Der Pioneer DJ DDJ-XP1 ist ein Zusatz-Controller für Timecode-gesteuerte Rekordbox-DJ-Systeme. Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Kontrolle der kreativen Funktionen, die sich außerhalb des Zugriffs der Timecode-Medien befinden. Pioneer DJ sagt: "Rekordbox ganz in deinen Händen" und verspricht einen komfortablen Zugriff auf Funktionen, die alternativ mit der Computermaus oder Tastatur bedient werden müssten. Im Lieferumfang des Geräts befinden sich Lizenzen für Rekordbox DJ und der DVS-Erweiterung, die zusammen so viel kosten, wie dieses Gesamtpaket - den Controller bekommt man quasi kostenlos dazu! Im nachfolgenden Test schauen wir uns an, was der Controller zu bieten hat und ob die Umsetzung praxisgerecht erfolgt ist.

Überblick

Der Pioneer DJ DDJ-XP1 ist 333 x 44 x 237 Millimeter groß und lässt sich mit einem optionalen Ständer (z.B. Pioneer DJ DJC-STS1) hinter/über einem Mischpult platzieren . Das Gerät ist aufgrund seiner Größe und seines moderaten Gewichts leicht zu transportieren und mit beleuchten Tastern, einem Poti, zwei Touchslidern und 32 gummierten Pads ausgestattet. Als einziger Anschluss befindet sich eine USB-Buchse auf der Controller-Rückseite, welche die Spannungsversorgung und Kommunikation mit einem Computer übernimmt.

Einsatzszenarien

Der DDJ-XP1 lässt sich in verschiedenen Szenarien als Unterstützer nutzen und beispielsweise mit einem klassischen Vinyl-Setup aus zwei Plattenspielern und einem Pioneer DJ Interface 2 oder DJM-S9 Mixer kombinieren. Alternativ gelingt dieses auch mit einem Gerätepark aus CDJ-2000NXS-Playern und einem DJM-900NXS2 Mischpult. Da der DDJ-XP1 mit den eingangs erwähnten Softwarelizenzen ausgeliefert wird kann auch ein günstiger Einsteiger-Controller wie der Pioneer DJ DDJ-RR um eine Timecode-Steuerung ergänzt werden.

Deckfunktionen

Im oberen Bereich des DDJ-XP1 befinden sich die Bedienelemente zur Kontrolle der Funktionen von bis zu vier Decks. Mit dem zentral platzierten Poti kann in der Songsammlung navigiert werden und die Songs lassen sich mit Tastern in die Decks laden. Hierdurch erspart man sich das unschöne Klicken und Scrollen mit der Maus. Der Controller erlaubt zusätzlich das Aktivieren und Modifizieren von Loops, das Einschalten der Quantisierungsfunktion, um die Nutzung kreativer Funktionen zu erleichtern und die Reverse-Wiedergabe. Des Weiteren lassen sich die Synchronisation und die Tonartkorrektur bequem steuern sowie die neue Funktion Silent Cue. Letztere schaltet einen Song stumm und ermöglicht dessen Vorbereitung per Timecode-Kontrolle.

Slide FX

Pioneer DJ hat den DDJ-XP1 mit einer besonderen Effektsteuerung ausgestattet. An Stelle der üblichen Drehregler- und Tasterkombination im oberen Bereich der Decks, gibt es an den beiden Seitenrändern je drei Effekt-Selektionstaster sowie einen Touchslider und eine Hold-Taste. Die mit den drei Tastern aktivierbaren Effekte können selbst zusammengestellt werden, wobei aus elf Beat- und sechs Release-Effekten ausgewählt werden kann. Die Effektkontrolle mit den Touchslidern funktioniert sehr gut und erlaubt eine dynamische Parameteränderung. Etwas schade ist, dass sich immer nur ein Slide-Effekt aktivieren lässt.

Performance Pads

Die 32 gummierten und mehrfarbig beleuchteten Performance Pads lassen sich für zahlreiche kreative Funktionen nutzen. Zur Aktivierung der verschiedenen Modi gibt es eine beschriftete Tastenreihe oberhalb der Pads. Die Pads reagieren sehr direkt und erlauben das Speichern und schnelle Triggern von Hotcue-Punkten und somit die Ausführung von Mixtricks. Direkt verlinkt mit den Hotcue-Punkten, ist die Funktion "Keyboard", mit der sich die gespeicherten Songstellen transponieren lassen. Mit dieser Funktion können Melodien live gespielt und DJ-Sets durch besondere Inhalte aufgewertet werten. Die Performance Pads sind im Keyboardmodus mit unterschiedlichen Farben versehen, was eine treffsichere Bedienung erleichtert.

Die Funktion "Key Shift" erlaubt das tempounabhängige Transponieren von Songs und damit eine Anpassung der Tonart zum harmonischen Mixen. Zum Überspringen von Songteilen während der Wiedergabe lässt sich die Funktion Beat Jump mit den Pads kontrollieren. Hierzu empfiehlt sich die Aktivierung der Quantisierungsfunktion, damit die Sprünge passgenau ausgeführt werden.

Eine weitere große Spielwiese ist der Sampler in Rekordbox DJ. Die Software bietet 16 Speicherplätze pro Bank und insgesamt vier Bänke, die vom Controller aus erreichbar sind. Für die Samples sind verschiedene Wiedergabe- und Sync-Optionen verfügbar, sodass diese als Einwürfe oder wiederholte Elemente genutzt werden können. Leider sind die Pads des DDJ-XP1 nicht anschlagsdynamisch, so dass sich beispielsweise Drumsamples nicht in unterschiedlichen Lautstärken spielen lassen. Mit dieser Einschränkung ist der Pioneer-DJ-Controller allerdings nicht alleine und zudem müsste auch eine entsprechende Funktion in Rekordbox DJ erst noch implementiert werden.

Zur Darbietung kreativer DJ-Sets lassen sich die Pad FX nutzen. Diese stehen in zweifacher Form mit jeweils 16 Effekten für jedes Deck zur Verfügung. Im Auslieferungszustand sind die Pads bereits mit unterschiedlichen Effekten bestückt. Eine Anpassung ist bei Bedarf möglich. Die Auswahl kann dabei aus 18 Beat-Effekten, neun Sound-Color-Effekten und drei Release-Effekten getroffen werden. Effekte wie Slip Loop, Filter LFO, Delay, Reverb lassen sich selektieren und mit Parametern ausstatten, die durch das Drücken der Pads aktiviert werden.

Rekordbox DJ 5 blendet zur optischen Kontrolle für alle Performance-Pad-Funktionen acht Pads pro Deck auf dem Computerbildschirm ein. Per Umschalter in der Software gelangt man zur Darstellung der zweiten acht Pads. Leider ist diese Einblendung vom Controller aus nicht umschaltbar bzw. es findet auch keine automatische Umschaltung der Darstellung durch das Betätigen der Pads statt. An dieser Stelle würden wir uns eine Nachbesserung in der Software wünschen oder auch die Option, alle 16 Pads einblenden zu können.

Wer mit der ab Werk getroffenen Funktionsbelegung für den Controller nichts anfangen kann oder eine spezielle Konfiguration der Performance Pads für seinen DJ-Sets benötig, kann mit dem Pad Editor Anpassungen vornehmen. Dieser erscheint in Rekordbox DJ aktuell nur in Verbindung mit dem DDJ-XP1 und erlaubt die Auswahl ganzer Funktionsgruppen (Hotcue, Pad FX etc.) oder die individuelle Belegung jedes einzelnen Pads.

Alternativer Einsatz

Alternativ zu Steuerung von Rekordbox DJ, lässt sich der DDJ-XP1 auch als MIDI-Controller mit anderen Programmen kombinieren. Alle Taster, der Poti und auch die Touchstrips senden gewöhnliche MIDI-Befehle aus, so dass eine umfassende Kontrolle möglich ist. Programme wie Traktor Pro, Cross DJ, Virtual DJ oder Ableton Live sind steuerbar, die entsprechenden Befehlsprogrammierungen muss der Anwender allerdings selbst vornehmen.

Fazit

Der Pioneer DJ DDJ-XP1 ist eine gut gelungene Ergänzung für ein Timecode-gesteuertes Rekordbox-DJ-System. Der Controller bietet dank seiner 32 Performance Pads einen direkten Zugriff auf die kreativen Funktionen und übernimmt zudem auch Standardfunktionen wie das Laden von Songs oder deren Synchronisation. Dank der Abstimmung ab Werk, gelingt sein Einsatz ohne aufwändige Konfigurationsschritte. Gut gefällt, dass er auch mit anderen Programmen kombinierbar ist, etwas schade ist nur, dass der Hersteller auf eine Anschlagsdynamik für die Pads verzichtet hat. Preislich gibt es, wie eingangs erwähnt nichts zu meckern, da der Controller richtig gut verarbeitet ist und Software-Lizenzen für Rekordbox DJ und DVS enthalten sind. Kreative arbeitenden DJs, finden mit dem DDJ-XP1 einen soliden Begleiter.

 

Pro

Einfach einzurichten
Gut verarbeitet
Direkt reagierende Performance-Pads
Rekordbox DJ und DVS-Erweiterung enthalten
Super Preis/Leistungsverhältnis
Mit anderen MIDI-steuerbaren Programmen kombinierbar

Kontra

Performance-Pads nicht anschlagsdynamisch
Software blendet nur acht Pads ein (Hotcue-Punkte, Pad FX etc.)

Preis: 239 EUR
Mehr Informationen auf der Pioneer-Website.

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