Test: Pioneer DJ DDJ-SB3

Test: Pioneer DJ DDJ-SB3

Tests 30. Juli 2018

Geräte für Einsteiger oder semiprofessionelle Anwender sind oft wenig attraktiv, da sie meist nur einen reduzierten Funktionsumfang bieten oder die Qualität der Hardware nicht überzeugt. Mit dem DDJ-SB3 möchte Pioneer DJ zeigen, dass es auch anders geht und schickt bereits die dritte Auflage des zweikanaligen Serato-Controllers ins Rennen. Im nachfolgenden Praxischeck überprüfen wir, was das Gerät zu bieten hat und für wen es geeignet ist.

DJ-Controller

Pioneer DJ bietet Controller für die hauseigene Software Rekordbox DJ und Serato DJ an. Der DDJ-SB3 ist zur Kombination mit Serato DJ gedacht, wird aber, da es sich um ein Einsteigergerät handelt, mit der kleineren Version Serato DJ Lite ausgeliefert. Das Gerät geht inklusive der Software für günstige 259 Euro über den Ladentisch. Der Controller ist ordentlich verarbeitet und hat ein Gehäuse aus Kunststoff, das 482 x 58 x 272 Millimeter misst. Transportfreundliche 2,1 Kilogramm erlauben einen einfachen mobilen Einsatz, ein spezielles Transportcase benötigt man nicht unbedingt. Es genügt ein größerer Rucksack mit Polsterungen, damit die Knöpfe nicht abbrechen.

Front des Controllers
Der Pioneer DJ-SB3 bietet zahlreiche Detailüberarbeitungen in den Decks und im Mixerbereich.

Deck Features

Der DDJ-SB 3 verfügt über zwei Decks. Pioneer DJ hat der Neuauflage des Controllers ein überarbeitetes Design und neue Bedienelemente spendiert. Insgesamt wirken die Decks jetzt aufgeräumter und schlüssiger ausgestattet. Der Controller bietet jetzt gleich ausgerichtete Decks anstatt gespiegelter Bedienelemente, sodass man sich schnell mit den Funktionsbelegungen vertraut machen kann. Separat angeordnete Transporttaster erlauben ein einfaches Starten und Stoppen der Tracks und Pitchfader mit einem Regelweg von 4,5 Zentimetern manuelle Tempomodifikationen. Bei der neu gestalteten Loop-Steuerung hat sich der Hersteller an seinen Profimodellen orientiert. Das Aktivieren und Bearbeiten gelingt dadurch einfacher und bequemer als vorher. Drucksensitive und sehr direkt reagierende Jog-Wheels mit einem Durchmesser von circa 13 Zentimetern dienen zur Manipulation der Songs. Acht gummierte Performance Pads mit einem definierten Druckpunkt übernehmen die Kontrolle kreativer Funktionen, auf die wir im Praxisteil näher eingehen. Die Steuerung der Effekte in Serato DJ Lite erfolgt, wie es oft bei Einsteiger-Controllern üblichen ist, mit drei Tastern und einem Drehregler.

Mixer Features

Die zweikanalige Mixersektion befindet sich zwischen den beiden Decks und auch in diesem Bereich hat Pioneer DJ im Vergleich zum Vorgängermodell etwas aufgeräumt. Die beiden Kanalzüge verfügen über griffige Trim- und EQ-Potis sowie Drehregler, die Dualmodefilter steuern. Zum Mixen stehen Kanalfader mit einem kurzen Regelweg von vier Zentimetern und ein Crossfader parat, dessen Regelungskurve im Utilities-Modus angepasst werden kann. Fünfteilige LED-Ketten zeigen die Kanalpegel an und erlauben eine einfache optische Kontrolle. Das Routing der Cue-Signale erfolgt beim DDJ-SB3 für die Decks und das Mastersignal per Taster. Den zuvor verbauten Headphone-Mixregler gibt es leider nicht mehr. Möchte man aber trotzdem das Einblenden im Kopfhörer simulieren, kann man sich mit einem Trick behelfen: Man aktiviert die Cue-Taster für das Kanal- und Master-Signal und nutzt den Trim-Poti des Kanals zum Einblenden. Zur Navigation in der Songsammlung gibt es einen Drehregler und Tracks lassen sich durch Tastendruck in die Decks laden, dieses erspart eine umständliche Mausbedienung.

Draufsicht auf den Controller
Die aufgeräumte Bedienoberfläche des Controllers erlaubt einen einfachen Einstieg.

Anschlüsse

Pioneer DJ hat die Anschlüsse des DDJ-SB3 auf der Vorder- und Rückseite positioniert und somit auch hier begrüßenswerte Veränderungen vorgenommen, denn beim DDJ-SB2 waren die Kopfhöreranschlüsse und der Mikrofoneingang seitlich ausgeführt. Statt zwei Kopfhöreranschlüssen gibt jetzt zwar nur noch einen mit einer 3,5 Millimeter Miniklinkenbuchse, da aber die meisten DJ-Headphones mit einem Adapter ausgestattet sind, sollte ein Anschluss in der Regel problemlos möglich sein. Auf der Rückseite des Geräts befinden sich unsymmetrische Cinch-Buchsen, die das Mastersignal ausgeben. Auf einen zweiten Ausgang oder einen Boothausgang wurde verzichtet, wodurch eine Verkabelung mit einer professionellen Beschallungsanlage nicht oder nur mit zusätzlichem Equipment erfolgen kann.

Ein Kensington Lock lässt sich an der Rückseite ebenfalls befestigen, damit der Controller nicht ungewollt den Besitzer wechselt. Den Datenaustausch mit einem Computer und die Stromversorgung übernimmt die obligatorische USB-Schnittstelle. Auf diese Weise kann auf ein Netzteil verzichtet werden und ein einfacher mobiler Betrieb ist möglich. Prima: Zur Erweiterung des Setups lässt sich ein Mikrofon per 6,3-Millimeter-Stecker an den Controller anschließen, die Lautstärkesteuerung auf der Rückseite ist allerdings etwas fummelig. Unter der Haube des DDJ-SB3 arbeitet eine 24-Bit-/44,1-Kilohertz-Soundkarte mit vier Ausgängen, die ein druckvolles Klangbild liefert.

Anschlüsse des Controllers.
Auf der Rückseite befinden sich der Masterausgang und die Anschlussoption für ein Mikrofon.

Auflegen mit Serato DJ Lite

Die Neuseeländische Softwareschmiede Serato hat erst kürzlich seine Produktpalette überarbeitet und neben einer neuen Namensgebung auch zahlreiche neue Funktionen kostenlos ergänzt. Aus dem Einsteigerprodukt Serato DJ Intro wurde Serato DJ Lite. Die Software bietet eine neue, gefälligere Optik und endlich auch einen "Practice Mode", der die Vorbereitung von DJ-Sets ohne angeschlossenen Controller erlaubt - ein echtes Novum in der Geschichte des Herstellers. Nicht geändert hat sich hingegen, dass die Inbetriebnahme des Controllers sehr unaufgeregt gelingt, denn die Konfiguration erfolgt bereits ab Werk. Praktisch ist zudem, dass der DDJ-SB3 Class Complient ist und weder unter macOS noch unter Windows spezielle Treiber benötigt. Diese Tatsache begünstigt einen alternativen Einsatz als Backup-Gerät, das per Plug&Play mit einem beliebigen Computer kombinierbar ist - super!

Mit den im Mixerbereich untergebrachen Bedienelementen lassen sich Songs bequem laden. Im Anschluss daran ermittelt die Software das Songtempo, verzichtet aber auf die sonst übliche Darstellung eines Beatgrids. Die Songanalyse erfolgt sehr treffsicher, ganz gleich ob einfache 4/4 Tracks oder komplexe Beats gemixt werden sollen. Durch das Drücken der Sync-Taste werden die Taktschläge nicht übereinandergelegt, sondern lediglich die Geschwindigkeit angeglichen. Sollte das Einstarten des zu mixenden Songs nicht passgenau erfolgen, müssen manuelle Korrekturen mit dem Jogwheel vorgenommen werden. Dieser Vorgang gelingt mit den Aluwheels außerordentlich gut, da diese extrem feinfühlig reagieren und die Software zudem optische Hilfen anbietet. Ein passgenaues Mixen mit zwei Decks ist somit auch für Einsteiger problemlos durchführbar.

Etwas schwieriger, aber auch nicht unmöglich, sind Mixe mit vier Decks. Per Tastendruck lassen sich die Decksteuerungen umschalten, allerdings erfolgt das gleiche in der Software, sodass man nicht Deck 1 und 3 oder 2 und 4 parallel im Blick hat. Gut gelöst: Eine Abholfunktion für die Parameter des Mixerbereiches sorgt dafür, dass keine Pegelsprünge auftreten, wenn die Fader und Potis genutzt werden. Zusätzliche optische Hinweise für abweichende Parameterstellungen gibt es nicht.

Kreatives Auflegen

Serato DJ Lite bietet zur Klangbearbeitung eine kleine, aber feine Auswahl an ordentlich klingenden Effekten die sich aus Filtern, Flanger, Echo, Reverb und Phaser zusammensetzt. Der Controller erlaubt die Aktivierung von bis zu drei Effekten und eine gemeinsame Regelung. Besonders luxuriös ist das nicht, da man so eigentlich nur einen Effekt gezielt steuern kann, aber gängige Praxis bei Einsteigergeräten. Mit den Performance-Pads lassen sich in Kombination mit Serato DJ Lite fünf Funktionen steuern. Hotcue-Punkte können passgenau gesetzt und schnell getriggert und Samples abgefeuert werden. Die Funktion "Trans" erlaubt das kunstvolle Zerhacken von Songs und das neu hinzugekommene Feature "FX Fade" veredelt Tracks zum Mixen mit interessanten Filter- und Backspin-Effekten und blendet diese aus.

Für echte Highlights in einem DJ-Set lässt sich die Funktion "Pad Scratch" nutzen. Diese wurde in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Scratch-Legende DJ Jazzy Jeff entwickelt und generiert Scratch-Routinen in Echtzeit! Es werden also keine fertigen Scratch-Samples genutzt, sondern handwerklich saubere Songmanipulationen vorgenommen - klasse! Wer lieber selbst scratchen möchte, kann dies mit den Jogwheels tun. Diese arbeiten sehr direkt und da sich auch das Cut-Lag des Crossfaders auf einen sehr guten Wert von unter einem Millimeter einstellen lässt, funktioniert diese fortgeschrittene Mixtechnik sehr ordentlich mit dem Controller.

Upgrade

Wer zusätzliche kreative Funktionen nutzen oder Mixe direkt in der Software mitschneiden möchte, kann kostenpflichtig auf Serato DJ Pro upgraden. Der Controller wird von der Vollversion ebenfalls direkt unterstützt und ist mit den entsprechenden Beschriftungen versehen, sodass sich die zusätzlichen Funktionssteuerungen einfach identifizieren lassen. Nach der Installation von Serato DJ Pro können acht statt vier Hotcue-Punkte gesetzt und acht Samples parallel kontrolliert werden. Es stehen zahleiche, sehr gut klingende Effekte wie Combo Filter, Distortion und Version Echo zusätzlich zur Verfügung, die sich durch Zukäufe noch erweitern lassen. Die Pads erlauben das Ausführen gezielter Sprünge (Beatjumps) oder das passgenaue Durcheinanderwürfeln von Tracks per Roll- und Slicer-Funktion. Zudem analysiert Serato DJ Pro die Tonart der Tracks und blendet bis zu vier Decks parallel ein. Empfehlenswert ist das Upgrade aber erst, wenn man sich als Einsteiger mit den Grundzügen des Mixens vertraut gemacht hat und hinsichtlich der kreativen Möglichkeiten an Grenzen stößt.

Fazit

Pioneer DJ zeigt mit dem DDJ-SB3, dass Controller für Einsteiger eine Menge Spaß machen können. Das Gesamtpaket aus Hard- und Software ist schlüssig und funktioniert out-of-the-box. Neben der unkomplizierten Inbetriebnahme gelingt der Start in die Mixpraxis dank der durchdachten Anordnung der Bedienelemente im Handumdrehen. Die Jogwheels arbeiten außerordentlich gut, sodass auch fortgeschrittene Nutzer auf ihre Kosten kommen. Klar darf man hinsichtlich der Haptik keine High-End-Maßstäbe ansetzen, aber das sollte hinsichtlich des recht niedrigen Preises auch nicht weiter verwunderlich sein. Wer als Einsteiger ein Rundum-sorglos-Paket oder als Tour-DJ einen praktischen Backup-Controller sucht, macht hier nichts verkehrt.

 

Pro

Sehr gut reagierende Jogwheels
Crossfader Cut-Lag unter einem Millimeter
Gute Performance-Pads
Einfache Installation, da keine Treiber benötigt werden
Top Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Kontra

Software blendet nur zwei Decks ein

 

Preis: 259 Euro
Weitere Informationen auf der Website von Pioneer DJ.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit controller , Pioneer DJ

Geschrieben von:
Boris Alexander

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