Test: Roland SH-01A
Quelle: Roland

Test: Roland SH-01A

Tests 20. April 2018

Wir der Produktname schon vermuten lässt, basiert die SH-01A der Roland Boutique-Serie auf der legendären Roland SH-101. Das monophone Vorbild ist von Anfang bis Mitte der Achtziger gebaut worden und war vor allem zu Beginn der 90er Jahre ein prägendes Stilmittel der Techno-Bewegung. Die Reproduktion ist wie die gesamte Boutique-Serie optisch stark an sein Vorbild angelehnt, wurde aber erfreulicherweise um ein paar nützliche Zusatzfunktionen wie beispielsweise Polyphonie ergänzt. Klanglich folgt auch die neue Roland SH-01A dem Konzept der ACB-Technologie, hierbei sollen die alten analogen Schaltkreise des Kultgerätes authentisch nachempfunden werden.

Erster Eindruck

Mit Abmessungen von 300 x 128 x 46 mm und einem Gewicht von rund einem Kilogramm präsentiert sich auch die SH-01A im gewohnt kompakten und einheitlichen Format der Serie. Das Layout und die Bedienelemente wurden weitestgehend übernommen, was vor allem vertrauten Usern der SH-101 erfreuen wird. Da das Instrument jedoch sehr simpel aufgebaut ist, werden sich auch ungeübte Nutzer und Einsteiger schnell zurechtfinden. Wer sich für das Gerät interessiert, sollte übrigens wissen, dass auch die Neuauflage in den drei ursprünglichen Farbausführungen Grau, Rot und Blau erhältlich ist. Farben des Roland SH-01A.

Oszillator und Mixer

Die SH-01A ist wie ihr Vorbild ein Synthesizer mit einem Oszillator, der eine Rechteck- und Sägezahn-Wellenform beinhaltet, die sich über den Mixer stufenlos miteinander mischen lassen. Die Rechteckwelle verfügt über eine Pulsbreitenmodulation, welche manuell oder mithilfe des LFOs und der ADSR-Hüllkurve moduliert werden kann. Des Weiteren verfügt das Instrument über einen Sub-Oszillator basierend auf einer Rechteckwelle, der sich in zwei Oktavlagen und in einer zusätzlichen Pulsbreite verändern lässt.

Wie beim Original gibt es auch bei der SH-01A die Möglichkeit, einen Noise-Generator zu integrieren, der sich klanglich am Original anlehnt. Damit lassen sich beispielsweise Sounds auch dreckiger färben oder Drum- und Effekt-Sounds gestalten. Kommen wir aber in diesem Zusammenhang zur ersten kleinen Besonderheit, die bei der SH-101 nämlich nicht zur Verfügung stand. Über das Menü des Synthesizers kann ein alternativer Noise-Modus ausgewählt werden, der in seiner Klangfarbe eher an ein weißes Rauschen erinnert und modern klingt.

Mit dem Range-Regler lässt sich der Klangerzeuger über insgesamt sechs Oktaven erstrecken, das sind zwei Oktaven mehr als beim Kultgerät. Außerdem lässt sich der Pitch mit dem LFO modulieren. Etwas abseits dieser Sektion, nämlich am rechten unteren Rand, verfügt das Gerät noch über einen Tune-Regler, mit dem sich das Instrument in 24 Halbtonschritten stufenlos stimmen lässt.Oberfläche des Roland SH-01A.

Filter

Aus der SH-101 übernommen wurde auch das typische resonanzfähige Low-Pass-Filter mit 24 dB Flankensteilheit. Als Add-on hätte ich mir aber gewünscht, dass man die Filtersektion um ein Band- und High-Pass-Filter erweitert, damit eine weitere Facette bei der Klanggestaltung zu ermöglichen ist. Im weiteren kann das Filter mit der ADSR-Hüllkurve und dem LFO moduliert werden. Außerdem verfügt die Filtereinheit über eine Keytracking-Funktion. Je nach Lage der Note wird so die Filterfrequenz beeinflusst. Je tiefer die gespielte Note, umso stärker wird die Filter-Frequenz nach unten geregelt. Das Filter bzw. die Resonanz des Filters kann im weiteren dazu genutzt werden um eine Selbstoszillation auszulösen. Der dabei entstehende Sinuston kann mithilfe der Keytracking-Funktion sogar tonal gespielt werden.

LFO und Modulationssektion

Der LFO der SH-01A verfügt über sechs Hüllkurven. Sägezahn, Dreieck, Random und Noise kennt man bereits aus dem Original, neu hinzugekommen sind ein invertierter Sägezahn und eine Rechteck-Wellenform. Neu ist hingegen auch, dass man die Modulationsgeschwindigkeit des LFOs alternativ in den Audiobereich einstellen kann, mit dem sich hervorragend klingende FM-artige und metallisch anmutende Sounds formen lassen. Dazu kann im Menü wahlweise zwischen dem erweiterten und natürlich auch herkömmlichen Modus gewählt werden. Leider lässt sich der LFO nicht zu fest eingestellten Zählzeiten oder MIDI-Daten synchronisieren. Wünschenswert ist wenn Roland diese wichtige Funktion in einem Update nachliefert.

Unterhalb des VCOs lassen sich noch die beiden berührungsempfindlichen Ribbon-Controller auf der linken Seite des Geräts feinjustieren, die ein klassisches Modulations- und Pitchwheel ersetzen. Außerdem kann auf der direkten Oberfläche Portamento hinzu aktiviert werden.

Sequenzer und Arpeggio

Kommen wir nun zu einer der spannendsten Sektionen, die besonders zur Spielfreunde einlädt. Die SH-01A verfügt nämlich über einem Arpeggio, der mit drei Spiel-Modi (Down, Up & Down, Up) und Hold-Funktion ausgestattet ist. Darüber hinaus verfügt das Instrument über einen sehr intuitiven Sequenzen, der durch seine leichte Bedienbarkeit schon unter anderem für die Erfolgsgeschichte der SH-101 verantwortlich war. Allerdings verwertet der Sequenzer der SH-01A dank der neu gewonnen Polyphonie nun bis zu vier Stimmen pro Step. Insgesamt können wie beim Original sagenhafte 100 Steps einprogrammiert werden. Dabei reagiert der Sequenzer, sowie auch das Arpeggio erfreulicherweise auch auf Velocity. Mit der gehaltenen Key-Transpose-Taste lässt sich sogar eine Sequenz entsprechend der gespielten Taste transponieren. Das Arpeggio und der Sequenzer lassen sich darüber hinaus in Viertel, Achtel, Sechzehntel, Zweiunddreißigstel, Viertel-Triplet, Achtel-Triplet und Sechzehntel-Triplet skalieren. 

Ein leichter Zugang, praktische Gestaltungsmöglichkeiten sowie die Verwertung von Polyphonie machen diese Sektion zu einer wirklichen Instanz, die viele Konkurrenten in dieser Preisklasse in den Schatten stellt.

Menü und Polyphonie

Das Menü der SH-01A verfügt über 64 Speicherplätze in denen sich beliebige Sequenzen abspeichern lassen. Erfreulicherweise stehen zum Speichern von Sounds weiter 64 Slots bereit. Über das Menü lässt sich aber auch die monophone und polyphone Klangerzeugung des Synthesizers regeln. Im Poly-Modus ist das Instrument in der Lage bis zu vier Stimmen wiederzugeben. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Chord-Memory-Funktion. Mit diesem praktischen Feature lässt sich ein Akkord mit nur einer Keyboard-Taste wiedergeben. Des Weiteren verfügt das Instrument über einen Unison-Modus, mit dem sich durch die vier überlagerten und leicht verstimmten Voices ein sehr kräftiges und breites Klangbild erzielen lässt. Die neu gewonnene Polyphonie bietet insbesondere durch die geschilderten Zusatzfeatures eine enorme Klangvielfalt, die bis dato nicht mal die hauseigene Plug-in-Emulation gewährt. Für mich ist daher eines der Top-Features des Instruments.

Workflow

Durch eine sehr eng aneinander liegende Anordnung der unterschiedlichen Fader passiert es mir daher leider immer wieder, dass ich unabsichtlich andere Parameter verstelle. Außerdem ist der Weg der Fader zwar länger als bei anderen Vertretern der Boutique-Serie, jedoch empfinde ich Auflösung als sehr direkt. Kleinste Manipulationen wirken sich stark auf den Klang aus. Dennoch ist ein gewisser Spaß beim Spielen mit diesem Instrument nicht von der Hand zu weißen. Die SH-01A lässt sich intuitiv bedienen, auch die Menüführung und die Programmierung des Sequenzers sind leicht erlernt.

Anschlüsse

Heute ist MIDI Standard und eigentlich kein besonders hervorzuhebendes Feature mehr. Da das Original aber kein MIDI aufweist, kann man es schon mal in diesem speziellen Fall erwähnen und die Ergänzung der Schnittstelle als klaren Vorteil gegenüber der Ikone sehen. Über MIDI-CC ist das Gerät darüber hinaus in der Lage MIDI-Daten zu senden und zu empfangen.

Anschlussseitig gibt es außerdem die Möglichkeit auf das interne Audio-Interface zurückzugreifen, um auch ohne externe Soundkarte das Gerät in die DAW mit einer Sampling-Rate von 44.1 und 96 kHz zu integrieren. Über den CV/Gate-Out lassen sich andere Synthesizer mit dem Sequenzer und Arpeggio steuern. Des Weiteren verfügt das Instrument über einen Clock-Eingang, um sich mit anderen Hardware synchronisieren zu können.

Die Möglichkeit des Batteriebetriebs und der interne und nicht sonderlich gut klingende Lautsprecher sind für mich ein nettes Add-on um das Gerät auch mal abseits gewöhnlicher Orte zu betreiben. Anschlüsse des Roland SH-01A.

Verarbeitung & Erweiterung

Die Verarbeitung erscheint für ein Gerät in dieser Preisklasse wirklich gelungen. Die Fader sind griffig und sitzen wir auch die Potis stabil an ihrem Platz. Wie bei den anderen Protagonisten der Boutique-Serie ist auch hier das Frontpanel aus Leichtmetall und die Unterseite aus Kunststoff hergestellt. Die Audiobuchsen auf der Rückseite des Gerätes sind als 3,5-mm-Stereo-Miniklinke ausgeführt und machen trotz der geringen Größe einen soliden Eindruck. Mithilfe der Roland K-25M lässt sich die SH01A übrigens um eine Klaviatur erweitern. Darüber hinaus kann man das Gerät in zwei Stufen anwinkeln.

K25M Klaviatur des Roland SH-01A.

Sound

Die SH-01A steht wie das Kultgerät für kraftvolle Bässe und schneidende Lead Sounds, sowie rhythmische Sequenzen und Arps. Der Nachfolger ist mit dem charismatischen Filter der Legende ausgestattet welches bei Verwendung ordentlich zupackt. So sind auch die typischen schmatzigen, zwitschernden und selbstoszillierenden Sounds, für die SH-101 berühmt und berüchtigt ist, ermöglicht. Die SH-01A bewegt sich klanglich sehr nah an der Ikone. Durch die neu gewonnene Polyphonie wird die Roland SH-01A jedoch auch zum Allrounder und es sind perkussive Chords und mehrstimmige flächenartige Pad Sounds bis hin zu polyphonen Sequenzen möglich. Leider sind Efekte wie Hall und Reverb nicht mit an Bord.

Fazit

Mich persönlich überzeugt die Roland SH-01. Klammern wir einmal die geringe der Boutique-Serie und die damit verbundenen Kompromissen aus, dann bleibt nicht viel Kritik. Ein sehr leichter Zugang, ein sagenhafter Grundsound und eine gute Verarbeitung des Instruments sprechen für sich. Die neu implementierte Polyphonie ermöglicht im Kontext des typischen SH-101 Sounds völlig neue Klangmöglichkeiten. Insbesondere die Chord-Funktion und auch der leicht zugängliche Sequenzer, der auch bis zu vier Stimmen pro Step verarbeitet kann, sorgen für einen großen Spielspass. Mehr für diese Preisklasse geht eigentlich nicht. Wünschenswert wäre sicherlich in einem Update den fehlenden LFO-Sync zu fixen, der allerdings dank eines erweiterten Modus schon jetzt in Lage ist, Audiogeschwindigkeit zu erreichen.

 

Pro

Klang
Sequenzer
Arpeggio
4-fach Polyphon
Chord- und Unisono-Funktion
LFO mit einem Frequenzumfang bis in den Audiobereich
Internes Audio-Interface

Contra

Eng beieinander liegende Regler
LFO Sync
Keine Effekte

Preis: 334,00 EURO (Stand: Juli 2018)
Weitere Informationen auf der Roland-Website.

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