentare, die wir von ihnen erhalten haben, waren wirklich unterstützend", erzählte er. "Wir haben viele Gäste aus Russland und anderen russischsprachigen Ländern, die sonntags und dienstags zu unserer Live-Musik, unseren Jam-Sessions und Hip-Hop-Veranstaltungen kommen."

Negativer aufgefasst haben die Aktion wohl manche Menschen in Russland. Es kam zu gezielten Cyberangriffen mit Trollfabriken und Attacken auf die Webseite. In kurzer Zeit wurden aus den 400 Google-Bewertungen 10.500. Am Anfang des Cyberangriffs gab es laut Lapauri "jede Sekunde einen Kommentar oder eine negative Bewertung". Mit DDoS-Angriffen wurde die Webseite schon 20 mal lahmgelegt. Aktuell (15.8.) ist sie allerdings wieder online. Anstoß für die organisierte Attacke war wohl, dass die Facebook-Seite der Dedaena Bar Screenshots von negativen Kommentaren zu den Visa-Formularen veröffentlichte. Dort wurden wüste Beschimpfungen öffentlich gemacht, die scheinbar eine große Reichweite erhielten. Dadurch kamen sie wohl auf den Radar von russischen Cyberkrieger:innen.

Die 2018 eröffnete Dedaena Bar hat ihren Namen vom beliebten Dedaena Park aus der Umgebung. In der Bar am Flussufer finden regelmäßig Live-Musik, Hip-Hop-Abende und elektronische Feiern statt.

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Redaktion