YOUTUBEDISCO & TURNTUBELIST

YOUTUBEDISCO & TURNTUBELIST

Archiv 19. Februar 2011

Was wäre die DJ-Welt ohne Grabenkämpfe? Analog vs Digital, DVS vs Controller, Traktor vs Serato … auch an zukünftigen Frontlinien mangelt es nicht. Youtube, Streaming, Clouds … Eine Betrachtung.
Ich bin ganz schön alt. So in Jahresringen. Aber das merkt man nicht. Ich merks nicht, normalerweise. Wenn sich aber eine Afterhour zur Afterhour Sonntag vormittag in meine Butze verlagert und nicht mein wohlsortiertes Plattenregal, sondern Youtubecontent für musikalische Unterhaltung sorgt, dann denk ich kurz an 1986. Schuldisko. Ich mit zwei Freunden und der Zweitanlage meines Vaters, drei Kasettendecks. Eins zum vorspulen, zwei zum abspielen. Batteriebetriebener Mixer ohne Crossfader und Kopfhörer wie die Russenfunker im zweiten Weltkrieg. Schön wars.

Schön ist es auch an diesem Sonntag, denn ich höre Musik die ich nicht kenne. Nach zehn Stunden DJ Action erbaut mich das Sinnliche. Musik die zur Stimmung passt, Musik die nicht in meinem Plattenregal steht. Noch nicht … den drei Tage später kaufe ich eine  „God Help The Girl“ CD bei Amazon. Angefixt dank Youtube.

Also ein Hoch auf Youtube. Ein Hoch auf die Entwicklung. Positiv denken, Potential sehen. Vor zehn Jahren war ein Rechner in der DJ-Booth sehr selten. Heute fehlt meist der Platz alle Rechner dort unterzubringen. Nach DVS kamen Controller. Anfangs belächelt, mittlerweile weitgehend akzeptiert. Skeptische Blicke wandelten sich in funkelnde Augen. Noch steckt der Ansatz zwei Youtubevideos zu mixen, wie ihn YOUTUBEDISCO, TURNTUBELIST oder YOUTUBE DJ, bieten, in den Kinderschuhen. Im Handling aber einfacher als mein DJ-Setup von 1986 und vor allem mit unbegrenzter Musikauswahl. Wem das nicht reicht, der wird seine speziellen Sachen in irgendeine Wolke schieben. Und damit von überall Zugriff haben. So er will, nur er. Klar muss sich in technischen Sachen wie Geschwindigkeit oder Soundqualität noch einiges tun. Wird es auch. Wenn es dann einmal soweit ist, kann der DJ gleich übers Netz kommen. Erste Versuche gibt es schon. Konzertübertragungen in Kinos auch. Während ich mir die Sache mit dem „online mixen“ noch vorstellen kann, hab ich beim virtuellen DJ kein Bild. Zumindest keins in 3D. Und wenn es Hollogramme gäbe, würde mir Fleisch und Blut fehlen.

Allerdings war ja nicht Youtube daran schuld, dass ich mit neuer Musik angefixt wurde, sondern die Person, die die Musik auswählte. Es gab also einen Maschinebediener. Der DJ auf der Leinwand ist zwar nicht im Raum, aber auch er bedient die Maschine. Aber wie reagiert man auf Stimmung in einem Raum, in dem man nicht ist? In Dubai gibt es wohl Diskos für Frauen, bei denen der männliche DJ separat auflegt und das Geschehen über Monitor verfolgt. Das ist schon seltsam. Könnte aber in etwa so laufen. Schwer vorstellbar, aber die Konditionierung ist schleichend.  In Dubai wundert sich bestimmt niemand, warum kein DJ im Raum ist. Kennen die nicht anders. So wie Kiddies staunen, wenn man fragt, ob sie Musik nur über plärrende, bassfreie Handyspeaker hören. Aber das ist ne andere Geschichte.

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