Jahresrückblick 2014

Jahresrückblick 2014

Archiv 29. Dezember 2014

Zum Ausklang des Jahres sind Rückschauen en vogue. Grund für mich die vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen. Damen und Herren … Eindrücke, Highlights, Seltsames und Ausgebliebenes aus meiner Sicht.

Fangen wir mit den Toten an, auch wenn noch kein Kreuz auf dem Grab ist. Mit ECLER und VESTAX haben zwei langjährig innovative Firmen hinwerfen müssen. Gerüchten zufolge besteht minimale Hoffnung, dass es weitergeht. Im Fall ECLER vermutlich weniger im DJ-Bereich, bei VESTAX könnte der Name einen Käufer aus der Branche finden.

Pioneer PLX 1000 Turntable

Was uns zu PIONEER führt. Deren DJ Sparte wechselte für etwas über eine halbe Milliarde ins Portofolio einer Investmentfirma. Heuschreckenalarm auf Planet DJ. Negative Auswirkungen sind bisher nicht zu spüren. Im Gegenteil. PIONEER legte im vergangenen Jahr ordentlich vor. Unverkennbar wurde die Kooperation mit SERATO ausgebaut, was sich unter anderem in einem Traumschiff von Controller, namens DDJ-SZ, niederschlug. Dann trat mit dem PLX-1000 ein Plattenspieler an den TECHNICS 12×0 zu beerben. Und mit KUVO setzt PIONEER zukünftig auf Vernetzung. Was mich zum Titel „Die DJ-NSA“ hinriss.

TRAKTOR Kontrol S8

Der Promocoup des Jahres gelang NATIVE INSTRUMENTS. Deren neuer KONTROL S8 wurde vorab heiß diskutiert, nach Erscheinen klang die Euphorie aber irgendwie ab. Live Remixing kommt dann wohl doch erst 2015. Oder ist die Thematik zu komplex für Dirk Deejaymann? Ein Frage die ebenso offen bleibt, wie die, ob sich Displays an der Hardware durchsetzen werden, wenn gleichzeitig zwingend ein Rechner angeschlossen sein muss. NUMARK NV schielt in eine ähnliche Richtung, MASCHINE sowieso. Um letztere wurde es auch ziemlich ruhig, dafür brachte NATIVE mit der KOMPLETE KONTROL-S Serie eigene Tasteninstrumente auf den Markt. Inklusive Navigationslichtern und softwareseitiger Unterstützung, die selbst Dilettanten perfekte Akkorde spielen lässt. Womit auch „echte Musiker“ ihre Sync-Button Diskussion haben.

Ganz neu ist „Musizieren für Dummys“ nicht, ABLETON hat es mit dem PUSH bereits vorgemacht. LIVE 10 steht noch aus und mit BITWIG schob sich nach Jahren der Ankündigung tatsächlich ein „besseres Ableton“ auf den Schirm. Oder sogar zwei Schirme, da Dual-Monitor fähig. Wobei abzuwarten bleibt, ob die Vorschußlorbeeren berechtigt sind. Da hat „das Original“ wenigsten acht Versionen Vorsprung.

Apropos Versionen: Bei der Hardware gab es einige Hochstufungen. APC40 MK2, Launchpad XL, DDJ-SX MK2 und so weiter und so fort. Marketingmerksatz: Wenn Du merkst der Umsatz läuft langsam aus, bring umgehend ein Mark Two heraus. Oder lass Produkte auslaufen, was SERATO und RANE mit SCRATCH LIVE und SL1 / SM57 exerzieren. „Bis 2015“ gibt es noch Support. Egal ob das den 1.Januar oder den 31.Dezember 2015 als Stichtag hat – der einzige Ausweg heisst SERATO DJ.

Ein Revival erleben derzeit Synthesizer und Drumcomputer im klassischen Sinn. So richtige Hardware, zum Anfassen – aus der direkt ein Klang rauskommt. Prominente Beispiele sind die Aira-Serie von ROLAND oder die Desktop-Synth von WALDORF. Mit dem „Streichfett“ haben die Remagener auf jeden Fall den Titel in der Rubrik „Produktname des Jahres“ sicher.

Boiler Room

Musikalisch war auch 2014 der Drops noch immer nicht gelutscht … besser der Drop. Soundtechnisches Gemeter und Gehacke sollte scheinbar das aufholen, was unter Minimal weggelassen wurde. Regen trifft Traufe. Dubstep verliert gegen Trap. Anteilig findet sich beides nun in „Black Music Clubs“, die sich wiederum nur hierzulande finden lassen. Ansonsten wenig neue Wege auf der Landkarte der Musik. Mein kleines Highlight: CHANCHA VIA CIRUITO, live im Boiler Room.  Auch in Buenos Aires sieht es aus wie überall. Kauzige Hippster, retrohässliche Entlein, grobmotorische Diskjockeys und Chicas wie aus Klischeebuch des Grauens haben Freude … am sich zeigen. Musik? Ähhh, wa? Schön dokumentiert unter BRKWYDLN.

Was gab es sonst noch? Das iPad und seine Verwandten beherrschen den Alltag, selbst Android-Endgeräte holen auf. Aber in der DJ-Welt steht der Siegeszug noch aus. Immerhin offerieren Apps wie DJAY oder PACEMAKER eine Spotify Anbindung. Auflegen mit Musik aus der Cloud. Millionen von Songs, alles unendlich und immer verfügbar. Dudelt selbst auf Autopilot. 2015 soll übrigens BEATPORT zum Streaming Dienst ausgebaut werden. Vermutlich erleben wir zur Musikmesse jeden Menge Soft- und Hardware mit einer „kabellosen Leitung“ dahin.

Soundcloud vs Hearthis

Musik und Cloud = SOUNDCLOUD. Lange Jahre Vorreiter und beliebte Plattform, gerade für DJs, gab es im ausklingenden Jahr einiges an Mißverständnissen und daraus resultierenden Ärger. Sowie mit HEARTHIS eine Alternative, die ebend dadurch massiv hinzugewonnen haben dürfte. Merkwürdig still blieb es hingegen beim Thema GEMA. Tarif VRÖ, der Aufreger im Vorjahr, erinnert sich noch jemand?

Der Gewinner im ausklingenden 2014 ist mal wieder die Schallplatte. Das gute, alte Vinyl verzeichnet Zuwächse im Verkauf. Klingt super, ist super. Aber! Ein Mann hatte 32 Zähne. Ein stolzes Gebiss – gerade gewachsen und strahlend weiß. Leider fielen 30 Zähne aus. Nach einigen Jahren bekam der Mann drei neue Zähne und das Fachmagazin „Der Dentist“ schrieb „Hurra! Mann hat wieder mehr Zähne“. Der Mann lächelte – weil: klingt super, ist super. Er wußte aber auch, bis zum vollen Gebiss dauert es noch lange und natürliche weiße Zähne, wie früher einmal, wird er nie wieder haben. Trotzdem: Alles Gute dem Vinyl, auch im neuen Jahr. Und alles Gute auch Euch – geschätze Leser dieses Blogs.  Kommt gut rein und auf ein Neues im nächsten Jahr.

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