Detroit: City of the future, Motor City, Techno City. Die Stadt am Lake St. Claire hat eine beispiellose Geschichte der Extreme hinter sich. Aufbau trifft auf Zerfall, Utopie auf Dystopie und technologischer Fortschritt und kulturelle Entwicklungen auf tiefe soziale und gesellschaftliche Krisen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zur Metropole. Angekurbelt durch die Automobilindustrie wurde Detroit zu einem Wahrzeichen der modernen amerikanischen Wirtschaft, die Stadt wurde zu dem großen Versprechen einer utopischen Arbeitswelt und zum Symbol der Zukunft. Der Niedergang der Industrie, steigende Armut, Rassismus und ein soziales Ungleichgewicht kulminierten 1967 in tagelangen Straßenschlachten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt galt Detroit als gescheitert. Massenweiße verließen Bewohner die Stadt, und die verlassenen Gebäude und Ruinen prägen bis heute einen Teil des Stadtbilds. Doch trotz all der Krisen war und ist Detroit eine kulturelle Hochburg: Neben zahlreichen Jazz-KünstlerInnen, dem legendären Label Motown, ist Detroit besonders auch die Geburtsstätte des Technos. Ende der 1980er Jahre traf dort der elektronische Sound Europas auf die Afroamerikanische Community Detroits. Das Resultat war ein Zusammenspiel aus Afrofuturismus, Kraftwerk, Elektropop, Funk und vor allem dem Geiste Detroits zwischen gelebter Dystopie und dem einstigen Pioniergedanken der Stadt. Wir schauen uns einige essentielle Tracks an:

Cybotron - Techno City

Juan Atkins und Richard Davis aka Cybotron gehören zu den Mitbegründern des Genres Techno. Anfang der 80er machten sie mit 'Alleys of Your Mind' auf sich aufmerksam. Ihr Sound bezieht sich noch sehr stark auf europäischen Elektropop und den späten Funk. 1984 erschien dann 'Techno City', dessen ikonische Vocals und leiernde Synthies eine neue musikalische Ära in Detroit einläuteten.

 

Robert Hood - Detroit: One Circle

Robert Hood begann seine Karriere Anfang der 90er Jahre. Sein Sound zeichnete sich durch eine starke Reduktion aus, weswegen er heute als einer der Mitbegründer des Minimal Technos gilt. Gleichzeitig bezieht sich Hood immer wieder auf Soul- und Jazz-Elemente, die vor allem unter seinem Pseudonym Floorplan stark in den Vordergrund rücken.

 

DJ Rolando - The Jaguar

Kurz vor der Jahrtausendwende veröffentlichte DJ Rolando als The Aztec Mystic seinen Track 'Knights of the Jaguar' (kurz: Jaguar). Der Track wurde schnell zu einem weltweiten Erfolg und ist nach wie vor einer der ganz großen Klassiker des Detroit Technos.

 

Octave One - Black Water

Eine der Hymnen überhaupt, wenn es um Detroit Techno oder um Techno generell geht: Die Melodie und Ann Saundersons Vocals sind ein absoluter Ohrwurm. Octave One erinnert hier weniger an den rohen Sound vieler Detroit-Produktionen, sondern orientiert sich mehr am House. In seiner ursprünglichen Version hieß der Track noch 'Untold' und auch die Vocals und Streicher wurden in dieser Form erst später eingefügt. Ein absolut zeitloser Klassiker, der auch heute noch frisch klingt.

 

Jeff Mills - The Bells

Wenn man eine Umfrage starten würde, mit welchem Track man Detroit Techno verbinden würde, es wäre wahrscheinlich mit einer großen Mehrheit 'The Bells' von Jeff Mills. Der Track ist sowohl ein Blick in die Zukunft als auch repräsentativ für das Abbild Detroits. Rough, technoid, dystopisch.

 

Rhythim Is Rhythim - Strings of Life

Hinter Rhythim is Rhythim steckt mit Derrick May einer der Mitbegründer des Detroit Technos. 1987 veröffentlicht, gehört 'Strings of Life' noch immer zum Standard-Repertoire vieler House- und Techno-DJs und wurde von zahlreichen Künstlern geremixt. Anfang 2000 erreichte der Track noch einmal ein großes Publikum durch das Spiel 'Midnight Club: Street Racing'.

 

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