Test: Native Instruments Komplete 13 / Production Suite

Test: Native Instruments Komplete 13 / Production Suite

Tests 11. November 2020

Und wieder ist es soweit, Native Instruments hat das nächste Major-Update ihrer Production-Suite Komplete veröffentlicht. Inzwischen bei Version 13 angekommen, wird das Bundle immer größer und wurde auch dieses Mal wieder deutlich durch Synths, Effekte, Libraries und Expansion-Packs erweitert. Darüber freut sich jeder Producer, denn wenn es um neue Sounds und Produktions-Tools geht, ist mehr in der Regel auch wirklich mehr. Deshalb schauen wir uns die neuen Inhalte in Komplete 13 genau an, um euch die Kauf- oder Update-Entscheidung so leicht wie möglich zu machen. 

Die verschiedenen Versionen

Auch Komplete 13 gibt es wieder in vier verschiedenen Versionen: Komplete 13 Select richtet sich an Einsteiger und bietet 16 Instrumente und Effekte, fünf Sound-Expansions und über 11.000 Einzel-Sounds mit mehr als 50 GB Volumen. Bei der Basisversion Komplete 13 sind es dann schon 68 Plugins, 24 Expansions, über 36.000 Sounds und mehr als 320 GB. Noch mehr gibt es bei Komplete 13 Ultimate mit bereits 118 Instrumenten und Effekten, 39 Expansions und über 67.000 Sounds, die mehr als 840 GB Speicherplatz benötigen. Die Krönung ist dann Komplete 13 Ultimate Collector's Edition: 122 Plugins, 73 Expansions, über 115.000 Sounds die mehr als 1,1 TB ausmachen.

Allgemeines

Die Installation über Native Access ist heute leider immer noch nicht ganz so komfortabel, wie man sich das wünschen würde. Der Download dauert recht lange oder funktioniert erst gar nicht und teilweise müssen erst bestimmte Ordner in Windows gelöscht werden, bevor Plugins korrekt erkannt werden. Das ist nicht so schön, besonders wenn man noch 1 TB an Daten installieren muss. Nach einiger Zeit sind dann aber die wichtigsten Inhalte korrekt installiert. In diesem Test beschäftigen wir uns mit der Version Komplete 13.

Super 8

Gleich am Anfang schauen wir uns eines der Highlights unter den neuen Inhalten bei Komplete 13 an, nämlich den Synthesizer Super 8. Früher nur über Reaktor oder Komplete Kontrol nutzbar, gibt es ihn nun auch als VST3-Plugin. Native Instruments hat sich also mal wieder an einem Polysynth versucht, das erste Mal seit dem Pro 53.

Das GUI von Super 8 wurde im Sinne der Ein-Fenster-Philosophie gestaltet, alle Controls sind also jederzeit sichtbar, auf weitere Menüs und versteckte Funktionen wurde verzichtet. Das garantiert Übersicht und einen runden Workflow, so sind schnelle Entscheidungen bei der Kreation von Sounds möglich. Zwei Oszillatoren mit jeweils vier unabhängigen Wellenformen sorgen beim bis zu achtstimmigen Synthesizer für die analoge Basis der Sounds, eine Sine-, Sawtooth- und Square-Wellenform sowie ein Sub-Bass-/White-Noise-Oszillator können stufenlos über die Schieberegler gemixt werden. Die Mix-Funktion zwischen den beiden Oszillatoren wiederum ermöglicht die Mischung der beiden Klangerzeuger, über die Frequency-Modulation kontrolliert der eine den anderen. Dazu kommt ein Filter (LP, BP, HP) plus Amp mit korrespondierenden Envelopes, zwei LFOs, eine spezielle Pitch-Modulation, eine Modulations-Matrix sowie die Effekt-Sektion mit zwei Effekten: beim ersten muss man sich zwischen Chorus, Flanger oder Delay entscheiden, der zweite ist ein Reverb. Klein aber fein, der Super 8, trotzdem sind alle wichtigen Parameter vorhanden.

Die fast 600 mitgelieferten Presets aus den verschiedensten Kategorien geben einen super Überblick über die klanglichen Möglichkeiten von Super 8. Pulsierende Arp-Sounds, knarzende Leads, tiefe Bässe, ein paar verrückte Klänge und viele klassische Polysynth-Sounds, die wirklich warm, weich und analog klingen - Super 8 inspiriert sofort, macht Spaß und klingt einfach top.

Guitar Rig 6 Pro

Das Multi-Effekt-Rack Guitar Rig gibt es jetzt in der komplett neu gestalteten Version 6. Die Auswahl an Amps und Effekten wurde weiter vergrößert, an Amp-Simulationen hinzugekommen sind:

  • Fire Breather, ein amerikanischer Boutique- und High-Gain-Amp
  • Chicago, ein klassischer 50er Jahre Combo-Verstärker mit nur zwei Controls
  • Bass Invader, ein Vintage-Bass-Amp mit 4-Band-EQ und Voicing-Filter
  • Matched Cabinet Pro mit neuen Impulse-Responses

In Version 6 kommt auch die neue Circuit-Modelling-Technologie zum Einsatz, die einen noch realistischeren Sound verspricht. Außerdem lassen sich die Effekt-Plugins wie zum Beispiel Drive, die Solid-Mix-Series, die Vintage-Kompressoren, Transient Master und das Crush- und Mod-Pack nun auch direkt in Guitar Rig nutzen und einsetzen, damit ist Guitar Rig 6 noch wesentlich flexibler geworden als die Vorgängerversion.

Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, Presets nun ein Color-Coding verpassen zu können und sie so in verschiedene Gruppen einzuteilen. Damit man sie später leichter wiederfindet, können die Presets nach den verwendeten Farben gefiltert werden, das kann durchaus viel Zeit sparen. Das GUI wurde zudem optisch völlig neu gestaltet und ist nicht nur übersichtlicher geworden, sondern sieht auch richtig gut aus und ist nun sogar skalierbar. Dieses Update von Guitar Rig ist auf jeden Fall ein Volltreffer. Gut gemacht, Native Instruments!

Crush-Pack und Raum

Ebenfalls neu in Komplete 13 enthalten ist das Effekt-Bundle Crush, das in Version 12 noch den Ultimate-Usern vorbehalten blieb. Dirt ist eine Distortion-Stompbox, Bite ein Bit-Crusher und Freak nennt sich selbst Sonic Mutator und kombiniert Frequency-Shifting mit Ring-Modulation.

Ebenfalls neu in Komplete 13 ist das Hall-Plugin Raum, das für eine kurze Zeit sogar schon mal als Freeware zu bekommen war. Die drei Modi Grounded, Airy und Cosmic bieten unterschiedlichste Hall-Ansätze, vom einfachen Raum bis hin zu komplexen Resonanzen, granularen Texturen und metallischen Sounds. Durch die Freeze-Funktion wird Raum zusätzlich zum Sounddesign-Tool.

Kontakt-Libraries

Noire ist eine besondere Piano-Library, die zusammen mit Nils Frahm entstand und im bekannten Saal 3 des Funkhauses Berlin auf dessen Flügel aufgenommen wurde. Neben dem aufwendig gesampelten Instrument, den vielen Sounds und Soundbänken und den vielen Bearbeitungsmöglichkeiten, die die Library bietet, ist vor allem die Particles-Engine nennenswert. Damit werden, à la Olafur Arnalds, auf Basis der gespielten Töne weitere Klänge generiert und diese können dann durch die Verwendung vieler Parameter unterschiedlich in eine Komposition hinein gemischt werden. Bei Noire spielt der Zufall sozusagen mit. Dadurch entstehen nicht nur einzigartige Klänge, es ist auch ein Schritt in die Zukunft der Komposition und Audio-Produktion.

Die Gitarren-Library Session Guitarist Electric Sunburst Deluxe stellt eine Erweiterung der bisherigen Library dar und geht auf zahlreiche Wünsche aus der Community zurück. Es kamen neue Instrumente, neue Spiel-Patterns und sogar neue Effektpedal-Emulationen hinzu. Wem das immer noch nicht reicht, kann die Sounds von Electric Sunburst Deluxe anschließend natürlich noch durch Guitar Rig 6 jagen.

Und noch eine weitere Kontakt-Library ist in Komplete 13 nun freigeschaltet. Cuba bietet lateinamerikanische Rhythmen und afrokubanischen Sound mit traditionellen Instrumenten und perkussiven und melodischen Ensembles und Patterns, mit denen die Erstellung eines Hintergrund-Instrumental-Tracks leicht von der Hand geht. Die Instrumente wurden auch hier detailreich gesampelt und klingen deshalb ziemlich realistisch.

Erweiterungen der Play Series 

Vier neue Libraries erweitern zusätzlich die Play Series. Butch Vig Drums besteht aus 21 Drum-Kits und jedes Kit wiederum aus 16 Sounds und 16 kompletten Grooves. Ab C1 der Keyboard-Tastatur stehen einem die einzelnen Drum-Sounds eines Kits zur Verfügung und ab C3 findet man dann die eingespielten Grooves. Hinzu kommt eine ausgeklügelte Effekt-Sektion mit Insert-, Send- und Global-FX. Alle Kits wurden damit auch ziemlich stark bearbeitet, deshalb klingen sie schon sehr gut, ein weiterer Einsatz von Effekten dürfte dann nicht unbedingt nötig sein.

Cloud Supply beinhaltet 150 Keys-, Lead,- Mallet- oder Pad-Presets, die im wahrsten Sinne des Wortes abgespacet klingen. Jedes Preset besteht zudem aus bis zu zwei Sounds, die nach eigenem Wunsch gelayert werden können. Zwei LFOs pro Sound, eine umfangreiche Effekt-Sektion und ein Arpeggiator mit 16-Steps machen Cloud Supply zum vollständigen Space-Synth. Außerdem gibt es eine Randomize-Funktion, die sich selbstständig ganze Presets einfallen lässt.

Lo-Fi Glow ist nach dem gleichen Prinzip aufgebaut - zwei Sounds ergeben ein Preset, Effekte en masse, ein Sequenzer und Zufallsgenerator. Hier dreht sich alles um Lo-Fi-Sounds, inklusive Bit-Raten-Reduktion und Plattenknistern. Die Sounds wirken auf Anhieb inspirierend, da bekommt man direkt Lust, einen Beat zu bauen.

Und auch Modular Icons funktioniert grundlegend genau wie die beiden Vorgänger-Libraries, liefert aber natürlich Sounds analoger Modular-Synths. Da ist alles dabei - von spooky Synth-Hits über Emulationen klassischer Synth-Sounds à la Stranger Things bis hin zu zerrenden Lead-Sounds. Alles wurde offensichtlich aufwendig produziert, denn auch bei Modular Icons überzeugt die Qualität der Sounds absolut.

 

Expansion-Packs

Natürlich sind auch bei Komplete 13 wieder einige neue Expansion Packs dabei. Fünf weitere Erweiterungen für Maschine wurden freigeschaltet, die nicht nur Drum-Kits, Samples und Loops, sondern natürlich auch wieder jede Menge Presets für Synths und Effekte enthalten:

  • Decoded Forms
  • Indigo Dust
  • Lilac Glare
  • Rising Crescent
  • Solar Breeze

Es gibt aber auch reine Synth-Preset-Packs für Massive ...

  • Nocturnal State
  • Spectrum Quake
  • Stadium Flex

... sowie für Massive X

  • Drive
  • Mechanix
  • Moebius
  • Pulse
  • Rush
  • Scene

Fazit

Komplete 13 von Native Instruments wartet durchaus mit ein paar interessanten Tools auf. Die einzige Neuentwicklung ist zwar Guitar Rig 6, das komplett zu überzeugen weiß, aber als User freut man sich natürlich auch über Tools, die es schon vor Version 13 gab. Der Polysynth Super 8 klingt wirklich super und liefert direkt Inspiration, und auch das Crush-Pack macht immer noch Sinn, denn Verzerrung kann man schließlich nie genug haben. Noire ist ein weiteres Highlight und auch die Erweiterungen der Play Series sind gut gelungen und überzeugen mit tollen Sounds und Atmosphären. Die omnipräsente Frage, ob sich das Update oder die komplette Suite lohnt, kann natürlich nur jeder für sich selbst beantworten. Wer sich nur für einige wenige Inhalte in Komplete 13 interessiert, sollte vorsichtshalber die Einzelpreise checken. Wer aber sowieso schon immer auf die neueste Version upgegradet hat und die Inhalte regelmäßig nutzt, bekommt auf jeden Fall genug bang for the buck.

Pro

Guitar Rig 6
Super 8
Noire
Unendlich viele (neue) Sounds und Presets

Kontra

Download über Native Access bleibt umständlich

Preis:

185,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Native Instruments.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit Guitar Rig 6 Pro , Komplete 13 , kontakt , Native Instruments , Super 8 , Test

Geschrieben von:
Tobias Homburger

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