Jason Derulo "Talk Dirty"

Jason Derulo "Talk Dirty"

Archiv 30. August 2014

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass im Orient Blasskapellen vor dem Heer liefen und aus voller Kraft tröteten, auf das es dem Gegner Angst und Bange werde. Auch bei "Talk Dirty" wird ins Horn gestoßen, rubrikgerecht auf Grundlage von Samples.
JASON DERULOs Song "Talk Dirty", letztes Jahr auf dem Album "Tattoos" und später als Single veröffentlicht, ist ein schönes Beispiel dafür, dass einfaches Samplen nicht alles ist. Um einen Welthit zu landen braucht es mehr, was nicht nur halbstündige Rotation auf allen Kanälen meint.

Grundlage 1: "Talk Dirty" basiert in Tempo, Beat und vor allem mit dem markanten Saxofon auf einem Track des israelisch / amerikanischen Trios BALKAN BEAT BOX. In "Hermetico", so der Name des Songs vom 2007er Album "Nu-Med, walzen BALKAN BEAT BOX das Bläserthema noch wesentlich mehr, in Richtung "Oriental / Klezmer / Balkan", aus. Ein Freude für Liebhaber weltmusikalischer Klänge, für einen weltweiten Radiohit vermutlich zuviel des Guten.

Grundlage 2: 2012 landeten MACKLEMORE & RYAN LEWIS den Überraschungshit "Thrift Shop". Tempo knapp unter 100BPM, Hip Hop Beat mit leichten TWERK-Anleihen, besonders wichtig in der Gesamtwahrnehmung: ein markantes Saxofon.

"I'm gonna pop some tags - Only got twenty dollars in my pocket
I - I - I'm hunting, looking for a come-up - This is fucking awesome"

Das ging ins Ohr und in vielen Ländern an die Spitze der Charts. Etwas davon muss auch bei dem Produzenten RICK REED (aka WALLPAPER) hängengeblieben sein, welcher sich, nahezu zeitgleich, bei "Hermetico" ein Sample entlieh und die Grundlage für "Talk Dirty" schuf. Ursprünglich und auf Wunsch des Plattenlables wohl für MISSY ELLIOT. Auftragsarbeit also.

Das Grundgerüst des BALKAN BEAT BOX Originals ist bei "Talk Dirty" weiterhin erkennbar. Die Blassmusikexzesse der Israelis wurden auf eingängiges Minimum gestutzt, die weitere Produktion ist von Elementen zeitgemäßen R&Bs, inklusive Claps, Claps und Claps, geprägt. Trap ick hör dir trapsen. Anstelle des monoton-aufgekratzen Sprechgesangs bei "Hermetico"  werden die Vocals , die letztlich der optisch verwertbare Jason Joel Desrouleaux (besser bekannt als JASON DERULO) beiträgt, harmonischer. Der singt wirklich. Nahezu genial liefert sich der Text ein Duell mit dem Saxofon und den sich steigernden Claps.

"Been around the world, don't speak the language
But your booty don't need explaining
All I really need to understand is
When you talk dirty to me"

Das sitzt auf den Punkt, das ist Pop! Ergänzenden Rapverse, mit Sauigelinhalt, kommen vom Dirty South Boy 2 CHAINZ. Wichtig: ein simpler Chorus, den alle Welt, überall auf der Welt, mitgröhlen kann ... die Chicas gern mit Handtasche in der Armbeuge, beim twerking. Strophe, Pre-Chorus, Refrain, dazu ein markanter Part, der für Wiedererkennung sorgt. Länge unter 3:30. Nach der Formel aus dem KLF-Handbook alles richtig gemacht.  Ein eingängiger Track, der sowohl auf dem Dancefloor, als auch im Radio funktioniert. Und natürlich auch bei Youtube, was heutzutage essentiell ist.

Kommen wir zu den Adaptionen, deren schönste vom, auf ungewöhnliche Coverversionen spezialisierten, Projekt POSTMODERN JUKEBOX stammt. In bester Klezmer-Tradition wird den Wurzeln des Originals Tribut gezollt. Die zauberhafte Robyn Adele Anderson umgeht die explizitesten Textstellen mit einer Übersetzung ins Jiddische. Grandios gemacht, wie immer bei der postmodernen Jukebox ... deren Schaffen hiermit ausdrücklich empfohlen wird.

http://www.youtube.com/watch?v=Oq5_GlCB0SI

Gewisse Paralellen sind auch bei DILLON FRANCIS & DJ SNAKE erkennbar, wenn deren arabisch angehauchtes "Get Low" weit mehr mit der Keule ausholt. Eine gute Mixgrundlage fürs DJ-Set . Zugegeben: bei weitem keine 1:1 Kopie und lange kein Riesenhit ... da muss wohl wieder erst DIPLO ran, auf dessen MAD DECENT Label das Partybrett erschienen ist.

"Yalla Habibi ... talk Klezmer to me"

Links:
BALKAN BEATBOX
Postmodern Jukebox Kanal bei YOUTUBE

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