Review: FJAAK – FJAAK The System [FJAAK]

Review: FJAAK – FJAAK The System [FJAAK]

Features. 14. Mai 2024 | 3,3 / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

Ich weiß nicht, wie es euch bei dem Titel so geht, ich denke bei "Fjaak The System" jedenfalls an zwölfjährige Vaporizer-Kids, die an der Bushaltestelle rumlungern und auf ihrem Sony-Ericsson-Klapphandy die neue Scooter-Single zu Strawberry-Banana pumpen, während sie mit schwarzem Edding unanständige Dinge wie "Scheiß Steuererklärung" auf die Sitzbank schmieren. Nicht die allerschlechteste Vorstellung, finde ich. Aber doch auch ein bisschen dünnschissig, wenn man die neue Fjaak, also die erste richtige Platte der Spandauer Böllerbrüder nach sechs Jahren, besprechen soll.

Wobei: Besprechen sollten wir den Antisemitismus in der sogenannten Clubkultur, aber keine Fjaak-Platte. Die muss man schon hören, am besten laut – dafür ist dieser Techno bitteschön gemacht. Und zwar ohne diesen hinterköpflerischen Promo-Bullshit, wo es dann frei nach Thomas Gottschalk heißt: Diese Platte FUNKTIONIERT auf der Couch genauso so gut wie im Club. Na ja, entscheide dich! Und entscheide dich weise, denn: Wer beide Pillen futtert, hat nicht die beste beider Welten, sondern einfach nur eine sehr mühsame REISE vor sich.

Außer man kifft viel, das heißt nach lauterbachscher Definition: maximal so viel, dass man das Zeug noch in zwei Müllsäcken über die Grenze tragen kann. So kann diese Platte dann schon eine schöne Sache sein, weil man zwischen dritten und zweiundsiebzigsten Breakbeat, die – bum tschäng bung dickidicki – Bodenhaftung verliert. Komm schon, werden manche sagen, du kannst das alles doch nicht nur auf den krautigen Konsum reduzieren! Und wie immer habt ihr recht! Das wäre nichts anderes als ein handfester Topfen, den sich Samba-Schuh-tragende Indie-find-ich-immer-noch-richtig-klasse-Musikjournalisten aus der TAZ einfallen lassen. Deshalb vergessen wir das gleich wieder und machen jetzt auf "Fjaak The System", ok, Bro?

Schließlich wird uns hier ja allen Ernstes eine "sonische Reise" zu einem "special place" versprochen. Das dürfte angesichts der Reiseleiter ein lustiges Unterfangen werden. Denkt man sich in der Broschüre blätternd und bucht den Bums. Klingt ja doch zu gut: 23 Tracks, von den frühen 90ern in die 2000er und mehrere Tagestouren in die Gegenwart, bevor es dann LEIDER, LEIDER wieder zurückgeht. Wohin genau? Keine Ahnung. Aber hoffentlich haben die noch was von dem Zeug, das sie am Anfang ausgeteilt haben – kannst du mal oben fragen, Regina?

Ich will diese Platte wirklich ernst nehmen und gut finden und sagen, ja, wow, was für ein Album, hast du die schon gehört! Aber ich kann das nur so semi, weil da zwar alles drinsteckt, also wirklich: ALLES drinsteckt, was eine sehr gute Techno-Platte ausmachen könnte. Das Problem ist: Ich kann mich mit dem nächsten Song schon nicht mehr dran erinnern, was in dem davor passiert ist. Und wir reden hier von TECHNO. Ob man das als Stärke oder Schwäche auslegt, ist wahrscheinlich EINSTELLUNGSSACHE, also eine: Frage des businesspunkigen Mindsets. Aber dann kann man auch gleich Scooter auf dem Sony Ericsson ballern, oder?

'FJAAK The System' von FJAAK erschien am 14.05.2024 via Spandau20.

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