Test: Mixars Primo

Test: Mixars Primo

Tests 8. Juni 2019

Der Mixars Primo wurde bereits vor knapp zwei Jahren vorgestellt und steht jetzt für einen ausgiebigen Test bereit. Hersteller Mixars hat einige Bereiche des Controllers seit der Ankündigung überarbeitet und dem Gerät einen Feinschliff verpasst, damit die Kontrolle von Serato DJ passgenau gelingt. Wie sich der Bolide in der Praxis schlägt, haben wir uns angeschaut.

DJ Controller

Die italienische Audioschmiede Mixars verkauft den Zweideck-Controller Primo für 499 Euro inklusive Serato DJ Pro. Man erhält somit ein Komplettpaket aus Hard- und Software, das ohne weitere Kosten nutzbar ist, lediglich Programmerweiterungen wie beispielsweise eine DVS-Steuerung und zusätzliche Effekte sind aufpreispflichtig. Der Controller ist gut verarbeitet und die verwendeten Materialien sind ansprechend. Mit 509 x 331 x 66 Millimetern und einem Gewicht von 4,2 Kilogramm lässt sich der Primo recht problemlos transportieren und passt in viele Cases wie das Hard Shell Case "M" von Flyht Pro.

Controller Schrägansicht.
Der Mixars Primo bietet zwei Decks und eine Mixereinheit, die auch ohne Computerkontakt nutzbar ist.

Deck-Ausstattung

Der Mixars Primo bietet ein vertrautes Zweideck-Layout, das eine Steuerung von vier Software-Decks erlaubt und einen leichten Einstieg ermöglicht. Angenehm groß dimensionierte und beleuchtete Start-/Pause- und Cue-Taster erlauben das Starten und Stoppen der Tracks und Pitchfader mit einem langen Regelweg von zehn Zentimetern inklusive einer Null-Rasterung dienen zur Tempomanipulation. Mit griffigen, berührungsempfindlichen Jog-Rädern, die einen Durchmesser von 15 Zentimetern haben, gelingen Pitchbend-Korrekturen und Backspins sowie das Scratching. Der Controller bietet einen direkten Zugriff auf die zahlreichen kreativen Features von Serato DJ Pro und verfügt über einfach erreichbare Steuerungsmöglichkeiten für die Effekte direkt oberhalb der Jogwheels und Needlestrips zur Navigation innerhalb der Songs unterhalb der Räder. Darüber hinaus gibt es pro Deck acht beleuchtete Triggerpads, die mit einer Vielzahl an Funktionskontrollen ausgestattet sind. Welche das sind, schaue ich mir im Praxisteil näher an.

Mixer-Ausstattung

Die zweikanalige Mixersektion in der Mitte des Mixars ist übersichtlich gestaltet und die verbauten Bedienelemente wirken sehr solide. Zum Mixen der digitalen und/oder analogen Eingangssignale gibt es griffige Dreiband-EQs- sowie Trim-Regler und große Effektpotis, die die vier geräteinternen Effekte Noise, Filter, Echo und Crush kontrollieren. Das Mixen übernehmen Kanalfader und ein leicht gleitender Crossfader, dessen Kurvenverlauf stufenlos anpassbar ist. Der Regelweg des Crossfaders ist für Mixtricks umkehrbar und bei Bedarf kann ein alternatives Modell von Innofader verbaut werden. Der Controller bietet zudem gut erreichbare Pegelregler für die Master-, Booth- und Samplersignale und Bedienelemente zur Navigation in der Songsammlung von Serato DJ Pro.

Anschlüsse

Der Mixars Primo bietet eine umfangreiche Anschlussausstattung. Das Masterausgangssignal verlässt das Gerät über symmetrische XLR- und unsymmetrische Cinch-Buchsen. Für die Booth-Signale stehen symmetrische Klinkenbuchsen parat, sodass ein professioneller Einsatz möglich ist. Zwei kombinierte Phono-/Line-Eingänge erlauben den Anschluss von Zuspielern. Diese können als alleinige oder zusätzliche Musikquellen genutzt werden, aber auch zur Zuführung von Timecode-Signalen. Für Ergänzungen gibt es einen Line-Aux-Eingang auf der Vorderseite des Controllers sowie eine Klinken-/XLR-Kombibuchse für Mikrofone auf der Rückseite.

Eine USB-Buchse dient zur Datenübertragung und Spannungsversorgung. Sollte Letzteres aufgrund einer zu niedrigen Stromversorgung nicht ausreichen oder wenn eine Standalone-Nutzung des Mixers geplant ist, lässt sich ein Netzteil anschließen, das zum Lieferumfang gehört. Zum Anschluss von Kopfhörern gibt es eine 3,5- und eine 6,3-Milimeterbuchse, sodass eine problemlose Verkabelung erfolgen kann. Im Inneren des Controllers arbeitet eine 48-kHz-/24-Bit-Soundkarte mit sechs Eingängen und zwölf Ausgängen.

Controller Vorderansicht.
Auf der Vorderseite des Controllers können Kopfhörer angeschlossen werden und der Crossfader konfiguriert werden.
Controller Rückansicht.
Die Anschlüsse auf der Rückseite erlauben eine Verkabelung mit einer professionellen PA.

Serato DJ Mix

Der Mixars Primo lässt sich mit wenigen Handgriffen verkabeln, da die Anschlüsse auf der Rückseite des Geräts gut erreichbar sind. Verwendet man einen Mac, erfolgt die Kommunikation ohne zusätzliche Treiber und eine spontane Nutzung ist möglich; unter Windows funktioniert das nicht, denn hier muss ein Treiber installiert werden. Für meinen Test habe Serato DJ Pro 2.1.1 verwendet, die Kontaktaufnahme erfolgt problemlos und das Gesamtsystem ist nach wenigen Minuten "ready to mix".

Das Laden der Songs gelingt mit den Bedienelementen des Primo und das anschließende Beatmatching ist manuell oder automatisch durchführbar. Beide Varianten funktionieren treffsicher, da der Controller lange Pitchfader-Regelwege besitzt und die Jogwheels sehr feinfühlig reagieren. Das Mixen mit den Kanalfadern und dem Crossfader gelingt passgenau, wobei das Cut-Lag des Crossfaders mit circa zwei Millimetern nicht alle Anwender zufriedenstellen wird. Hier kann aber, wie eingangs erwähnt, ein alternatives Crossfader-Modell vom Anwender verbaut werden. Mit etwas handwerklichem Geschickt und der beiliegenden Anleitung, sollte das jeder bewerkstelligen können.

Während das Mixen mit zwei Decks richtig gut funktioniert, muss man bei der Nutzung von vier Softwaredecks etwas vorsichtig sein, da eine Abholfunktion für die EQs aktuell fehlt und es zu Parametersprüngen kommen kann.

Mit den Pads des Controllers lassen sich Hotcue-Punkte und Loops sowie die Slicer-Funktion und der Sampler kontrollieren. Die Pads reagieren super schnell auf Anwendereingaben und erlauben ein kreatives Austoben. Eine Anschlagsdynamik für das Auslösen der Samples gibt es leider nicht, dafür ermöglicht ein Drehregler im Mixerbereich die Steuerung der Samplerlautstärke.

Für weitere kreative Ausschmückungen bietet der Primo einen Zugriff auf die Serato DJ Effekte wie Flanger, Phaser, Delay etc. Diese können bequem mit dem Gerät selektiert und aktiviert werden. Die gut klingende Basisausstattung kann bei Bedarf kostenpflichtig erweitert werden. Alternativ oder zusätzlich kann man die vier internen Effekte Noise, Filter, Echo und Crush des Controllers nutzen, die eine ordentliche Qualität bieten und zur Modellierung von Spannungsbögen nutzbar sind. Ich finde allerdings, dass die Effekte Noise und Crush etwas unvermittelt einsetzen und schwierig zu dosieren sind.

Standalone

Die zweikanalige Mixereinheit des Primo lässt sich alternativ auch mit analogen Klangquellen kombinieren oder auch komplett ohne Computerkontakt nutzen. Im Standalone-Modus stehen die Equalizer und Effekte zur Verfügung, sodass ein vollständig autarkes Mixing möglich ist. Für ergänzende Zuspieler, die an den Line-Eingang auf der Vorderseite des Controllers angeschlossen werden, gibt es eine einfache Klangregelung und für Mikrofone bietet der Primo einen gut klingenden Echo-Effekt. Die Standalone-Funktion ist vor allem im Mobile DJ Betrieb sehr praktisch, kann aber auch bei einem Computerausfall als Backup genutzt werden.

Neben der reinen Standalone-Nutzung lässt sich natürlich auch eine Kombination aus digitalen und analogen Signalen wählen und Tracks aus der Software mit Songs von CD-Playern und Plattenspielern mixen. Das Zusammenspiel gelingt mühelos durch alleiniges Umschalten der Eingangsquellen, wodurch ein recht großer Gerätepark nutzbar und eine flexible Nutzung des Controllers möglich ist.

Der Klang der Soundkarte und der Mixereinheit ist sehr druckvoll und detailliert, allerdings lässt sich das Mastersignal etwas schwierig kontrollieren, da die Regelkurve sehr steil verläuft und das Signal bereits durch eine kleine Bewegung des Potis sehr laut ist. Ebenfalls etwas vorsichtig muss man bei der Wahl des Kopfhörerpegels sein, damit es nicht zu Übersteuerungen kommt.

Fazit

Das lange Warten auf den Mixars Primo hat sich gelohnt, denn der Controller kann als rundum gelungen bezeichnet werden. Das Gerät bietet eine solide Ausstattung, ist gut verarbeitet und lässt sich flexibel einsetzen. Ambitionierte Hobby-Anwender aber auch professionelle mobile DJs finden hier ein robustes DJ-Werkzeug vor, das in Kombination mit Serato DJ Pro zum Mixen digitaler Tracks, aber auch als Standalone-Mixer für CD-Player und andere Zuspieler nutzbar ist. Die angesprochenen kleineren Unstimmigkeiten wie die aktuell fehlende EQ-Abholfunktion im Mehrdeckbetrieb oder die Regelkurve des Masterausgangs stehen bereits auf der To-do-Liste des Herstellers und werden mit kommenden Updates aus der Welt geschaffen. Zudem war auf Nachfrage zu Erfahren, dass es Feature-Ergänzungen geben wird und beispielsweise animierte LED-Kränze hinzukommen, die Mixtricks erleichtern sollen. Mir persönlich hat das Arbeiten mit dem Primo Spaß gemacht, sodass ich dem Controller eine Empfehlung aussprechen kann.

 

Pro

Umfangreiche Kreativausstattung
Solide Hardware-Qualität
Einfach zu bedienen
Flexible Nutzung im mobilen Einsatz
Preis-Leistungs-Verhältnis stimmig

Kontra

EQ-Abholfunktion fehlt aktuell
Master-/Kopfhörerausgang schwer dosierbar

 

Preis: 499 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Mixars.

1 Kommentare zu "Test: Mixars Primo"

dBTecnologies Deutschland GmbH 24. Juni 2019 • 9:09 Uhr

Hallo, das erste Firmware Update für den Primo ist bereits erschienen. Es ergänzt die im Fazit angesprochenen LED-RinGE auf den Jogwheels, verbessert die Ansprechkurve des Masters und bietet nun 17 statt 7 Bit Pitch Fader. Weitere verbesserungen sind in Arbeit.
https://mixars.com/primo-firmware-update-1-12/

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