Test: Reloop Buddy / DJ-Controller

Test: Reloop Buddy / DJ-Controller

Tests 22. Mai 2021

Reloops DJ-Controller Buddy besticht durch seine Portabilität, moderne Funktionalität und einen geringen Preis. Besonderes Schmankerl ist die erstmals via Hardware steuerbare Neural Engine, welche die Drum, Vocal und Music Layers eines Tracks auseinanderrechnet und per Poti mixen lässt. Wie bereits beim Beatpad haben Reloop auch den Buddy auf Algoriddims DJAY-Software geeicht und erneut mit der Münchener Firma zusammengearbeitet. Weil die Neural Engine derzeit nur mit Apple Devices funktioniert, konzentriert sich dieser Test auf diesen Anwendungsbereich.

Verarbeitung, Haptik und technische Daten

Der Reloop Buddy ist gerade mal 325 x 48 x 220 mm klein und wiegt knapp 1 kg. Die Ausmaße entsprechen ungefähr denen eines 13" Notebooks und sprechen eine deutliche Sprache: Der Reloop Buddy ist ein Freund für unterwegs. Das zeigt sich auch an der Kerbe am oberen Rand des Controllers, die als Halterung für Smartphones und Tablets dient, die für die Ausführung der DJAY Software notwendig sind. Notebooks und Desktop-Computer funktionieren zwar auch, schmälern jedoch die Portability des Setups. Der Nachteil des kompakten Designs ist, dass zwischen den Bedienelementen wenig Platz für die Finger bleibt.

Gerade bei den EQ-Potis hat man schnell versehentlich den Touchscreen des verbundenen Gadgets berührt.. Die Verarbeitung des Kunststoffgehäuses ist für den Preis in Ordnung, die Potis und Encoder fühlen sich allerdings wackelig an und sehen billig aus. Jogwheels, Fader und die restlichen Bedienelemente machen abgesehen von ihrer ebenfalls geringeren Größe jedoch in puncto Build Quality einen guten Eindruck.

Das verbaute Interface arbeitet mit 24 Bit/48 kHz, die zugehörigen Anschlüsse befinden sich seltsamerweise an der Seite des Reloop Buddy. Audioausgänge im Cinch-Format sowie eine 3,5mm-Kopfhörerbuchse zieren die rechte Flanke des Gehäuses, direkt daneben befinden sich Lautstärkeregler für Kopfhörersignal, Master und Cue Mix. Abgesehen von gewöhnungsbedürftigen Kabelwegen arbeitet die I/O Sektion völlig ausreichend, ohne hörbare Färbung des Sounds. Auf der linken Seite befinden sich ein USB-B-Stecker für Strom bzw. den Anschluss eines PC, die Verbindung zu iOs geschieht via separater USB-A-Buchse.

Rückseite des Reloop Buddy. Vorderseite des Reloop Buddy.

Apropos separat: Ob ein Windows/Android oder Apple Device verbunden ist, muss zusätzlich mittels Kippschalter bestätigt werden. Algoriddims DJAY 2 Software kann kostenlos heruntergeladen werden, die App greift dann auf die eigene Musikbibliothek oder verfügbare Abos von Soundcloud, Beatport und Co. zu. Im Lieferumfang sind zusätzlich ein stereo Cinch-Kabel sowie ein USB-Kabel mit Typ-A- und Typ-B-Stecker und ein Quickstart Guide enthalten.

Performance und Workflow: Mixing Sektion

Wie immer koppelt das Apple-Gerät super schnell und unkompliziert, sodass es nach kurzer Registrierung der verwendeten Produkte direkt losgehen kann. Mittels Navigations-Encoder und dedizierter Load Buttons für beide Decks kann man bereits direkt am Controller browsen. Bis auf das eingangs erwähnte Platzproblem auf der Bedienoberfläche klappt das auch sehr gut, besonders auf größeren Displays oder Tablets macht der erstklassige Überblick die Platzprobleme sogar fast wieder wett.


Schwerer zu verkraften ist da das fehlende EQ-Poti für die mittleren Frequenzen. Um noch mehr Salz in die Wunde zu streuen, sei außerdem darauf hingewiesen, dass die beiden vorhandenen EQs auf Nullstellung sogar einen hörbaren Rest in der Mitte lassen und erst der korrespondierende Parameter in DJAY pro runtergeregelt werden muss.

Das zusammen mit dem äußerst geringen Platz zwischen High-EQ-Regler und Gadget Screen würden für reichlich Punktabzug in der Kategorie Mixer-Sektion sorgen, wären da nicht noch die Multifilter und Deck FX sowie das Neural Mixing Feature. Letzteres funktioniert wirklich gut und lädt zu kreativen Mashups ein. Abgesehen von sidechain-artigen Artefakten im Musical Layer bei fehlenden Drums gibt es hier nichts zu meckern.

Die Effektsektion ist an sich überschaubar gehalten, so kommt die Hardware beispielsweise nur mit einem Wet/Dry-Regler aus, der Clou steckt jedoch in den sogenannten Effect Paddles. Diese relativ großen Kippschalter können den ausgewählten Effekt ein- und ausflitschen oder auf hold schalten.

Performance und Workflow: Deck Sektion

Die Jogwheels sind zwar - wie der Rest des Reloop Buddy - recht klein, arbeiten aber mit Capacitive Touch und erkennen über ihre Ränder zusätzlichen Input. Auch der Transportbereich und die 2x8 RGB Perfomance-Pads fallen klein aus und überzeugen eher mit ihrer Funktionalität: Hot Cues, Loops, Touch-FX, oder das Zuspielen von Samples sind die üblichen Verdächtigen, aber auch die Neural Engine kann mittels der Pads gesteuert werden. Dabei teilen sich immer zwei Pads eine Funktion, wobei die obere Reihe den Effekt toggelt und die untere momentary funktioniert.

Die ersten drei Paare schalten die einzelnen Elemente Drums, Vocals und Music auf Solo, die letzten beiden Pads ersetzen die Drums durch die Schlagzeugspur des Nebendecks. Spannend sind außerdem die Loop-Regler neben den Jogwheels. Als Alternative zu den RGB-Pads können hier die Looplängen per Potistellung justiert werden.

Noch keinerlei Erwähnung fanden bisher die Fader. Der Crossfader ist leichtgängig genug zum Scratchen und die Volume Fader haben ausreichend Widerstand um ihre Einstellung zu halten. Nur die Tempofader wirken etwas kurz, überzeugen am Ende aber doch durch gutes Handling präzise Einstellungsmöglichkeiten.

Fazit

Der Reloop Buddy eignet sich vor allem für den Einstieg ins Djing oder als Controller für unterwegs. Eigentlich hat er alles, was auch die Großen haben: Jogwheels, Mixersektion, EQs und Kanalfilter sowie 2×8 RGB Perfomance-Pads. Allerdings leidet die Bedienbarkeit unter dem kompakten Format, gerade die EQs sind einfach zu nah am Display – vorausgesetzt es wird wie vorgesehen die Kerbe im Gehäuse als Gadget-Halterung verwendet. Die Verarbeitung ist insgesamt zwar okay, doch das ganze Plastik lässt den Buddy ein wenig wie ein Spielzeug wirken. Bis auf die leicht wackeligen Potis funktioniert aber alles, wie es soll, und stabil genug scheint der Buddy ebenfalls. Das ist auch gut so, weil der Reloop Buddy einfach ideal zum Mitnehmen ist. Zusammen mit Smartphone oder Tablet und Algoriddims djay-Software entsteht dank des integrierten Audiointerfaces ein leistungsstarkes, ortsunabhängiges Mini-Setup und die Welt wird zum Dancefloor. Dazu die absolut packende Neural Engine und der Reloop Buddy inspiriert nicht nur Anfänger*innen, sondern kann auch betagtere Musikmachende zu frischem Wind verhelfen, denn mit etwas Einarbeitungszeit ist auch die Enge im Bedienfeld in den Griff zu kriegen. Was dann noch bleibt, ist ein portabler, erschwinglicher 2-Kanal-Controller mit allen gängigen Funktionen und dem ein oder anderen spannenden Extra.

Pro

Viele Features für wenig Geld
Integriertes Audiointerface
Neural Engine

Kontra

Platz zwischen den Bedienelementen grenzwertig gering
Nur zwei EQ-Bänder
Neural Engine nur für Apple

Preis:

219 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Reloop.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit algoriddim , Audiointerface , Buddy , DJ-Controller , djay pro ai , Neural Mixing , reloop

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

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