Review: fabric presents Bonobo [fabric Records]

Review: fabric presents Bonobo [fabric Records]

Features 24. Februar 2019

Es ist doch immer noch schön zu sehen. Bei allen Trends und Veränderungen, die die House- und Techno-Szene immer wieder neu durchmischen, bleibt die vielleicht wichtigste Kernkompetenz eine Konstante: die Fähigkeit, aus zusammenhanglosen Tracks einen homogenen Mix kreieren zu können. Londons vermutlich ikonischster Club Fabric ist für DJs dieser Art seit nunmehr 20 Jahren eine feste Adresse. Über das angeschlossene Label wuchsen seit 2001 mit 'fabric' und 'FABRICLIVE' zwei Mix-Reihen als veritable Instanzen heran. Beide erreichten 2018 ihre jeweils 100. Ausgabe. Noch im Januar kursierten wegen der kurzzeitigen Löschung aller Social-Media- und Internet-Auftritte zeitweise Gerüchte einer erneuten Schließung des Clubs. Diesmal schien aber alles geplant. Fabric ist zurück mit der neuen Mix-Serie 'fabric presents'.

Die Idee: Vierteljährlich ein neues Set veröffentlichen, das gleichzeitig Zukunft, Gegenwart und das bisherige Standing der Marke Fabric repräsentieren soll. Um dem neuen Namen von Beginn an den nötigen Push zu verleihen, wurde kein geringerer als Multiinstrumentalist und DJ Bonobo verpflichtet. Selbiger ging in dem Club nahe der Themse seit der Gründung immer wieder ein und aus, verewigte sich seltsamerweise jedoch nie offiziell auf einem entsprechenden Fabric-Mix. Mit Release Nummer 201 erledigt sich das nun. Der Brite hat dafür 22 Tracks gesammelt, einschließlich drei eigener Stücke, wovon zwei bis hierhin unveröffentlicht waren.

So beginnt die über eine Stunde lange Session mit dem belebend-aktivierenden Track 'Flicker', der auf wenige Minuten heruntergekocht vorausschickt, wie textur- und facettenreich Bonobo im Folgenden House, Breakbeat und Verwandtes ineinander verwebt. Das zweite Stück 'Boston Common' ließ sich bereits auf der D-Seite des letzten Albums 'Migration' finden, fühlt sich jedoch noch aktuell an, auch weil es nahtlos in ein Samba-lastiges Exclusive von Poté übergeht. Die Energie trägt sich von Beginn an unbemüht und spielerisch von Track zu Track. Ein kaum zweiminütiger Schnipsel von Kassians 'Hidden Tropics' läuft in 'Nia', ein alter B-Seiten-Track von me aus dem Jahr 2004.

Vorbereitet von dem orientalisch anmutenden Exclusive 'Cold Harbour', erhebt Bonobos dritter Beitrag 'Ibrik' die omnipräsente Energie vorübergehend in kraftschöpfende Spiritualität. Wechselnd zwischen einer einfachen Vierviertel-Bassline und von leicht zeremoniellen Vocals überlagert, zeigt sich abermals Bonobos Erfolgsformel, vermeintlich unbekannte Klänge rhythmisch familiär wirken zu lassen. Ein kleiner stilistischer Bruch entsteht durch das Tribal-Ungetüm 'TKOTN' von O'Flynn, das an dieser Stelle zunächst etwas den Fluss unterbricht, sich implizit aber als Trennelement zwischen den beiden Hälften des Sets lesen lässt.

Wahnsinnig gut auch, wenn Titeknots 'Buzzard Walk' in einem kurzen Neo-Soul-Anflug von Dan Kye endet. Kye wohlgemerkt, ist das kaum beachtete Deep-House-Alter-Ego von Neuseeländer Jordan Rakei. Bonobo selbst gräbt ebenfalls auf alten Festplatten und findet einen alten unveröffentlichten Track aus seiner Breakbeat-Zeit, als er unter dem Pseudonym Barakas noch über Tru Thoughts veröffentlichte und weniger organisch klang. Etwas random ist, wenn Laurent Garnier danach in Rones 'Mirapolis' Formel-1-Geräusche vorbeirasen lässt. Wer erinnert sich noch an DJ Visage? 😉

Zuletzt fallen noch Nepa Allstars Broken-Beat-Klassiker 'The Way' und ein bislang unbekannter DJ Seinfeld Track angenehm auf. 'Stargard' reduziert die Stimmung der zweiten Hälfte vom Mix auf wenige Momente und fängt diese perfekt ein. Als Closer wählt Bonobo ein Ambient-Techno-Stück von John Beltrans zweitem Album 'Ten Days Of Blue'. Auffallend ist, wie Bonobos Erfahrung als DJ hier den Unterschied macht. Seine erste 12-Inch 'Scuba EP' erschien, als Fabric die Pforten öffnete. Man scheint bei der Fülle an unterschiedlichen Einflüssen nach dem Hören geschlaucht, erinnert jedoch dann, dass dabei ausschließlich Glücksgefühle getriggert wurden.

'fabric presents Bonobo' erscheint am 22. Februar auf fabric Records.

0 Kommentare zu "Review: fabric presents Bonobo [fabric Records]"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.