Are we ready for THE ONE?

Are we ready for THE ONE?

Archiv 17. Oktober 2012

The One. „Die Eine!“ Der Name klingt auf jeden Fall irgendwie majestätisch. Doch sind wir wirklich schon bereit for THE ONE and only?Gestern hat DJWorx ( hier geht’s zum kompletten Artikel) ein neues Video zum aktuellen Entwicklungsfortschritt veröffentlicht, das sie auf der BPM-Show aufgenommen haben. Seit der Musikmesse war es um The One ja relativ ruhig geworden, und auch die Website zeigt noch immer nicht mehr als das Anmeldeformular für einen irgendwann vielleicht mal startenden Beta-Test.

Beim Betrachten des Videos und anschließendem Nachdenken über die Infos, die mir von The One bisher zugetragen wurden, sowie Reflektion auf Erfahrungen mit einigen wirklich innovativen Produkten in junger bis jüngster Vergangenheit kam mir relativ schnell folgende Frage: sind wir tatsächlich schon oder überhaupt bereit dafür? Mit „wir“ ist die Masse an DJ-Software Usern gemeint, die eher den Status „Normal-User“ bis „leicht experimentierfreudig“ innehaben. Die Geeks & Freaks seien da mal außen vor gelassen, da diese einen wesentlich geringeren Prozentsatz ausmachen und in der Statistik kaum auffallen. Und die Antwort, also meine ganz persönliche, lautet: NEIN!

The One bietet viele, VIEL zu viele Möglichkeiten. Hier ist jeder Normal-User sehr schnell hoffnungslos überfordert und verliert sich im Wirrwarr der Optionen. Eben, weil es zu viele gibt. Gut, nun könnte man durchaus auf Presets zurückgreifen und die individuellen Settings eher unberücksichtigt lassen. Aaaber: wo bleibt da der Unterschied zu anderen Tools, die es bereits schon gibt? Man könnte sich sicherlich auch langsam an die Sache rantasten, also erstmal mit Preset arbeiten und dann nach & nach ein wenig individuelles Tuning vornehmen. Aber auch dies bleibt aller Vermutung nach einer doch recht kleinen Gruppe der großen Masse vorbehalten.
Wie man im Video erkennen kann, lassen sich nicht nur die Tracks zerlegen und neu zusammensetzen sowie die Oberfläche komplett frei gestalten, sondern auch jegliches Audio-Routing von Grund auf ganz frei einstellen. Schon alleine das Selbsterstellen der GUI wird für viele zur Herausforderung. Nicht, weil „sie“ es nicht könnten, sondern weil das Gros der User es schlichtweg nicht gewohnt ist, frei handeln zu können und sich nicht an Bestehendes anpassen zu müssen. Und die Anforderungen werden beim Zusammensetzen einer Audio-Kette incl. diverser FX-Schleifen sicherlich nicht geringer sein als bei der Oberflächengestaltung. Und schon sind wir wieder relativ schnell da, wo man auch mit quasi jeder anderen Software hinkommt, nämlich beim gewohnten und bekannten Standard. Und der wird ja schon ganz gut abgedeckt.
Bitte nicht falsch verstehen! Ich möchte mit dieser Kritik, sofern man sie überhaupt als solche bezeichnen kann, in keinster Weise The One die Existenzberechtigung absprechen. Der Artikel soll nur das aufzeigen, was mir die Erfahrungen mit z.B. TWITCH oder auch NI’s Remix-Decks gezeigt haben: zuerst will es jeder haben und der Erste sein, und wenn es dann tatsächlich da ist, stellt sich doch relativ schnell eine erste Ernüchterung ein, da die eigene Verwendung doch ein klein wenig umfangreicher und aufwändiger ist als man es den tollen Videos und Präsentationen im Vorfeld hätte entnehmen können. Ui! Hier ist dann plötzlich neben einer gehörigen Portion Kreativität auch noch eine ordentliche Prise technisches Geschick und ne dicke Scheibe Grund-Skills auf dem entsprechenden Metier gefragt. Alles Sachen, die man sich im Grunde genommen ohne besondere Schwierigkeit beibringen oder an ihnen arbeiten kann. Aber es erfordert eben Zeit, weil der Controller, die Software (respektive der ganze Laptop) und auch die Tracks bzw. die verwendeten „Töne“ als solche mehr und mehr zu einem eigenständigen Instrument werden, das es zu beherrschen gilt. Niemand stellt sich erstmalig an eine Harfe und entlockt den Saiten dabei die schönsten Engelstöne. Und so verhält es sich dann auch mit diesen neuartigen Tools, egal ob es sich dabei um Software oder Hardware handelt.
Mir scheint, dass diese Erkenntnis darüber noch sehr im Verborgenen schlummert und auch von sich selbst behauptende „fortgeschrittene“ Digital-DJs sich dieser Sache noch mehr bewusst werden müssen bzw. sollten. Jedenfalls dann, wenn sie sich als potentielle Zielgruppe solcher Produkte sehen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass ich mich durchaus auf THE ONE freue und es mit Sicherheit auch selbst antesten werde. Ebenso freue ich mich auf & für jeden, der in der Software DAS neue Werkzeug findet und damit die Hütte rockt, wie er sie mit nix anderem rocken könnte. Weiterhin wird es sicherlich auch bei anderen Herstellern für Motivation dienen, ihre eigenen Produkte weiter zu entwickeln und voran zu treiben, schließlich belebt Konkurrenz bekanntlich das Geschäft. Mit meiner Ausführung will ich eigentlich auch nur ein klein wenig wach rütteln oder euch dazu bringen, ab und zu mal ein wenig differenzierter an solch neue Sachen heran zu gehen. Eben so, wie oben beschrieben: nicht gleich bedingungslos von den Promovideos blenden lassen und nach Erstkontakt feststellen, dass man so eine Performance zuerst einstudieren muss, sondern eben schon vorher sich darüber im Klaren sein, dass man mit solch Dingen eine Säge in die Hand bekommt, und kein fertig zurechtgeschnittenes Brett.

Anmerkung: der Artikel basiert auf meiner (Flori) ganz persönlichen Meinung zum Thema und spiegelt nicht zwingend die Meinung der anderen Salectionäre wider!

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