Oh Netz, Deine Blüten: Legitmix

Oh Netz, Deine Blüten: Legitmix

Archiv 22. August 2012

Eine gute Idee kommt aus Kanada. Damit scheint nicht nur die Legalisierung von Mashups, DJ-Mixen und eigenen Remixen machbar, man kann sein Werk sogar verkaufen.  

Kommen wir vorm Pferdefuß erstmal zum Hintergrund des noch in der Betaphase befindlichen Dienstes mit dem Namen „Legitmix“. Wie hier schon herauszulesen, geht es darum eigenes, auf fremden Inhalten basierendes, Werk zu legalisieren.  Nehmen wir also an ich kreiere ein Mashup mit Teilen von Bob Marley und Amy Winehouse. Oder ich baue einen Remix von Bob Marleys „No Woman No Cry“. Oder ich mixe fünfzehn Tracks für einen DJ-Promomix ineinander. Dann habe ich immer das Problem, dass mein Werk – streng dem Recht folgend – nicht an die Öffentlichkeit gelangen darf. Ein Thema welches ebenso oft durchgekaut wurde, wie es ständig missachtet wird. Bisher mit dem Fazit: Wo keine Gewinnabsicht, da meist kein Kläger und wo dieser fehlt, fehlt bekanntlich auch der Richter. Nun leben wir aber im Zeitalter der „Durch-Frage-Absicherung“. Bevor man das erste Sample schiebt, fragt man im Forum seines Vertrauens nach der Länge der zu erwartenden Haftstrafe und der Wandfarbe der Gefängniszelle. Um daraufhin das Schieben bleiben zu lassen. Klar hat sich seit den frühen Tagen von Hip Hop, als erstes Genre mit dominanter Samplenutzung, in Sachen Reglementierung viel geändert. Einzig die Möglichkeit Ursprungsmaterial unkompliziert und für alle Seiten gewinnbringend zu nutzen, „Sample clearen“ nennt man das,  ist immer noch nicht möglich. Zwischen generell verboten und unverhältnismäßig aufwendig war bisher nur Platz für den Mythos von „alles unter 10 Sekunden kann man legal samplen“.

[vimeo]http://www.vimeo.com/20646997[/vimeo]

Ansatz von Legitmix ist es den Käufer eines Mashups, Remixes oder Mixes nicht mit einem fertigen Werk zu versorgen, sondern mit einer Bauanleitung und den notwendigen Bausteinen. Mein oben erwähntes Mashup würde analysiert und, als Bauanleitung, ein Legitmix File erstellt. Dazu gebe ich an welches Quellmaterial, also welche Bausteine, ich genutzt habe. Jemand der dieses Mashup haben möchte, kauft das Legitmix File und – sofern er das Quellmaterial nicht schon selbst besitzt – kauft er zusammen mit diesem auch die notwendigen Quelldateien, um das ganze dann auf seinem Rechner, mit der Legitmix Software, zu rekonstruieren. Klingt kompliziert, ist aber – Aussage Legitmix – die aktuell einzig legale Lösung, um mit fremden Content gespicktes Werk zu verbreiten, ja sogar zu verkaufen. Erhalten würde ich übrigens 70% der Einnahmen des Legitmix Files.

Hmmmm.
Nachdenken.
Nochmal hmmm.
Scheint simpel und man fragt sich warum da noch niemand früher drauf kam. Lassen wir mal außen vor, dass Good Old Germany nicht in Nordamerika liegt und die rechtliche Lage hier eine andere ist – das sage ich ohne GEMA zu sagen – bleiben einige Punkte die mir auffallen. 1) sichert dieses Verfahren wirklich das Einverständnis des Urhebers zu dessen Werk zu verändern? Oder ist das ein eigenes Thema? 2) wie gut ist der Algorithmus, der über Auflösung und Neuzusammensetzung meines Werks bestimmt? 3) woher bekommt der Käufer von mir selbst geschaffene Beats, Basslines und dergleichen Elemente? Sind die im Legitmix File enthalten? 4) was ist wenn mein  Quellmaterial nicht für den Käufer verfügbar ist? 5) wo liegt eigentlich das Copyright meines Werkes? 6) wer geht als Käufer so einen teuren und umständlichen Weg, wenn man z.B. grauzonenlegal einen Stream rippen kann? 7) Zukunftsmodel oder ein Fall für das Kuriositätenkabinett, gleich neben dem Shop für gebrauchte MP3 ?

Einen Teil dieser Fragen beantworten die FAQ, Der Rest wäre wohl im Selbstversuch zu klären, was hiermit auf der To-Do Liste notiert wird. Wir behalten das also mal im Auge, weil irgendwie ist der Ansatz schon nicht uninteressant.

Legitmix (Beta) 

0 Kommentare zu "Oh Netz, Deine Blüten: Legitmix"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.