Das Wort zum Freitag – Moshpits bei EDM

Das Wort zum Freitag – Moshpits bei EDM

Archiv 21. November 2014

„Moshpits bei EDM – darf man das?“. Eine tatsächlich gestellte Frage, die meine Gedanken kreisen läßt.

 

Auf der wunderbaren Dresdner Community Seite banq.de gibt es die Rubrik „Woran merkst Du, dass Du alt wirst„. Bisher habe ich mich da noch nie verlautbart. Nun lese ich im Deejayform einen Umfrageaufruf: MOSHPITS BEI EDM – Darf man das?! Teufel, jetzt hat es mich: Das Alter.

moshpits
In meiner Jugend war ich mal Bassist in einer Hardcoreband. Das war zu Zeiten, als in ganz Deutschland nur ein paar solcher Bands die AJZs heimsuchten. Es gab Fanzinekultur und vegane Suppe aus Zwiebeln und Äpfeln, weil wir eh kein Geld für andere Zutaten hatten. Es gab hart aufspielende Amibands, deren Mitglieder die nettesten Dudes waren und es gab auch wirklich toughe Jungs. Mädchen kaum. Vor der Bühne stand man mit verschränkten Armen oder … man ging im Moshpit um. Irgendwann wurde aus „Hard“ „Hate“ und bei manchem ging Straight Edge unmittelbar ins Völkische über. Zuviel negative Energie für einen zarten Boy wie mich. Zumal mein Herz nebenbei für Funk, Soul und Reggae schlug. Zeit meinen Bass zu verkaufen und in Plattenspieler und Mixer zu investieren.

Über die Jahre verschlug es mich auf diverse Hardcore- oder auch Metalkonzerte. Es gibt ein schönes Bild, wo ich lachend die Monitore bei einem SIX FEET UNDER Konzert beaufsichtige, während mir Chris Barnes Dreadlockzotteln im Gesicht hängen. Und von vorn die  Fans an der Box schieben. Viel Energie: positiv. Überhaupt die Metalbarden … die haben oft SOUL, leider nicht musikalisch. Zu derbe, zu schnell, zu technisch … für mich. Und Moshpit oder Wall Of Death? Ein Circle aus dem ich lange raus bin.

[soundcloud]http://soundcloud.com/barriokatz/pepe-le-moko-bass-punch[/soundcloud]

Seit über zwanzig Jahren fröhne ich meiner DJ-Sache. Nix großes, aber man kommt rum. Örtlich und musikalisch. Beeinflusst von den unterschiedlichsten Strömungen hat sich eine ganz eigene Melange herausgebildet. So wie es idealerweise auch sein sollte. Beispielhaft zu hören in obigem Mix. Und was soll ich sagen: meine musikalische Mischung wird derber. Muss wohl daran liegen, dass ich immer eine Auge auf aktuelle Trends halte.  Der von mir geschätzte Ghetto Funk kippt in Glitch und Moombahsoul hat als Gegenpart Moombahcore. Manches an Trap gefällt mit und Kuduro auch. Nur exemplarisch. In meiner SERATO Library gibt es Ordner wie „Gerader Beat derbe“ oder „Swing Wobble Fett“. Warum auch nicht. Solange die Damen dazu das Tanzbein schwingen. Denn das ist mein erster Merkspruch: „Wo Mädchen tanzen, ist die Party„.  Nun schwingen aber in letzter Zeit auch die Jungs das Tanzbein. Und das anders als bisher.

Anfänglich als testosteronüberschießender Studentenpogo abgetan, wenn ZEDS DEAD bei „Unda Yu Skirt“ den Bass entließ, hielt ich mich selbst für schuld. Was spiel ich auch so derbe Tunes, die ganz nebenbei auch zur Diskussion über Texte einladen. Warum? Weil es groovt. Weil es Energie hat. Weil es von mir als ein ins Gesamte passender Puzzlestein erachtet wird.  Zum Ausgleich schließe ich ja auch Lovers Rock an. Das holt die wilden Tänzer zurück in die Arme ihrer Herzdamen. Merke! Wo die Mädchen sind … und so weiter.

Nun also die Frage mit dem Moshpit und zwei Impulse. Erstmal: DAMALS hätten wir nicht gefragt. Sowas schon gar nicht. Wir hätten einfach gemacht. Oder auch nicht. Wer aber so denkt, der ist nicht weit weg von „Früher war alles besser / anders“ und somit schlicht alt. Was nix negatives sein muss. Das Alter als solches. Der sich festsetzende Denkrost ist schon nachteilig.

Zum anderen: MOSHPIT? Auf ner Party? Ist das gut? Ist das schlecht? Habe ich eine Meinung? Nicht so wirklich, wie die meisten der 44 Teilnehmer der Umfrage. Es gilt immer „Tanze als wenn Dir keiner zusieht„. Wobei am Rand des Dancefloors der Geist von Rozalia Luksenburg steht und sagt „Freiheit ist immer ….„. Was sich auch auf Bewegungsfreiheit anwenden läßt. Und da sollte man im Club tanzen, nicht moshen. Okay, vielleicht temporär und mit Rücksicht.Aber wer bin ich, solche Vorschriften zu machen?

Ich bin der DJ. Der Regisseur. Der Dirigent. Der Weichensteller. Ich geb vor … ein Alchimist. Wenn es zuviel brodelt, werfe ich einen Downer in den Kessel. Die Erfahrung spart mir das Kochbuch Ich werde nicht mein DJ-Setup verkaufen, um als Bassist in eine Dubband einzusteigen. Oder doch? Wenn die Moshpits zunehmen schon. Dagegen habe ich ja aber meinen inneren Kompass, der sich an tanzenden Mädchen orientiert. Den norde ich heute nacht neu auf einer Party mit „Wobble Swing“. Because .. its friday.

In diesem Sinne
schönes Wochenende
Ole

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