Test: Ecler WARM4 – vierkanaliger Rotary-DJ-Mixer

Test: Ecler WARM4 – vierkanaliger Rotary-DJ-Mixer

Tests. 25. November 2023 | 5,0 / 5,0

Geschrieben von:
Boris Alexander

Der spanische Traditionshersteller Ecler erweitert mit dem WAREHOUSE ANALOG ROTARY MIXER4 (kurz: WARM4) sein Portfolio. Der vierkanalige Neuzugang arbeitet komplett analog und ergänzt den kleineren Bruder WARM2, den wir euch im letzten Sommer vorgestellt haben. Ecler hat den WARM4 aber nicht nur mit zusätzlichen Kanälen ausgestattet, sondern auch die Ausgangsoptionen aufgebohrt und einen Subbass-Synthesizer (!) spendiert. Wir haben uns den Boliden im Retrolook genauer angeschaut und berichten über unsere Praxiserfahrungen.

Quick Facts

  • Vierkanaliger Rotary-DJ-Mixer
  • Analoge Schaltung
  • Dreiband-Isolator
  • Analoger Subbass-Synthesizer
  • Für ambitionierte Hobby-DJs und Profis

Ecler WARM4

Der Ecler WARM4 hat ein solides Gehäuse aus schwarz lackiertem Metall inklusive zweier Seitenwangen aus Echtholz. Optisch erinnert das Design, wie beim WARM2, an stilprägende Synthesizer aus den späten Siebzigerjahren wie den Moog Prodigy oder Prophet 5. Das sauber verarbeitete Gerät mit den hochwertigen Alps-Blue-Velvet-Potis misst 34 x 8,1 x 37,2 cm und wiegt 5,32 kg. Der WARM4 ist als Tischgerät ausgeführt, kann aber für einen mobilen Einsatz per optionaler Rackohren auch in ein 19-Zoll-Rack montiert werden. Zum Schutz und zur staubsicheren Aufbewahrung bietet der Fachhandel passende Cases an. Der Preis des analogen Vierkanälers liegt bei 1.599 Euro. 

Ecler WARM4 Schrägansicht.
Der Ecler WARM4 ist ein vierkanaliger Rotary-DJ-Mixer.

Ecler WARM4 Kanäle

Die vier Kanalzüge des WARM4 sind identisch ausgestattet, bieten aber unterschiedliche Zuspieloptionen. Die ersten beiden Kanäle lassen sich mit Line- und Phono-Quellen, die Kanäle drei und vier zusätzlich auch mit Mikrofonen kombinieren. Griffige Trim-Potis erlauben die Anhebung oder Absenkung des Pegelhubs und lange, zwölfstufige LED-Ketten dienen zur optischen Überwachung. Mit großen Dreiband-EQ-Reglern sind Eingriffe in das Klangbild möglich, die EQs sind dabei als „Total-Kill“ ausgeführt und heben die Frequenzen mit bis zu zehn Dezibel an.

Alle vier Kanäle sind zudem mit einem Effekt-Send-Weg inklusive Pre-/Post-Selektion ausgestattet und PFL-Tastern, die die Signale zum Vorhören in die Cue-Sektion einspeisen. Zum Mixen der Kanalsignale gibt es vier große Rotary-Regler, auf einen Crossfader hat Ecler verzichtet. Die Mikrofonsignale werden wie „gewöhnliche“ Zuspielerquellen behandelt, somit stehen EQs, Isolator und der Effektweg ebenfalls zur Verfügung, eine Talkover-Funktion gibt es allerdings nicht.

Ecler WARM4 Layout.
Die aufgeräumte Oberfläche erlaubt eine intuitive Nutzung des Mixers.

Ausgänge

Auf der rechten Seite befinden sich die Bedienelemente zur Kontrolle der Ausgangspegel. Hier sind House- (Master) und Booth-Regler verbaut. Für die Booth-Signale gibt es zusätzlich einen Monoschalter und Balance-Regler, damit eine Abstimmung auf die verwendete Montoringanlage erfolgen kann. Die beiden Ausgangspegel sowie das Mix-Signal lassen sich, per LED-Kette optisch kontrollieren. Die Cue-Sektion befindet sich direkt unterhalb der House- und Booth-Regler und bietet neben dem Lautstärke- auch einen Source-Regler mit dem zwischen dem Kanal- und Mix-Signal gewählt werden kann. 

Analogue Subharmonic Synthesizer

Ecler hat den WARM4 mit einem analogen Subbass-Synthesizer versehen, einem einzigartigen Feature, das der US-amerikanischen Disco-/House-Legende Lawrence Philpot aka Larry Levan gewidmet ist. Ecler bietet DJs damit die Möglichkeit, vor allem alten Aufnahmen einen neuen „Bass-Schub“  zu verleihen. Der Synthesizer kann individuell in jedem Kanalzug aktiviert und mittels dedizierter Bedienelemente kontrolliert  werden. Zur Umsetzung hat sich Ecler bei einer Methodik bedient, die aus der Hifi-Technik stammt, um die tiefen Frequenzen zu rekonstruieren, die beim Pressen von Vinyls oder bei Bandaufnahmen verloren gegangen sind. 

Isolator

Im Masterausgang des WARM4 befindet sich ein Dreiband-Isolator vierter Ordnung mit 24 dB/Okt. Die Potis zur Kontrolle der drei Bänder sind gut erreichbar, die Übergangsfrequenzen liegen bei 300 Hz und 4 kHz. Der Isolator eignet sich für kreative Klangformungen und Eingriffe in die Höhen und Tiefen mit +12/-70 dB und in den Bereich der Mitten mit +12/-40 dB. Zur Deaktivierung der Isolatorschaltung gibt es einen Bypass-Schalter, der im Live-Betrieb allerdings mit Bedacht eingesetzt werden sollte, da es bei dessen Betätigung zu einem Schaltgeräusch kommen kann. 

Anschlüsse

Ein Großteil der Anschlüsse befindet sich auf der Rückseite des Mixers. Alle Kanalzüge sind mit Cinch-Line- und Phono-Eingängen ausgestattet. Der dritte Kanalzug verfügt über einen zusätzlichen XLR-Mikrofonanschluss und der vierte über eine Mikro-Combo-Buchse auf der Oberseite. Zum Einschleifen eines Effektgeräts gibt es eine Cinch-Send-/Return-Schleife. XLR- sowie Cinch-Buchsen erlauben die Ausgabe der  Master- und Booth-Signale. Für spontane Recording-Sessions steht ein einfach erreichbares Cinch-Paar auf der Oberseite parat und für Kopfhörer gibt es eine Miniklinken- und Klinkenbuchse.  

Ecler WARM4 Anschlüsse.
Der WARM4 bietet Anschlüsse für Plattenspieler, Mediaplayer, Soundkarten, Mikrofone und ein Effektgerät.

Konfiguration

Im Inneren findet sich ein Jumper zur individuellen Aktivierung und Deaktivierung der Phantomspeisung für die beiden Mikrofonanschlüsse sowie ein Dip-Schalter zur Anpassung der House- und Booth-Lautstärkepegel. Leider sind zur Überprüfung der gewählten Einstellungen keine Info-LEDs oder Ähnliches vorhanden.  

Ecler WARM4 in der Praxis

Der Ecler WARM4 kann sehr einfach in ein DJ-Setup integriert werden. Die gut erreichbaren Eingänge auf der Rückseite erlauben den Anschluss zahlreicher Zuspieler. Hier lassen sich Plattenspieler, Mediaplayer, Soundkarten sowie Effektgeräte bequem anschließen. Per symmetrischer XLR-Verkabelung kann die Verbindung zu einer professionellen PA und einem Monitoringsystem (Booth) hergestellt werden. 

Der WARM4 bietet einen schlüssigen Workflow, sodass man sich sehr schnell mit dem Gerät zurechtfindet und das Handbuch lediglich zur Klärung technischer Details zurate ziehen muss. Da es keine Displays, Doppelbelegungen oder andere digitale Gimmicks gibt, lassen sich alle gewählten Parameter jederzeit im Blick behalten. Die Anordnung der Bedienelemente ist praxisgerecht und erlaubt ein treffsicheres Arbeiten. 

Mit den Rotary-Knobs des WARM4 lassen sich Tracks sehr schön modellieren und klanglich miteinander verschmelzen. Die Eingriffe durch die EQs und den Isolator klingen angenehm „organisch“ und verleihen auch Songs, die aus einer digitalen Quelle zugeführt werden, eine gefällige, analoge Wärme. Der Gesamtklang des Mixers ist zugleich transparent und druckvoll.

Wer seine Songs noch mit einer ordentlichen Portion Bass versehen möchte, drückt den SUB-Taster im entsprechenden Kanalzug und aktiviert den Analogue Subharmonic Synthesizer per On-Schalter. Die Frequenz des Synthesizers lässt sich stufenlos zwischen 25 Hz und 60 Hz wählen und der Pegel dosieren. Zur optischen Überwachung gibt es eine LED-Kette, die mit drei Stufen allerdings recht kurz geraten ist. Diese Funktion bietet ein recht großes Potential, sollte aber mit Bedacht eingesetzt werden, da man nicht geeignete Speaker damit durchaus beschädigen kann. 

Ecler empfiehlt daher die Nutzung des Subbass-Synthesizers ausschließlich in Verbindung mit Subwoofern oder anderen Lautsprechern, die sehr tiefe Frequenzen abbilden können. Der Einsatz dieser Funktion wird daher eher in einem professionellen Umfeld und einer entsprechenden PA erfolgen, weniger in heimischen Gefilden.

Alternativen

Fazit

Der Ecler WARM4 ist ein solide konstruierter, vierkanaliger Rotary-DJ-Mixer, der uns im Praxistest gut gefallen hat. Der Mixer mit dem Retro-Design erlaubt das Mixen zahlreicher, verschiedener Zuspieler wie Plattenspieler, Mediaplayer oder Soundkarten und die Integration eines Effektgeräts. Die eingehenden Musiksignale erhalten durch die analoge Signalverarbeitung, die EQs und den Isolator eine angenehme Wärme und lassen sich durch die Rotary-Bedienelemente elegant miteinander verschmelzen. Der Mixer bietet als Besonderheit einen analogen Subbass-Synthesizer, mit dem sich das Bassfundament von Songs verstärken lässt. Das vor allem zum „Boosten“ von älteren Aufnahmen gedachte Feature setzt allerdings den Einsatz eines Subwoofers oder einer entsprechend potenten PA vorraus. Ecler hat beim WARM4 auf „moderne“, digitale Zusatzfunktionen, Doppelbelegungen etc. verzichtet und dem Mixer somit eine intuitive Bedienung spendiert. Der WARM4 eignet sich für ambitionierte Hobby-DJs und Profis, die einen analogen Klang und das Mixen von Songs per Drehregler zu schätzen wissen. Wer den schicken Retro-Design-Mixer erwerben möchte, zahlt 1.599 Euro. Ein Preis, der angesichts der Sonderstellung und gebotenen Qualität in Ordnung geht.

Gesamtwertung:
4,5 von 5,0
Qualität:  
5,0 von 5,0
Klang:  
5,0 von 5,0
Preis-Leistung:  
4,5 von 5,0

Pro

Stabiles und schickes Gehäuse
Intuitive Bedienung
Analoger Klang
Große Bedienelemente
Subbass-Synthesizer

Kontra

Fehlende Anzeige für Ausgangs- und Mikrofoneinstellung

Preis:

1599 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Ecler.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit analoger Mixer , Analogue Subharmonic Synthesizer , Ecler WARM4 , Retro-Mixer , Rotary-DJ-Mixer

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