Dass Techno einst als die Musik der Zukunft gehandelt wurde, zeigt schon alleine die Anfangsphase: Computer und Robotik waren in der sich rasend schnell technologisierenden Welt Ende der Achtziger Jahre eine Zukunftsvision, die sich langsam bereits im Alltag der Menschen realisierte und gleichzeitig einen Ausblick in eine ferne, noch unbekannte Welt ermöglichte. Das ganze Genre baute auf den in dieser Zeit entwickelten Musikinstrumenten auf, die erstmals überwiegend elektronischer Natur und damit innovativ und in ihrem Klang völlig neu waren. Die Richtung war klar: Es geht nach vorne, utopisch, dystopisch, Zukunft.

Für jüngere Generationen (mir inklusive) ist es schwer vorstellbar, wie groß der Impact des Genres und der neuen instrumentellen Möglichkeiten damals gewesen sein muss, wie sehr sich der Sound von Techno und House zu allem was vorher gewesen ist unterschied. Einer, der bei den Ursprüngen jedoch hautnah dabei war, ist Laurent Garnier. Die französische Techno-Legende hat seit den Anfangstagen so ziemlich jedes (Sub-)Genre der elektronischen Musik miterlebt, nicht erst seit seinem erfolgreichen Buch 'Elektroschock: die Geschichte der elektronischen Tanzmusik' gilt der Künstler als wandelnde Enzyklopädie.

In einem bei XLR8R erschienenen Feature versucht Garnier nun sehr lesenswert den Status Quo von elektronischer Musik einzufangen und ihn gegen seine Erfahrungen mit der Szene zu projizieren. Das Ergebnis fällt dabei nüchtern aus: Techno und Co. würden sich im Kreise drehen, die Innovationskraft und futuristische Ausstrahlung des Genres sei abhanden gekommen. Besonders deutlich spüre er diese Entwicklung bei neu erscheinenden Tracks, die für ihn zwar nach Zukunft klingen, ihn gleichzeitig in der Machart aber auch an frühe Platten von Jeff Mills oder Derrick May erinnern würden, ein sicheres Zeichen für einsetzende Wiederholung. Auch die momentan starke Tendenz zum Retro, seien es nun rückwärtsgewandte Lo-Fi Tracks oder Vinyl-Puristen die sich dem technologischen Fortschritt verweigern, sprechen für ein Abebben des 'Vorwärts'-Gedanken.

Gleichzeitig vermutet die französische Techno-Legende aber auch ein Fehlen von gesellschaftlichen Triebkräften zur Innovation:  Viele Kämpfe denen sich elektronische Musik verschrieben hatte, wurde in den letzte Jahrzehnten "gewonnen", für neuartige (Techno-)Musik bräuchte es auch ein entschlossenes Angehen sozialer Konflikte, die Musik solle wieder mehr zum Statement, statt zum Entertainment werden. Alles in Einem also eine Menge Themen die hier durchgespielt werden. Doch wenn einer so weit ausholen und eine generalisierte Bestandsaufnahme von Techno machen darf, dann wohl Laurent Garnier.

Hier geht es zum Artikel 'Real Talk: Laurent Garnier'.

 

 

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