Test: Akai MPX16

Test: Akai MPX16

Tests 13. März 2015

Vor einigen Monaten kam mir der MPX8 von Akai unter. Ein Sample Player, dessen Ansatz ich ausbaufähig fand. Nun liegt der MPX16 vor mir und es stellt sich die Frage, ob der Ausbau gelungen ist. Ein Review.

Details

Äußerlich sieht der Akai MPX16 um einiges technischer aus, als sein kleiner Kollege. Auf etwas mehr Fläche sind einige Encoder und vor allem mehr Pads hinzugekommen. Die Bezeichung verrät es, der MPX hat in diesem Fall sechszehn Pads. Neben dem Display sind diverse Parameterbezeichnungen auf die Gehäuseoberfläche aufgedruckt, was an die Skala bei einem alten Röhrenradio erinnert. In Kombination mit vier darunter befindlichen Encodern ergibt das ein Bedienkonzept. Neu ist auch ein integriertes Mikrofon zur Aufzeichnung von Audiosignalen. Im Gegensatz zum MPX8 bringt das größere Gerät Eingänge, 5-Pol MIDI sowie eine optionale Spannungsversorgung über ein Netzteil mit. Die Speicherung und der Austausch von Daten erfolgt wie gehabt, auf Basis einer SD/SDHC-Card. Diese wird nicht mitgeliefert.

Mit seinen Maßen von 30x15x3cm ist der AKAI MPX16 ein kompakter Sample Recorder und Player mit MIDI-Zusatzfunktion. Die sechszehn anschlagdynamischen Pads im MPC-Stil verweisen auf Potential bei der Performance, genau das, was DJs mitunter suchen, um Samples einzustreuen. Der MPX16 kann aber weit mehr. Die Pads messen etwas unter 3x3cm, genug Trefferfläche für die Finger.  Eine dreifarbige Hintergrundbeleuchtung vermeldet den Status eines Pads. Gelb = Sample ist dem Pad zugeordnet, Grün = Sample spielt, Rot = Pad wird bearbeitet. Genau genommen lassen sich nicht die Pads, sondern deren Parameter umfangreichen Einstellungen unterziehen. Das stabil wirkende Gehäuse aus Kunststoff verfügt rückseitig über Anschlüsse für Kopfhörer (6,3mm Klinke), Main Out sowie Record In (jeweils 2 x 6,3mm Klinke symmetrisch), ein MIDI-Paar (I/O), einen USB-Anschluss und den für das mitgelieferte Netzteil.

MPX16

MPX16 als Sample-Player

Ab Werk gibt Akai dem MPX16 eine kleine Sample-Bibliothek mit. Diese beinhaltet zehn interne Kits mit Drum- und Percussionsounds sowie einigen Synth-Klängen. Natürlich lassen sich auch eigene Sounds nutzen. Dabei ist einiges zu beachten. Zuerstmal: Das Material wird nicht direkt von der Karte gespielt, sondern in den internen Speicher geladen. Das benötigt etliche Sekunden Zeit und bringt Restriktionen mit sich. Als Format sind 16bit WAV-Files in Stereo oder Mono zwingend, die Abtastrate darf bis zu 48kHz betragen. Alle Samples (konkret bis zu maximal 512 Dateien) müssen im Hauptverzeichnis der Karte liegen, also keine Unterordner. Die SD-Card darf bis 32GB Speicherplatz besitzen und sie muss mit FAT32 formatiert werden.

Weitere Einschränkungen: Dateinamen sollten möglichst nur acht Zeichen haben und gleichzeitig dürfen auf allen Pads nur Samples mit zusammen 30 MB liegen. In den FAQs ist von 60MB die Rede, im Manual von 30MB. Die scheinen auch zu stimmen, denn versucht man sich an größeren Files, straft einen das Display mit einem "too large". Leider wird dazu noch aufgerundet. Lädt man zum Beispiel ein File von 2,1 MB, wird dies als 3MB behandelt. Alles andere als zeitgemäß, auch wenn weit teuere Geräte ähnliche Beschränkungen haben. Die sportliche Aufgabe besteht folglich darin, Samples möglichst optimal vorzubereiten.

Wieviel ist das nun in Zeit? Bei der beworbenen"CD-Qualität" von 16Bit 44,1kHz, Stereo sind 30 MB etwa 180 Sekunden. Bei der Belegung von 16 Pads stehen also rechnerisch 11,25 Sekunden zur Verfügung. Bei acht Pads 22,5 Sekunden und so weiter. Der Akai MPX16 wird am Rechner als Laufwerk angezeigt. Akai bietet zudem einen minimalistischen Sample Converter an. Per Drag & Drop werden in diesen gezogene Dateien ausschließlich in 16bit/44,1kHz WAV gewandelt und der Dateiname wird eingekürzt. Dadurch wächst ein File unter Umständen, in meinem Test von 1,1MB (MP3) auf 12,3MB (WAV).

Pads

Die Pads fühlen sich gut an und spielen sich tadellos. Von Akai, Hersteller der MPC, erwartet man nichts anderes. Die Velocity kann nur on und off geschalten werden, dafür gibt es für das erwähnte Finetuning der Pads bzw. die Verwaltung und Bearbeitung des damit angetriggerten Inhalts zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Es lassen sich Start- und Endpunkte bzw. Ein- und Ausblendungen festlegen, ein aufgenommenes File kann normalisiert und mit einem Reverb oder Low-Pass Filtereffekt beschickt werden. Dazu kommt noch einiges mehr - bis zu einer Reverse-Funktion. "Gesteuert" werden die Bearbeitungsprozesse mit wenigen Tasten und Encodern. Trotz des kleinen Displays ist das alles andere als luxuriös, aber es geht.

Jedem Pad kann einer von drei wählbaren Arbeismodi zugewiesen werden: One Shot (Pad triggern - File wird wiedergegeben), Loop (File läuft nach antriggern im Loop, bis das Pad erneut gedrückt wird), Hold (File läuft solange im Loop, wie man das Pad hält). Etwas ungewöhnlicher als die Trigger-Modi, sind die Features "Choke Gruppe" und "Mono/Poly". Erstes bedeutet: Ein Pad der Gruppe getriggert, stoppt die laufenden. Zweites meint: Im polyphonen Mode wird eine neue Instanz deselben Samples ausgelöst. Das Bestücken eines Pads mit einem Sample von Karte funktioniert recht einfach.

Sample-Recorder & MIDI-Controller

Samples lassen sich über die Inputs und über das integrierte Mikrofon aufnehmen. Gespeichert wird auf der SD-Card, als 16bit/44,1kHz WAV. Der Recordingvorgang wird durch das Display begleitet. Hier steht eine "symbolische" Levelanzeige, eine Option für einen Schwellenwert, ab dem eine Aufnahme beginnen soll und die Wahl der Aufnahmequelle zur Verfügung. Anfänglich verwirrend ist, dass das Mikrofon nicht als Samplequelle angeboten wird, sondern nur "Mono L", "Mono R" und "Stereo". Letztlich klärt sich das dadurch, dass der MPX, ohne belegte Input-Buchsen, unter "Stereo" das Mikrofon verbucht.

Durch seine beiden, klassischen 5-Pol MIDI-Buchsen und mit USB-MIDI ist der MPX auch als MIDI-Controller oder als anzusteuerende Soundquelle denkbar. Mein Schnellversuch als Controller für Clips in Ableton Live verlief genau so: Schnell und ohne Probleme. Folgt man einigen Diskussionsforen, stellt sich das für manchen anders dar. Der Grund liegt darin, dass das MPX auf allen MIDI-Kanälen Daten "Omni Only" empfängt, aber nur auf Kanal 10 sendet.

Fazit

Um ein DJ-Set mit gelegentlichen Samples zu bereichern, genügt der Akai MPX16 locker. Für präzise Arbeit im Studio oder den superfetten Knallersound auf der Bühne, sollte man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Warum gibt Akai dem Gerät einerseits viel mit (Editierfunktionen, Effekte) und verbockt anderseits (Speicherplatz, MIDI)? Wer editiert 2015 Samples über ein Zeilendisplay? Das Konzept eines solchen Tools ist "Pre-Computer", Vintage, Retro. Aktuell lebt diese Zeit zwar wieder auf, aber warum nicht mit zeitgemäßen Eckdaten?

Das Gerät kostet 189,00,- EUR, mit etwas Preisaufschlag bietet ein iPad Mini eine vielfältig nutzbare Alternative. Trotzdem sehe ich noch immer eine Zielgruppe für einen Standalone-Sampler. Ich sehe aber auch einen MPX32, mit internem Speicher, ohne Limitierungen. Mehr Pads, mehr Ausgänge, intuitive Bedienung - dafür von mir aus weniger Funktionen zur direkten Bearbeitung. Weniger Drumrum, wie Filter oder Delay. Anstelle dessen ein umfangreicher Editor. Vielleicht auch ein kleiner Step Sequenzer.

Preis: 189,00,- EUR
Mehr Informationen auf der Akai-Website.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit Akai , MPX16

Geschrieben von:
Olaf Hornuf

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